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Hyperhidrose

Von

Shinjita Das

, MD, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Die Hyperhidrose ist die exzessive Sekretion von Schweiß, kann fokal oder diffus vorliegen und hat zahlreiche Ursachen. Das Schwitzen der Achselhöhlen, Handflächen und Fußsohlen ist meist eine normale Reaktion aufgrund von Stress, Bewegung oder Umweltwärme; diffuses Schwitzen ist normalerweise idiopathisch, sollte aber bei Patienten mit kompatiblen Befunden den Verdacht auf Krebs, Infektionen und endokrine Erkrankungen wecken. Die Diagnose ist offensichtlich, wobei Untersuchungen hinsichtlich der Grunderkrankung indiziert sein können. Zu den Behandlungen gehören topisches Aluminiumchlorid, Leitungswasser-Iontophorese, Botulinumtoxin, orales Glykopyrrolat und im Extremfall eine Operation.

Ätiologie

Eine Hyperhidrose kann fokal oder generalisiert sein.

Fokales Schwitzen

Emotionale Ursachen sind häufig und verursachen eine vermehrte Schweißsekretion an den Handflächen und Fußsohlen, in den Axillae sowie auf der Stirn, meist bei Angst, Aufregung oder Ärger. Möglich ist auch ein generalisiert erhöhtes stressbedingtes sympathisches Niveau. Schwitzen ist auch während des Trainings und in heißen Umgebungen üblich. Während diese Form des Schwitzens eine normale Körperreaktion ist, sezernieren Patienten mit Hyperhidrose exzessiv Schweiß auch unter Bedingungen, die bei den meisten Menschen kein Schwitzen auslösen würden.

Gustatorisches Schwitzen tritt im Bereich von Lippen und Mund nach Aufnahme von Nahrungsmitteln und Getränken auf, die stark gewürzt oder sehr heiß sind. Meist gibt es keine bekannte Ursache, wobei gustatorisches Schwitzen oft vermehrt bei diabetischer Neuropathie, fazialem Herpes zoster, Invasion des zervikalen sympathischen Ganglions, ZNS-Verletzungen und -Erkrankungen und Verletzungen der Glandula parotis auftritt. Im Fall von Verletzungen der Glandula parotis wird die Innervation der Glandula parotis durch eine Operation, eine Infektion oder eine Verletzung unterbrochen, sodass parotideale parasympathische Fasern in die sympathischen Fasern einwachsen, die die lokalen Schweißdrüsen der verletzten Haut innervieren, meistens über der Glandula parotis. Dieses Krankheitsbild wird als Frey-Syndrom bezeichnet. Asymmetrisches Schwitzen kann durch eine neurologische Störung verursacht werden.

Andere Ursachen einer fokal vermehrten Schweißsekretion sind das prätibiale Myxödem (Schienbeine), die hypertrophe Osteoarthropathie (Handflächen) sowie das Blue-rubber-bleb-nevus-Syndrom und der Glomustumor (über den Läsionen). Als kompensatorisches Schwitzen wird die intensive Schweißsekretion nach Sympathektomie bezeichnet.

Generalisiertes Schwitzen

Generalisiertes Schwitzen betrifft den überwiegenden Teil der Körperoberfläche. Obwohl die meisten Fälle idiopathisch sind, können zahlreiche Bedingungen beteiligt sein (siehe Tabelle: Einige Ursachen für generalisiertes Schwitzen).

Tabelle
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Einige Ursachen für generalisiertes Schwitzen

Typ

Beispiele

Krebs*

ZNS

Verletzung, autonome Neuropathie, Halssympathicus-Ganglion-Invasion

Arzneimittel

Antidepressiva, Aspirin, NSARs, hypoglykämische Agenten, Koffein, Theophyllin; Opioid-Entzug

Endokrine Erkrankungen

Idiopathisch

Infektionen*

Andere

Karzinoid-Syndrom, Schwangerschaft, Wechseljahre, Angst

*Hauptsächlich nächtliches generalisiertes Schwitzen (Nachtschweiß).

GnRH = Gonadotropin-Releasing-Hormon.

Symptome und Beschwerden

Schwitzen tritt oft während der Untersuchung auf, manchmal in extremem Ausmaß. Die Kleidung kann eingeweicht und Handflächen oder Fußsohlen können mazeriert und rissig sein. Eine Hyperhidrose ist oft emotional belastend für die Patienten und Anlass für sozialen Rückzug. Die Haut von Handflächen und Fußsohlen wirkt oft blass.

Diagnose

  • Anamnese und Untersuchung

  • Jod- und Stärke-Test

  • Tests zur Identifikation der Ursache

Hyperhidrose wird aufgrund von Anamnese und Untersuchung diagnostiziert, kann aber mit dem Jod- und Stärke-Test bestätigt werden. Für diesen Test wird Jodlösung auf die betroffene Stelle aufgetragen und trocknen gelassen. Anschließend wird Maisstärke auf die Stelle gestreut, durch die schwitzende Bereiche dunkel erscheinen. Der Test ist nur zur Ermittlung der Foci mit vermehrter Schweißekretion (wie beim Frey-Syndrom oder um den Bereich festzulegen, der chirurgisch oder mit Botulinumtoxin behandelt werden soll) sowie semiquantitativ zur Kontrolle des Therapieerfolges nötig. Asymmetrie des Schwitzmusters deutet auf eine neurologische Ursache hin.

Labortests zur Identifizierung einer Ursache der Hyperhidrose werden von den anderen Symptomen des Patienten geleitet und können z.B. CBC zum Nachweis von Leukämie, Serumglukose zum Nachweis von Diabetes und Schilddrüsen-stimulierendes Hormon zum Screening auf Schilddrüsenfunktionsstörungen beinhalten.

Behandlung

  • Aluminiumchloridhexahydrat-Lösung

  • Leitungswasseriontophorese

  • Botulinumtoxin Typ A

  • Orale Anticholinergika

  • Operative Eingriffe

Initial werden fokal und generalisiert vermehrte Schweißsekretion gleich behandelt.

Zur topischen Behandlung der vermehrten Schweißsekretion in den Axillen, auf Handflächen und Fußsohlen ist eine 6- bis 20%ige Lösung von Aluminumchloridhexahydrat in Ethylalkohol indiziert, wobei diese Zubereitung verschreibungspflichtig ist. Die Lösung sondert Salze ab, die die Schweißdrüsen blockieren. Sie ist am effektivsten, wenn sie nächtlich angewandt wird, wobei sie am Morgen abgewaschen werden sollte. Gelegentlich wird vor dem Auftragen ein Anticholinergikum eingenommen, damit das Aluminiumchlorid nicht durch den Schweiß ausgewaschen wird. Initial muss die Behandlung mehrmals wöchentlich erfolgen, um die Symptome einzudämmen, anschließend folgt eine Erhaltungstherapie mit ein- bis zweimal wöchentlicher Anwendung. Bei Hautreizungen durch die Anwendung unter Okklusion sollte ein Versuch ohne Okklusion erfolgen. Die Lösung sollte nicht auf entzündete, verletzte, nasse oder kürzlich rasierte Haut aufgetragen werden. In leichteren Fällen lässt sich oft durch hochkonzentrierte Aluminiumchloridlösungen auf Wasserbasis eine Linderung erreichen.

Die Leitungswasseriontophorese, bei der mittels elektrischem Strom Salzionen in die Haut eingebracht werden, ist für Patienten geeignet, die nicht auf die topische Therapie angesprochen haben. Die betroffenen Bereiche (typischerweise Handflächen und Fußsohlen) werden in Behälter mit Leitungswasser gelegt, die jeweils eine Elektrode enthalten, durch die für 10–20 min ein Strom von 15–25 mA geleitet wird. Diese Routine erfolgt eine Woche lang täglich, dann einmal wöchentlich oder alle zwei Monate. Die Effektivität der Iontophorese kann durch das Auflösen von Anticholinergika-Tabletten (z. B. Glycopyrrolat) im Wasser der Iontophorese-Becken gesteigert werden. Das Verfahren ist zwar in der Regel wirksam, aber zeitaufwändig und mühsam, und manche Patienten haben nicht die Geduld, durchzuhalten.

Botulinumtoxin Typ A ist ein Neurotoxin, das die Freisetzung von Acetylcholin aus den sympathischen Nervenendigungen blockiert, welche die ekkrinen Drüsen versorgen. Bei direkter Injektion in die Axillae, Handflächen oder Fußsohlen und die Stirn hemmt Botulinumtoxin abhängig von der Dosis etwa 5 Monate lang die Schweißsekretion. Bemerkenswerterweise ist Botulinumtoxin nur für axilläre Hyperhidrose von der FDA zugelassen und kann nicht durch andere Hyperhidrosis-Erscheinungen eingesetzt werden. Komplikationen sind lokale Muskelschwäche und Kopfschmerzen. Die Injektionen sind wirksam, aber auch schmerzhaft und teuer.

Orale Anticholinergika können einigen Patienten helfen. Glykopyrrolat oder Oxybutynin kann verwendet werden, bis der Grad des Schwitzens erträglich wird oder anticholinerge Nebenwirkungen unerträglich werden. Mögliche Nebenwirkungen sind trockener Mund, trockene Haut, Rötung, verschwommenes Sehen, Harnretention, Mydriasis, und Herzrhythmusstörungen.

Sofern die konservativen Therapien versagen, ist eine Operation indiziert. Bei Patienten mit vermehrter Schweißsekretion in den Achselhöhlen werden die axillären Schweißdrüsen entweder mittels offener Dissektion oder mittels Liposuktion exzidiert (Letzteres scheint eine geringere Komplikationsrate zu besitzen). Patienten mit palmar verstärkter Schweißsekretion können mit endoskopischer transthorakaler Sympathektomie behandelt werden. Insbesondere bei der Sympathektomie muss die potenzielle Morbidität der Operation in Betracht gezogen werden. Zu den möglichen Komplikationen gehören Phantom-Schwitzen (ein Gefühl von Schwitzen ohne Schweißsekretion), kompensatorische Hyperhidrose (vermehrtes Schwitzen in unbehandelten Körperbereichen), gustatorisches Schwitzen, Neuralgien, und Horner-Syndrom. Kompensatorische Hyperhidrose tritt am häufigsten nach der endoskopischen transthorakalen Sympathektomie auf, bei bis zu 80% der Patienten, und kann einschränkend und viel schwerwiegender als das ursprüngliche Problem sein.

Wichtige Punkte

  • Asymmetrische Hyperhidrose deutet auf eine neurologische Ursache.

  • Obwohl diffuses Schwitzen in der Regel normal ist, ziehen Sie Krebs, Infektionen und endokrine Störungen in Betracht, wie sie durch die Symptome des Patienten hervorgerufen werden.

  • Labortests zur Bestimmung systemischer Ursachen basierend auf klinischen Befunde müssen vorliegen.

  • Behandlung mit Aluminiumchloridlösungen, Leitungswasser-Iontophorese, Botulinumtoxin oder oralem Glykopyrrolat.

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