Vollblut gewährleistet eine bessere Sauerstoff- Transportkapazität, Volumenexpansion und einen besseren Ersatz von Gerinnungsfaktor und wurde daher früher bei schnellen massiven Blutverlusten empfohlen. Da die Trennung einzelner Blutkomponenten jedoch effizienter und kostengünstiger ist, sind Vollbluttransfusionen in den Vereinigten Staaten seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr verfügbar. Die Vollblutgruppe O mit niedrigem Titer (für Anti-A) wird oft als universelle Blutgruppe für die Wiederbelebung bei Traumata verwendet, da Daten vorliegen, die auf ein besseres Überleben im Vergleich zur Komponententherapie hindeuten (1).
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Erythrozytenkonzentrate werden zwischen 1 und 6 °C bis 42 Tage gelagert. Erythrozytenkonzentrate sind das Mittel der Wahl, um das Hämoglobin (Hb) bei einem Patienten mit Anämie zu erhöhen. Die Sauerstoff-Transportkapazität kann bis zu Hämoglobin-Werten von 7 g/dl (70 g/l) bei gesunden Patienten ausreichend sein, jedoch können bei Patienten mit verminderter kardiopulmonaler Reserve oder andauernder Blutung Transfusionen bereits bei höheren Hämoglobin-Werten indiziert sein. Eine Einheit Erythrozytenkonzentrat erhöht den Hämoglobinwert eines durchschnittlichen Erwachsenen um etwa 1 g/dl (10 g/l) und den Hämatokrit (Hct) um etwa 3% über den Wert vor der Transfusion. Wenn nur eine Volumenexpansion notwendig ist, können auch andere Flüssigkeiten gleichzeitig oder ausschließlich eingesetzt werden. Bei Patienten mit mehreren Blutgruppenantikörpern oder mit Antikörpern gegen hochfrequente Erythrozytenantigene werden Erythrozyten mit seltenen Phänotypen von Antigenen verwendet; diese werden in der Regel zur Lagerung eingefroren.
Gewaschene Erythrozytenkonzentrate sind fast völlig frei von Plasmabestandteilen, insbesondere Leukozyten und Thrombozyten. Sie werden in der Regel Patienten verabreicht, die schwere Reaktionen auf Plasma zeigen (z. B. schwere Allergien, IgA-Immunisierung). Bei Patienten mit IgA‑Immunisierung kann Blut von IgA‑defizienten Spendern für die Transfusion vorzuziehen sein.
Leukozytendepletierte Erythrozyten (leukozytenreduzierte Erythrozyten) werden mit speziellen Filtern hergestellt, die ≥ 99,99% der Leukozyten entfernen. Diese sind bei Patienten indiziert, die bereits eine nichthämolytische febrile Transfusionsreaktion hatten oder die Zytomegalievirus-negative Blutprodukte benötigen, diese jedoch nicht verfügbar sind. Sie werden außerdem für Austauschtransfusionen verwendet und um der Möglichkeit einer Alloimmunisierung des humanen Leukozytenantigens (HLA) vorzubeugen, um eine refraktäre Reaktion auf die Thrombozytentransfusion (Unvermögen, den angestrebten Spiegel der Thrombozyten im Blut nach der Thrombozytentransfusion zu erreichen) zu verhindern. In Deutschland sind alle Erythrozytenkonzentrate leukozytendepletiert.
Gefrorenes Frischplasma
Gefrorenes Frischplasma (FFP) enthält alle Gerinnungsfaktoren in unkonzentrierter Form, jedoch keine Thrombozyten. Die FFP wird bei -18 °C bis zu 1 Jahr lang gelagert. Zu den Indikationen gehört die Korrektur koagulopathischer Blutungen, die auf einen Mangel an Gerinnungsfaktoren zurückzuführen sind, für die kein spezifischer Faktorersatz zur Verfügung steht, oder auf einen multifaktoriellen Mangel (z. B. massive Transfusion, disseminierte intravasale Gerinnung [DIC], Leberversagen). FFP wird für die dringende Warfarin-Umkehrung nur dann verwendet, wenn ein 4-Faktor-Prothrombin-Komplex-Konzentrat (4F-PCC ist die erste Wahl) nicht verfügbar ist. FFP ist unwirksam bei der Behandlung von Blutungen durch direkte Faktor Xa-Inhibitoren oder direkte Thrombin-Inhibitoren. Frischplasma (FFP) sollte nicht zur Behandlung von Patienten verwendet werden, die aufgrund einer Überdosierung von unfraktioniertem Heparin bluten, da sein Antithrombingehalt die Wirkung von Heparin verstärken und die Blutung verschlimmern kann. FFP kann zusätzlich zu Erythrozytenkonzentraten gegeben werden, wenn für Austauschtransfusionen kein Vollblut verfügbar ist. FFP sollte nicht zur Volumensubstitution oder zur Korrektur einer leichten bis mittelschweren Koagulopathie vor Eingriffen verwendet werden, insbesondere bei blutenden Patienten mit Zirrhose (deren Hämostase wieder im Gleichgewicht ist, oft bei Varizenblutungen), da es Laboranomalien der Gerinnung selten korrigiert und das zugeführte Plasma den Pfortaderdruck erhöhen und weitere Blutungen auslösen kann.
Pathogeninaktiviertes Plasma, das mittels Lösungsmittel‑Detergens‑Behandlung hergestellt wird, ist verfügbar, um die Übertragung nahezu aller durch Plasma übertragbaren Erreger zu reduzieren. Rekonvaleszentenplasma wurde bei Ausbrüchen von Krankheiten wie Ebola, Influenza A (H1N1) und COVID-19 eingesetzt.
Kryopräzipitat
Kryopräzipitat ist ein Konzentrat, das aus FFP hergestellt und auch bei -18° C gelagert wird. Jedes Konzentrat enthält ungefähr 80 Einheiten Faktor VIII und Von-Willebrand-Faktor sowie 250 mg Fibrinogen. Es enthält außerdem ADAMTS13 (ein Enzym, das bei der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura [TTP] fehlt) und Faktor XIII. Obwohl es ursprünglich bei der Hämophilie und dem Von-Willebrand-Syndrom eingesetzt wurde, wird Kryopräzipitat heute als Fibrinogenquelle bei Patienten mit Hypofibrinogenämie und Blutungen sowie bei einem seltenen Faktor-XIII-Mangel verwendet, wenn kein humanes Gerinnungsfaktor-XIII-Konzentrat verfügbar ist.
Es ist ein pathogeninaktiviertes gepooltes Kryopräzipitat erhältlich, das als Fibrinogenquelle verwendet werden kann. Es hat den Vorteil, dass es aufgetaut und bei Raumtemperatur bis zu 5 Tage gelagert werden kann, im Gegensatz zu herkömmlichem Kryopräzipitat, das von -18° C aufgetaut und innerhalb von 4 Stunden verwendet werden muss.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
Granulozyten können bei einem Patienten mit Sepsis und starker persistierender Neutropenie (Neutrophile < 500/mcl [0,5 × 109/l]), der nicht auf Antibiotika anspricht, transfundiert werden. Die Granulozyten werden bei Raumtemperatur gelagert und müssen innerhalb von 24 Stunden nach der Entnahme verabreicht werden. Die Tests auf HIV, Hepatitis, humanes T-Zell-lymphotropes Virus und Syphilis sind jedoch vor der Infusion möglicherweise noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der verbesserten antibiotischen Therapiemöglichkeiten und dem Einsatz von Arzneimitteln, die die Granulozytenproduktion während der Chemotherapie stimulieren, werden Granulozytentransfusionen heutzutage nur noch selten eingesetzt.
