Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Medikamente gegen Hypertonie

Von

George L. Bakris

, MD, University of Chicago School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Eine Reihe von Medikamentenklassen ist effektiv für die anfängliche und weiterlaufende Behandlung der Hypertonie. Zur Medikamentenauswahl und Gebrauch bei der Behandlung stabiler Hypertonie, Übersicht zu Hypertonie : Medikamente. Zur medikamentösen Behandlung hypertensiver Notfälle, siehe Tabelle: Parenterale Medikamente in hypertensiven Notfällen.

(Siehe auch Übersicht zu Hypertonie.)

Diuretika

Hauptklassen von Diuretika für Hypertonie (siehe Tabelle: Orale Diuretika gegen Hypertonie) sind

  • Thiazid-artige Diuretika

  • Schleifendiuretika

  • Kaliumarme Diuretika

Diuretika reduzieren das Plasmavolumen moderat und sie reduzieren den Gefäßwiderstand, möglicherweise über eine Natriumverschiebung von intrazellulär nach extrazellulär.

Thiazid-artige Diuretika werden am häufigsten verwendet. Zusätzlich zu anderen antihypertensiven Wirkungen verursachen sie geringe Vasodilatation, sofern das intravaskuläre Volumen normal ist. In äquivalenten Dosen sind alle Thiazide auf gleiche Weise wirksam. Thiazid-artige Diuretika haben jedoch längere Halbwertszeiten und sind bei gleicher Dosis relativ gesehen wirksamer. Thiazid-Typ-Diuretika können das Serumcholesterin leicht erhöhen (hauptsächlich das LDL-Cholesterin) und auch Triglyceridspiegel steigern, obwohl diese Wirkung nicht länger als > 1 Jahr anhalten könnte. Darüber hinaus scheinen sich die Spiegel nur bei wenigen Patienten zu erhöhen. Der Anstieg ist innerhalb von 4 Behandlungswochen ersichtlich und kann durch eine fettarme Ernährung verbessert werden. Die Möglichkeit eines leichten Anstiegs der Serumlipide stellt keine Kontraindikation für die Anwendung der Diuretika bei Patienten mit einer Dyslipidämie dar.

Schleifendiuretika werden für die Behandlung der Hypertonie nur bei Patienten benutzt, die > 50% der Nierenfunktion verloren haben. Diese Diuretika werden 2-mal täglich verabreicht.

Obwohl die kaliumsparenden Diuretika keine Hypokalämie, Hyperurikämie oder Hyperglykämie verursachen, sind sie nicht so wirksam wie Thiazid-Typ-Diuretika bei der Kontrolle der Hypertonie und werden deshalb nicht als initiale Therapie eingesetzt. Kaliumsparende Diuretika oder Kaliumsupplemente werden nicht benötigt, wenn ein ACE-Hemmer oder ein Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist gegeben wird, da diese Medikamente das Serumkalium erhöhen.

Alle Diuretika, mit Ausnahme der kaliumsparenden, die am distalen Tubulus wirken, verursachen einen erheblichen Kaliumverlust, sodass das Serumkalium jeden Monat gemessen werden muss, bis sich der Wert stabilisiert hat. Bis das Serumkalium normal ist, schließen sich die Kaliumkanäle der Arterienwand und die resultierende Vasokonstriktion macht das Erreichen des Blutdruckzielwertes schwierig. Patienten mit Kaliumspiegeln < 3,5 mEq/l erhalten Kaliumsupplemente. Die Supplemente können langfristig mit niedriger Dosis fortgesetzt werden oder ein kaliumsparendes Diuretikum (z. B. täglich Spironolacton 25–100 mg, Triamteren 50–150 mg, Amilorid 5–10 mg) kann ergänzt werden. Kaliumsupplemente oder die Zugabe von kaliumsparenden Diuretika wird auch bei allen Patienten empfohlen, die Herzglykoside einnehmen, die eine bekannte Herzkrankheit, ein abnormes EKG, eine Ektopie oder Arrhythmien haben oder unter der Behandlung mit Diuretika entwickeln.

Bei den meisten Patienten mit Diabetes mellitus beeinflussen die Thiazid-Typ-Diuretika die Einstellung des Diabetes nicht. Selten lösen Diuretika einen Typ-2-Diabetes aus oder verschlechtern diesen bei Patienten mit einem metabolischen Syndrom.

Eine hereditäre Prädisposition erklärt möglicherweise die wenigen Fälle einer Gicht, die durch eine diuretikainduzierte Hyperurikämie verursacht werden. Die diuretikainduzierte Hyperurikämie ohne Gicht benötigt keine Behandlung und kein Absetzen des Diuretikums.

Diuretika können die Mortalität bei Patienten mit Vorgeschichte eines Herzfehlers, die keine Lungenstauung aufweisen, geringfügig erhöhen, vor allem bei denen, die ebenfalls ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist einnehmen, und denen, die täglich nicht mindestens 1400 ml (48 oz) trinken. Die erhöhte Mortalität ist wahrscheinlich auf durch die Diuretika ausgelöste Hyponatriämie und Hypotonie zurück zu führen.

Tabelle
icon

Orale Diuretika gegen Hypertonie

Wirkstoff

Übliche Dosis*

Ausgewählte Nebenwirkungen

Thiazide und Thiazid-Typ-Diuretika (Chlorthaldion und Indapamid)

Bendroflumethiazid

2,5–5 mg 1-mal täglich (maximal 20 mg)

Hypokaliämie (was Digitalis-Toxizität erhöht), Hyperurikämie, Glukose-Intoleranz, Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie, Hyperkalzämie, sexuelle Dysfunktion bei Männern, Schwäche, Hautausschlag; möglicherweise erhöhte Lithium-Blutspiegel

Chlorothiazid

62,5–500 mg 2-mal täglich (maximal 1000 mg)

Chlortalidon

12,5–50 mg 1-mal täglich

Hydrochlorothiazid

12,5–50 mg 1-mal täglich

Hydroflumethiazid

12,5–50 mg 1-mal täglich

Indapamid

1,25–5 mg 1-mal täglich

Methyclothiazid

2,5–5 mg 1-mal täglich

Kaliumarme Diuretika

Amilorid

5–20 mg 1-mal täglich

Hyperkaliämie (insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz und bei Patienten, die behandelt werden mit einem ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten oder NSAR), Übelkeit, GI-Distress, Gynäkomastie, Menstruationsstörungen (mit Spironolacton); möglicherweise erhöhte Lithium-Blutspiegel

Eplerenon

25–100 mg 1-mal täglich

Spironolacton

25–100 mg 1-mal täglich

Triamteren

25–100 mg 1-mal täglich

Schleifendiuretika

Bumetanid

0,5–2 mg 2-mal täglich

Hyperkaliämie, Hyponatriämie, Hypomagnesmie, Dehydrierung, orthostatische Hypotonie, Tinnitus, Hörverlust

Ethacrynsäure

25–100 mg 1-mal täglich

Furosemid

20–320 mg 2-mal täglich

Torsemid

5–100 mg 1-mal täglich

*Höhere Dosen können bei Patienten mit Nierenversagen erforderlich sein.

Aldosteron-Rezeptor-Antagonisten

Betablocker

Betablocker (siehe Tabelle: Orale Betablocker gegen Hypertonie) verlangsamen die Herzfrequenz und reduzieren die myokardiale Kontraktilität und auf diese Weise den Blutdruck. Alle Betablocker sind in ihrer antihypertensiven Wirkung ähnlich. Bei Patienten mit Diabetes mellitus, chronischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder einer COPD kann ein kardioselektiver Betablocker (Acebutolol, Atenolol, Betaxolol, Bisoprolol, Metoprolol) vorzuziehen sein, obwohl die Kardioselektivität nur relativ ist und abnimmt, sobald die Dosis erhöht wird. Sogar kardioselektive Betablocker sind bei Patienten mit Asthma bronchiale oder Patienten mit COPD mit im Vordergrund stehender bronchospastischer Komponente kontraindiziert.

Tabelle
icon

Orale Betablocker gegen Hypertonie

Wirkstoff

Übliche Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen

Kommentare

Acebutolol*,†

200–800 mg 1-mal täglich

Bronchospasmen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, sexuelle Dysfunktion, Verschlimmerung der Herzinsuffizienz, Maskierung von Symptomen der Hypoglykämie, Triglyceridämie, erhöhtes Gesamt-Cholesterin und verringertes High-Density-Lipoprotein-Cholesterin (außer bei Pindolol, Acebutolol, Penbutolol, Carteolol und Iabetalol)

Kontraindiziert bei Patienten mit Asthma bronchiale, AV-Block größer als Grad I oder einem Sick-Sinus-Syndrom

