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Diabetes Mellitus bei Kindern und Jugendlichen

Von

Andrew Calabria

, MD,

  • Assistant Professor of Pediatrics
  • Perelman School of Medicine at The University of Pennsylvania
  • Attending Physician, Division of Endocrinology & Diabetes
  • The Children's Hospital of Philadelphia

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Quellen zum Thema

Der Diabetes mellitus umfasst das Fehlen der Insulinsekretion (Typ 1) oder eine periphere Insulinresistenz (Typ 2), die zu Hyperglykämie führen. Die Frühsymptome hängen mit der Hyperglykämie zusammen und umfassen Polydipsie, Polyphagie, Polyurie und Gewichtsverlust. Die Diagnose erfolgt durch Messung der Plasmaglukosespiegel. Die Behandlung hängt vom Typ ab, umfasst aber Medikamente, die den Blutzuckerspiegel reduzieren, Diät und körperliche Betätigung.

(Siehe auch Diabetes Mellitus bei Erwachsenen.)

Die Typen des Diabetes mellitus bei Kindern ähneln denjenigen bei Erwachsenen, aber die psychosozialen Probleme sind unterschiedlich und können die Behandlung erschweren.

Typ-1-Diabetes ist der häufigste Typ bei Kindern, der für zwei Drittel der neuen Fälle bei Kindern aller ethnischen Gruppen verantwortlich ist. Er ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter, die bei 1 von 350 Kindern bis zum Alter von 18 Jahren auftritt; die Inzidenz hat kürzlich zugenommen, insbesondere bei Kindern < 5 Jahren. Obwohl Typ 1 in jeder Altersgruppe auftreten kann, manifestiert er sich typischerweise im Alter von 4 bis 6 Jahren oder zwischen 10 und 14 Jahren.

Typ-2-Diabetes, der einst selten war bei Kindern, hat parallel zur Zunahme der Adipositas bei Kindern und (siehe Adipositas bei Kindern) in seiner Häufigkeit zugenommen. Er manifestiert sich in der Regel nach der Pubertät, mit der höchsten Rate zwischen dem Alter von 15 und 19 Jahren (Siehe auch Adipositas bei Jugendlichen.)

Monogene Formen von Diabetes, ehemals als "Maturity-Onset Diabetes of Youth" (MODY) bezeichnet, werden nicht als Typ 1 oder Typ 2 angesehen (auch wenn sie manchmal fäschlicherweise dafür gehalten werden) und sind selten (1% bis 4% der Fälle).

Prädiabetes ist die beeinträchtigte Glukoseregulierung, die zu intermediären Glukosespiegeln führt, die zu hoch sind, um normal zu sein, aber nicht die Kriterien für Diabetes erfüllen. Bei übergewichtigen Jugendlichen kann der Prädiabetes vorübergehend sein (mit einer Rückkehr zum Normalzustand innerhalb von 2 Jahren bei 60%) oder zu Diabetes fortschreiten, insbesondere bei Jugendlichen, die anhaltend an Gewicht zunehmen. Prädiabetes ist mit dem metabolischen Syndrom (Störungen der Blutglukoseregulation, Dyslipidämie, Hypertonie, Adipositas) assoziiert.

Ätiologie

Es scheint für alle Typen von Diabetes bei Kindern eine familiäre Komponente zu geben, obwohl die Inzidenz und der Mechanismus variieren.

Bei Diabetes-Typ-1 produziert die Pankreas aufgrund einer autoimmunen Zerstörung der pankreatischen Beta-Zellen kein Insulin. Die Zerstörung wird vermutlich bei genetisch anfälligen Patienten durch Umweltfaktoren ausgelöst. Nahe Verwandte sind einem erhöhten Diabetesrisiko ausgesetzt (etwa das 15-fache des Risikos der Allgemeinbevölkerung), mit einer Gesamtinzidenz von 4 bis 8% (30 bis 50% bei monozygoten Zwillingen). Kinder mit Diabetes-Typ-1 haben ein erhöhtes Risiko für andere Autoimmunerkrankungen, insbesondere Schilddrüsenerkrankungen und Zöliakie. Die ererbte Anfälligkeit für Diabetes-Typ-1 wird durch mehrere Gene bestimmt (> 60 Risiko-Loci sind identifiziert worden). Prädisponierende Gene sind in einigen Populationen häufiger. So erklärt sich die höhere Prävalenz des Diabetes-Typ-1 bei bestimmten ethnischen Gruppen (z. B. Skandinavier, Sarden).

Bei Diabetes-Typ-2 produziert die Pankreas Insulin, aber es liegen unterschiedliche Grade einer Insulinresistez vor und die Insulinsekretion reicht nicht aus, um die erhöhte Nachfrage abzudecken, die durch die Insulinresistenz verursacht wird (d. h. es liegt ein relativer Insulinmangel vor). Der Beginn tritt oft zusammen mit dem Höhepunkt der physiologischen pubertären Insulinresistenz auf, was bei zuvor ausgeglichenen Jugendlichen zu den Symptomen einer Hyperglykämie führen kann. Die Ursache ist keine autoimmune Zerstörung von Beta-Zellen, sondern eine komplexe Wechselwirkung zwischen vielen Genen und Umweltfaktoren, die sich zwischen verschiedenen Populationen und Patienten unterscheiden. Zu den Risikofaktoren gehören

  • Adipositas

  • Abstammung: amerikanische Ureinwohner, dunkelhäufig, hispanisch, asiatisch, Pazifikinseln

  • Positive Familienanamnese (60 bis 90% haben einen Verwandten 1. oder 2. Grades mit Diabetes-Typ-2)

Monogene Formen von Diabetes werden durch genetische Defekte, die autosomal dominant vererbt werden, verursacht, sodass die Patienten in der Regel ein oder mehrere betroffene Familienmitglieder haben. Es liegt keine Insulinresistenz oder autoimmune Zerstörung von Beta-Zellen vor. Die Krankheit beginnt meist vor dem 25. Lebensjahr.

Pathophysiologie

Bei Diabetes-Typ-1 verursacht der Mangel an Insulin Hyperglykämie und eine beeinträchtigte Glukoseverwertung in der Skelettmuskulatur. Muskeln und Fett werden dann aufgebrochen, um Energie zu liefern. Der Fettabbau produziert Ketone, die Azidämie verursachen und manchmal auch eine signifikante, lebensbedrohliche Azidose (diabetische Ketoazidose [DKA]).