Die Gewinnung von Leukozyten ist logistisch aufwendig, da Granulozytenspender in der Regel eine Vorbehandlung mit Glukokortikoiden zur Mobilisierung von Neutrophilen benötigen, was die Verfügbarkeit und Akzeptanz von Spendern einschränkt; zudem wird die durch den Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor (G-CSF) stimulierte Granulozytengewinnung nicht routinemäßig eingesetzt, was den Zugang zu diesem Produkt weiter einschränkt.
Immunglobuline
Rh-Immunglobulin wird intramuskulär oder intravenös verabreicht und verhindert die Entwicklung von mütterlichen Rh-D-Antikörpern, die durch eine fetomaternale Blutübertragung entstehen können. Die Standarddosierung von i.m. Rh-Immunglobulin beträgt 300 mcg und muss einer Rh-negativen Mutter unmittelbar nach einem Abort oder einer Geburt (Lebend- oder Totgeburt) verabreicht werden, außer wenn das Kind Rh(D)- und weak-D-negativ ist oder wenn die Mutter bereits Rh(D)-Antikörper besitzt. Bei einer fetomaternalen Blutübertragung von > 30 ml sind größere Dosen RhIg notwendig. Besteht ein Verdacht auf eine Blutung dieser Menge, wird zur Bestimmung des Volumens der fetomaternalen Blutübertragung zunächst ein Rosettentest durchgeführt, der – falls er positiv ausfällt – durch einen quantitativen Test (z. B. Kleihauer-Betke-Test oder Durchflusszytometrie) ergänzt wird.
Rh-Immunglobulin wird auch zur Behandlung der Immunthrombozytopenie (ITP) eingesetzt, wobei es in diesem Fall i.v. verabreicht wird.
Andere Immunglobuline stehen für die Postexpositionsprophylaxe bei Patienten zur Verfügung, die einigen ansteckenden Krankheiten ausgesetzt waren, einschließlich Zytomegalievirus, Hepatitis A, Hepatitis B, Masern, Tollwut, Respiratory-Syncytial-Virus, Röteln, Tetanus, Pocken und Windpocken (zur Anwendung seihe unter den entsprechenden Krankheiten).
Thrombozyten
Thrombozytenkonzentrate werden verwendet:
Zur Verhinderung von Blutungen bei asymptomatischer schwerer Thrombozytopenie (Thrombozytenzahl < 5.000-10.000/mcl [< 5 × 109/l bei 10 × 109/l])
Bei blutenden Patienten mit weniger schwerer Thrombozytopenie (Thrombozytenzahl < 50.000/mcl [< 50 × 109/l])
Für blutende Patienten mit Thrombozytenfunktionsstörung aufgrund von Thrombozytenaggregationshemmern (andere als Aspirin), aber mit einer normalen Thrombozytenzahl
Bei Patienten, die eine Massivtransfusion erhalten, die eine dilutionale Thrombozytopenie verursacht
Thrombozytenkonzentrate werden auch manchmal vor invasiven Operationen eingesetzt, insbesondere mit extrakorporaler Zirkulation für > 2 Stunden (die Thrombozyten oft funktionsunfähig macht). Eine Einheit eines Thrombozytenkonzentrats erhöht den Thrombozytenwert um etwa 10.000/mcl (10 × 109/L), und eine adäquate Hämostase wird bei Thrombozytenwerten von etwa 10.000/mcl (10 × 109/l) bei Patienten ohne Komplikationen und von etwa 50.000/mcl (50 × 109/l) bei Patienten, die sich einer größeren Operation unterziehen, erreicht. Daher werden Thrombozytenkonzentrate, die aus einem Pool von 4 bis 5 Einheiten Vollblut stammen, üblicherweise bei Erwachsenen verwendet.
Thrombozytenkonzentrate werden in der Regel mit automatisierten Geräten hergestellt, die die Thrombozyten entnehmen und nicht benötigte Komponenten (z. B. Erythrozyten, Plasma) an den Spender zurückgeben. Dieses Verfahren wird als Thrombozytopherese bezeichnet. Es ermöglicht die Gewinnung einer ausreichenden Thrombozytenzahl aus einer einzigen Spende (entspricht 4 bis 5 Vollblutplättcheneinheiten) für die Transfusion eines Erwachsenen. Da es Risiken hinsichtlich Infektionen und immunologischen Reaktionen minimiert, wird es gegenüber der Transfusion von Konzentraten verschiedener Spender unter bestimmten Bedingungen bevorzugt.
Bei einigen Patienten kommt es nach einer Thrombozytentransfusion nicht zu einem ausreichenden Anstieg der Thrombozyten (was als Renitenz bezeichnet wird), was durch eine Sequestration der Thrombozyten in der Milz oder einen Thrombozytenverbrauch aufgrund von disseminierte intravaskuläre Koagulation oder eine Zerstörung durch humanes Leukozytenantigen- oder thrombozytenspezifische Antikörper (und immunvermittelte Zerstörung) bedingt sein kann. Falls die Patienten nicht auf die Transfusion ansprechen, werden sie, sofern möglich, auf Alloimmunisierung getestet. Patienten mit immunvermittelter Zerstörung können auf gepoolte Vollblutplättchen (wegen der höheren Wahrscheinlichkeit, dass einige Einheiten humanem Leukozytenantigen-kompatibel sind), Blutplättchen von Familienmitgliedern oder ABO- oder humanem Leukozytenantigen-angepasste Blutplättchen ansprechen. Da einige HLA-Antigene in hoher Konzentration auf Leukozyten vorkommen, kann eine HLA-Alloimmunisierung durch die Transfusion von leukozytendepletierten Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentraten gemindert werden.
Pathogen-inaktivierte Thrombozyten, die mit Hilfe einer Chemikalie (Amotosalen) inaktiviert werden, sind ebenfalls für den klinischen Einsatz verfügbar. Die meisten Thrombozyten werden bei 20–22 °C für 5–7 Tage gelagert. Thrombozyten können auch bei 1–6 °C für bis zu 14 Tage gelagert werden. Während der Kühllagerung werden die Thrombozyten teilweise aktiviert und sind daher hämostatisch funktionsfähiger als Thrombozyten, die bei Raumtemperatur gelagert werden; daher werden Thrombozyten aus der Kühllagerung während einer Operation oder bei einem blutenden Patienten verwendet.
Weitere Blutprodukte
Bestrahlte Blutprodukte werden eingesetzt, um die transfusionsassoziierte Graft-versus-Host-Erkrankung bei gefährdeten Patienten zu verhindern.
Es wurden viele Versuche unternommen, Blutersatzpräparate zu entwickeln, die inerte chemische Substanzen (z. B. Perfluorcarbone) oder Hämoglobinlösungen enthalten, um Sauerstoff zu transportieren und an das Gewebe zu liefern. Obwohl diese Hämoglobinersatzpräparate vielversprechende Fähigkeiten beim Sauerstoff-Transport ins Gewebe während eines Notfalls zeigten, wurden mehrere klinische Studien aufgrund einer erhöhten Mortalität und einer schweren unerwünschten kardiovaskulären Toxizität (z. B. Hypotonie) abgebrochen. Wird versucht, Thrombozyten und Erythrozyten aus verschiedenen Stammzellquellen zu generieren (2).
Hämatopoetische Stammzelltransplantate von autologen oder allogenen Spendern können transfundiert werden, um die hämatopoetische Funktion (insbesondere die Immunfunktion) bei Patienten, die sich einer myeloablativen Therapie unterziehen, wiederherzustellen.
Hinweise
1. McCoy CC, Brenner M, Duchesne J, et al. Back to the Future: Whole Blood Resuscitation of the Severely Injured Trauma Patient. Shock. 2021;56(1S):9-15. doi:10.1097/SHK.0000000000001685
2. Kim KM, Albaira KI, Kang J, et al. Cell-based artificial platelet production: historical milestones, emerging trends, and future directions. Blood Res. 2025;60(1):32. doi:10.1007/s44313-025-00071-9