Sollte bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder mit Insulin behandelter Diabetes mit Vorsicht eingesetzt werden

Sollte bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit nicht abrupt gestoppt werden

Bisoprolol und Metoprolol sind zugelassen zur Behandlung von Herzinsuffizienz

Atenolol*

25–100 mg 1-mal täglich

Betaxolol*

5–20 mg 1-mal täglich

Bisoprolol*

2,5–20 mg 1-mal täglich

Carvedilol

6,25–25 mg 2-mal täglich

Carvedilol (controlled-release)

20–80 mg 1-mal täglich

Labetalol,§

100–900 mg 2-mal täglich

Metoprolol*

25–150 mg 2-mal täglich

Metoprolol (extended-release)

50–400 mg 1-mal täglich

Nadolol

40–320 mg 1-mal täglich

Nebivolol

5–40 mg 1-mal täglich

Penbutolol

10–20 mg 1-mal täglich

Pindolol

5–30 mg 2-mal täglich

Propranolol

20–160 mg 2-mal täglich

Propranolol, lang wirkend

60–320 mg 1-mal täglich

Timolol

10–30 mg 2-mal täglich

*Kardioselektiv.

Mit intrinsischer sympathomimetischer Aktivität.

Alpha-Beta-Blocker. Labetalol kann auch i.v. in hypertensiven Notfällen gegeben werden. Bei i.v. Verabreichung wird mit 20 mg bis maximal 300 mg begonnen.

§Kann auch in hypertensiven Notfällen gegeben werden; bei i.v. Verabreichung wird mit 20 mg bis maximal 300 mg begonnen.

Betablocker sind besonders hilfreich bei Patienten mit einer Angina pectoris, solchen, die einen Myokardinfarkt hatten, oder solchen mit einer Herzinsuffizienz, obwohl Atenolol die Prognose bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) verschlechtern kann. Diese Medikamente werden nicht mehr als problematisch für ältere Patienten angesehen.

Betablocker mit intrinsischer sympathomimetischer Aktivität (ISA; z. B. Acebutolol, Penbutolol, Pindolol) beeinflussen die Serumlipide nicht negativ; sie verursachen auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine schwere Bradykardie.

Betablocker haben ZNS-Nebenwirkungen (Schlafstörungen, Müdigkeit, Lethargie) und verstärken Depressionen. Nadolol wirkt sich am wenigstens auf das ZNS aus und könnte die beste Wahl sein, wenn ZNS-Effekte vermieden werden müssen. Betablocker sind bei Patienten mit einem AV-Block Grad II oder III, Asthma bronchiale oder einem Sick-Sinus-Syndrom kontraindiziert.

Kalziumkanalblocker

Dihydropyridine (siehe Tabelle: Orale Kalziumantagonisten gegen Hypertonie) sind potente periphere Vasodilatatoren und erniedrigen den Blutdruck durch die Abnahme des absoluten peripheren Gefäßwiderstandes (TPR); sie verursachen manchmal eine Refletachykardie.

Die Nondihydropyridine Verapamil und Diltiazem verlangsamen die Herzfrequenz, verringern die AV-Leitung und verringern Myokardkontraktilität. Diese Medikamente sollten Patienten mit einem AV-Block Grad II oder III oder mit linksventrikulärer Herzinsuffizienz nicht verschrieben werden.

Tabelle
icon

Orale Kalziumantagonisten gegen Hypertonie

Wirkstoff

Übliche Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen

Kommentare

Benzothiazepinderivate

Diltiazem, sustained-release

60–180 mg 2-mal täglich

Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Asthenie, Erröten, Ödeme, negative inotrope Wirkung; möglicherweise Leberdysfunktion

Kontraindiziert bei Herzinsuffizienz aufgrund systolischer Dysfunktion, Sick-Sinus-Syndrom oder AV-Block höher als Grad I

Diltiazem, extended-release

120–360 mg 1-mal täglich

Diphenylalkylaminderivate

Verapamil

40–120 mg 3-mal täglich

Wie bei Benzothiazepinderivaten, plus Konstipation

Wie bei Benzothiazepinderivaten

Verapamil, sustained-release

120–480 mg 1-mal täglich

Dihydropyridine

Amlodipin

2,5–10 mg 1-mal täglich

Schwindel, Erröten, Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit, Sodbrennen, Fußödem, Tachykardie