Bei Diabetes-Typ-2 liegt in der Regel genug Insulinfunktion vor, um DKA bei der Diagnosestellung zu vermeiden, aber die Kinder können sich manchmal mit DKA (bis zu 25%) oder seltener mit einem hyperglykämischen hyperosmolan Zustand (HHS—), bei dem eine schwere hyperosmolare Dehydratisierung auftritt, vorstellen. HHS tritt am häufigsten während einer Stress- oder Infektionsperiode auf, wenn die Behandlung nicht eingehalten wird oder wenn der Glukosestoffwechsel durch Medikamente (z. B. Glukokortikoide) weiter eingeschränkt wird. Andere metabolische Störungen, die mit Insulinresistenz verbunden sind, können bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes auftreten und beinhalten Folgendes

Atherosklerose beginnt in der Kindheit und Jugend und erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich.

Bei monogenen Formen von Diabetes hängt der zugrundeliegende Defekt vom Typ ab. Die häufigsten Typen werden von Defekten in Transkriptionsfaktoren verursacht, die die Beta-Zellfunktion der Bauchspeicheldrüse (z. B. hepatischer Nuklearfaktor 4-alpha [HNF-4-alpha] und hepatischer Nuklearfaktor 1-alpha [HNF-1-alpha) regulieren. Bei diesen Typen ist die Insulinsekretion beeinträchtigt, aber nicht abwesend, es gibt keine Insulinresistenz und die Hyperglykämie verschlimmert sich mit dem Alter. Ein anderer Typ von monogenem Diabetes wird durch einen Defekt im Glukosesensor, Glukokinase, verursacht. Bei Glukokinasedefekten ist die Insulinsekretion normal, aber die Glukosespiegel werden auf einem höheren Sollwert reguliert, was zu einer Hyperglykämie des Fastens führt, die sich mit dem Alter minimal verschlechtert.

Tipps und Risiken

  • Trotz der weit verbreiteten irrtümlichen Annahme kann DKA bei Kindern mit Diabetes-Typ-2 auftreten.

Symptome und Beschwerden

Bei Diabetes-Typ-1 variieren die anfänglichen Manifestationen von asymptomatischer Hyperglykämie hin zu lebensbedrohlicher diabetischer Ketoazidose. Allerdings haben Kinder am häufigsten eine symptomatische Hyperglykämie ohne Azidose mit mehreren Tagen bis Wochen häufiger Urinfrequenz, Polydipsie und Polyurie. Polyurie kann sich als Nykturie, Bettnässen oder Inkontinenz während des Tages manifestieren; bei Kindern, die noch nicht an den Toilettengang gewöhnt sind, stellen die Eltern eventuell eine erhöhte Frequenz nasser oder schwerer Windeln fest. Etwa die Hälfte der Kinder haben als Folge des verstärkten Katabolismus einen Gewichtsverlust und auch ein beeinträchtigtes Größenwachstum. Müdigkeit, Schwäche, Candida-Ausschlag, verschwommenes Sehen (aufgrund des hyperosmolaren Zustandes der Linse und des Glaskörpers) und/oder Übelkeit und Erbrechen (aufgrund der Ketonämie) können ebenfalls anfänglich vorhanden sein.

Bei Diabetes-Typ-2 sind die Kinder oft asymptomatisch und ihr Zustand wird eventuell nur bei einer Routinetestung festgestellt. Allerdings stellen sich einige Kinder mit symptomatischer Hyperglykämie, HHS oder (trotz der weit verbreiteten irrtümlichen Annahme) DKA vor.

Komplikationen des Diabetes bei Kindern

Diabetische Ketoazidose ist bei Patienten mit einem bekannten Diabetes-Typ-1 häufig; sie entwickelt sich jährlich bei etwa 1 bis 10% der Patienten, in der Regel, weil sie ihr Insulin nicht eingenommen haben. Andere Risikofaktoren für DKA umfassen vorangegangene Episoden der DKA, schwierige soziale Verhältnisse, Depression oder andere psychiatrische Störungen, interkurrente Erkrankung und die Verwendung einer I nsulinpumpe (wegen eines geknickten oder abgelösten Katheters, schlechter Insulinabsorption aufgrund einer Entzündung an der Infusionsstelle oder Pumpenstörung). Ärzte können dabei helfen, die Auswirkungen von Risikofaktoren zu minimieren, indem sie die Patienten aufklären, beraten und unterstützen.

Psychosoziale Probleme sind bei Kindern mit Diabetes und ihren Familien sehr häufig. Bis zur Hälfte der Kinder entwickeln eine Depression, Angststörung oder andere psychische Probleme. Essstörungen sind bei Jugendlichen ein ernstes Problem, da diese manchmal auch Insulindosen auslassen als Teil ihrer Bemühung, ihr Gewicht zu kontrollieren. Psychosoziale Probleme können auch in einer schlechten glyzämischen Kontrolle resultieren, indem sie die Fähigkeit der Kinder einschränken, sich an ihre Ernährungs- und Medikamentenpläne zu halten. Sozialarbeiter und Experten für psychische Gesundheit (im Rahmen eines multidisziplinären Teams) können dabei helfen, die psychosozialen Ursachen für eine schlechte glyzämische Kontrolle zu erkennen und zu lindern.

Gefäßkomplikationen sind in der Kindheit selten klinisch evident. Frühzeitige pathologische Veränderungen und Funktionsabweichungen können jedoch einige Jahre nach Beginn der Erkrankung bei Typ-1-Diabetes auftreten; eine anhaltend schlechte glykämische Kontrolle ist der größte langfristige Risikofaktor für die Entwicklung von Gefäßkomplikationen. Zu den mikrovaskulären Komplikationen gehören diabetische Nephropathie, Retinopathie und Neuropathie. Mikrovaskuläre Komplikationen treten bei Kindern mit Typ-2-Diabetes häufiger auf als Typ-1-Diabetes. Bei Typ-2-Diabetes können diese bei der Diagnose oder früher im Verlauf der Erkrankung vorliegen. Obwohl Neuropathie bei Kindern, die Diabetes für eine lange Zeit (≥ 5 Jahre) hatten und eine schlechte Kontrolle (glykosyliertes Hb [HbA1c] > 10%) haben, häufiger ist, kann sie auch bei jungen Kindern auftreten, die Diabetes für eine kurze Zeit hatten und eine gute Kontrolle haben. Zu den makrovaskulären Komplikationen gehören koronare Herzkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Schlaganfall.

