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Chlamydien-, Mykoplasmen- und Ureaplasmen-Schleimhautinfektionen

Von

Sheldon R. Morris

, MD, MPH, University of California San Diego

Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Nichtgonorrhoische sexuell übertragbare Infektionen wie z. B. Urethritis, Zervizitis, Proktitis und Pharyngitis werden überwiegend durch Chlamydien, seltener durch Mykoplasmen oder Ureaplasma sp hervorgerufen. Chlamydien können auch eine Salpingitis, Epididymitis, Perihepatitis, neonatale Konjunktivitis und Neugeborenenpneumonie hervorrufen. Eine nichtbehandelte Chlamydiensalpingitis kann chronifizieren und trotz minimaler Symptomatik schwerwiegende Folgen haben. Die Diagnose erfolgt über Kultur, Antigennachweis durch Immunoassay oder Testungen, die auf Nukleidsäure basieren. Die Therapie erfolgt mit einer Einzeldosis Azithromycin oder einer Woche Ofloxacin, Levofloxacin, Erythromycin oder einem Tetracyclin.

Mehrere Erreger können nichtgonorrhoische sexuell übertragbare Zervizitis bei Frauen und Urethritis, Proktitis und Pharyngitis bei beiden Geschlechtern hervorrufen. Diese Organismen sind

Der ungenaue Begriff "unspezifische Urethritis" kann verwendet werden, aber nur, wenn Tests auf Chlamydien und Gonokokken negativ sind und kein anderer Erreger identifiziert wird.

Symptome und Beschwerden

Bei Männern kommt es nach einer 7- bis 28-tägigen Inkubationszeit zu einer symptomatischen Urethritis, meist beginnend mit einer leichten Dysurie, Harnröhrenbeschwerden und einem klaren bis mukopurulenten Ausfluss. Der Ausfluss kann nur schwach, und die Beschwerden können nur gering sein, sind aber häufig am frühen Morgen ausgeprägter. Zu diesem Zeitpunkt ist die Harnröhrenöffnung oft gerötet und durch getrocknete Sekrete verschlossen, die auch zu Verfärbungen der Unterwäsche führen können. Gelegentlich ist der Beginn akuter und schwerer, mit einer schweren Dysurie und reichlich eitrigem Ausfluss, was zu Verwechslungen mit einer Gonokokkenurethritis führen kann. Eine Infektion kann aszendierend zu einer Epididymitis fortschreiten. Nach rektalem oder orogenitalen Kontakt mit einer infizierten Person, können sich Proktitis oder Pharyngitis entwickeln.

Bei Frauen verlaufen die Infektionen meist asymptomatisch, obwohl es auch zu vaginalem Ausfluss, Dysurie, Pollakisurie, pelvinen Beschwerden, Dyspareunie sowie zu Symptomen einer Urethritis kommen kann. Charakteristischerweise kommt es zu einer Zervizitis mit gelblichem, mukopurulentem Exsudat und einer zervikalen Ektopie (Ausdehnung des roten endozervikalen Epithels auf die vaginalen Zervixoberflächen). Entzündliche Erkrankungen des Beckens Pelvic Inflammatory Disease (PID) Die entzündliche Erkrankung des Beckens (PID) ist eine polymikrobielle Infektion des oberen weiblichen Genitaltraktes: Gebärmutterhals, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke; Abszesse können... Erfahren Sie mehr (PID; Salpingitis und pelvine Peritonitis) können Beschwerden im Unterbauch (typischerweise bilateral) hervorrufen mit einer gesteigerten Druckempfindlichkeit bei der Palpation des Abdomens der Andnexe und der Zervix. Zu den Langzeitfolgen von PID gehören ektopische Schwangerschaft und Unfruchtbarkeit. Ein Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom (Perihepatitis) kann zu Schmerzen im rechten oberen Quadranten, Fieber und Erbrechen führen.

Bilder von Chlamydien-reaktiver Arthritis

Diagnose

  • Nukleinsäure-basierte Tests von zervikalen, urethralen, pharyngealen oder rektalen Exudaten oder Urin

Eine Chlamydien-, Mykoplasmen- oder Ureaplasmeninfektion wird bei Patienten mit Symptomen einer Urethritis, Salpingitis, Zervizitis oder nicht anders erklärbarer Proktitis vermutet, aber ähnliche Beschwerden können auch durch eine Gonokokkeninfektion entstehen.