Kontraindiziert bei Herzinsuffizienz, eventuell mit Ausnahme von Amlodipin

Verwendung von kurzwirksamem Nifedipin möglicherweise verbunden mit einer höheren MI-Rate

Felodipin

2,5–20 mg 1-mal täglich

Isradipin

2,5–10 mg 2-mal täglich

Nicardipin

20–40 mg 3-mal täglich

Nicardipin, sustained-release

30–60 mg 2-mal täglich

Nifedipin, extended-release

30–90 mg 1-mal täglich

Nisoldipin

10–60 mg 1-mal täglich

Langwirkendes Nifedipin, Verapamil oder Diltiazem wird zur Behandlung der Hypertonie eingesetzt, kurzwirkendes Nifedipin und Diltiazem sind aber mit einer hohen Rate von Myokardinfarkten assoziiert und werden deshalb nicht empfohlen.

Ein Kalziumantagonist wird bei Patienten mit einer Angina pectoris und bronchospastischen Krankheiten, Koronarspasmen oder einem Raynaud-Syndrom den Betablockern vorgezogen.

ACE-Hemmer

ACE-Inhibitoren (siehe Tabelle: Orale ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gegen Hypertonie) senken den Blutdruck, indem sie die Umwandlung von Angiotensin I zu Angiotensin II hemmen und auch den Abbau von Bradykinin. Dadurch führen sie zu einer Abnahme des peripheren Gefäßwiderstandes, ohne eine Reflextachykardie zu verursachen. Diese Medikamente senken den Blutdruck bei vielen hypertensiven Patienten unabhängig von der Plasmareninaktivität. Da diese Medikamente auch Nierenprotektion liefern, sind sie Medikamente der Wahl bei Diabetikern. Sie werden nicht für die anfängliche Behandlung dunkelhäutiger Patienten empfohlen, bei denen sie das Schlaganfallrisiko in disem Fall zu erhöhen scheinen.

Ein trockener Reizhusten ist die häufigste Nebenwirkung, aber ein Angioödem ist die schwerwiegendste Nebenwirkung und kann fatal sein, wenn es den Oropharynx betrifft. Ein Angioödem tritt am häufigsten bei dunkelhäutigen Menschen und Rauchern auf. ACE-Hemmer können das Serumkalium und die Kreatininwerte erhöhen, besonders bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit und bei Patienten, die kaliumsparende Diuretika, eine Kaliumsubstitution oder NSAR einnehmen. ACE-Hemmer sind die Antihypertensiva, die mit der geringsten Wahrscheinlichkeit eine erektile Dysfunktion auslösen. ACE-Hemmer sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz werden das Serumkreatinin und die Kaliumwerte mindestens alle 3 Monate bestimmt. Patienten mit Nephropathie der Stufe 3 (geschätzte GFR von  < 60 ml/min bis > 30 ml/min) und diejenigen, denen ACE-Hemmer gegeben werden, können üblicherweise einen 30- bis 35%igen Anstieg des Serumkreatinins über dem Grundwert tolerieren. ACE-Hemmer können bei Patienten, die Hypovolämie haben oder eine schwere Herzinsuffizienz, eine beidseitige Nierenarterienstenose oder eine hochgradige Nierenarterienstenose bei Einzelniere haben, eine akute Niereninsuffizienz auslösen.

Thiazid-Typ-Diuretika verstärken die antihypertensive Wirkung von ACE-Hemmern ausgeprägter als die anderen Klassen der Antihypertensiva. Spironolacton und Eplerenon scheinen die Wirkung von ACE-Hemmern ebenfalls zu verbessern.

Tabelle
icon

Orale ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gegen Hypertonie

Wirkstoff

Übliche Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen

ACE-Hemmer*

Benazepril

5–40 mg 1-mal täglich

Hautausschlag, Husten, Angioödem, Hyperkaliämie (insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder denjenigen, die NSARs, kaliumsparend Diuretika oder Kaliumsupplemente einnehmen), Geschmacksstörungen, reversible akute Niereninsuffizienz, wenn Stenose in einer oder beiden Nieren die Nierenfunktion bedroht, Proteinurie (selten bei empfohlenen Dosen), Neutropenie (selten), Hypotonie mit Behandlungsbeginn (vor allem bei Patienten mit hoher Plasma-Renin-Aktivität oder mit Hypovolämie aufgrund von Diuretika oder anderen Bedingungen)