Diagnose

  • Nüchternglukosespiegel im Plasma ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l)

  • Beliebiger Glukosespiegel ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l)

  • Glykosyliertes Hb (HbA1c) ≥ 6.5%

  • Manchmal orale Glukosetoleranztests

(Für Empfehlungen zur Diagnose, siehe auch die American Diabetes Association standards in medical care in diabetes und die International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes' (ISPAD) Richtlinien für Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen.)

Diagnose des Diabetes bei Kindern

Die Diagnose des Diabetes und Prädiabetes ähnelt derjenigen bei Erwachsenen, indem typischerweise Nüchtern- oder zufällige Glukosespiegel im Plasma und/oder HbA1c-Spiegel genutzt werden, und sie hängt von der Anwesenheit oder Abwesenheit von Symptomen ab (siehe Tabelle: Diagnostische Kriterien für Diabetes mellitus und gestörtem Glukosestoffwechsel). Diabetes kann mit Vorliegen der klassischen Symptome von Diabetes und Blutzuckermessungen (zufällige Plasmaglukose ≥ 200 mg/dl [≥ 11,1 mmol/l] oder Nüchternglukose im Plasma ≥ 126 mg/dl [≥ 7,0 mmol/l]; Nüchternheit wird als 8 Stunden ohne Kalorienzufuhr definiert) diagnostiziert werden.

Ein oraler Glukosetoleranztest ist nicht erforderlich und sollte nicht durchgeführt werden, wenn Diabetes über andere Kriterien diagnostiziert werden kann. Wenn nötig, sollte der Test unter Verwendung von 1,75 g/kg (maximal 75 g) in Wasser aufgelöster Glukose durchgeführt werden. Der Test kann bei Kindern ohne Symptome oder mit leichten oder atypischen Symptomen sowie bei vermuteten Fällen von Typ 2 oder monogenem Diabetes hilfreich sein. Das HbA1c-Kriterium ist in der Regel nützlicher, um Diabetes-Typ-2 zu diagnostizieren, und Hyperglykämie sollte bestätigt werden.

Tabelle
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Diagnostische Kriterien für Diabetes mellitus und gestörtem Glukosestoffwechsel

Verfahren

Normal

Gestörter Glukosestoffwechsel

Diabetes

FPG (mg/dl [mmol/l])

< 100 (< 5,6)

100–125 (5,6–6,9)

≥ 126 (≥ 7,0)

OGTT (mg/dl [mmol/l])

< 140 (< 7,7)

140–199 (7,7–11,0)

≥ 200 (≥ 11,1)

HbA1c (%)

< 5,7

5,7–6,4

≥ 6,5

FPG = Nüchterner Plasmaglukosewert; HbA1c = glykosylierter Hb; OGTT = oraler Glukose-Toleranz-Test, 2-h Glukosespiegel.

Anfängliche Evaluation und Testung

Bei Patienten, von denen vermutet wird, dass sie Diabetes haben, die aber nicht krank erscheinen, sollte die anfängliche Testung ein einfaches metabolisches Panel, einschließlich Elektrolyten und Glukose, sowie eine Urinanalyse umfassen. Bei kranken Patienten umfasst die Testung auch ein venöses oder arterielles Blutgas, Leberfunktionstests und Calcium-, Magnesium-, Phosphor- und Hämatokritspiegel.

Diagnose des Diabetes-Typs

Zusätzliche Tests sollten durchgeführt werden, um den Typ des Diabetes zu bestätigen, einschließlich

  • C-Peptid- und Insulinspiegel (sofern noch nicht mit Insulin behandelt)

  • HbA1c-Spiegel (sofern noch nicht geschehen)

  • Tests für Autoantikörper gegen Pankreasinselzellproteine

Autoantikörper umfassen Glutaminsäuredecarboxylase, Insulin, Insulinom-assoziiertes Protein und Zinktransporter ZnT8. Mehr als 90% der Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes-Typ-1 haben ≥ 1 dieser Autoantikörper, während die Abwesenheit von Antikörpern stark auf Diabetes-Typ-2 hindeutet. Jedoch haben etwa 10 bis 20% der Kinder mit dem Diabetes-Typ-2-Phänotyp Autoantikörper und werden als Diabetes-Typ-1 umklassifiziert, weil solche Kinder eher eine Insulintherapie benötigen und ein höheres Risiko haben, andere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln.

Es ist wichtig, monogenen Diabetes zu erkennen, weil sich die Behandlung von Diabetes-Typ-1 und Diabetes-Typ-2 unterscheidet. Die Diagnose sollte bei Kindern mit einer starken Familienanamnese des Diabetes, die aber nicht die typischen Merkmale des Diabetes-Typ-2 haben, in Erwägung gezogen werden; das bedeutet, dass sie nur leichtes Fasten (100 bis 150 mg/dl) oder postprandiale Hyperglykämie haben, jung und nicht adipös sind und keine Autoantikörper oder Anzeichen von Insulinresistenz (z. B. Acanthosis nigricans) haben. Genetische Untersuchungen stehen zur Bestätigung von monogenem Diabetes zur Verfügung. Diese Untersuchungen sind wichtig, da einige Typen des monogenen Diabetes mit dem Alter voranschreiten können.

Tests auf Komplikationen und andere Erkrankungen

Patienten mit Diabetes-Typ-1 sollten auf andere Autoimmunerkrankungen getestet werden, indem Zöliakie-Antikörper ( Zöliakie : Diagnose), Schilddrüsen-stimulierendes Hormon, Thyroxin und Schilddrüsen-Antikörper ( Darstellung der Schilddrüsenfunktion : Laboruntersuchungen der Schilddrüsenfunktion) gemessen werden.