Wenn klinische Beweise für Urethritis ungewiss sind, legen die 2015 STDs Treatment Guidelines des Center for Disease Control and Prevention fest, dass Urethritis durch einen der folgenden Punkte dokumentiert werden kann:

  • Schleimigre, schleimig-eitriger oder eitriger Ausfluss, der während der Untersuchung beobachtet wird

  • ≥ 10 Leukozyten pro Feld mit hoher Leistung in "spun" Morgenurin

  • Ein positiver Leukozytenesteraseaktivitätstest am Morgenurin

  • ≥ 2 Leukozyten pro Ölimmersionsfeld in Gram-gefärbtem Harnröhrensekret

Stichproben aus zervikalen oder vaginalen Proben oder männlichen urethralen oder rektalen Exudaten werden auf Chlamydien getestet. Urinproben können als Alternative zu den zervikalen oder urethralen Proben verwendet werden. Hals- und Rektalabstriche sind nötig, um zu testen, ob an dieser Stelle eine Infektion vorliegt.

Im Handel erhältliche Nukleinsäuretests (NAT) für Chlamydien-DNA können aus nativen oder erweiterten Proben durchgeführt werden, indem eines von mehreren Nukleinsäureamplifikationsverfahren verwendet wird. Die Tests werden in der Regel mit tief eingeführten Abstrichproben durchgeführt, aber die Nukleidsäure-Amplifikationstests (NAAT) sind sehr sensitiv und spezifisch und können auch mit Urin durchgeführt werden, wodurch der unangenehme Abstrich der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses vermieden wird. Im allgemeinen sollten Proben aus der Kehle und dem Rektum nur in Laboratorien untersucht werden, die die Verwendung dieser Tests für diese anatomischen Stellen verifiziert haben. Amplifikationstechniken sollten routinemäßig zum Screening und zur Diagnose bei Patienten mit hohem Risiko (z. B. ungeschützter Sex mit neuen oder mehreren Partnern, zurückliegende sexuell übertragbare Krankheiten [STD], Sex im Austausch für Drogen oder Geld) verwendet werden.

Weil andere sexuell übertragbare Krankheiten (insbesondere Gonokokkeninfektion) oft gleichzeitig auftreten, sollten Patienen, die eine symptomatische Urethritis haben auch auf Gonorrhö getestet werden. Tests auf andere STDs, einschließlich serologische Tests auf Syphilis und HIV, sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Der routinemäßige Nachweis von Mykoplasmen und Ureaplasma Spezies ist derzeit noch nicht etabliert; einige kommerzielle NAAT-Analysen werden derzeit für Mykoplasma entwickelt, werden aber nicht weit verbreitet verfügbar sein.

In Deutschland besteht eine nicht namentliche Meldepflicht für den Nachweis einer behandlungspflichtigen Syphilis an das Gesundheitsamt.

Screening-Verfahren

Die Untersuchung von Urin oder selbst gesammelten Vaginalabstrichen mit NAAT ist besonders nützlich, um asymptomatische Menschen mit hohem STD-Risiko zu testen, da eine Genitaluntersuchung nicht erforderlich ist. Die Empfehlungen für das Screening variieren je nach Geschlecht, Alter, sexuellen Praktiken und Umständen.

Nicht schwangere Frauen (darunter auch Frauen, die Sex mit Frauen haben) werden jährlich gescreent, falls sie

  • Sexuell aktiv sind und ≤ 25

  • Eine Anamnese einer vorangegangenen sexuell übertragbaren Krankheit haben

  • Verhalten mit hohem Risiko durchführen (z. B. einen neuen Sexpartner oder mehrere Sexpartner haben, Sexarbeit durchführen, Kondome inkonsequent benutzen)

  • Einen Partner haben, der Verhalten mit hohem Risiko durchführt

Schwangere Frauen werden während ihrer ersten Vorsorgeuntersuchung gescreent; diejenigen, die < 25 sind, oder mit Risikofaktoren werden im 3. Trimester erneut gescreent.

Heterosexuell aktive Männer werden nicht routinemäßig gescreent mit Ausnahme von denjenigen, die sich in Umständen mit einer hohen Prävalenz von Chlamydien-Infektionen befinden, einschließlich denjenigen mit vielen Sexualpartnern, Patienten in Kliniken für Jugendliche oder sexuell übertragbare Krankheiten und Männern in Justizvollzugsanstalten.

Männer, die Sex mit Männern haben, werden mindestens jährlich gescreent, wenn sie innerhalb des letzten Jahres sexuell aktiv gewesen sind (bei insertivem Verkehr Urin-Screening; bei rezeptivem Verkehr rektale Tupfer; und bei Oralverkehr Rachenabstrich). Personen mit einer HIV-Infektion, Personen mit mehreren Sexualpartnern oder Personen, deren Partner mehrere Partner hat, sollten häufiger, im Abstand von 3 bis 6 Monaten, untersucht werden.

(Siehe auch "the US Preventive Services Task Force summary of recommendations regarding screening for chlamydial infection".)

Therapie

  • Orale Antibiotika (bevorzugt Azithromycin)

  • Empirische Behandlung für Gonorrhö, wenn sie nicht ausgeschlossen wurde

  • Behandlung der Sexualpartner

Unkomplizierte dokumentierte oder vermutete Chlamydien-, Ureaplasmal- oder Mykoplasmeninfektionen werden mit einem der folgenden behandelt:

  • Eine Einzeldosis Azithromycin 1 g oral

  • Doxycyclin 100 mg oral 2-mal täglich für 7 Tage

  • Erythromycin als Basis 500 mg oral oder als Ethylsuccinat 800 mg 4-mal täglich über 7 Tage

  • Ofloxacin 300 mg oral 2-mal täglich für 7 Tage

  • Levofloxacin 500 mg 1-mal täglich oral für 7 Tage

Azithromycin (als Einzeldosis verabreicht) wird Medikamenten vorgezogen, die mehrere Dosen über 7 Tage benötigen, obwohl es einige Hinweise darauf gibt, dass Doxycyclin bei rektalen Chlamydien vorzuziehen ist (1 Behandlungshinweise Nichtgonorrhoische sexuell übertragbare Infektionen wie z. B. Urethritis, Zervizitis, Proktitis und Pharyngitis werden überwiegend durch Chlamydien, seltener durch Mykoplasmen oder Ureaplasma... Erfahren Sie mehr  Behandlungshinweise ).

Bei schwangeren Frauen sollte Azithromycin 1 g oral einmalig verabreicht werden.

Diese Therapieregime therapieren nicht zuverlässig Gonorrhö, die bei vielen Patienten mit Chlamydieninfektionen koexistiert. Daher sollte die Behandlung eine Einzeldosis von Ceftriaxon 250 mg i.m. enthalten, wenn Gonorrhö nicht ausgeschlossen wurde.

Kommt es zu einem Rezidiv (ca. 10% der Fälle), sind die Patienten entweder mit Erregern koinfiziert, die nicht auf eine chlamydienwirksame Therapie ansprechen, oder sie wurden seit der Behandlung erneut infiziert.

Sie sollten nochmals auf Chlamydieninfektion und Gonorrhö und, wenn möglich, auf Trichomoniasis getestet werden. Sie sollten mit Azithromycin behandelt werden, sei denn sie wurden schon zuvor damit behandelt. Wenn Azithromycin unwirksam war, sollte Moxifloxacin (wirksam gegen Azithromycin-resistente Mycoplasma- oder Ureaplasma-Spezies) versucht werden. In Gebieten, in denen Trichomoniasis weit verbreitet ist, wird eine empirische Behandlung mit Metronidazol empfohlen, es sei denn, Polymerase-Kettenreaktion-Patienten sind negativ für Trichomoniasis.

Aktuelle Sexualpartner sollten behandelt werden. Patienten sollten auf Geschlechtsverkehr verzichten bis sie und ihre Partner für ≥ 1 Woche behandelt wurden.

Wenn Chlamydieninfektionen nicht behandelt werden, verschwinden die Symptome und Beschwerden bei zwei Drittel der Patienten innerhalb von 4 Wochen wieder. Bei Frauen jedoch können asymptomatische zervikale Infektionen persistieren und zu einer chronischen Endometritis, Salpingitis oder pelvinen Peritonitis sowie deren Folgeerscheinungen – Beckenbeschwerden, Infertilität und erhöhtes Risiko für ektope Schwangerschaften – führen. Da Chlamydieninfektionen schwerwiegende langfristige Folgen für Frauen haben können, auch wenn die Symptome schwach oder nicht vorhanden sind, ist die Diagnose der Infektion bei Frauen sowie ihre Behandlung und die ihrer Sexualpartner entscheidend.

Behandlungshinweise

  • 1. Kong FYS, Tabrizi SN, Fairley CK, et al: The efficacy of azithromycin and doxycycline for the treatment of rectal chlamydia infection: a systematic review and meta-analysis. J Antimicrob Chemother 70: 1290–1297, 2015. doi: 10.1093/jac/dku574.

Wichtige Punkte

  • Sexuell erworbene Chlamydien-, Mykoplasmen- und Ureaplasmal-Infektionen können Harnröhre, Zervix, Adnexe, Rachen oder Rektum betreffen.

  • Zur Diagnose werden Nukleinsäureamplifikationtests verwendet.

  • Es wird auch auf Koinfektion mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten getestet, einschließlich Gonorrhö, Syphilis und HIV-Infektion.

  • Asymptomatische Patienten mit hohem Risiko werden auf Chlamydien-Infektionen gescreent.

  • Eine antibiotische Therapie, die auch Gonorrhö behandelt, wird genutzt, sofern diese nicht ausgeschlossen wurde.

Weitere Informationen

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