Captopril

12,5–150 mg 2-mal täglich

Enalapril

2,5–40 mg 1-mal täglich

Fosinopril

10–80 mg 1-mal täglich

Lisinopril

5–40 mg 1-mal täglich

Perindopril

4–8 mg 1-mal täglich

Quinapril

5–80 mg 1-mal täglich

Ramipril

1,25–20 mg 1-mal täglich

Trandolapril

1–4 mg 1-mal täglich

Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten

Azilsartan

80 mg 1-mal täglich

Bei Patienten > 65 ist Anfangsdosis 40 mg 1-mal täglich

Schwindel, Angioödem (sehr selten); theoretisch gleiche Nebenwirkungen wie ACE-Hemmer auf die Nierenfunktion (außer Proteinurie und Neutropenie), Serumkalium und Blutdruck

Candesartan

8–32 mg 1-mal täglich

Eprosartan

400–1200 mg 1-mal täglich

Irbesartan

75–300 mg 1-mal täglich

Losartan

25–100 mg 1-mal täglich

Olmesartan

20–40 mg 1-mal täglich

Telmisartan

20–80 mg 1-mal täglich

Valsartan

80–320 mg 1-mal täglich

*Alle ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten sind in der Schwangerschaft kontraindiziert (Kategorie C während des 1. Trimesters, Kategorie D im 2. und 3. Trimester).

Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten

Angiotensin II Rezeptorblocker (siehe Tabelle: Orale ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gegen Hypertonie) blockieren den Angiotensin-II-Rezeptor und interagieren deshalb mit dem Renin-Angiotensin-System. Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten und ACE-Hemmer sind ebenso wirksam wie Antihypertensiva. Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten können über eine Gewebe-ACE-Blockade einen Zusatznutzen bieten. Die 2 Klassen haben bei Patienten mit einer Linksherzinsuffizienz oder einer Nephropathie infolge Typ-1-Diabetes dieselben günstigen Wirkungen. Ein Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist, sollte nicht zusammen mit einem ACE-Hemmer gegeben werden, kann aber die Rate stationärer Aufnahmen bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz verringern, wenn er mit einem Betablocker gegeben wird. Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten können sicher bei Menschen < 60 Jahre und einem initialen Serumkreatinin 3 mg/dl eingesetzt werden.

Die Häufigkeit von Nebenwirkungen ist gering; Angioödeme treten auf, aber mit weit geringerer Häufigkeit als bei ACE-Hemmern. Die Vorsichtsmaßnahmen beim Gebrauch von Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bei Patienten mit einer renovaskulärer Hypertonie, Hypovolämie und schwerer Herzinsuffizienz sind die gleichen wie bei ACE-Hemmern (siehe Tabelle: Orale ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gegen Hypertonie). Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Direkter Renin-Hemmer

Aliskiren, ein direkter Renin-Hemmer, wird bei der Behandlung von Hypertonie eingesetzt. Die Dosierung beträgt 150–300 mg p.o. 1-mal täglich, mit einer Anfangsdosis von 150 mg.

Wie auch ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bewirkt Aliskiren eine Erhöhung des Kalium und Kreatinin i. S. Aliskiren sollte bei Patienten mit Diabetes oder Nierenrkrankheit (geschätzte GFR < 60 ml/min) nicht mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten kombiniert werden.

Adrenerge Substanzen

Adrenerge Modifikatoren umfassen zentral wirksame Alpha-2-Agonisten, postsynaptische Alpha-1-Blocker und peripher wirksame adrenerge Antagonisten (siehe Tabelle: Adrenerge Substanzen gegen Hypertonie).

Tabelle
icon

Adrenerge Substanzen gegen Hypertonie

Wirkstoff*

Übliche Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen

Kommentare

Alpha-2-Agonisten (zentral wirkend)

Clonidin

0,05–0,3 mg 2-mal täglich

Schläfrigkeit, Sedierung, Mundtrockenheit, Müdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen, Rebound-Hypertonie mit einer abrupten Unterbrechung (insbesondere, wenn hohe Dosen gegeben oder gleichzeitige Betablocker fortgesetzt werden), lokalisierte Hautreaktion auf Clonidin-Pflaster; möglicherweise Leberschäden, Coombs-positive hämolytische Anämie mit Methyldopa

Sollte bei älteren Patienten mit Vorsicht verwendet werden wegen orthostatischer Hypotonie

Stört Messungen von Katecholaminspiegeln im Urin durch fluorometrische Methoden

Clonidin TTS (Patch)

