Die Geriatrie beschäftigt sich mit der medizinischen Versorgung der Senioren, einer Altersgruppe, die sich nur schwer präzise beschreiben lässt. Unter Gerontologie wird die Untersuchung des Alterns unter Berücksichtigung biologischer, soziologischer und psychologischer Veränderungen verstanden. "Älter" wird gegenüber "betagt" bevorzugt, aber beide Begriffe sind gleichermaßen ungenau. Es ist wichtig, Begriffe und Haltungen zu vermeiden, die eine Voreingenommenheit gegenüber älteren Menschen suggerieren (Altersdiskriminierung). Obwohl es kein festes Alter für die Definition von Alter gibt, wird häufig ein Alter von > 65 Jahren verwendet, da dies das Alter ist, das für die Inanspruchnahme der Medicare-Versicherung in den USA maßgeblich ist. Manche Menschen mit Erkrankungen benötigen jedoch schon in jüngeren Jahren geriatrisches Fachwissen. Das Program of All-Inclusive Care for the Elderly (PACE) beispielsweise legt das Alter für die Anspruchsberechtigung ab 55 Jahren für Personen fest, die die Pflegestufe eines Pflegeheims benötigen.
Der Anteil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten, der ≥ 65 Jahre alt ist, stieg von 5% im Jahr 1920 auf fast 17% im Jahr 2020 (1). Darüber hinaus deuten Projektionen darauf hin, dass dieser Anteil weiter zunehmen wird, wobei bis 2030 voraussichtlich etwa 20 % der Bevölkerung der Vereinigten Staaten 65 Jahre oder älter sein werden (2).
Im Jahr 2022 betrug die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten für Männer 74,8 Jahre und für Frauen 80,2 Jahre. (3). Innerhalb der Vereinigten Staaten bestehen zudem geografische Unterschiede: Die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren reicht von 16,1 Jahren in Mississippi bis zu 20,6 Jahren in Hawaii (4). Global betrachtet steigt die Lebenserwartung älterer Erwachsener weltweit weiter an, was in erster Linie auf den Rückgang des Tabakkonsums und die sinkende Mortalität aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen zurückzuführen ist (5)
Allgemeine Literatur
1. United States Census Bureau. 2020 Census: 1 in 6 people in the United States were 65 and over. 2023. Accessed January 23, 2025.
2. Hamidi M, Joseph B. Changing Epidemiology of the American Population. Clin Geriatr Med. 2019;35(1):1-12. doi:10.1016/j.cger.2018.08.001
3. Xu J, Murphy SL, Kochanek KD, et al. Deaths: Final Data for 2022. Natl Vital Stat Rep. 2025;(4):1. doi:10.15620/cdc/174588
4. Arias E, Xu J, Tejada-Vera B, et al. U.S. State Life Tables, 2022. Natl Vital Stat Rep. 2025;(12):1. doi:10.15620/cdc/174620
5. Mathers CD, Stevens GA, Boerma T, et al. Causes of international increases in older age life expectancy. Lancet. 2015;385(9967):540-548. doi:10.1016/S0140-6736(14)60569-9
Alterung
Alterung (d. h. echtes Altern) bezieht sich auf die unvermeidbare, irreversible Abnahme der Organfunktion, die auch in Abwesenheit von Verletzungen, Krankheit, Umweltrisiken oder schlechtem Lebensstil (z. B. ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Substanzgebrauchsstörung) im Laufe der Zeit auftritt. Anfänglich beeinflussen die Veränderungen in der Organfunktion (siehe Tabelle ) nicht den Ausgangszustand; die ersten Manifestationen zeigen sich in einer reduzierte Fähigkeit der Organe, die Homöostase unter Belastung (z. B. Krankheit, Verletzung) zu halten. Das Herz-Kreislauf-System, das renale System und das zentrale Nervensystem sind in der Regel am anfälligsten.
Krankheiten interagieren mit den Auswirkungen des Alterungsprozesses und verursachen geriatriespezifische Komplikationen, die auch als geriatrische Syndrome bezeichnet werden und Organsysteme jenseits des primär betroffenen Organsystems betreffen (1). Typische Beispiele sind:
Delirium als Komplikation einer Pneumonie oder Harnwegsinfektionen
Stürze, Schwindel, Synkopen, Harninkontinenz und Gewichtsverlust, die häufig mit vielen leichten Krankheiten bei älteren Erwachsenen einhergehen
Alternde Organe sind auch anfälliger für Verletzungen (z. B. tritt eine intrakranielle Blutung häufiger auf und wird bei älteren Erwachsenen durch eine klinisch weniger bedeutsame Verletzung ausgelöst).
Die Folgen der Alterung müssen bei der Diagnose und der Behandlung von älteren Patienten berücksichtigt werden. Ärzte sollten nicht:
das echte Altern mit einer Krankheit verwechseln (z. B. ist eine langsame Informationsaufnahme keine Demenz)
eine Krankheit mit der reinen Alterung verwechseln (z. B. eine schwere Arthritis, Tremor oder Demenz dem fortgeschrittenen Alter zuschreiben)
das erhöhte Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf besonders anfällige Organsysteme, die durch Krankheit belastet sind, ignorieren
vergessen, dass ältere Menschen oft mehrere Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Diabetes, Arteriosklerose) haben, die das Risiko für Schädigungen erhöhen können
Darüber hinaus sollten Kliniker auf Krankheiten und Probleme achten, die bei älteren Erwachsenen viel häufiger auftreten (z. B. Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, Alzheimer-Krankheit, Inkontinenz, Vorhofflimmern). Dieser Ansatz ermöglicht den Ärzten, die Komplexität der Krankheiten, die häufig bei älteren Patienten koexistieren, besser zu verstehen und zu behandeln. Das Verständnis der körperlichen Veränderungen und der geriatriespezifischen Krankheitsmanifestationen, die mit dem fortschreitenden Alter einhergehen, ist wichtig, um die negativen und vorurteilsbehafteten Stereotypen über ältere Erwachsene zu vermeiden, die für Altersdiskriminierung charakteristisch sind und sich negativ auf die Patientenversorgung und die Lebensqualität auswirken können.
Altersdiskriminierung bezieht sich auf Vorurteile gegenüber Menschen im höheren Lebensalter. Ähnlich wie andere Formen von Vorurteilen (z. B. rassistischer oder ethnischer Art) beruht auch Altersdiskriminierung auf negativen Vorurteilen und Stereotypen und kann bewusst oder unbewusst, offen oder subtil sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Formen von Vorurteilen ist Altersdiskriminierung selten absichtlich böswillig, kann aber dennoch emotionales Leid verursachen und negative praktische Folgen haben (z. B. dazu ermutigt zu werden, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen, oder nicht eingeladen zu werden, an Gruppen oder Ausschüssen teilzunehmen). Kliniker zeigen altersbedingte Voreingenommenheit, wenn sie älteren Erwachsenen eine Behandlung allein aufgrund ihres Alters vorenthalten, anstatt ihre Entscheidung auf Faktoren wie den zu erwartenden funktionellen Status, die Lebenserwartung, die Lebensqualität und die Präferenzen des Patienten zu stützen.
Literatur zum Altern
1. Inouye SK, Studenski S, Tinetti ME, et al. Geriatric syndromes: clinical, research, and policy implications of a core geriatric concept. J Am Geriatr Soc. 2007;55(5):780-791. doi:10.1111/j.1532-5415.2007.01156.x
Weitere Informationen
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