Bei Patienten mit Diabetes-Typ-2 sollten Leberfunktionstests, Nüchtern-Lipidprofil und Urin-Mikroalbumin:Kreatinin-Verhältnis zum Zeitpunkt der Diagnose durchgeführt werden, weil diese Kinder (im Gegensatz zu denjenigen mit Diabetes-Typ-1, bei denen sich Komplikationen über viele Jahre entwickeln) bei der Diagnose oft Begleiterkrankungen wie Fettleber, Hyperlipidämie und Hypertonie haben. Kinder, die klinische Befunde haben, die Komplikationen andeuten, sollten auch getestet werden auf:

Screening für Diabetes

Asymptomatische Kinder (≤ 18 Jahre), die gefährdet sind, sollten durch Messung von Hb auf Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes untersucht werdenA1c. Dieser Test sollte zuerst im Alter von 10 Jahren oder zu Beginn der Pubertät durchgeführt werden, wenn die Pubertät in einem jüngeren Alter auftritt und sollte alle 3 Jahre wiederholt werden.

Zu Kinder in Gefahr gehören diejenigen, die übergewichtig sind (BMI > 85. Perzentil für Alter und Geschlecht, Gewicht für die Höhe > 85. Perzentil, oder > 120% des idealen Körpergewichts) und die 2 der Folgenden haben:

Therapie

  • Ernährung und Bewegung

  • Für Diabetes-Typ-1: Insulin

  • Für Diabetes-Typ-2: Metformin und manchmal iInsulin

Intensive Aufklärung und Behandlung in der Kindheit und Jugend können dazu beitragen, die Behandlungsziele, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren, während die Anzahl der Hypoglykämie-Episoden minimiert und das Auftreten und Fortschreiten von Komplikationen verhindert oder verzögert wird, zu erreichen. (Für Empfehlungen zur Behandlung, siehe auch die American Diabetes Association standards in medical care in diabetes and the International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes' (ISPAD) guidelines für Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen.)

Lebensstiländerungen

Lebensstiländerungen, die für alle Patienten förderlich sind, umfassen

  • Regelmäßiges Essen konsistenter Mengen

  • Begrenzte Aufnahme verfeinerter Kohlenhydrate und gesättigter Fette

  • Steigerung der körperlichen Aktivität

Im Allgemeinen sollte der Begriff Diät zu Gunsten von Essensplan oder gesunde Auswahl von Lebensmitteln vermieden werden. Der Schwerpunkt liegt darauf, eine Ernährung auszuwählen, die gesund für das Herz ist und arm an Cholesterin und gesättigten Fetten.

Bei Diabetes-Typ-1 hat die Popularität der Basis-Bolus-Therapie und die Anwendung der Kohlenhydratzählung (Eltern schätzen die Menge von Kohlenhydraten in einer bevorstehenden Mahlzeit und nutzen diesen Betrag, um die preprandiale Insulindosis zu berechnen) die Essensplanstrategien verändert. Bei diesem flexiblen Ansatz wird die Nahrungsaufnahme nicht streng festgelegt. Stattdessen basieren die Essenspläne auf den üblichen Essgewohnheiten des Kindes und nicht auf einer theoretisch optimalen Ernährung, von der unwahrscheinlich ist, dass sie vom Kind eingehalten wird, und die Insulindosis wird auf die tatsächliche Kohlenhydratzufuhr abgestimmt. Das Insulin:Kohlenhydrat-Verhältnis wird individualisiert, verändert sich aber mit dem Alter, Aktivitätsgrad, Pubertärstatus und Zeitspanne ab der Erstdiagnose. Eine gute Faustregel für unterschiedliche Altersgruppen ist

  • Geburt bis 5 Jahre: 1 Einheit Insulin pro 30 g Kohlenhydrate

  • 6 bis 12 Jahre: 1 Einheit Insulin pro 15 g Kohlenhydrate

  • Jugendalter: 1 Einheit Insulin pro 8 bis 10 g Kohlenhydrate

Bei Diabetes-Typ-2 sollten die Patienten dazu ermutigt werden, Gewicht zu verlieren und dadurch ihre Insulinsensitivität zu erhöhen. Eine gute Faustregel zur Bestimmung der Kalorienmenge, die von einem Kind im Alter von 3 bis 13 Jahren benötigt wird, ist 1000 Kalorien + (100 x Alter des Kindes in Jahren). Einfache Schritte, um die Ernährung zu verbessern und die Kalorienzufuhr zu verwalten, umfassen

  • Beseitigung zuckerhaltiger Getränke und Lebensmittel aus raffinierten, einfachen Zuckern (z. B. verarbeitete Süßwaren und Maissirup mit hohem Fructosegehalt)

  • Entmutigung, Mahlzeiten auszulassen

  • Vermeidung von langsamen Fertigessen im Verlauf des Tages

  • Kontrolle der Portionsgrößen

  • Limitierung von fettreichen, kalorienreichen Lebensmitteln im Haushalt

  • Erhöhung der Ballaststoffeinnahme, indem mehr Früchte und Gemüse eingenommen werden

Insulintherapien für Diabetes-Typ-1

Insulin ist der Eckpfeiler der Behandlung des Diabetes-Typ-1. Die erhältlichen Insulinformulierungen ähneln denjenigen, die bei Erwachsenen verwendet werden (siehe Tabelle: Wirkungseintritt, Maximalwert und Wirkdauer von Humaninsulinpräparaten*). Insulin sollte vor Mahlzeiten verabreicht werden, außer bei kleinen Kindern, deren Einnahme bei einer gegebenen Mahlzeit schwer vorhersagbar ist. Die Dosierungsanforderungen variieren mit dem Alter, dem Aktivitätsniveau, dem Pubertätsstadium und der vergangenen Zeit seit der Erstdiagnose. Innerhalb weniger Wochen nach der Erstdiagnose haben viele Patienten eine vorübergehende Abnahme in ihren Insulinanforderungen aufgrund der verbleibenden Beta-Zellfunktion (Flitterwochen-Phase). Die Flitterwochen-Phase kann von einigen Monaten bis zu 2 Jahren andauern, wonach die Insulinanforderungen typischerweise von 0,7 bis 1 Einheit/kg/Tag reichen. Während der Pubertät benötigen die Patienten höhere Dosen (bis zu 1,5 Einheiten/kg/Tag), um der Insulinresistenz durch den erhöhten pubertären Hormonspiegel zu begegnen.

Zu den Formen von Insulintherapien gehören

  • Therapie mit mehreren täglichen Injektionen (MDI, (meist Basal-Bolus-Schema)

  • Insulinpumpentherapie

  • Vorgemischte Insulintherapien

Die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten mit MDI-Therapien (3 bis 4 Injektionen pro Tag basalem und prandialem Insulin) oder einer Insulinpumpentherapie als Teil eines intensiven Insulinregimes behandelt werden, um die metabolische Kontrolle zu verbessern.

Eine Basis-Bolus-Therapie ist typischerweise die bevorzugte MDI-Therapie Bei dieser Therapie erhalten die Kinder eine tägliche Baseline-Dosis von Insulin, die dann mit Dosen kurzwirksamen Insulins vor jeder Mahlzeit, die auf der erwarteten Kohlenhydrataufnahme und den gemessenen Glukosespiegeln basieren, ergänzt wird. Die Basaldosis kann als einmalige tägliche Injektion (manchmal q 12 h für jüngere Kinder) eines langwirkenden Insulin (Glargin oder Detemir) gegeben werden, mit zusätzlichen Bolussen als separate Injektionen von kurzwirksamen Insulinen (meist Aspart oder Lispro). Glargin- oder Detemir-Injektionen werden in der Regel beim Abendessen oder vor dem Schlafengehen verabreicht und dürfen nicht mit kurzwirksamem Insulin gemischt werden. Eine Basis-Bolus-Therapie stellt eventuell keine Option dar, wenn keine angemessene Aufsicht verfügbar ist, insbesondere dann, wenn kein Erwachsener verfügbar ist, um tagsüber Injektionen in der Schule oder der Kindertagesstätte zu verabreichen.

Weitere festgelegte Formen von MDI-Therapien können eingesetzt werden, wenn eine Basis-Bolus-Therapie keine Option ist (z. B. weil die Familie eine einfachere Therapie benötigt, das Kind oder die Eltern eine Nadelphobie haben, Injektionen zum Mittagessen nicht in der Schule oder der Kindertagesstätte verabreicht werden können). Bei dieser Therapie erhalten die Kinder in der Regel neutrales Protamin-Hagedorn-(NPH)- Insulin vor dem Frühstück und dem Abendessen und vor dem Schlafengehen und erhalten kurzwirksames Insulin vor dem Frühstück und dem Abendessen. Weil NPH und kurzwirksames Insulin gemischt werden können, bietet diese Therapie weniger Injektionen als die Basis-Bolus-Therapie. Dieses Schema bietet jedoch weniger Flexibilität, erfordert einen festgelegten Tagesablauf für Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten und wurde aufgrund des geringeren Risikos für Hypoglykämie weitgehend durch die analogen Insuline Glargin und Detemir verdrängt.

Bei der Insulinpumpentherapie, wird das Basalinsulin wird mit einer festen oder variablen Rate durch eine kontinuierliche subkutane Infusion mit rasch wirkender Wirkung Insulin (CSII) durch einen unter der Haut platzierten Katheter verabreicht. Essens- und Korrekturbolus werden auch über die Insulin Pumpe geliefert. Die Basaldosis hilft dabei, den Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten und in der Nacht im Normalbereich zu halten. Die Nutzung einer Insulinpumpe zur Verabreichung der Basaldosis ermöglicht maximale Flexibilität; die Pumpe kann so programmiert werden, dass sie unterschiedliche Mengen zu unterschiedlichen Zeiten während des Tages und der Nacht verabreicht.

VorgemischteInsulintherapien nutzen Zubereitungen von 70/30 (70% Insulin Aspart-Protamin/30% herkömmliches Insulin) oder 75/25 (75% Insulin lispro-Protamin/25% Insulin lispro). Vorgemischte Therapien sind keine gute Wahl, sind aber einfacher und können die Compliance verbessern, weil sie weniger Injektionen erfordern. Kindern werden 2-mal täglich feste Dosen verabreicht, wobei zwei Drittel der Gesamttagesdosis zum Frühstück und ein Drittel zum Abendessen gegeben wird. Vorgemischte Therapien bieten jedoch viel weniger Flexibilität hinsichtlich Zeitpunkt und Menge der Mahlzeiten und sind wegen der festen Verhältnisse weniger präzise als andere Therapien.

Ärzte sollten das intensivste Management-Programm anwenden, an das sich die Kinder und ihre Familien halten können, um die Blutzuckerkontrolle zu maximieren und somit das Risiko für langfristige Gefäßkomplikationen zu verringern.

Glukose- und HbA 1c -Zielwerte für Diabetes-Typ-1

Zielwerte für Glukose im Plasma (siehe Tabelle: Glukose- und HbA 1c -Zielwerte bei Kindern und Heranwachsenden) werden festgelegt, um die Notwendigkeit, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren, mit dem Risiko für Hypoglykämie abzuwägen. Patienten nach ihrer Flitterwochen-Phase sollten versuchen, ≥ 50% der Blutzuckerspiegel im Normalbereich (70 bis 180 mg/dl [3,9 bis 10 mmol/l]) und < 10% unter diesem Bereich zu haben.

Die HbA1c-Zielwerte waren früher für jüngere Kinder höher (< 8,5%), aber in letzter Zeit ist ein Zielwert von < 7,5% für alle Patienten < 18 Jahren empfohlen worden, um den Schaden durch eine verlängerte Hyperglykämie in der Kindheit zu reduzieren. Allerdings erreichen viele Kinder und Jugendliche diesen Zielwert nicht. Eine erhöhte Häufigkeit der selbstständigen Beobachtung des Blutzuckerspiegels ist mit verbesserten HbA1c-Spiegeln assoziiert, weil die Patienten besser dazu in der Lage sind, das Insulin für ihre Mahlzeiten anzupassen, sie eine verbesserte Fähigkeit haben, hyperglykämische Werte zu korrigieren und potenziell dazu in der Lage sind, Hypoglykämie früher zu erkennen, was eine Überkorrektur verhindert (d. h. übermäßige Kohlenhydratzufuhr zur Behandlung von Hypoglykämie, was zu einer Hyperglykämie führt).

Die Behandlungsziele sollten auf der Basis von Patientenalter, Diabetesdauer, Komorbiditäten und psychosozialen Umständen individualisiert werden. Das Risiko einer Hypoglykämie bei Kindern, die sich nicht über Hypoglykämie bewusst sind oder nicht über die Reife verfügen, die Symptome einer Hypoglykämie erkennen zu können, schränkt aggressive Versuche ein, die Behandlungsziele zu erreichen.

Tabelle
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Glukose- und HbA 1c -Zielwerte bei Kindern und Heranwachsenden

Blutuntersuchung

Idealziel

Optimales Ziel

Suboptimales Ziel

Hochrisikoziel

Selbstständige Überwachung der Blutglukose (mg/dl [mmol/l])

Fasten am Morgen

65–100 (3,6–5,6)

70–145 (4–8)

> 145 (> 8)

> 162 (> 9)

Postprandial

80–126 (4,5–7,0)

90–180 (5–10)

180–250 (10–14)

> 250 (> 14)

Schlafenszeit

80–100 (4,0–5,6)

120–180 (6,7–10)

< 75 oder > 162 (< 4,2 oder > 9)

< 80 oder > 200 (< 4,4 oder > 11)

Nachts

65–100 (3,6–5,6)

80–162 (4,5–9)

< 75 oder > 162 (< 4,2 oder > 9)

< 80 oder > 200 (< 4,4 oder > 11)

HbA1C(%)

< 6,5

< 7,5

7,5–9,0

> 9,0

HbA1c = glykosyliertes Hämoglobin.

Übernommen von Rewers MJ, Pillay K, de Beaufort C, et al: Assessment and monitoring of glycemic control in children and adolescents with diabetes. Pediatr Diabetes 15 (supplement 20):S102–S114, 2014. doi: 10.1111/pedi.12190.

Management von Komplikationen des Diabetes-Typ-1

Hypoglykämie ist eine kritische, aber häufige Komplikation bei Kindern, die mit einer intensiven Insulintherapie behandelt werden. Die meisten Kinder haben mehrere leichte Hypoglykämie-Episoden pro Woche und behandeln diese selbst mit 15 g schnell wirkender Kohlenhydrate (z. B. 118 ml [4 oz] Saft, Traubenzucker, Bonbons, Graham Crackers oder Glukose-Gel).

Schwere Hypoglykämie, die als eine Episode definiert ist, die die Hilfe einer anderen Person bei der Gabe von Kohlenhydraten oder Glukagon erfordert, tritt jedes Jahr bei etwa 30% der Kinder auf und die meisten werden eine solche Episode bis zum Alter von 18 Jahren erlebt haben. Orale Kohlenhydrate können versucht werden, aber Glukagon 1 mg i.m. wird in der Regel verwendet, wenn neuroglykopenische Symptome (z. B. Verhaltensänderungen, Verwirrtheit, Denkschwierigkeiten) Essen oder Trinken verhindern. Wenn sie unbehandelt bleibt, kann schwere Hypoglykämie Anfälle oder sogar Koma verursachen oder zum Tod führen. Kontinuierliche Echtzeit-Zuckermessgeräte können Kindern mit fehlendem Bewusstsein um Hypoglykämie helfen, weil sie einen Alarm auslösen, wenn die Glukose unter einen festgelegten Bereich fällt oder wenn die Glukose rapide abnimmt (siehe Überwachung des Glukose- und HbA1c-Spiegels).

Ketonurie/Ketonämie wird am häufigsten durch eine interkurrente Krankheit verursacht, kann aber auch aus einer unzureichenden Einnahme von Insulin oder fehlenden Dosen resultieren und kann eine Warnung vor drohender DKA sein. Weil die Früherkennung von Ketonen entscheidend dafür ist, das Fortschreiten zur DKA zu verhindern und die Notwendigkeit einer Einweisung in die Notaufnahme zu minimieren, sollte Kindern und ihren Familien beigebracht werden, im Urin oder im Kapillarblut mit Keton-Teststreifen auf Ketone zu prüfen. Blut-Keton-Tests können bevorzugt werden bei jüngeren Kindern, denjenigen mit rezidivierender DKA und Anwendern von Insulinpumpen oder wenn eine Urinprobe schwierig zu erhalten ist. Keton-Tests sollten immer dann durchgeführt werden, wenn das Kind krank wird (unabhängig vom Blutzuckerspiegel) oder wenn der Blutzuckerspiegel hoch ist (typischerweise > 240 mg/dl [13,3 mmol/l]). Das Vorliegen mittlerer oder hoher Urin-Keton-Spiegel oder Blut-Keton-Spiegel > 1,5 mmol/l kann auf DKA hindeuten, vor allem, wenn die Kinder ebenfalls Bauchschmerzen, Erbrechen, Benommenheit oder eine schnelle Atmung haben. Geringe Urin-Keton-Spiegel oder Blut-Keton-Spiegel zwischen 0,6 und 1,5 mmol/l müssen ebenfalls behandelt werden.

Wenn Ketone vorliegen, erhalten die Kinder zusätzliches kurzwirksames Insulin, typischerweise 10 bis 20% der Gesamttagesdosis alle 2 bis 3 Stunden, bis sich die Ketone auflösen. Zudem sollte auch zusätzliche Flüssigkeit gegeben werden, um Dehydrierung zu verhindern. Dieses Programm der Messung von Ketonen und der Gabe zusätzlicher Flüssigkeit und zusätzlichen Insulins während der Krankheit und/oder Hyperglykämie wird als "sick-day management" bezeichnet. Eltern sollten angewiesen werden, ihren Arzt anzurufen oder in die Notaufnahme zu gehen, wenn die Ketone zunehmen oder sich nicht nach 4 bis 6 Stunden auflösen oder wenn sich der klinische Zustand verschlechtert (z. B. Atemnot, anhaltendes Erbrechen, Veränderungen des geistigen Zustandes).

Behandlung des Diabetes-Typ-2

Wie bei Diabetes-Typ-1 sind Lebensstilveränderungen mit verbesserter Ernährung und erhöhter körperlicher Betätigung wichtig.

Insulin wird bei Kindern, die sich mit schwerem Diabetes vorstellen (HbA1c > 9% oder mit DKA), begonnen; Glargin, Detemir oder vorgemischtes Insulin können verwendet werden. Wenn keine Azidose vorliegt, wird Metformin in der Regel zeitgleich begonnen. Insulin anforderungen können während der ersten Behandlungswochen rapide abnehmen, wenn sich die endogene Insulinsekretion erhöht; Insulin kann oft mehrere Wochen nach der Wiedererlangung akzeptabler Stoffwechselkontrolle gestoppt werden.

Metformin ist ein Insulinsensibilisator und ist das einzige orale antihyperglykämische Medikament, das für Patienten < 18 Jahren zugelassen ist. Andere orale Medikamente, die bei Erwachsenen verwendet werden, können einigen Jugendlichen helfen, aber sie sind teurer und es gibt nur begrenzte Hinweise über ihre Verwendung im Jugendalter. Metformin sollte mit einer niedrigen Dosis begonnen und mit der Nahrung aufgenommen werden, um Übelkeit und Bauchschmerzen zu verhindern. Eine typische Anfangsdosis beträgt 500 mg 1-mal täglich für 1 Woche, was wöchentlich für 3 bis 6 Wochen um 500 mg erhöht wird, bis die maximale Zieldosis von 1000 mg p.o. 2-mal täglich erreicht wird. Das Behandlungsziel ist HbA1c < 6.5%. Wenn dies nicht mit Metformin allein erreicht werden kann, sollte Insulin gestartet werden. Leider scheitert die Monotherapie mit Metformin im Endeffekt bei etwa der Hälfte der Jugendlichen mit Diabetes-Typ-2 und sie benötigen Insulin.

Behandlung des monogenen Diabetes

Das Management von monogenem Diabetes ist individualisiert und hängt vom Subtyp ab. Der Glukokinase-Untertyp erfordert in der Regel keine Behandlung, weil die Kinder kein Risiko für Langzeitkomplikationen haben. Die meisten Patienten mit den HNF-4-α- und HNF-1-α-Typen sind sensitiv gegenüber Sulfonylharnstoffen, aber einige benötigen letztlich Insulin. Andere orale Antidiabetika wie Metformin sind typischerweise nicht wirksam.

Überwachung der Glukose- und HbA 1c -Spiegel

Die Routineüberwachung umfasst

  • Mehrere tägliche Glukoseüberprüfungen aus einer Fingerprobe

  • HbA1c-Messungen alle 3 Monate

Bei Diabetes-Typ-1 sollten Blutzuckerspiegel mit einer Fingerprobe vor allen Mahlzeiten und vor einem Snack vor dem Schlafengehen gemessen werden. Die Spiegel sollten auch in der Nacht überprüft werden (etwa 2 bis 3 Uhr morgens), wenn nächtliche Hypoglykämie ein Risko darstellt (z. B. aufgrund von Hypoglykämie oder schwerer körperlicher Belastung während des Tages oder wenn eine Insulindosis erhöht wird). Weil körperliche Betätigung die Glukosespiegel für bis zu 24 Stunden senken kann, sollten die Spiegel häufiger an Tagen überprüft werden, an denen sich die Kinder körperlich betätigen oder aktiver sind. Um Hypoglykämie zu verhindern, können die Kinder die Aufnahme von Kohlenhydraten erhöhen oder die Insulindosierung senken, wenn sie erhöhte Aktivität antizipieren. "Sick-day management" sollte bei Hyperglykämie oder Krankheit angewandt werden.

Eltern sollten detaillierte tägliche Aufzeichnungen über alle Faktoren machen, die die Blutzuckerkontrolle beinflussen können, einschließlich der Blutzuckerspiegel; Zeitpunkt und Menge der Insulindosen, Kohlenhydrataufnahme und körperliche Aktivität; und alle anderen relevanten Faktoren (z. B. Krankheit, späte Snacks, verpasste Insulindosis).

Kontinuierliche Glukoseüberwachungs- (CGM)-Systeme verwenden einen subkutanen Sensor, um alle 1 bis 5 Minuten interstitielle Flüssigkeitsglukosespiegel zu messen. CGM-Systeme werden mit Fingerkuppen-Blutzuckerwerten kalibriert und übermitteln ihre Ergebnisse drahtlos an eine Überwachungs- und Anzeigeeinrichtung, die in eine Insulinpumpe oder ein eigenständiges Gerät eingebaut werden kann. Indem Zeitpunkte konsistenter Hyperglykämie und Zeitpunkte erhöhten Risikos für Hypoglykämie identifiziert werden, können CGM-Systeme Patienten mit Diabetes-Typ-1 dabei helfen, ihre glykämischen Ziele sicherer zu erreichen. Alle Geräte ermöglichen es, Zielwerte festzulegen; Alarme warnen den Benutzer, wenn die Glukosespiegel über oder unter dem Zielwert sind und einige CGMs, die mit einer Pumpe verbunden sind, können auch die Basalrate für bis zu 2 Stunden suspendieren, wenn der Glukosespiegel unter einen bestimmten Schwellenwert fällt. Obwohl CGM-Geräte zusammen mit jeder Therapie verwendet werden können, werden sie in der Regel von Benutzern von Insulinpumpen getragen.

Das sogenannte künstliche Pankreas (eine geschlossenes Insulin Liefersystem) für Patienten ≥ 14 Jahre wurde von der FDA genehmigt. Diese Systeme automatisieren das Blutzucker-Management durch ausgereifte Computer-Algorithmen, die auf einem Smartphone oder einem ähnlichen Gerät liegen. Künstliche Pankreas-Systeme sind mit einem CGM-Sensor und einer Insulinpumpe verbunden, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen und die Insulinabgabe zu steuern. Diese Systeme helfen, die Insulindosierung enger zu kontrollieren und hyperglykämische und hypoglykämische Episoden zu begrenzen.

Bei Diabetes-Typ-2 sollten die Glukosewerte regelmäßig gemessen werden, aber in der Regel weniger häufig als bei Diabetes-Typ-1. Die Häufigkeit der selbstständigen Glukoseüberprüfung (SMBG) sollte anhand der nüchternen und postprandialen Glukosespiegel des Patienten, des Grades der Glukosekontrolle, der als erreichbar angesehen wird, und der zur Verfügung stehenden Ressourcen individuell angepasst werden. Die Häufigkeit der Überwachung sollte erhöht werden, wenn die Glukosekontrollziele nicht erreicht werden, während einer Krankheit oder wenn die Symptome einer Hypoglykämie oder Hyperglykämie zu spüren sind. Sobald die Ziele erreicht werden, wird die Testung zu Hause auf einige nüchterne und postprandiale Glukosemessungen pro Woche beschränkt.

Die HbA1c-Spiegel sollten bei Diabetes-Typ-1 alle 3 Monate und bei Diabetes-Typ-2 gemessen werden, wenn Insulin verwendet wird oder die Stoffwechseleinstellung nicht optimal ist. Ansonsten können die Spiegel bei Diabetes-Typ-2 2-mal jährlich gemessen werden, obwohl alle 3 Monate optimal ist.

Screening auf Komplikationen des Diabetes

Patienten werden in Abhängigkeit des Typs von Diabetes regelmäßig auf Komplikationen gescreent (siehe Tabelle: Screening bei Kindern auf Komplikationen des Diabetes). Wenn Komplikationen festgestellt werden, werden nachfolgende Tests häufiger durchgeführt.

Tabelle
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Screening bei Kindern auf Komplikationen des Diabetes

Komplikation

Beginn des Screenings

Häufigkeit des Screenings

Verfahren

Diabetes-Typ-1

Zöliakie

Bei der Diagnose

1–2 Jahre

Zöliakie-Antikörper

Dyslipidämie

Bei der Diagnose (sobald sich Diabetes stabilisiert) bei allen Kindern > 10 Jahre oder bei positiver Familienanamnese von frühen Herzkreislauferkrankungen oder Hypercholesterinämie

5 Jahre

LDL-, HDL- und Triglyzeridspiegel

Nephropathie

Alter von 10 Jahren, wenn pubertär oder nach 5 Jahren von Diabetes

1 Jahr

Albumin:Kreatinin-Verhältnis im Urin, Blutdruckmessung

Neuropathie

*Bei der Diagnose bei allen Patienten ≥ 8 Jahren

Bei regelmäßigen Besuchen, mindestens 1-mal pro Jahr

Klinische Beurteilung von Anamnese (z. B. von Taubheit, anhaltenden Schmerzen, Parästhesien) sowie körperliche Untersuchung (z. B. Achillessehnenreflexe, Vibration und Lichtberührungsempfindung)

Retinopathie

Baseline-Evaluation: innerhalb des 1. Jahres;

Nachfolgende Evaluation: im Alter von 10 Jahren, wenn pubertär oder nach 5 Jahren von Diabetes

1 Jahr

Erweiterte Evaluation durch einen Augenarzt oder andere ausgebildete, erfahrene Beobachter

Schilddrüsenkrankheit

Bei der Diagnose

1–2 Jahre

TSH- und T4-Spiegel, Schilddrüsen-Antikörper

Typ 2 Diabetes

Dyslipidämie

Bei der Diagnose

1–2 Jahre

Genau wie bei Typ 1

Nephropathie

Bei der Diagnose

1 Jahr

Genau wie bei Typ 1

Neuropathie

Bei der Diagnose

Bei regelmäßigen Besuchen, mindestens 1-mal pro Jahr*

Genau wie bei Typ 1

Retinopathie

Bei der Diagnose

1 Jahr

Genau wie bei Typ 1

*Es gibt keine festen Richtlinien für den Zeitpunkt und die Methodik des Screenings auf Neuropathie bei Kindern.

HDL = High-Density-Lipoprotein, LDL = Low-Density-Lipoprotein; T4 = Thyroxin; TSH = Schilddrüsen-stimulierendes Hormon.

Komplikationen, die bei der Untersuchung oder beim Screening entdeckt werden, werden zunächst mit Lebensstilinterventionen behandelt: mehr Bewegung, Veränderungen der Ernährung (vor allem Begrenzung der Aufnahme von gesättigten Fettsäuren) und Aufgabe des Rauchens (sofern zutreffend). Kinder mit Mikroalbuminurie (Albumin/Kreatinin-Verhältnis 30 bis 300 mg/g) auf wiederholten Proben oder mit persistent erhöhten Blutdruckmessungen (> 90. bis 95. Perzentil für das Alter oder > 130/80 mmHg für Jugendliche), die nicht auf Lebensstilinterventionen ansprechen, benötigen typischerweise eine antihypertensive Therapie, am häufigsten mit einem ACE-Hemmer. Für Kinder mit Dyslipidämie sollten, sofern das LDL-Cholesterin trotz Lebensstilinterventionen > 160 mg/dl (oder > 130 mg/dl plus einen oder mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren) bleibt, bei Kindern im Alter von > 10 Jahren Statine in Erwägung gezogen werden, obwohl die langfristige Sicherheit nicht sichergestellt ist.

Wichtige Punkte

  • Diabetes-Typ-1 wird durch einen Autoimmunangriff auf Pankreas-Beta-Zellen verursacht, der zu einem völligen Mangel an Insulin führt; er ist für zwei Drittel der neuen Fälle bei Kindern verantwortlich und kann in jedem Alter auftreten.

  • Diabetes-Typ-2 wird durch Insulinresistenz und relativen Insulinmangel aufgrund eines komplexen Zusammenspiels zwischen vielen genetischen und Umweltfaktoren (insbesondere Adipositas) verursacht; seine Frequenz nimmt bei Kindern zu und er tritt nach der Pubertät auf.

  • Die meisten Kinder haben eine symptomatische Hyperglykämie ohne Azidose, mit mehreren Tagen bis Wochen von häufigem Harndrang, Polydipsie und Polyurie; Kinder mit Diabetes-Typ-1 und selten diejenigen mit Diabetes-Typ-2 können sich mit DKA vorstellen.

  • Screenen Sie asymptomatische, gefährdete Kinder für Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes.

  • Alle Kinder mit Diabetes-Typ-1 benötigen eine Insulintherapie; eine intensive Blutzuckerkontrolle verhindert langfristige Komplikationen, erhöht aber die Gefahr von Hypoglykämie-Episoden.

  • Kinder mit Diabetes-Typ-2 werden zunächst mit Metformin und/oder Insulin behandelt; obwohl die meisten Kinder, die zum Zeitpunkt der Diagnose Insulin benötigen, erfolgreich auf eine Metformin-Monotherapie umgestellt werden können, benötigen etwa die Hälfte im Endeffekt eine Insulintherapie.

  • Psychosoziale Probleme können zu einer schlechten Blutzuckerkontrolle durch mangelnde Compliance der diätetischen und medikamentösen Behandlungen führen.

  • Die Insulin dosen werden basierend auf den häufigen Glukoseüberwachungen und der antizipierten Kohlenhydrataufnahme und dem Aktivitätsniveau angepasst.

  • Kinder haben ein Risiko für mikrovaskuläre und makrovaskuläre Komplikationen des Diabetes, nach denen mit regelmäßigen Screening-Tests gesucht werden muss.

Weitere Informationen

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

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