Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Dyspepsie

Von

Norton J. Greenberger

, MD, Brigham and Women's Hospital

Inhalt zuletzt geändert Mai 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Unter Dyspepsie versteht man ein Gefühl von Schmerz oder Missempfindung im oberen Abdomen; oft ist es von rezidivierender Art. Es kann als Verdauungsstörung, frühes Sättigungsgefühl, postprandiales Völlegefühl und nagender oder brennender Schmerz beschrieben werden.

Ätiologie

Es gibt verschiedene Ursachen der Dyspepsie (siehe Tabelle: Ursachen der Dyspepsie).

Tabelle
icon

Ursachen der Dyspepsie

Ursache

Verdächtige Befunde

Diagnostisches Vorgehen

Langsam progressive Dysphagie

Frühes Sättigungsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Symptome, die durch Nahrung verschlechtert werden

Manchmal nächtliche Regurgitation von unverdauten Speisen

Beschwerden in der Brust

Bariumbreischluck

Ösophagusmanometrie

Endoskopie

Krebs (z. B. Ösophagus, Magen)

Chronische, vage Beschwerden

Später Dysphagie (Ösophagus) oder frühes Sättigungsgefühl (Magen)

Gewichtsverlust

Obere Endoskopie

Abdomen-CT

Bei einigen Patienten sind Symptome wie Gas oder Verdauungsstörungen anstatt Schmerzen in der Brust beschrieben

Ggf. Belastungskomponente

Kardiale Risikofaktoren

EKG

Kardiale Serumparameter

Manchmal Stresstests

Verzögerte Magenentleerung (verursacht durch Diabetes, virale Krankheit oder Medikamente)

Übelkeit, Blähungen, Völlegefühl

Szintigrafischer Test der Magenentleerung

Medikamente (z. B. Bisphosphonate, Erythromycin und andere Makrolidantibiotika, Östrogene, Eisen, NSAIDs, Kalium)

Verwendung offensichtlich aufgrund der Anamnese

Symptome übereinstimmend mit Angaben zur Verwendung

Klinische Abklärung

Substernale Brustschmerzen mit oder ohne Dysphagie in Bezug auf Flüssigkeiten und Feststoffe

Bariumbreischluck

Ösophagusmanometrie

Sodbrennen

Manchmal Rückfluss von Säure oder Mageninhalt in den Mund

Symptome werden manchmal durch Hinlegen ausgelöst

Verbesserung bei Gabe von Antazida

Klinische Untersuchung

Ggf. Endoskopie

Ggf. 24-h-pH-Messung

Brennende oder nagende Schmerzen bessern sich bei Nahrungsaufnahme oder Antazidagabe

Obere Endoskopie

Viele Patienten zeigen Untersuchungsbefunde (z. B. Duodenitis, Motilitätsstörungen, Helicobacter pyloriGastritis, Lactasemangel Cholelithiasis), die nur wenig mit den Symptomen korrelieren (so führt die Beseitigung des Befundes nicht zur Verbesserung der Dyspepsie).

Die nichtulzeröse (funktionale) Dyspepsie ist definiert als Magenbeschwerden bei einem Patienten, der keine Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung und der Endoskopie des oberen Gastrointestinaltrakts aufweist.

Abklärung

Anamnese

Eine Anamnese der bestehenden Erkrankung sollte eine klare Beschreibung der Symptome einschließlich Angaben dazu, ob sie akut oder chronisch und rezidivierend sind, enthalten. Andere Elemente sind Zeitpunkt und Häufigkeit des Wiederauftretens, Schwierigkeiten beim Schlucken und die Beziehung der Symptome zum Essen oder zur Medikamenteneinnahme. Faktoren, die die Symptome verschlimmern (insbesondere Anstrengung, bestimmte Lebensmittel oder Alkohol) oder lindern (insbesondere Essen oder die Einnahme von Antazida) werden vermerkt.

Eine Untersuchung der Körpersysteme soll über begleitende gastrointestinale Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Hämatemesis, Gewichtsverlust und blutigen oder schwarzen (melanotischen) Stuhl Aufschluss geben. Andere Symptome sind Atemnot und Schwitzen.

Die Anamnese sollte bekannte gastrointestinale und kardiale Diagnosen, kardiale Risikofaktoren (z. B. Bluthochdruck, Hypercholesterinämie) und die Ergebnisse aller bisher durchgeführten Tests sowie früherer Behandlungsversuche umfassen. Eine Medikamentenanamnese umfasst verordnete Medikamente, illegalen Drogengebrauch und Alkoholmissbrauch.

Körperliche Untersuchung

Bei der Untersuchung der Vitalfunktionen ist auf eine Tachykardie oder einen unregelmäßigen Puls zu achten.

Eine allgemeine Untersuchung sollte Symptome wie Blässe oder Schwitzen, Kachexie oder Gelbsucht vermerken. Das Abdomen ist auf Schmerzhaftigkeit, Massen und Organvergrößerungen abzutasten. Eine rektale Untersuchung wird durchgeführt, um sichtbares oder okkultes Blut nachzuweisen.

Warnhinweise

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Akute Episoden mit Atemnot, Schwitzen oder Tachykardie

  • Anorexia

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Gewichtsverlust

  • Blut im Stuhl

  • Dysphagie oder Odynophagie

  • Fehlendes Ansprechen auf eine Therapie mit H2-Blockern oder Protonenpumpenhemmern (PPIs)

Interpretation der Ergebnisse

Einige Ergebnisse sind hilfreich (siehe Tabelle: Ursachen der Dyspepsie).

Bedenklich ist eine einzelne, akute Episode von Dyspepsie bei einem Patienten insbesondere dann, wenn die Symptome von Atemnot, Schwitzen oder Tachykardie begleitet werden; solche Patienten können eine akute koronare Ischämie haben. Chronische Symptome, die bei körperlicher Anstrengung auftreten und sich bei Ruhe bessern, können auf eine Angina pectoris hindeuten.

Gastrointestinale Ursachen manifestieren sich höchstwahrscheinlich als chronische Beschwerden. Die Symptome werden gelegentlich als ulkus-, dysmotilitäts- oder refluxähnlich bezeichnet; diese Klassifikationen unterstellen, aber beweisen keine Ätiologie. Ulkusähnliche Symptome sind Oberbauchschmerzen, die häufig vor den Mahlzeiten auftreten und bei Nahrungsaufnahme, Antazida- oder H2-Blocker-Gabe teilweise gelindert werden. Dysmotilitätsähnliche Symptome bestehen mehr aus Missempfindungen als aus Schmerzen, zusammen mit frühem Sättigungsgefühl, postprandialem Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Blähungen; die Symptome können durch Nahrungsaufnahme verschlimmert werden. Refluxartige Symptome sind Sodbrennen und saures Aufstoßen. Alle diese Symptome treten oft überlappend auf.

Das Abwechseln zwischen Durchfall und Obstipation bei Dyspepsie legt den Verdacht auf ein Reizdarmsyndrom oder eine exzessive Anwendung von freiverkäuflichen Laxanzien oder Antidiarrhoika nahe.

Tests

Patienten, bei denen die Symptome auf eine akute koronare Ischämie hindeuten, insbesondere solche mit Risikofaktoren, sollten für eine dringende Abklärung in die Notaufnahme geschickt werden, einschließlich EKG und kardialer Serummarker. Tests auf Herzerkrankungen sollten Tests auf GI-Erkrankungen wie Endoskopie vorausgehen.

Bei Patienten mit chronischen, unspezifischen Symptomen gehören zu den Routineuntersuchungen ein Gesamtblutbild (um eine durch gastrointestinalen Blutverlust verursachte Anämie auszuschließen) und die üblichen Blutwerte. Wenn die Befunde pathologisch sind, werden weitere Untersuchungen (bildgebende Verfahren, Endoskopie) eingeleitet. Weil das Risiko einer Krebserkrankung besteht, sollten Patienten > 55 Jahre und jene, bei denen die Alarmsymptome neu aufgetreten sind, endoskopisch abgeklärt werden. Für Patienten < 55 Jahre ohne Alarmsymptome empfehlen einige Spezialisten eine empirische Therapie für 2-4 Wochen mit antisekretorischen Substanzen und bei Therapieversagen die Endoskopie. Andere empfehlen ein Sreening auf eine Infektion mit H. pylori mit dem C14-Harnstoff-Atemtest oder Stuhltest ( Helicobacter-pylori -Infektion : Nichtinvasive Testverfahren). Allerdings ist Vorsicht geboten, H. pylori oder andere nichtspezifische Befunde zur Erklärung der Symptome heranzuziehen.

Ösophagusmanometrie und pH-Analysen sind indiziert, wenn Refluxsymptome nach der Endoskopie des oberen GIT und nach einem zwei- bis vierwöchigen Therapieversuch mit Protonenpumpeninhibitoren weiterhin persistieren.

Therapie

Spezifische Befunde werden behandelt. Patienten, bei denen objektive Befunde nicht zu identifizieren waren, werden beobachtet und beruhigt. Symptome werden mit Protonenpumpeninhibitoren, mit H2-Blockern oder zytoprotektiven Substanzen behandelt (siehe Tabelle: Einige orale Arzneimittel gegen Dyspepsie). Prokinetische Medikamente (z. B. Metoclopramid, Erythromycin) können bei Patienten mit dysmotilitätsähnlicher Dyspepsie als Suspension eingesetzt werden. Es gibt jedoch keine klaren Beweise dafür, dass die Gabe eines richtigen, zum Symptom (Reflux vs. Dysmotilität) passenden Medikaments in der Behandlung wirklich einen Unterschied macht. Misoprostol und Anticholinergika sind bei funktioneller Dyspepsie nicht wirkungsvoll. Medikamente, die die sensorische Wahrnehmung verändern (z. B. trizyklische Antidepressiva), können hilfreich sein.

Tabelle
icon

Einige orale Arzneimittel gegen Dyspepsie

Arzneimittel

Übliche Dosis

Kommentare

Protonenpumpeninhibitoren

Dexlansoprazole

30 mg einmal tägl.

Eine langfristige Anwendung führt zu erhöhten Gastrinspiegeln, es liegen aber keine Beweise vor, dass dieser Befund zu Dysplasie oder Krebs führt

Kann Bauchschmerzen oder Durchfall verursachen

Esomeprazol

40 mg einmal tägl.

Lansoprazole

30 mg einmal tägl.

Omeprazol

20 mg einmal tägl.

Pantoprazol

40 mg einmal tägl.

Rabeprazole

20 mg einmal tägl.

H2Blocker

Cimetidin

800 mg einmal tägl.

Bei älteren Patienten reduzierte Dosis

Cimetidin und zu einem geringeren Ausmaß auch andere Medikamente haben eine geringe antiandrogene Wirkung und sind, seltener, mit erektiler Dysfunktion verbunden

Ein verzögerter Stoffwechsel von Arzneimitteln wird durch das Cytochrom-P-450-Enzym-System (z. B. Phenytoin, Warfarin, Diazepam) beseitigt

Kann Verstopfung oder Durchfall verursachen

Famotidin

40 mg einmal tägl.

Nizatidin

300 mg einmal tägl.

Ranitidin

300 mg einmal tägl. oder 150 mg 2-mal tägl.

Zellschutzfaktor

Sucralfat

1 g oral 4-mal tägl.

Selten Verstopfung

Kann sich an andere Medikamente binden und mit deren Resorption interferieren.

Cimetidin, Ciprofloxacin, Digoxin, Norfloxacin, Ofloxacin und Ranitidin sind zu vermeiden 2 h vor oder nach der Einnahme von Sucralfat

Wichtige Punkte

  • Eine koronare Ischämie liegt möglicherweise bei einem Patienten mit akutem "Gas" vor.

  • Die Endoskopie ist für Patienten > 55 Jahre oder mit verdächtigen Befunden indiziert.

  • Eine empirische Behandlung mit einem Säureblocker ist sinnvoll für Patienten < 55 Jahre ohne verdächtige Befunde; bei Patienten, die innerhalb von 2-4 Wochen auf die Therapie nicht ansprechen, sind weitere Tests erforderlich.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Wie eine Nasensonde eingeführt wird
Video
Wie eine Nasensonde eingeführt wird
3D-Modelle
Alle anzeigen
Ileum-Beutel-anal Anastomose (IPAA)
3D-Modell
Ileum-Beutel-anal Anastomose (IPAA)

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN