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Überblick über Angststörungen

Von

John W. Barnhill

, MD, Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Jeder macht hin und wieder die Erfahrung von Furcht und Angst. Furcht ist eine emotionale, körperliche und verhaltensmäßige Reaktion auf eine konkrete äußere Bedrohung (z. B. ein Einbrecher, Schleudern mit dem Auto auf eisglatter Fahrbahn). Angst ist ein belastender, unangenehmer emotionaler Zustand der Nervosität und des Unbehagens; ihre Ursachen sind weniger klar. Angst ist weniger stark an den genauen Zeitpunkt der Bedrohung gebunden; sie kann in Erwartung einer Bedrohung auftreten (antizipatorische Angst), andauern, nachdem die Bedrohung vorüber ist, oder auch ohne eine identifizierbare Bedrohung auftreten. Bei Angst zeigen sich häufig ähnliche körperliche Veränderungen und Verhaltensweisen, wie sie durch Furcht hervorgerufen werden.

Ein gewisses Maß an Angst dient in bestimmten Situationen der Anpassung: sie kann Menschen helfen, sich vorzubereiten, Dinge auszuführen und zu üben und somit ihre Leistungsfähigkeit steigern, und dazu beitragen, in potenziell gefährlichen Situationen angemessene Vorsicht walten zu lassen. Wird jedoch ein bestimmtes Maß überschritten, führt Angst zu Fehlfunktionen und negativem Stress (Distress). An diesem Punkt ist sie unangemessen und als Störung anzusehen.

Bei vielen körperlichen und psychischen Erkrankungen tritt Angst auf, als Leitsymptom gilt sie jedoch nur für einige Störungen. Angststörungen kommen häufiger vor als alle anderen psychischen Störungen. Dennoch werden sie oftmals nicht erkannt und demzufolge auch nicht behandelt. Unbehandelt können chronische unangemessene Ängste zur Entstehung einiger allgemeiner körperlicher Erkrankungen beitragen oder deren Behandlung erschweren.

Psychische Belastung, die unmittelbar oder kurz nach der Erfahrung oder dem Erleben eines überwältigenden traumatischen Ereignisses auftritt, wird nicht mehr als eine Angststörung klassifiziert. Solche Störungen werden nun als tTauma-bezogene und Stressor-bezogene Störungen klassifiziert.

Ätiologie

Die Ursachen von Angststörungen sind nicht gänzlich bekannt, allerdings spielen sowohl psychiatrische als auch allgemeine medizinische Faktoren eine Rolle. Viele Menschen entwickeln Angststörungen, ohne dass ein konkreter vorausgegangener Auslöser feststellbar ist. Angst kann eine Reaktion auf verschiedene Stressoren in der Umgebung sein, beispielsweise auf das plötzliche Ende einer wichtigen Beziehung oder die Konfrontation mit einem lebensbedrohlichen Ereignis.

Einige allgemeine Erkrankungen können direkt angstauslösend sein; dazu gehören die folgenden:

Eine Vielzahl von Medikamenten kann Angst verursachen. Kortikosteroide, Kokain, Amphetamine und Koffein können direkt Angstsymptome verursachen, während der Entzug von Alkohol, Beruhigungsmitteln und einigen illegalen Drogen auch Angst verursachen kann.

Symptome und Zeichen

Angst kann plötzlich auftreten und sich als Panik äußern, oder sie kann sich nach und nach über viele Minuten, Stunden oder Tage aufbauen. Angst kann nur einige Sekunden anhalten, aber auch Jahre; eine längere Dauer ist daher für Angststörungen charakteristischer. Angst reicht von kaum wahrnehmbarem Unbehagen bis hin zu intensiver Panik. Die Fähigkeit, ein bestimmtes Maß an Angst zu tolerieren, ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt.

Angststörungen können derart quälend und störend sein, dass sie evtl. zu einer Depression führen. Umgekehrt können eine Angsstörung und eine depressive Störung gleichzeitig bestehen, oder es kann sich zuerst eine Depression entwickeln, und die Symptome einer Angststörung erscheinen später.

Diagnose

  • Ausschluss anderer Ursachen

  • Beurteilung der Schwere

Die Entscheidung, wann die Angst so beherrschend und stark ist, dass sie eine behandlungsbedürftige Störung darstellt, hängt von verschiedenen Variablen ab, und Ärzte unterscheiden sich darin, an welchem Punkt sie die Diagnose stellen. Die Ärzte müssen zuerst anhand von Anamnese, körperlicher Untersuchung und entsprechenden Labortests feststellen, ob die Angst auf eine allgemeinmedizinische Erkrankung oder eine Substanz zurückzuführen ist. Außerdem ist zu klären, ob die Angst nicht besser durch eine andere psychische Erkrankung erklärt werden kann.

Eine Angststörung liegt vor und verdient eine Behandlung, wenn das Folgende gilt:

  • Es wurden keine anderen Ursachen identifiziert.

  • Die Angst ist sehr belastend.

  • Die Angst stört die Funktionsfähigkeit.

  • Die Angst hört nicht spontan innerhalb von wenigen Tagen auf.

Die Diagnose einer spezifischen Angststörung wird aufgrund ihrer charakteristischen Symptome und Zeichen gestellt. Ärzte wenden in der Regel spezifische Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5) an, das die spezifischen Symptome beschreibt und den Ausschluss anderer Ursachen der Symptome fordert.

Eine Familienanamnese mit Angststörungen hilft bei der Diagnosestellung, weil einige Patienten anscheinend eine Prädisposition für die gleichen Angststörungen erben, unter denen auch ihre Verwandten leiden, sowie eine generelle Suszeptibilität für andere Angststörungen. Einige Patienten scheinen jedoch durch erlerntes Verhalten die gleichen Störungen wie ihre Verwandten zu erwerben.

Behandlung

  • Störungsspezifische Psychotherapie

  • Medikamente (Benzodiazepine, SSRIs)

Die Behandlungen für die verschiedenen Angststörungen unterscheiden sich, aber typischerweise bestehen sie aus einer Kombination von störungsspezifischer Psychotherapie und Pharmakotherapie. Die am häufigsten eingesetzten Arzneimittelklassen sind Benzodiazepine und SSRI.

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