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Windpocken

(Varizellen)

Von

Kenneth M. Kaye

, MD, Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Quellen zum Thema

Windpocken sind eine hoch ansteckende Virusinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus, das einen charakteristischen juckenden Ausschlag verursacht, der aus kleinen, erhabenen Blasen oder verkrusteten Flecken besteht.

  • Meist sind Kinder davon betroffen, durch den Impfstoff konnte die Anzahl der Fälle jedoch deutlich reduziert werden.

  • Bevor der Ausschlag auftritt, haben die Kinder leichte Kopfschmerzen und mäßiges Fieber, sind appetitlos und fühlen sich allgemein krank.

  • Die Diagnose wird anhand der Symptome, insbesondere anhand des Ausschlags gestellt.

  • Die meisten Kinder werden wieder ganz gesund, doch bei manchen Kindern verläuft die Krankheit sehr schwer und sie können sogar sterben.

  • Eine Routineimpfung kann Windpocken verhindern.

  • Im Normalfall müssen nur die Symptome behandelt werden.

Windpocken sind eine Infektionskrankheit, von der in erster Linie Kinder betroffen sind. Sie wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen, wobei es sich um ein Herpesvirus handelt (Herpesvirus Typ 3).

Vor der Einführung einer Impfung im Jahr 1995 erkrankten etwa 90 Prozent aller Kinder bis zum 15. Lebensjahr an Windpocken. Nun ist die Zahl der jährlichen Windpockenfälle dank der Impfung um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. In manchen Ländern ist der Impfstoff jedoch nicht verfügbar oder wird nicht im Rahmen der üblichen Kinderimpfungen eingesetzt.

Am größten ist die Ansteckungsgefahr bei Windpocken ab zwei Tagen vor bis kurz nach dem Auftreten des Ausschlags, eine infizierte Person bleibt jedoch weiterhin ansteckend, bis die letzten Bläschen verkrustet sind.

Bei Kindern mit normalem Immunsystem verlaufen die Windpocken selten schwer. Die meisten Menschen, die an Windpocken erkranken, haben lediglich wunde Stellen auf der Haut und im Mund, doch manchmal befällt das Virus auch die Lunge, das Hirn, das Herz oder die Leber. Solche schwerwiegenden Infektionen treten häufiger bei Neugeborenen, Erwachsenen und Personen mit geschwächtem Immunsystem auf (wie z. B. bei HIV-Patienten oder bei Einnahme von Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems oder hohen Kortikosteroiddosen).

Eine Windpockenerkrankung verleiht lebenslange Immunität, diese Person kann daran nicht erneut erkranken. Das Varizella-Zoster-Virus bleibt jedoch nach der Windpockenerkrankung passiv (latent) im Körper. Wird es später reaktiviert, was mitunter geschehen kann, verursacht es Gürtelrose. Für ältere Menschen gibt es einen Impfstoff gegen Gürtelrose (Herpes zoster). Dieser Impfstoff kann das Risiko, später einmal an Gürtelrose zu erkranken, verringern.

Übertragung von Windpocken

Windpocken werden wie folgt übertragen:

  • Über Tröpfchen in der Luft, die das Varizella-Zoster-Virus enthalten

  • Durch Kontakt mit dem durch Windpocken oder Gürtelrose hervorgerufenen Ausschlag

  • Von einer schwangeren Frau auf den Fetus

Symptome

Die ersten Symptome von Windpocken treten 10 bis 21 Tage nach der Infektion auf. Hierzu gehören

  • Leichte Kopfschmerzen

  • Mittelstarkes Fieber

  • Appetitlosigkeit

  • Ein allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise)

Bei kleineren Kindern zeigen sich diese Symptome häufig nicht, bei Erwachsenen fallen sie häufig schwerer aus.

Etwa 24 bis 36 Stunden nach den ersten Symptomen tritt ein Ausschlag aus kleinen, flachen, geröteten Flecken auf. Der Ausschlag zeigt sich im Allgemeinen zunächst am Oberkörper und im Gesicht, später sind auch Arme und Beine betroffen. Manche Kinder haben nur wenige wunde Stellen. Andere haben sie beinahe am ganzen Körper, selbst auf der Kopfhaut und im Mund.

Innerhalb von 6 bis 8 Stunden entwickeln sich aus den flachen Flecken erhabene, juckende, kreisförmige und mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen mit roten Höfen, die schließlich verkrusten. Einige Tage lang treten immer wieder neue Läsionen auf, die letztlich auch verkrusten. In sehr seltenen Fällen infizieren sich die Läsionen mit Bakterien, wodurch eine schwere Hautinfektion (Zellulitis oder nekrotisierende Fasziitis) hervorgerufen wird.

Etwa ab dem fünften Tag bilden sich keine neuen Hautläsionen mehr, am sechsten Tag sind die meisten verkrustet, und die meisten Krusten sind nach höchstens 20 Tagen verschwunden.

Mitunter treten die Windpocken auch bei geimpften Kindern auf. Bei diesen Kindern ist der Ausschlag in der Regel schwächer, Fieber ist seltener und die Krankheit insgesamt von kürzerer Dauer. Die Krankheit ist aber bei Anfassen der Läsionen ansteckend.

Die Bläschen im Mund platzen schnell auf und hinterlassen Geschwüre, die beim Schlucken oft Schmerzen verursachen können. Solche Hautveränderungen können auch auf den Augenlidern, in den oberen Atemwegen, im Mastdarm und in der Scheide auftreten. Die akute Phase der Erkrankung dauert meist 4 bis 7 Tage.

Komplikationen

Die Gefahr, dass bei Windpocken Komplikationen entstehen, ist bei Neugeborenen, Erwachsenen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten Erkrankungen größer.

Eine Lungenentzündung tritt bei einem von 400 Erwachsenen auf und führt zu Husten und Atembeschwerden. Die Lungenentzündung entwickelt sich bei jüngeren Kindern mit normalem Immunsystem nur selten.

Eine Infektion des Gehirns (Enzephalitis) ist noch seltener und führt zu unsicherem Gang, Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit und Krampfanfällen. Bei Erwachsenen kann eine Enzephalitis lebensbedrohlich sein. Sie tritt bei 1 bis 2 von 1000 Windpockenfällen auf.

Zudem kann es zu einer Leberentzündung und Blutgerinnungsproblemen kommen.

Das Reye-Syndrom ist eine seltene, aber sehr ernste Komplikation, die fast nur Personen unter 18 Jahren betrifft. Sie kann 3 bis 8 Tage nach Auftreten des Ausschlags beginnen. Das Risiko, dass es zum Reye-Syndrom kommt, erhöht sich, wenn Kindern mit Windpocken Aspirin gegeben wird.

Bei Schwangeren, die sich mit Windpocken infizieren, besteht ein Risiko schwerwiegender Komplikationen wie z. B. Pneumonie, die tödlich verlaufen können. Windpocken können auch auf den Fetus übertragen werden, besonders wenn sich die Erkrankung im ersten oder frühen zweiten Schwangerschaftsdrittel entwickelt. Eine solche Infektion kann zu Vernarbungen auf der Haut, Geburtsfehlern und niedrigem Geburtsgewicht führen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Selten Bluttests und Untersuchung einer Probe aus einer Hautläsion

Windpocken lassen sich anhand des charakteristischen Ausschlags und der Symptome meist sicher diagnostizieren.

Nur selten ist es erforderlich, Bluttests durchzuführen, um die Konzentration der Antikörper im Blut zu ermitteln und die Art des Virus im Labor festzustellen (meist anhand einer Abschabungsprobe aus einer Läsion). (Antikörper werden vom Immunsystem gebildet, um den Körper gegen einen bestimmten Angreifer wie etwa das Varizella-Zoster-Virus zu schützen.)

Prognose

Ansonsten gesunde Kinder erholen sich meist problemlos von Windpocken. Vor dem Aufkommen der Routineimpfung traten in den USA jährlich ungefähr 4 Millionen Windpockenfälle auf, von denen etwa 100 bis 150 aufgrund von Komplikationen verstarben.

Bei Erwachsenen verlaufen Windpocken schwerer, und das Mortalitätsrisiko ist höher.

Windpocken verlaufen besonders schwer bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Bei Geimpften verläuft die Krankheit schwächer, und die Sterberate ist geringer.

Vorbeugung

  • Impfungen

  • Manchmal Immunglobulin

Impfungen

Der Varizella-Impfstoff enthält abgeschwächte Lebendviren.

In den USA werden Kinder im Rahmen des Standardimpfplans gegen das Varizella-Zoster-Virus geimpft. Dabei werden zwei Dosen verabreicht: eine im Alter von 12 bis 15 Monaten, die zweite im Alter von 4 bis 6 Jahren ( Grundimmunisierung von Säuglingen und Kindern).

Ältere Kinder und Erwachsene (insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen), die weder an Windpocken erkrankt noch dagegen geimpft worden sind, können die Impfung nachholen. Ihnen werden zwei Dosen im Abstand von 4 bis 8 Wochen gegeben.

Bestimmte Personen sollten nicht geimpft werden:

  • Personen mit geschwächtem Immunsystem, einschließlich jener, die hoch dosierte Kortikosteroide einnehmen

  • Kinder, die regelmäßig Aspirin einnehmen

  • Schwangere und Frauen, die innerhalb von 1 bis 3 Monaten nach der Impfung schwanger werden möchten

  • Personen, die zum Impfzeitpunkt mehr als nur leicht krank sind

Verhinderung der Übertragung von Windpocken

Eine Übertragung der Infektion auf Personen, die noch keine Windpocken hatten, lässt sich verhindern, indem man den Erkrankten isoliert. Kinder sollten erst wieder zur Schule und Erwachsene erst wieder zur Arbeit gehen, wenn die letzten Bläschen verkrustet sind.

Nach Exposition gegenüber Windpocken

Anfällige Personen, bei denen ein hohes Komplikationsrisiko besteht und die möglicherweise mit einer an Windpocken erkrankten Person in Kontakt waren, können Antikörper gegen das Varizella-Virus erhalten (Varizella-Zoster-Immunglobulin). Dazu gehören die folgenden Personengruppen:

  • Patienten mit Leukämie oder einem geschwächten Immunsystem

  • Schwangere, die weder an Windpocken erkrankt noch dagegen geimpft worden sind

  • Neugeborene, deren Mütter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt sind

Die Behandlung mit Varizella-Zoster-Immunglobulin kann die Infektion verhindern oder ihre Schwere mindern.

Wenn ansonsten gesunde Menschen Windpocken ausgesetzt waren und noch nicht dagegen geimpft worden sind, kann eine Impfung innerhalb von 3 bis 5 Tagen eine Erkrankung verhindern oder ihre Schwere mindern.

Behandlung

  • Bei leichter Erkrankung symptomlindernde Maßnahmen

  • Bei Menschen mit einem Risiko für mittelschwere bis schwere Symptome antivirale Arzneimittel

Bei einem leichten Verlauf der Windpockenerkrankung müssen nur die Symptome behandelt werden. Feuchte Kompressen auf der Haut helfen, den oft heftigen Juckreiz zu lindern und das Kratzen zu verhindern, durch das sich die Infektion ausbreiten kann und Narben entstehen. Aufgrund des Risikos einer Bakterieninfektion ist es sinnvoll, die Haut häufig mit Seife und Wasser zu waschen, die Hände sauber zu halten, die Kleidung sauber und trocken zu halten und die Nägel zu schneiden, um das Kratzen zu minimieren. Bei starkem Juckreiz können juckreizlindernde Medikamente, wie z. B. Antihistaminika, eingenommen werden. Auch Bäder mit kolloidalen Haferflocken können helfen.

Wenn eine bakterielle Erkrankung hinzukommt, wird diese mit Antibiotika behandelt.

In der Regel werden bei Jugendlichen und Erwachsenen immer antivirale Arzneimittel wie Acyclovir, Valacyclovir und Famciclovir verschrieben. Ansonsten gesunden Kindern werden diese antiviralen Medikamente in der Regel nicht verordnet. Unter 13-jährige Kinder, die dem Risiko einer schweren Erkrankung ausgesetzt sind, benötigen hingegen antivirale Arzneimittel. Dazu gehören Kinder in den folgenden Situationen:

  • Hauterkrankungen wie z. B. Ekzem

  • Chronische Lungenerkrankungen

  • Geschwächtes Immunsystem

Antivirale Medikamente können die Schwere und Dauer der Symptome etwas reduzieren, müssen aber innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen der Krankheit gegeben werden, um wirksam zu sein.

Weil schwangere Frauen einem hohen Risiko schwerer Komplikationen durch Windpocken ausgesetzt sind, raten manche Experten dazu, an Windpocken erkrankte Schwangere mit Acyclovir oder Valacyclovir zu behandeln.

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