0,1–0,3 mg 1-mal täglich

Guanabenz

2–16 mg 2-mal täglich

Guanfacin

0,5–3 mg 1-mal täglich

Methyldopa

250–1000 mg 2-mal täglich

Alpha-1-Blocker

Doxazosin

1–16 mg 1-mal täglich

Synkope bei erster Dosis, orthostatische Hypotonie, Schwäche, Palpitationen, Kopfschmerzen

Sollte bei älteren Patienten mit Vorsicht verwendet werden wegen orthostatischer Hypotonie

Lindert Symptome der benignen Prostatahyperplasie

Prazosin

1–10 mg 2-mal täglich

Terazosin

1–20 mg 1-mal täglich

*Peripher wirkenden adrenerge Blocker (z. B. Guanadrel, Guanethidin, Reserpin) sind nicht mehr verfügbar.

TTS = transdermales therapeutisches System.

Alpha-2-Agonisten (z. B. Methyldopa, Clonidin, Guanabenz, Guanfacin) stimulieren Alpha-2-adrenerge Rezeptoren im Hirnstamm, reduzieren die Sympathikusaktivität und erniedrigen dadurch den Blutdruck. Da sie eine zentrale Wirkung haben, verursachen sie viel eher als andere Antihypertensiva Schläfrigkeit, Lethargie und Depression; sie werden nicht mehr länger breit eingesetzt. Clonidin kann transdermal als Pflaster 1-mal pro Woche verabreicht werden, dies ist v. a. nützlich bei Patienten mit fehlender Einhaltung (z. B. Demenzpatienten).

Postsynaptische Alpha-1-Blocker (z. B. Prazosin, Terazosin, Doxazosin) werden nicht mehr länger als primäre Behandlung bei Hypertonie eingesetzt, da Befunde darauf hindeuten, dass sie keine Reduktion der Mortalität bewirken. Doxazosin alleine oder in Kombination mit anderen Antihypertensiva, außer Diuretika, erhöht zudem das Risiko für eine Herzinsuffizienz. Sie können jedoch bei Patienten eingesetzt werden, die eine prostatische Hypertrophie haben und ein 4. Antihypertensivum benötigen, oder bei solchen mit hohem sympathischem Ton (d. h. mit hoher Herzrate und sehr hohem Blutdruck), die bereits die maximale Dosis an Betablockern erhalten.

Direkte Vasodilatatoren

Direkte Vasodilatatoren (inkl. Minoxidil und Hydralazin; siehe Tabelle: Direkte Vasodilatatoren gegen Hypertonie) entfalten ihre Wirkung direkt an den Blutgefäßen, unabhängig vom autonomen Nervensystem. Minoxidil ist wirksamer als Hydralazin, hat aber mehr Nebenwirkungen, die Natrium- und Wasserretention sowie eine vermehrte Behaarung, die von Frauen schlecht toleriert wird, mit einschließen. Minoxidil sollte für die schwere therapierefraktäre Hypertonie als Reservemedikament dienen.

Hydralazin wird während der Schwangerschaft eingesetzt (z. B. bei Präeklampsie) und als Zusatzantihypertensivum. Eine Langzeithochdosisgabe (> 300 mg/Tag) von Hydralazin ist mit einem medikamenteninduzierten Lupus-Syndrom assoziiert worden, das wieder verschwindet, wenn das Medikament abgesetzt wird.

Tabelle
icon

Direkte Vasodilatatoren gegen Hypertonie

Wirkstoff

Übliche Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen*

Kommentare

Hydralazin

10–50 mg 4-mal täglich

Positiver antinuklearer Antikörper-Test, Medikamenten-induzierter Lupus (selten bei empfohlenen Dosierungen)

Verstärkt vasodilatatorische Wirkung anderer vasodilatatorischer Medikamente

Minoxidil

1,25–40 mg 2-mal täglich

Natrium- und Wasserretention, Hypertrichose; möglicherweise neue oder sich verschlechternde Pleura- und Perikardergüsse

Reserviert für schwere, refraktäre Hypertonie

*Beide Medikamente können Kopfschmerzen, Tachykardie und Wasserretention verursachen und Angina bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit auslösen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Übersicht über das Reizleitungssystem
Video
Übersicht über das Reizleitungssystem
Zwei Arten kardialer Muskelzellen arbeiten zusammen, um einen normalen Herzschlag zu erreichen...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Lymphsystem
3D-Modell
Lymphsystem

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN