Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter

VonJosephine Elia, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University
Reviewed ByAlicia R. Pekarsky, MD, State University of New York Upstate Medical University, Upstate Golisano Children's Hospital
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Depressive Störungen sind durch Trauer oder Reizbarkeit charakterisiert, die schwerwiegend genug sind oder lange genug anhalten, um Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung zu verursachen und beträchtliche Sorge zu bereiten. Die Diagnose wird nach klinischen Kriterien gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Antidepressiva, supportiver und kognitiver Verhaltenstherapie oder einer Kombination dieser Modalitäten.

(Siehe auch Diskussion von Depressive Störungen bei Erwachsenen.)

Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter umfassen

  • Disruptive Stimmungsdysregulationsstörung

  • Major Depression

  • Anhaltende Depression (Dysthymie)

  • Sonstige näher bezeichnete depressive Störung

Der Begriff Depression wird häufig umgangssprachlich gebraucht, um eine gedrückte oder niedergeschlagene Stimmung nach Enttäuschungen (z. B. schwere Krankheit) oder Verlusten (z. B. Tod einer nahestehenden Person) zu beschreiben. Solche gedrückten Stimmungen treten im Gegensatz zu Depressionen jedoch in Wellen auf, die mit Gedanken oder Erinnerungen an das auslösende Ereignis zusammenhängen, klingen ab, wenn sich die Umstände oder Ereignisse verbessern, können sich mit Phasen positiver Emotion oder guter Laune abwechseln und werden nicht von anhaltenden Gefühlen der Wertlosigkeit und des Selbsthasses begleitet. Die niedergedrückte Stimmung hält in der Regel nur Tage und nicht Wochen oder Monate an, und Suizidgedanken und längerfristige Funktionseinbußen sind wesentlich unwahrscheinlicher. Solche niedergedrückten Stimmungen werden passender als Demoralisierung oder Trauer bezeichnet. Allerdings können Ereignisse und Stressoren, die Demoralisierung und Trauer auslösen, auch eine Episode der Major Depression einleiten.

Depression wird häufig bei Kindern und Jugendlichen berichtet und ihre Prävalenz nimmt mit dem Alter zu. In einer weltweiten Stichprobe lag der Häufigkeitsgipfel des Erkrankungsalters bei 15,5 Jahren, wobei 10 % bereits im Alter von 14 Jahren, 26 % im Alter von 18 Jahren und 47 % im Alter von 25 Jahren erste Symptome zeigten (1). In einer anderen Metaanalyse betrug die globale Lebenszeitprävalenz von mittelschwerer bis schwerer Depression 19% (2). Die Prävalenz der Major Depression war jedoch mit 4% niedriger (3). Frauen sind fast doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Allgemeine Literatur

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Ätiologie depressiver Störungen

Die Ätiologie der Depression bei Kindern und Jugendlichen ist weniger eindeutig geklärt als bei Erwachsenen, es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie große Ähnlichkeiten aufweist; es wird angenommen, dass sie teilweise aus der Interaktion von genetisch bestimmten Risikofaktoren und Umweltstress resultiert (insbesondere Stress im frühen Leben wie Misshandlung, Verletzungen, Naturkatastrophen, häuslicher Gewalt, dem Tod eines Familienmitglieds und Deprivation [1]).

Unter anderem haben die Qualität und Quantität (d. h. die dafür aufgewendete Zeit) der Nutzung von sozialen Medien und sozialen Netzwerken Bedenken ausgelöst, da ihre Nutzung zu einem Rückgang der persönlichen zwischenmenschlichen Interaktionen, zu suchtähnlichen Verhaltensweisen, zu Online-Mobbing und zu sozialem Druck aufgrund vermehrter sozialer Vergleiche führt (2). Depression selbst wurde mit problematischer Internetnutzung assoziiert. Allerdings kann eine moderate Nutzung, insbesondere zum Erwerb von Wissen, die emotionale Regulation und Entwicklung unterstützen.

Während der COVID-19-Pandemie haben sich depressive Symptome bei Kindern und Jugendlichen verdoppelt, insbesondere bei Mädchen und älteren Jugendlichen (3). Inanspruchnahmen psychiatrischer Versorgung aufgrund von Depressionen sowie Angststörungen nahmen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um 43 % zu (4). Kinder (im Alter von 5 bis 11 Jahren) mit einer nachgewiesenen COVID-19-Infektion wiesen ein erhöhtes Risiko für eine bipolare Störung auf, und Jugendliche hatten ein erhöhtes Risiko für eine leichte Depression im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die dem Stress der Pandemie ausgesetzt war, jedoch keine Anzeichen einer Infektion aufwies (5).

Literatur zur Ätiologie

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  3. 3. Racine N, McArthur B, Cooke J, et al. Global prevalence of depressive and anxiety symptoms in children and adolescence during COVID-19: A meta-analysis. JAMA Pediatr. 175(11):1142-1150, 2021. doi: 10.1001/jamapediatrics.2021.2482

  4. 4. Dvir Y, Ryan C, Straus JH. Comparison of use of the Massachusetts Child Psychiatry Access Program and patient characteristics before vs during the COVID-19 pandemic. JAMA Netw Open.5(2):e2146618, 2022. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.46618

  5. 5. Lu Y, Tong J, Zhang D, et al. Risk of neuropsychiatric and related conditions associated with SARS-CoV-2 infection: a difference-in-differences analysis. Nat Commun. 2025;16(1):6829. Published 2025 Jul 24. doi:10.1038/s41467-025-61961-1

Pathophysiologie depressiver Störungen

Die Mechanismen, die zur Entstehung von Depressionen im Kindes- und Jugendalter beitragen, sind nach wie vor nur unzureichend erforscht, lassen sich jedoch teilweise auf eine Kombination aus genetischer Veranlagung, einer Dysregulation der Neurotransmitterwege und umweltbedingten Stressfaktoren zurückführen. Störungen in den Neurotransmittersystemen, insbesondere in den serotonergen und glutamatergen Signalwegen, an denen N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptoren beteiligt sind, sind für das Verständnis der Pathophysiologie der Depression von entscheidender Bedeutung, wie die Wirksamkeit von NMDA-Antagonisten wie Ketamin bei der Behandlung therapieresistenter Fälle belegt (1). Darüber hinaus können abnorme Gehirnaktivierungsmuster in Bereichen wie dem subgenualen anterioren Cingulumkortex, dem ventrolateralen präfrontalen Kortex und dem Thalamus vorhanden sein (2). Schließlich ist eine Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse) ein markantes Merkmal bei Jugendlichen mit einer Major Depression, was möglicherweise die emotionale Dysregulation verschlimmert und zur Entstehung einer klinischen Depression beiträgt (3).

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Ferrari F, Villa RF. The Neurobiology of Depression: an Integrated Overview from Biological Theories to Clinical Evidence. Mol Neurobiol. 2017;54(7):4847-4865. doi:10.1007/s12035-016-0032-y

  2. 2.Miller CH, Hamilton JP, Sacchet MD, Gotlib IH. Meta-analysis of Functional Neuroimaging of Major Depressive Disorder in Youth. JAMA Psychiatry. 2015;72(10):1045-1053. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.1376

  3. 3.Guerry JD, Hastings PD. In search of HPA axis dysregulation in child and adolescent depression. Clin Child Fam Psychol Rev. 2011;14(2):135-160. doi:10.1007/s10567-011-0084-5

Symptome und Anzeichen von depressiven Störungen

Die grundlegenden Manifestationen von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind ähnlich wie bei Erwachsenen, stehen aber im Zusammenhang mit typischen Anliegen von Kindern, wie z. B. Schularbeiten und Spielen. Jüngere Kinder können unfähig sein, ihre inneren Gefühle und Seelenzustände zu erklären. Eine Depression sollte in Betracht gezogen werden, wenn Kinder mit bisher guten Leistungen in der Schule auf einmal schlecht werden, sich zurückziehen oder straffällig werden. Ältere Kinder und Jugendliche sind in der Regel in der Lage, ihre Symptome klarer zu artikulieren. Dazu können Niedergeschlagenheit, mangelndes Interesse an Routine- und sozialen Aktivitäten, Veränderungen des Appetits und Gewichts, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Entscheidungsunfähigkeit und Suizidgedanken oder -verhalten gehören.

Bei einigen Kindern mit einer depressiven Störung ist die vorherrschende Stimmung Reizbarkeit statt Traurigkeit (ein wichtiger Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen). Die Reizbarkeit, die mit einer kindlichen Depression verbunden ist, kann sich als Überaktivität und aggressives, antisoziales Verhalten manifestieren.

Bei Kindern mit geistiger Behinderung können sich depressive oder andere affektive Störungen als somatische Symptome und Verhaltensstörungen darstellen.

Disruptive Stimmungsdysregulationsstörung

Die disruptive Stimmungsdysregulationsstörung umfasst persistierende Reizbarkeit und häufige Episoden von Verhalten, das sehr aus dem Ruder läuft, mit einem Einsetzen im Alter zwischen 6 und 10 Jahren. Viele Kinder haben auch andere Störungen, insbesondere oppositionelles Trotzverhalten, Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder eine Angststörung. Die Diagnose wird nicht vor dem Alter von 6 Jahren oder nach dem Alter von 18 Jahren gestellt. Als Erwachsene können Patienten eine unipolare (eher als eine bipolare) Depression oder eine Angststörung entwickeln.

Die Manifestationen umfassen das Vorliegen der folgenden Merkmale für ≥ 12 Monate (ohne einen Zeitraum von ≥ 3 Monaten ohne alle):

  • Schwere rezidivierende Temperamentsausbrüche (z. B. verbale Wut und/oder körperliche Aggression gegenüber Menschen oder Gegenständen), die stark unverhältnismäßig sind für die jeweilige Situation und die im Durchschnitt ≥ 3-mal/Woche auftreten

  • Temperamentsausbrüche, die nicht mit dem Entwicklungsstand übereinstimmen

  • Eine reizbare, wütende Stimmung, die jeden Tag für den Großteil des Tages gegeben ist und von anderen beobachtet wird (z. B. Eltern, Lehrer, Gleichaltrige)

Die Ausbrüche und wütende Stimmung müssen unter 2 von 3 Umständen auftreten (zu Hause oder in der Schule, mit Gleichaltrigen).

Major Depression

Eine Major Depression ist eine diskrete depressive Episode, die ≥ 2 Wochen andauert. Sie tritt bei bis zu 2,8 % der Kinder unter 13 Jahren und bei 5,6 % der Jugendlichen auf (1). Eine Major Depression kann in jedem Alter einsetzen, ist jedoch nach der Pubertät häufiger (2) und erreicht eine Prävalenz von etwa 11 % zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr (3, 4). Unbehandelt kann Major Depression nach 6–12 Monaten nachlassen. Das Rezidivrisiko ist höher bei Patienten, die schwere Episoden hatten, jünger sind oder mehrere Episoden hatten. Die Persistenz selbst leichter depressiver Symptome während der Remission ist ein starker Prädiktor für einen Rückfall.

Für die Diagnose muss 1 der folgenden Merkmale für den Großteil des Tages beinahe täglich während derselben Periode von 2 Wochen vorhanden sein (5):

  • Depressive Stimmung während des größten Teils des Tages, nahezu jeden Tag, angezeigt entweder durch subjektive Angaben oder durch Beobachtungen anderer

  • Verlust von Interesse oder Freude an beinahe allen Aktivitäten (manchmal als tiefe Langeweile ausgedrückt)

Zusätzlich müssen ≥ 4 der folgenden Bedingungen vorhanden sein:

  • Gewichtsabnahme ohne Diät (bei Kindern: Ausbleiben der erwarteten Gewichtszunahme), Gewichtszunahme oder Verringerung oder Steigerung des Appetits

  • Insomnie oder Hypersomnie nahezu täglich

  • Von anderen beobachtete psychomotorische Unruhe oder Retardierung (nicht selbst berichtet)

  • Fatigue oder Energieverlust nahezu täglich

  • Verminderte Denk-, Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit

  • Rezidivierende Todesgedanken (nicht nur Angst vor dem Sterben) und/oder Suizidgedanken oder -pläne

  • Gefühle der Wertlosigkeit (d. h. sich abgelehnt und ungeliebt fühlen) oder übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle

Eine schwere Depression bei einem Jugendlichen stellt ein großes Risiko für Schulversagen, Substanzkonsum und suizidales Verhalten dar. Wenn sie niedergeschlagen sind, neigen Kinder und Jugendliche dazu, in ihren Schulleistungen abzufallen und Beziehungen zu Gleichaltrigen zu verlieren. Bei sehr schweren Depressionen können psychotische Symptome auftreten.

Anhaltende Depression (Dysthymie)

Dysthymie ist eine anhaltende depressive oder gereizte Stimmung, die für den Großteil des Tages an den meisten Tagen für ≥ 1 Jahr andauert sowie ≥ 2 der folgenden Merkmale aufweist:

  • Geringer Appetit oder übermäßiges Essen

  • Insomnie oder Hyperinsomnie

  • Wenig Energie oder Müdigkeit

  • Geringes Selbstvertrauen

  • Konzentrationsschwäche

  • Gefühle der Hoffnungslosigkeit

Die Symptome können weniger intensiv sein als bei einer Major Depression. Dennoch kann diese Erkrankung aufgrund ihres chronischen Charakters als stärker beeinträchtigend empfunden werden als eine schwere depressive Störung, obwohl ihre Symptome im Allgemeinen weniger ausgeprägt sind.

Eine Major depressive Episode kann vor dem Beginn oder während des ersten Jahres auftreten (d. h. bevor das zeitliche Kriterium für die persistierende depressive Störung erfüllt ist).

Die Bezeichnung „Sonstige spezifische depressive Störung“ bezieht sich auf das Vorliegen von Symptomen einer depressiven Störung, wobei jedoch die vollständigen Kriterien für keine der spezifischen Formen erfüllt sind.

Literatur zu Symptomen und Beschwerden

  1. 1. Costello EJ, Erkanli A, Angold A. Is there an epidemic of child or adolescent depression?. J Child Psychol Psychiatry. 2006;47(12):1263-1271. doi:10.1111/j.1469-7610.2006.01682.x

  2. 2. Paus T, Keshavan M, Giedd JN. Why do many psychiatric disorders emerge during adolescence?. Nat Rev Neurosci. 2008;9(12):947-957. doi:10.1038/nrn2513

  3. 3. World Health Organization. Adolescent Mental Health in the European Region: Factsheet for World Mental Health Day 2018; World Health Organization: Geneva, Switzerland, 2018

  4. 4. Avenevoli S, Swendsen J, He JP, Burstein M, Merikangas KR. Major depression in the national comorbidity survey-adolescent supplement: prevalence, correlates, and treatment. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2015;54(1):37-44.e2. doi:10.1016/j.jaac.2014.10.010

  5. 5. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022

Diagnose von depressiven Störungen

  • Psychiatrische Beurteilung

  • Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fünfte Auflage, Textüberarbeitung (DSM-5-TR) Kriterien

Die Diagnose depressiver Störungen basiert auf Symptomen und Anzeichen, und spezifische Typen können anhand der DSM-5-TR-Kriterien klassifiziert werden (1).

Informationsquellen sind eine Befragung des Kindes oder Jugendlichen und Informationen von Eltern, Betreuungspersonen und Lehrern. Mehrere kurze Fragebögen stehen zum Screening zur Verfügung; in den Vereinigten Staaten werden häufig der Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) und das Beck-Depressions-Inventar verwendet (2, 3). (Siehe Depression Assessment Instruments für diese und andere Inventare und Bewertungsinstrumente.) Mit ihnen lassen sich einige depressive Symptome identifizieren, sie reichen jedoch alleine für die Diagnose nicht aus. Mithilfe spezifischer geschlossener Fragen lässt sich feststellen, ob die Patienten die für die Diagnose einer Major Depression erforderlichen Symptome gemäß den DSM-5-TR-Kriterien aufweisen.

Die Anamnese sollte auch damit zusammenhängende Faktoren berücksichtigen, wie häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und Ausbeutung sowie unerwünschte Arzneimittelreaktionen. Es ist wichtig, auf suizidales Verhalten zu screenen (z. B. Suizidgedanken, -gesten oder -versuche). Es ist ebenfalls wichtig, nach der Nutzung von sozialen Medien und sozialen Netzwerken zu fragen; insbesondere, um festzustellen, wie viel Zeit dafür aufgewendet wird und ob die Nutzung tagsüber oder nachts stattfindet. Zugrunde liegende affektive Störungen sowie Erkrankungen, die Angst verursachen können, sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Eine sorgfältige Überprüfung der Krankengeschichte und entsprechende Laboruntersuchungen sind erforderlich, um andere organische Erkrankungen (z. B. infektiöse Mononukleose, Schilddrüsenerkrankungen, Substanzgebrauchsstörungen) auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.

Andere psychiatrische Erkrankungen, die das Risiko depressiver Symptome erhöhen und/oder ihren Verlauf modifizieren können (z. B. Angst, und bipolare Störungen), müssen berücksichtigt werden. Einige Kinder, die eine bipolare Störung oder eine Schizophrenie entwickeln, zeigen zu Anfang eine schwere Depression.

Nach Diagnosestellung einer Depression muss das familiäre und soziale Umfeld weitergehend evaluiert werden, um auslösende Stressoren zu identifizieren (und nach Möglichkeit zu modifizieren), die zur Entstehung der Depression beigetragen haben könnten.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022

  2. 2. Kroenke K, Spitzer RL, Williams JB. The PHQ-9: validity of a brief depression severity measure. J Gen Intern Med. 2001;16(9):606-613. doi:10.1046/j.1525-1497.2001.016009606.x

  3. 3. Beck, A. T., Steer, R. A., & Brown, G. K. (1996). Beck Depression Inventory-II. San Antonio, TX: Psychological Corporation. https://doi.org/10.1037/t00742-000

Behandlung von depressiven Störungen

  • Begleitende Maßnahmen, die sich auf Familie und Schule richten, einschließlich Psychotherapie

  • Pharmakotherapie (z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)

  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS) in Kombination mit anderen Behandlungen

  • Stationäre Aufnahme zur stationären Behandlung akuter depressiver Krisen

Tabelle
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Begleitende Maßnahmen für die Familie und Schule müssen die direkte Behandlung des Kindes begleiten, um die fortgesetzte Funktionsfähigkeit zu verbessern und angemessene schulische Anpassungen zu bieten. In einer Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien mit Kindern und Jugendlichen mit Depressionen schnitt eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva (z. B. Fluoxetin) besser ab als die Psychotherapie allein (1). Bei Kindern vor der Pubertät / Bei präadoleszenten Kindern ist der optimale Ansatz weniger klar. Die meisten Ärzte entscheiden sich für Psychotherapie bei jüngeren Kindern. Medikamente können aber bei jüngeren Kindern eingesetzt werden (Fluoxetin kann bei Kindern 8 Jahre angewendet werden), vor allem, wenn die Depression schwer ist oder nicht auf die Psychotherapie anspricht. Ein kurzer Krankenhausaufenthalt kann in Krisensituationen notwendig sein, insbesondere wenn suizidales Verhalten festgestellt wird.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bilden die Grundlage der Pharmakotherapie. Die Wahl des spezifischen Wirkstoffs hängt vom Alter des Patienten und den pharmakokinetischen Eigenschaften des Medikaments ab. Fluoxetin und Escitalopram sind von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für Kinder ab 8 bzw. 12 Jahren zugelassen und gelten beide als Medikamente der ersten Wahl, wenn die Einnahme eines Antidepressivums angezeigt ist (2). Sertralin und Paroxetin sind weitere SSRI, die off-label verwendet wurden. Fluoxetin und sein aktiver Metabolit Norfluoxetin weisen im Vergleich zu anderen SSRI wie Escitalopram und Sertralin (33 bzw. 26 Stunden) eine deutlich längere Halbwertszeit auf (7 bis 15 Tage für den aktiven Metaboliten) (3). Obwohl die lange Halbwertszeit von Fluoxetin konsistentere Steady-State-Spiegel fördert, kann der Wirkungseintritt verzögert sein. Darüber hinaus können sich unerwünschte Wirkungen, falls sie auftreten, langsamer zurückbilden. Fluoxetin und Paroxetin können zudem ihren eigenen Metabolismus hemmen, was bei höheren Dosierungen zu überproportionalen Anstiegen der Plasmaspiegel führt. Im Gegensatz dazu können die kürzeren Halbwertszeiten von Escitalopram und Sertralin eine schnellere Dosistitration ermöglichen und zu einem schnelleren Wirkungseintritt führen, und ihre fehlende metabolische Selbsthemmung kann vorteilhaft sein, um eine schnelle Ausscheidung aus dem Körper zu unterstützen. Kinder und ihre Eltern sollten darüber informiert werden, dass es 6 bis 8 Wochen dauern kann, bis diese Medikamente einen Steady-State-Spiegel erreichen. (Siehe Tabelle .)

SSRI sind Substrate, Inhibitoren und Induktoren der P450-Isoenzyme (3). Siehe genetische Testpanels für weitere Informationen zur Identifizierung von Varianten in arzneimittelmetabolisierenden Enzymen (insbesondere CYP2D6, CYP2C19, CYP2B6). Diese Varianten können das Risiko von Nebenwirkungen oder einer verminderten Wirksamkeit von SSRI erhöhen. Tests sind vor Beginn der Behandlung oder bei Patienten, die schlecht auf die Behandlung ansprechen oder Nebenwirkungen entwickeln, am sinnvollsten, werden jedoch nicht für Patienten empfohlen, die gut auf die Behandlung ansprechen oder keine Risikofaktoren aufweisen. (Siehe Tabelle .) Der klinische Nutzen dieser Panels bleibt begrenzt. Ärzte, die diese Tests bestellen, sollten den Familien helfen, die Ergebnisse zu interpretieren (CPIC—Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium).

Verhaltensbezogene Nebenwirkungen sind idiosynkratisch und können mit jedem Antidepressivum und zu jeder Zeit während der Behandlung auftreten. Daher müssen Kinder und Jugendliche, die solche Medikamente einnehmen, genau überwacht werden. Die Behandlung sollte in der Regel über 6 Monate fortgeführt werden, auch wenn die depressiven Symptome in Remission zu sein scheinen (4). Die meisten Ärzte entscheiden sich für eine Behandlungsdauer von 1 Jahr oder länger. Wenn die Entscheidung getroffen wird, die Pharmakotherapie zu beenden, sollten SSRI schrittweise ausgeschlichen werden.

Andere Antidepressiva, bei denen Studien an Erwachsenen nahegelegt haben, dass sie sowohl auf das serotonerge als auch auf das adrenerge/dopaminerge System wirken, können geringfügig wirksamer sein; jedoch neigen Medikamente wie SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, z. B. Duloxetin, Desvenlafaxin), Mirtazapin und bestimmte trizyklische Antidepressiva, insbesondere Clomipramin, ebenfalls zu mehr unerwünschten Wirkungen wie Hypertonie. Diese Mittel können vor allem bei der Behandlung von resistenten Fällen hilfreich sein. Nichtserotonerge Antidepressiva wie Bupropion und Desipramin können ebenfalls mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) kombiniert werden, um den Effekt zu steigern. Bei sehr schweren Depressionen können psychotische und/oder manische Symptome eine Behandlung mit einem zusätzlichen Antipsychotikum erforderlich machen (5, 6). Die Behandlungsdauer und das Ausschleichschema für SNRI sind ähnlich wie bei SSRI (7).

Laufende Studien zu den Prüfsubstanzen Vortioxetin und Agomelatin zeigen Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen in der Behandlung von Depressionen. Ketamin und seine potentere Form, Esketamin, zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Reduktion depressiver Symptome bei Jugendlichen (8). Die Anwendung von Ketamin und Esketamin ist jedoch eingeschränkt und wirft Sicherheitsbedenken auf.

Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem kurze Magnetimpulse über eine elektromagnetische Spule, die nahe der Kopfhaut des Patienten platziert wird, auf das Gehirn übertragen werden. Es wird angenommen, dass die TMS (transkranielle Magnetstimulation) durch eine Steigerung der glutamatergen und GABAergen Aktivitäten wirkt, von denen berichtet wird, dass sie bei Depressionen vermindert sind (9, 10). Ein TMS-Gerät wurde erfolgreich bei Jugendlichen mit Depressionen (ab 15 Jahren) in Kombination mit anderen Therapien (z. B. Antidepressiva, Gesprächstherapie) oder in Fällen eingesetzt, in denen Standardtherapien wirkungslos geblieben sind. Der Einsatz von TMS bei jüngeren Kindern wird derzeit untersucht. Vorläufige Daten für Jugendliche und junge Erwachsene mit Depressionen und Angststörungen zeigen auch auf signifikante Verbesserungen bei denjenigen mit Depressionen und komorbiden Angststörungen (11). Unerwünschte Wirkungen, die bei TMS berichtet werden, sind Schmerzen an der Behandlungsstelle, Kopfschmerzen und vorübergehende verschwommene Sicht, die nach 5 Tagen abklingt (12). Die klinischen Effekte und die Verträglichkeit von TMS bei Jugendlichen ähneln denen, die bei Erwachsenen berichtet werden (13-16). Wie bei Erwachsenen sind Rezidive und Wiederauftreten der Depression nach Behandlung mit TMS häufig. Wiederholte TMS kann bei therapieresistenten Depressionen hilfreich sein; jedoch sind Studien bei Kindern und Jugendlichen begrenzt (17).

Suizidrisiko und Antidepressiva

Das Suizidrisiko im Zusammenhang mit verschiedenen Antidepressiva-Behandlungen ist seit langem Gegenstand von Diskussionen und Forschung (18). Im Jahr 2004 führte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA eine Metaanalyse durch, die 23 Studien zu 9 verschiedenen Antidepressiva umfasste. Diese ergab einen geringen, aber statistisch signifikanten Anstieg der Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen, die ein Antidepressivum (Paroxetin) einnahmen, im Vergleich zu Placebo (4 % gegenüber 2 %) (19). Diese Erkenntnis führte dazu, dass für alle Klassen von Antidepressiva (z. B. trizyklische Antidepressiva, SSRI, SNRI wie Venlafaxin und tetrazyklische Antidepressiva wie Mirtazapin) ein Warnhinweis in Form eines Rahmenfeldes eingeführt wurde.

Nachfolgende Beobachtungs- und epidemiologische Studien (20) zeigten keinen Anstieg der Rate von Suizidversuchen oder vollendeten Suiziden bei Patienten unter Behandlung mit SSRI. Auch trotz einer Abnahme der Verschreibungen für Antidepressiva nach der Black-Box-Warnung stieg die Suizidrate bei Jugendlichen um 14% (21). Unter Verwendung von Daten aus kommerziellen Versicherungsansprüchen (22) und landesweiten Registern (23) zur Abschätzung der Risiken und des Nutzens von Medikamenten in Bezug auf suizidale Ereignisse waren SSRI mit einer signifikant verringerten Anzahl suizidaler Ereignisse assoziiert. So war beispielsweise in einer großen schwedischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie, an der Kinder und Jugendliche teilnahmen, das Risiko für suizidales Verhalten im Monat vor Beginn der Behandlung mit SSRI am höchsten; nach Beginn der Behandlung mit SSRI kehrte sich dieses Risiko in einen schützenden Effekt um (24). In einer Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2024, in der die Auswirkungen der Einnahme von SSRI auf das Suizidrisiko bei Patienten mit psychischen Störungen untersucht wurden, zeigte sich, dass SSRI kurzfristig vor Suizidgedanken schützen (25). Ihre Langzeitwirksamkeit hinsichtlich der Reduktion von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten ist jedoch weniger eindeutig.

Unbehandelte Depression stellt selbst einen Risikofaktor sowohl für Suizidgedanken als auch für vollendeten Suizid dar. Die SSRI werden besser vertragen als die SNRI (26) und könnten zusammen mit Psychotherapie als Erstlinienbehandlung in Betracht gezogen werden. Bei Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Depression, die mit Venlafaxin behandelt wurden, wurde im Vergleich zu den mit einem SSRI behandelten Jugendlichen eine erhöhte Rate an Selbstverletzungsvorfällen (ohne vollendeten Suizid) festgestellt (27). Die Kombination von Pharmakotherapie mit Psychotherapie und die Risikominderung durch eine engmaschige Überwachung der Behandlung werden empfohlen.

