Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Pruritus ani (analer Juckreiz)

Von

Parswa Ansari

, MD, Hofstra Northwell-Lenox Hill Hospital, New York

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Die perianale Haut neigt dazu zu jucken, was eine Reihe von Gründen haben kann (siehe Tabelle: Einige Ursachen des Pruritus ani). Dieser Zustand ist auch als Pruritus bekannt. Gelegentlich wird die Reizung durch den Patienten als Schmerz interpretiert, weshalb andere Ursachen für perianale Schmerzen (z. B. Abszess oder Krebs) ausgeschlossen werden sollten.

Ätiologie

Analer Juckreiz ist meistens

  • idiopathisch (die Mehrheit)

  • hygieneassoziiert

Zu wenig Reinigung lässt reizende Stuhl- und Schweißrückstände auf der analen Haut zurück. Zu viel Reinigung, oft mit Sanitärtüchern und starken Seifen, kann zu Trockenheit oder Reizung oder gelegentlich zu einer Überempfindlichkeitsreaktion bei Berührung führen. Große äußere Hämorrhoiden können die Reinigung nach dem Stuhlgang erschweren, und große innere Hämorrhoiden können zum Abfluss von Schleim oder zu fäkaler Verschmutzung und damit zu Reizungen führen.

Weitere Ursachen werden selten identifiziert, aber eine Vielzahl von Faktoren ist dabei beteiligt (siehe Tabelle: Einige Ursachen des Pruritus ani).

Bei sehr jungen und älteren Personen prädisponiert Stuhl- und Harninkontinenz zu lokalen Reizungen und sekundären Candida-Infektionen.

Sobald Juckreiz auftritt, gleich welcher Ursache, kann ein Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen beginnen, bei dem Kratzen immer mehr Juckreiz hervorruft. Oft ist die Haut wund und sekundär infiziert, was zu noch mehr Juckreiz führt. Ebenso können topische Behandlungen für Juckreiz und Infektion sensibilisieren, was zu weiteren Juckreiz hervorruft.

Tabelle
icon

Einige Ursachen des Pruritus ani

Ursache

Verdächtige Befunde

Diagnostisches Vorgehen

Anorektale Störungen

Eitriger Ausfluss

Schmerzen im Rektum (manchmal) und/oder Abdomen (oft)

Gelegentlich drainierende Fistel

Gelegentlich Diarrhö

Anoskopie, Sigmoidoskopie oder Koloskopie

Hämorrhoiden (intern oder extern)

Mit internen Hämorrhoiden, Blutungen (eine kleine Menge Blut auf dem Toilettenpapier oder in der WC-Schüssel)

Mit externen Hämorrhoiden, eine schmerzhafte, geschwollene Beule am Anus

Klinische Bewertung

In der Regel Anoskopie oder Sigmoidoskopie

Infektionen

Bakterielle Infektionen (sekundär nach Kratzen)

Entzündeter, aufgekratzer Bereich

Klinische Bewertung

Ein Hautausschlag rund um den Anus

Klinische Bewertung

Gelegentlich Untersuchung von Hautgeschabsel

In der Regel bei Kindern

Manchmal bei mehreren Familienmitgliedern

Mikroskopische Untersuchung eines transparenten Pflasters, das am Analbereich angewendet wurde, um auf Eier von Madewürmern zu prüfen (s. Diagnose von Madenwürmern)

Starkes Jucken, meist nachts schlimmer

Möglicherweise Juckreiz in anderen Körperbereichen

Möglicherweise rosa, dünne, leicht erhabene Linien oder Unebenheiten (Gänge) auf betroffenen Arealen

Klinische Bewertung

Untersuchung von Hautgeschabsel

Erkrankungen der Haut

Juckender, geröteter, nässender und verkrusteter Ausschlag

Klinische Bewertung

Perianales Karzinom (z. B. Morbus Bowen, extramammäre Paget-Krankheit)

Schuppende oder verkrustete Läsion

Biopsie

Typische Psoriasis-Plaques

Gelegentlich Plaques auf anderen Hautarealen

Klinische Bewertung

Kleiner Gewebelappen am Anus

Klinische Bewertung

Arzneimittel

Antibiotika

Aktuelle oder kürzliche Anwendung von Antibiotika

Versuch zur Beseitigung

Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel

Bier, Koffein, Schokolade, Peperoni, Milchprodukte, Nüsse, Tomaten, Zitrusfrüchte, Gewürze, oder Vitamin-C-Tabletten

Symptome nur nach der Einnahme des Stoffes

Versuch zur Beseitigung

Hygieneassoziierte Probleme

Übermäßiges Schwitzen von der Person beschrieben, vor allem beim Tragen von enger und/oder synthetischer Kleidung

Test von Maßnahmen zur Begrenzung des Schwitzens (z. B. Tragen leichter Unterwäsche aus Baumwolle, Unterwäsche häufig wechseln)

Übermäßig akribische oder aggressive Reinigung des Analbereichs

Schlechte Reinigung

Unangemessene Reinigungspraktiken durch den Patienten beschrieben

Versuch einer Änderung bei Reinigungspraktiken

Hautreizstoffe

Lokalanästhetika, Salben, Seifen und Sanitärtücher

Verwendung einer möglicherweise irritierenden oder sensibilisierenden Substanz durch den Patienten beschrieben

Versuch zur Beseitigung

Abklärung

Anamnese

Bei derErhebung des Krankheitsverlaufs ist zu beachten, ob das Problem akut oder rezidivierend ist. Der Patient sollte über topische Mittel befragt werden, die er im Analbereich angewendet hat, einschließlich Sanitärtücher, Salben (auch solche zur Behandlung des Juckreizes), Sprays und Seifen. Ernährungs- and Medikamentenprofile sollten auf verursachende Erreger überprüft werden (siehe Tabelle: Einige Ursachen des Pruritus ani), insbesondere auf saure oder stark gewürzte Speisen. Das allgemeine Hygieneverständnis ist zu überprüfen, indem man sich nach der Häufigkeit von Duschen und Bädern erkundigt.

Eine Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen der ursächlichen Erkrankungen forschen, einschließlich Harn- oder Stuhlinkontinenz (lokale Reizung), Schmerzen im Analbereich oder Beulen, Blut auf dem Toilettenpapier (Hämorrhoiden), blutiger Diarrhö und Bauchkrämpfen (entzündliche Darmerkrankung) sowie Hautplaques (Psoriasis).

Die Anamnese sollte frühere Krankheiten identifizieren, die mit Pruritus ani assoziiert sind, insbesondere stattgehabte anorektale Operationen, Hämorrhoiden und Diabetes.

Körperliche Untersuchung

Bei der allgemeinen Untersuchung sollte man sich ein Bild vom Hygieneverständnis machen und jegliche Anzeichen von Angst oder zwanghaftem Verhalten feststellen.

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf den Analbereich, insbesondere auf die Suche nach perianalen Hautveränderungen, Anzeichen von fäkalen Verschmutzungen oder Flecken (was auf mangelnde Hygiene hindeutet) und Hämorrhoiden. Die äußerliche Inspektion sollte auch die Integrität der perianalen Haut kontrollieren, ob sie matt oder verdickt (was auf Chronifizierung hindeutet) erscheint, und das Vorhandensein von Hautläsionen, Fisteln, Abschürfungen oder Anzeichen einer lokalen Infektion. Der Sphinktertonus wird beurteilt, indem der Patient den Schließmuskel während der digitalen rektalen Untersuchung kontrahiert. Der Patient sollte dann gebeten werden, wie beim Stuhlgang zu drücken, wordurch sich prolabierte innere Hämorrhoiden zeigen. Eine Anoskopie kann notwendig sein zur weiteren Untersuchung des anorektalen Bereichs auf Hämorrhoiden.

Eine dermatologische Prüfung kann Skabiesgänge in den Interdigitalräumen oder auf der Kopfhaut oder Anzeichen einer anderen ursächlichen systemischen Hautkrankheit aufdecken.

Warnzeichen

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Drainierende Fistel

  • Blutiger Durchfall

  • Große äußere Hämorrhoiden

  • Prolabierende innere Hämorrhoiden

  • Perianale fäkale Verschmutzung

  • Stumpfe oder verdickte Perianalhaut

Interpretation der Befunde

Hygieneprobleme, die Verwendung von topischen Mitteln und lokale Störungen (z. B. Candida-Infektion,Hämorrhoiden) werden in der Regel durch Anamnese und Untersuchung offengelegt.

Bei Erwachsenen mit akutem Juckreiz ohne erkennbare Ursache sollten mit der Nahrung aufgenommene Substanzen berücksichtigt werden. Ein Versuch, diese Substanzen bei der Ernährung wegzulassen, kann nützlich sein. Bei Kindern sollte dem Verdacht auf Madenwürmer nachgegangen werden.

Bei Erwachsenen mit chronischem Juckreiz ohne erkennbare Ursache kann eine übermäßig aggressive Analhygiene beteiligt sein.

Tests

Bei vielen Patienten ist ein Versuch mit einer empirischen, unspezifischen Therapie angemessen, es sei denn, es wurden besondere Befunde festgestellt. Bei sichtbaren Läsionen unklarer Genese z. B. sollte eine Biopsie und/oder Kultur in Betracht gezogen werden. Wenn ein Verdacht auf Madenwürmer, die meist bei Kindern im Schultalter auftreten, besteht, können die Eier durch Abkleben der perianalen Hautfalten mit einem Tesastreifen am frühen Morgen nachgewiesen werden. Das Band wird mit der klebrigen Seite nach unten auf einen Glasobjektträger gelegt und mikroskopisch untersucht.

Therapie

Systemische Ursachen und parasitäre sowie Pilzinfektionen müssen spezifisch behandelt werden.

Lebensmittel und topisch wirksame Substanzen, die im Verdacht stehen, ursächlich zu sein für den Pruritus ani, sollten weggelassen werden.

Allgemeine Maßnahmen

Die Kleidung sollte locker sein, v. a. auch Nachtwäsche. Nach dem Stuhlgang sollte der Patient die Analregion mit einem weichen, mit Wasser getränkten Baumwolltuch oder einer handelsüblichen perianalen Reinigungszubereitung bei Hämorrhoiden reinigen. Seifen und Feuchttücher sollten vermieden werden. Häufigeres Einpudern mit normalem Talk oder Maisstärke vermindert die Feuchtigkeit im Analgebiet. 1%ige Hydrokortisonacetatsalbe, 4-mal täglich für eine kurze Dauer (< 1 Woche) angewendet, kann die Symptome mildern. Gelegentlich sind hochwirksame topische Kortikosteroide erforderlich.

Wichtige Punkte

  • Häufige Ursachen sind Madenwürmer bei Kindern und hygieneassoziierte Probleme bei Erwachsenen.

  • Lebensmittel und Reinigungsmittel oder Seifen können analen Juckreiz verursachen.

  • Angemessenes Verhalten, nicht irritierende Hygiene (d. h. nicht zu wenig, aber nicht zu kräftig, Verzicht auf starke Seifen und Chemikalien) und die Verringerung der lokalen Feuchtigkeit helfen die Symptome zu lindern.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Parazentese
Video
Parazentese
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung
3D-Modell
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN