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Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Von

JoAnn V. Pinkerton

, MD, University of Virginia Health System

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist gekennzeichnet durch leichtes Übergewicht, unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsperioden und Symptome, die durch einen hohen Spiegel an männlichen Hormonen (Androgene) verursacht werden. Bei diesem Syndrom komm es zu einer Unterbrechung des Menstruationszyklus und zu hohen Werten männlicher Hormone (Androgene).

  • Normalerweise sind die Frauen übergewichtig und entwickeln Akne und maskuline Eigenschaften. Die Stimme wird tiefer, die Brüste werden kleiner und die Körperbehaarung wird stärker.

  • Ärzte stützen ihre Diagnose oft auf Symptome, aber Bluttests zur Messung des Hormonspiegels und Ultraschall müssen ebenfalls durchgeführt werden.

  • Sport, Gewichtsverlust und Östrogen plus einem Progestin oder Progesteron oder einem Progestin allein können helfen, die Symptome zu lindern (einschließlich starker Körperbehaarung) und den Hormonspiegel wieder zu normalisieren.

  • Wenn Frauen schwanger werden möchten, kann durch Gewichtsverlust und die Einnahme von Clomifen, manchmal auch mit Metformin, die Freisetzung eines Eies stimuliert werden.

Das polyzystische Ovarialsyndrom betrifft ca. 5 bis 10 % der Frauen. In den USA ist es die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit.

Das Syndrom hat seinen Namen von den vielen, mit Flüssigkeit gefüllten Ausstülpungen (Zysten), die sich oft in den Eierstöcken bilden und zu deren Vergrößerung führen.

Wussten Sie ...

  • Das polyzystische Ovarialsyndrom ist die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit in den USA.

Bei vielen Frauen mit dem polyzystischen Ovarialsyndrom sind die Zellen des Körpers resistent gegen die Wirkung von Insulin (genannt Insulinresistenz oder manchmal Prädiabetes). Insulin unterstützt die Aufnahme von Zucker (Glukose) in die Zellen, die diesen dann für Energie aufwenden können. Wenn die Zellen gegen seine Wirkung resistent sind, sammelt sich Zucker im Blut an und die Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin, um zu versuchen, den Zuckergehalt im Blut zu senken. Wenn die Insulinresistenz mittelstark bis schwerwiegend wird, wird Diabetes diagnostiziert.

Wenn Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom schwanger werden, besteht ein höheres Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Zu diesen Komplikationen gehören Schwangerschaftsdiabetes (Diabetes, der sich während der Schwangerschaft entwickelt), eine Frühgeburt, und Präeklampsie (eine Form von Bluthochdruck, der sich während der Schwangerschaft entwickelt). Bei übergewichtigen Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom sind die Schwangerschaftskomplikationen tendenziell noch schlimmer.

Ursachen

Die Ursache für das polyzystische Ovarialsyndrom ist nicht klar. Einige Befunde legen nahe, dass das Enzym, das die Produktion der männlichen Hormone steuert, nicht funktioniert. Folglich steigt die Produktion männlicher Hormone (Androgene).

Hohe Konzentrationen von männlichen Hormonen erhöhen das Risiko für ein metabolisches Syndrom (mit hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten und Resistenz gegenüber Insulin). Wenn der Wert männlicher Hormone hoch bleibt, steigt das Risiko für Diabetes, Herz- und Blutgefäßerkrankungen und Bluthochdruck. Außerdem werden einige der männlichen Hormone in Östrogen umgewandelt, wodurch der Östrogen spiegel steigt. Es wird nicht ausreichend Progesteron produziert, um den erhöhten Wert des Östrogens auszugleichen. Hält dieses Ungleichgewicht längere Zeit an, kann sich die Gebärmutterschleimhaut stark verdicken. Auch das Risiko einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom) kann steigen.

Das polyzystische Ovarialsyndrom kann auch das Risiko einer nicht alkoholischen Fettleber (abnorme Ansammlung von Fetten in den Leberzellen, die nicht mit Alkoholkonsum zusammenhängt) erhöhen.

Symptome

Die Symptome eines polyzystischen Ovarialsyndrom entwickeln sich während der Pubertät und verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Symptome sind von Frau zu Frau verschieden.

Hier beginnen die Menstruationsperioden typischerweise nicht mit der Pubertät, und die Eierstöcke setzen kein Ei frei (d. h., der Eisprung findet nicht statt) oder setzen nur unregelmäßig ein Ei frei. Frauen haben unregelmäßige Scheidenblutungen oder keine Menstruationsperioden.

Sie entwickeln außerdem Symptome im Zusammenhang mit hohen Konzentrationen von männlichen Hormonen, der sogenannten Maskulinisierung oder Virilisierung. Zu den Symptomen zählen Akne, eine tiefere Stimme, eine kleinere Brust und größere Muskeln und stärkere Körperbehaarung (Hirsutismus). Die Haare wachsen wie bei Männern (z. B. auf der Brust und im Gesicht) und werden an den Schläfen dünner.

Die meisten Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom sind leicht adipös, manchmal aber auch dünn. Durch die Produktion von zu viel Insulin steigt das Gewicht und das Abnehmen ist erschwert. Eine übermäßige Insulinproduktion aufgrund einer Insulinresistenz kann auch die Haut in den Achselhöhlen, am Ansatz zum Nacken und in den Hautfalten dunkel und dick werden lassen (eine Störung, die Acanthosis nigricans genannt wird).

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Messen der Hormonspiegel

  • Ultraschall

Häufig stützt sich die Diagnose eines polyzystischen Ovarialsyndrom auf die Symptome.

Routinemäßig wird ein Schwangerschaftstest durchgeführt. Bluttests zur Messung der Hormonspiegel, wie z. B. des follikelstimulierenden Hormons und der männlichen Hormone werden ebenfalls durchgeführt.

Ein Ultraschall wird durchgeführt, um zu sehen, ob die Eierstöcke viele Zysten enthalten und um einen Tumor in einem Eierstock oder einer Nebenniere auszuschließen. Diese Tumoren können männliche Hormone produzieren und somit dieselben Symptome verursachen wie das polyzystische Ovarialsyndrom.

Bei Frauen mit diesem Syndrom messen Ärzte den Blutdruck und gewöhnlich den Blutzuckerspiegel und Fettgehalt (Lipide) wie z. B. Cholesterin, um ein metabolisches Syndrom auszuschließen, welches das Risiko für eine koronare Herzerkrankung erhöht.

Ärzte können Bluttests zur Prüfung auf das Cushing-Syndrom durchführen, das mit ähnlichen Symptomen einhergehen kann.

Oft wird eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumbiopsie) durchgeführt, um sicherzustellen, dass kein Krebs vorhanden ist, besonders, wenn Frauen unnormale Scheidenblutungen haben.

Behandlung

  • Sport, Ernährungsumstellung und Gewichtsverlust

  • Medikamente wie Metformin, Antibabypille oder Spironolacton

  • Behandlung der starken Körperbehaarung und der Akne

Die Wahl der Behandlung für das polyzystische Ovarialsyndrom hängt von Folgendem ab:

  • Art und Schwere der Symptome

  • Alter der Frau

  • Ihre Pläne in Bezug auf eine Schwangerschaft

Allgemeine Maßnahmen

Wenn der Insulinspiegel hoch ist, kann es helfen, ihn zu senken. Um den hohen Insulinspiegel zu senken, hilft es, sich mindestens 30 Minuten am Tag zu bewegen und weniger Kohlenhydrate (enthalten in Brot, Teigwaren, Kartoffeln und Süßigkeiten) zu essen.

Ein Gewichtsverlust kann bei Folgendem helfen:

  • Senkung des Insulinspiegels auf einen Wert, bei dem ein Eisprung einsetzen kann

  • Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft

  • Regelmäßigere Menstruationsperioden

  • Reduzierung des Haarwachstums und des Risikos einer Verdickung der Gebärmutterschleimhaut

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein Gewichtsverlust für normalgewichtige Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom von Vorteil ist.

Arzneimittel

Metformin, das zur Behandlung von Typ-2-Diabetes angewendet wird, kann zur Steigerung der Insulinsensitivität eingesetzt werden, sodass der Körper nicht mehr so viel Insulin produzieren muss. Dieses Medikament kann Frauen helfen, Gewicht zu reduzieren, und ein Eisprung und Menstruationsperioden setzen ein. Wenn Frauen Metformin einnehmen und nicht schwanger werden möchten, sollten sie verhüten. Metformin hat geringe oder gar keine Wirkung auf übermäßiges Haarwachstum, Akne oder Unfruchtbarkeit. Wenn Metformin eingesetzt wird, müssen Frauen regelmäßig Bluttests zur Messung des Glukosespiegels (Blutzucker) und zur Beurteilung der Nieren- und Leberfunktion vornehmen.

Wenn Frauen schwanger werden möchten, kann eine Gewichtsreduzierung helfen. Andernfalls wird es mit Clomifen (ein Fruchtbarkeitsmedikament) oder Letrozol probiert. Diese Medikamente stimulieren den Eisprung. Wenn diese Mittel keine Wirkung zeigen und die Betroffene an einer Insulinresistenz leidet, könnte Metformin helfen, da durch die Senkung des Insulinspiegels der Eisprung ausgelöst werden kann. Wenn keines dieser Arzneimittel wirkt, können andere Fruchtbarkeitsmedikamente getestet werden. Dazu gehören das follikelstimulierende Hormon, um die Eierstöcke anzuregen, ein Agonist des Gonadotropin freisetzenden Hormons (GnRH), um die Freisetzung von follikelstimulierendem Hormon anzuregen, und humanes Choriongonadotropin, um den Eisprung auszulösen.

Frauen, die nicht schwanger werden möchten, können eine Antibabypille einnehmen, die nur ein Progestin oder Östrogen und ein Progestin (eine Kombination aus oralen Verhütungsmitteln) enthält. Beide Behandlungen können Folgendes bewirken:

  • Senkung des Risikos eines Endometriumkarzinoms aufgrund des hohen Östrogenspiegels

  • Regelmäßigere Menstruationsperioden

  • Senkung des Spiegels männlicher Geschlechtshormone

  • Leichte Reduzierung von übermäßiger Körperbehaarung und Akne

Allerdings erhöht Östrogen das Risiko für Schlaganfall und Blutgerinnsel in den Beinen oder der Lunge. Daher werden Verhütungsmittel, die Östrogen enthalten, keinen Frauen verabreicht, die ihre Wechseljahre erreicht haben, oder die andere erhebliche Risikofaktoren für Herz- oder Blutgefäßerkrankungen oder für Blutgerinnsel haben. Die Verwendung eines Intrauterinpessars (IUP), der Progestin freisetzt, reduziert das Risiko für ein Endometriumkarzinom, sorgt aber nicht für regelmäßigere Perioden.

Übermäßige Körperbehaarung

Die Behandlung von übermäßiger Körperbehaarung umfasst Bleichen oder deren Entfernung durch Elektrolyse, Auszupfen, Wachs, Enthaarungscremes (Depilation) und Laser. Keine medikamentöse Behandlung zur Entfernung einer überschüssigen Behaarung ist ideal oder vollständig wirksam. Folgendes kann helfen:

  • Eflornithin-Creme kann helfen, unerwünschte Gesichtsbehaarung zu entfernen.

  • Orale Verhütungsmittel können helfen, aber sie müssen über mehrere Monate eingenommen werden, bevor auch nur eine leichte Wirkung eintritt.

  • Spironolacton, das die Produktion und Wirkung männlicher Hormone blockiert, kann das Wachstum von unerwünschter Körperbehaarung hemmen. Zu den Nebenwirkungen gehören eine erhöhte Harnmenge und niedriger Blutdruck (mitunter Anlass für Ohnmachtsanfälle). Da Spironolacton die Entwicklung eines ungeborenen Kindes beeinträchtigen kann, darf es nur angewendet werden, wenn eine Empfängnis sicher verhütet wird.

  • Cyproteron, eine Substanz, die als starkes Progestin wirkt und die Wirkung der männlichen Hormone hemmt, reduziert die unerwünschte Behaarung um 50 bis 75 Prozent. Das Medikament wird in vielen Ländern verwendet, ist aber in den USA nicht zugelassen.

Agonisten und Antagonisten des Gonadotropin freisetzenden Hormons werden als Behandlung für unerwünschte Körperbehaarung untersucht. Beide Arten von Arzneimitteln unterbinden die Produktion von Geschlechtshormonen durch die Eierstöcke. Aber beide können zum Verlust von Knochendichte und somit zu Osteoporose führen.

Akne

Akne wird gewöhnlich mit Arzneimitteln wie Benzoylperoxid, Tretinoin-Creme, Antibiotika, die auf die Haut aufgetragen oder oral eingenommen werden, behandelt.

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