Unabhängig davon, ob Medikamente verwendet werden oder nicht, ist Suizid immer ein Bedenken bei einem Kind oder Jugendlichen mit Depression; daher:

  • Eltern und Psychologen sollten die Thematik eingehend besprechen.

  • Das Kind oder der Jugendliche sollten auf einem angemessenen Niveau betreut werden.

  • Eine Psychotherapie mit regelmäßigen Terminen sollte in den Behandlungsplan aufgenommen werden.

Tipps und Risiken

  • Suizidrisiko ist immer ein Problem bei Kindern oder Jugendlichen mit Depressionen, ob sie Antidepressiva einnehmen oder nicht.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Zhou X, Teng T, Zhang Y, et al. Comparative efficacy and acceptability of antidepressants, psychotherapies, and their combination for acute treatment of children and adolescents with depressive disorder: a systematic review and network meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2020;7(7):581-601. doi:10.1016/S2215-0366(20)30137-1

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Prognose von depressiven Störungen

Die Heilungsrate bei depressiven Stimmungsstörungen bei Jugendlichen liegt bei > 90 %, doch Rückfälle sind häufig; etwa zwei Drittel erleben mindestens einen Rückfall (1, 2). Eine früh einsetzende Depression kann mit einem höheren Risiko für anhaltende und wiederkehrende depressive Episoden im Erwachsenenalter, einem höheren Ausmaß an Angstzuständen, Substanzkonsum und sozialer Funktionsfähigkeit im Erwachsenenalter sowie schlechteren gesundheitlichen Folgen, einschließlich suizidaler Selbstverletzungen, assoziiert sein (3).

Literatur zur Prognose

  1. 1. Kiviruusu O, Strandholm T, Karlsson L, Marttunen M. Outcome of depressive mood disorder among adolescent outpatients in an eight-year follow-up. J Affect Disord. 2020;266:520-527. doi:10.1016/j.jad.2020.01.174

  2. 2. Copeland WE, Alaie I, Jonsson U, Shanahan L. Associations of Childhood and Adolescent Depression With Adult Psychiatric and Functional Outcomes. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2021;60(5):604-611. doi:10.1016/j.jaac.2020.07.895

  3. 3. Weavers B, Heron J, Thapar AK, et al. The antecedents and outcomes of persistent and remitting adolescent depressive symptom trajectories: a longitudinal, population-based English study. Lancet Psychiatry. 2021;8(12):1053-1061. doi:10.1016/S2215-0366(21)00281-9

Wichtige Punkte

  • Depressive Störungen können sich bei Kindern als Traurigkeit oder Reizbarkeit äußern.

  • Zu einer Major Depression gehört, dass man sich während eines Zeitraums von zwei Wochen fast jeden Tag die meiste Zeit des Tages traurig oder reizbar fühlt oder das Interesse oder die Freude an fast allen Aktivitäten verliert.

  • Die Diagnose einer depressiven Erkrankung basiert auf spezifischen klinischen Kriterien und geeignete Labortests werden durchgeführt, um andere Erkrankungen (z. B. infektiöse Mononukleose, Schilddrüsenerkrankungen, illegaler Drogenkonsum) auszuschließen.

  • Die Familie und die Schule werden während der Behandlung des Kindes einbezogen, um die weitere Funktionsfähigkeit des Kindes zu verbessern und angemessene schulische Anpassungen bereitzustellen.

  • Bei Jugendlichen (wie bei Erwachsenen) übertrifft eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva in der Regel bei weitem die beiden allein verwendeten Modalitäten. Bei jüngeren Kindern entscheiden sich die meisten Kliniker für eine Psychotherapie, obwohl bei Bedarf Medikamente eingesetzt werden können (abhängig vom Alter des Kindes).

  • Im Jahr 2004 führte die FDA eine Metaanalyse durch, die zu einem Warnhinweis (Black-Box-Warnung) hinsichtlich eines erhöhten Risikos für suizidale Gedanken und suizidales Verhalten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter allen Klassen von Antidepressiva führte; spätere Analysen zeigten jedoch kurzfristig eine Abnahme sowohl suizidaler Gedanken als auch Verhaltensweisen, wobei unklar ist, ob dieser Effekt langfristig anhält.

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