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Chronische Entzündung des Herzbeutels

Von

Brian D. Hoit

, MD, Case Western Reserve University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Quellen zum Thema

Die chronische Entzündung des Herzbeutels (bewegliche, zweiblättrige Umhüllung des Herzens) beginnt allmählich, ist langwierig und führt zu Flüssigkeitsansammlung im Perikardraum und zur Verdickung des Herzbeutels.

  • Zu den Symptomen können Kurzatmigkeit, Husten und Müdigkeit gehören.

  • Bei der Diagnose kommen eine Echokardiographie und manchmal andere Tests zum Einsatz.

  • Wenn bekannt, wird die Ursache behandelt; andernfalls werden zur Symptomlinderung Salzreduktion und Diuretika verschrieben.

  • In manchen Fällen kann die operative Entfernung des Herzbeutels erforderlich sein

Eine Perikarditis gilt als chronisch, wenn sie länger als 6 Monate andauert. Es gibt zwei Hauptformen von chronischer Perikarditis.

  • Chronische exsudative Perikarditis

  • Chronisch konstriktive Perikarditis

Bei der chronisch exsudativen Perikarditis sammelt sich langsam Flüssigkeit im Perikardraum, zwischen den beiden Blättern des Herzbeutels.

Chronisch konstriktive Perikarditis ist eine seltene Erkrankung, die auftritt, wenn sich der Herzbeutel in narbiges (fibröses) Gewebe umwandelt. Das fibröse Gewebe zieht sich im Laufe der Jahre immer mehr zusammen und presst das Herz zusammen. Durch das Zusammenpressen kann sich das Herz nicht normal mit Blut füllen, was zu einer Form der Herzinsuffizienz führt. Allerdings vergrößert sich das beengte Herz nicht so, wie es bei den meisten Formen von Herzinsuffizienz geschieht. Da ein höherer Druck nötig ist, um das beengte Herz mit Blut zu füllen, erhöht sich vielmehr der Druck in den Venen, die das Blut ins Herz zurückbringen. Als Folge des erhöhten Venendrucks tritt Flüssigkeit durch die Wände aus und sammelt sich in anderen Körperteilen, etwa unter der Haut. Manchmal tritt eine konstriktive Perikarditis schneller auf (zum Beispiel innerhalb weniger Wochen nach einer Herzoperation) und wird als subakut eingestuft.

Ursachen

Die Ursache für chronisch exsudative Perikarditis ist meist unbekannt. Sie kann jedoch auch durch Krebs, Tuberkulose oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ausgelöst werden und tritt gelegentlich auch bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung auf.

Die Ursache für chronisch konstriktive Perikarditis ist ebenfalls meist unbekannt. Zu den häufigsten bekannten Ursachen zählen Virusinfektionen, Strahlentherapie bei Brustkrebs oder ein Lymphom in der Brust und Herzoperationen. Die chronisch konstriktive Perikarditis kann auch die Folge einer Krankheit sein, die eine akute Perikarditis hervorruft, wie rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes (Lupus), eine vorherige Verletzung, eine Herzoperation oder eine bakterielle Infektion.

Früher war Tuberkulose die häufigste Ursache für eine chronische Perikarditis in den USA, doch heute macht sie nur noch 2 Prozent der Fälle aus. In Afrika und Indien stellt Tuberkulose immer noch die häufigste Ursache für alle Formen der Perikarditis dar.

Symptome

Hierzu zählen folgende Symptome:

  • Kurzatmigkeit

  • Husten

  • Erschöpfung

Die Kurzatmigkeit wird durch den hohen Druck der Lungenvenen verursacht, mit dem sie Flüssigkeit in die Lungenbläschen pressen.

Die Ermüdungserscheinungen treten auf, weil der kranke Herzbeutel die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt, sodass der Körper nicht ausreichend mit Blut versorgt werden kann.

Weitere häufige Symptome sind Flüssigkeitsansammlung im Oberbauch (Aszites) und in den Beinen (Ödem). Manchmal sammelt sich Flüssigkeit im Raum zwischen den beiden Schichten der Pleura an, den Membranen, die die Lunge umgeben (eine Erkrankung, die als Pleuraerguss bezeichnet wird). Chronische Perikarditis verursacht jedoch für gewöhnlich keine Schmerzen.

Manchmal tritt die Entzündung auch ohne Symptome auf.

Chronisch exsudative Perikarditis zeigt nur wenige Symptome, da sich die Flüssigkeit langsam ansammelt. Wenn sich die Flüssigkeit langsam ansammelt, kann sich das Perikard nach und nach ausdehnen, sodass sich Symptome eines massiven Drucks auf das Herz (Herzbeuteltamponade) möglicherweise nicht entwickeln. Staut sich die Flüssigkeit jedoch rasch, oder kann sich das Perikard nicht ausreichend ausdehnen, dann kann das Herz zusammengepresst werden, was eine Herzbeuteltamponade zur Folge haben kann.

Diagnose

  • Echokardiographie

  • Herzkatheterisierung oder Bildgebungsverfahren mittels MRT oder CT

Die Symptome liefern wichtige Hinweise auf eine chronische Entzündung des Herzbeutels, besonders wenn kein weiterer Grund für die nachlassende Herztätigkeit vorliegt, wie etwa Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathie oder eine Erkrankungen der Herzklappen.

Oft wird die Diagnose mit einer Echokardiographie bestätigt. Sie zeigt die Flüssigkeitsmenge im Perikardraum und den Umfang des fibrösen Gewebes rund um das Herz. Auch eine eventuell vorhandene Herzbeuteltamponade kann bestätigt werden.

Auf einer Röntgenaufnahme des Brustraums lassen sich Kalziumeinlagerungen im Herzbeutel erkennen. Sie entstehen bei fast der Hälfte aller Personen mit chronisch konstriktiver Perikarditis.

Die Diagnose kann auf zweierlei Arten gesichert werden.

  • Herzkatheterisierung

  • Bildgebende Verfahren

Mit der Herzkatheterisierung kann der Blutdruck in den Herzkammern und in den großen Blutgefäßen gemessen werden. Diese Messergebnisse erlauben es, eine Perikarditis von ähnlichen Krankheiten zu unterscheiden.

Alternativ kann mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) die Dicke des Herzbeutels gemessen werden. Normalerweise ist der Herzbeutel weniger als 3 Millimeter dick, bei der chronisch konstriktiven Perikarditis allerdings gewöhnlich etwa 5 Millimeter oder dicker.

Eine Biopsie kann helfen, die Ursache für die chronische Perikarditis, beispielsweise Tuberkulose, zu bestimmen. Dazu wird im Rahmen einer Operation eine kleine Gewebeprobe des Herzbeutels entnommen und mikroskopisch untersucht. Als Alternative dazu kann die Probe mithilfe eines durch einen Einschnitt in die Brust eingeführten Perikardioskops (eines Glasfaserröhrchens zum Betrachten des Herzbeutels und zur Entnahme von Gewebeproben) entnommen werden.

Zur Bestimmung der Ursache der Perikarditis können auch Laboruntersuchungen an Blut- und Flüssigkeitsproben aus dem Herzbeutel notwendig sein.

Wussten Sie ...

  • Menschen können ohne Herzbeutel leben, doch bedeutet dessen operative Entfernung ein Risiko.

Behandlung

  • Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung

  • Manchmal Entfernung der Herzbeutelflüssigkeit oder des Perikards

  • Bei chronisch konstriktiver Perikarditis, salzarme Ernährung und Diuretika zur Linderung der Symptome

Bekannte Ursachen einer chronisch exsudativen Perikarditis werden nach Möglichkeit behandelt. Bei normaler Herzfunktion kann erst einmal abgewartet werden.

Treten durch die Erkrankung Symptome auf oder wird eine Infektion vermutet, kann eine Ballonperikardiotomie oder operative Drainage durchgeführt werden.

Chronisch konstriktive Perikarditis

Bei Menschen mit chronisch konstriktiver Perikarditis können Salzreduktion und Diuretika (Medikamente, die die Flüssigkeitsausscheidung des Körpers erhöhen) Erleichterung verschaffen.

Die einzige Heilungsmöglichkeit der chronisch konstriktiven Perikarditis besteht jedoch in der operativen Entfernung des Herzbeutels. Die Operation behebt die Krankheit bei ungefähr 85 Prozent der Betroffenen. Da der Eingriff allerdings ein Todesrisiko von 5 bis 15 Prozent birgt (bei Personen mit schwerer Herzinsuffizienz noch höher), werden die meisten Patienten erst operiert, wenn die Krankheit sie in ihrer täglichen Aktivität erheblich einschränkt.

In der Regel warten die Ärzte mit einer Operation, bis die Symptome schwerwiegend sind, allerdings nicht so lange, bis die Symptome so schwer sind, dass sie bereits in Ruhe auftreten. Mit einer salzarmen Ernährung und der Einnahme von Diuretika kann die Krankheit für Monate oder sogar Jahre kontrolliert werden. Ist eine konstriktive Perikarditis subakut (zum Beispiel nach einer Herzoperation), kann dies sogar die einzig mögliche Behandlung sein.

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