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Reaktive Arthritis

Von

Apostolos Kontzias

, MD, Stony Brook University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Reaktive Arthritis (ehemals Reiter-Syndrom) ist eine Form der Spondylarthritis, die zu Entzündungen in den Gelenken und Sehnenansätzen am Gelenk führt, häufig begleitet von einer Infektion.

  • Gelenkschmerzen und -entzündungen können durch eine Infektion hervorgerufen werden, für gewöhnlich im Urogenital- oder Magen-Darm-Trakt.

  • Häufig kommt es auch zu Sehnenentzündungen, Hautausschlägen und einer Rötung der Augen.

  • Die Diagnose gründet auf den Symptomen.

  • Die Symptome lassen sich mit nichtsteroidalen Antirheumatika, Sulfasalazin und manchmal Arzneimitteln zur Unterdrückung des Immunsystems (wie Azathioprin und Methotrexat) behandeln.

Die reaktive Arthritis ist eine Form der Spondylarthritis.

Die reaktive Arthritis wird so genannt, weil die Gelenkentzündung anscheinend durch eine Reaktion auf eine Entzündung im Verdauungstrakt (gastrointestinal) oder in den Genitalien und Harnwegen (urogenital) hervorgerufen wird.

Es gibt zwei Hauptformen der reaktiven Arthritis:

  • Die eine Form scheint durch sexuell übertragbare Krankheiten, z. B. durch eine Chlamydieninfektion, ausgelöst zu werden und tritt am häufigsten bei Männern zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.

  • Die andere Form tritt in der Regel nach einer Magen-Darm-Infektion mit Shigella, Salmonellen, Yersinia oder Campylobacter auf.

Bei den wenigsten Betroffen kommt es zu einer reaktiven Arthritis. Patienten, bei denen es aufgrund einer dieser Infektionen zu einer reaktiven Arthritis kommt, haben eine genetische Veranlagung, die teilweise mit dem gleichen Gen HLA-B27 wie bei Patienten mit Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) zusammenhängt. Es gibt Hinweise, dass Chlamydien und möglicherweise auch andere Bakterien bis zu den Gelenken wandern, aber noch ist ungeklärt, wie die Infektion und die Immunreaktion des Körpers ablaufen.

Die reaktive Arthritis kann von einer Bindehautentzündung und einer Schleimhautentzündung (z. B. im Mund oder an den Genitalien) sowie einem deutlichen Hautausschlag begleitet sein. Diese Form der reaktiven Arthritis wurde früher Reiter-Syndrom genannt.

Symptome

Die Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken können leicht bis schwer sein. Gewöhnlich sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen, vor allem Knie- und Zehengelenke, sowie die Bereiche, an denen die Sehnen am Knochen ansetzen, z. B. an der Ferse. Häufig sind die großen Gelenke der unteren Gliedmaßen besonders stark betroffen. Bei dieser Erkrankung sind die Gelenke weniger symmetrisch betroffen als bei der rheumatoiden Arthritis. Die Sehnen können sich schmerzhaft entzünden. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können Rückenschmerzen auftreten. Weitere Symptome sind leichtes Fieber, Gewichtsverlust und starke Erschöpfung.

Es kann eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis – Hohlorgan, das den Urin von der Blase aus dem Körper leitet) auftreten, normalerweise ca. 7 bis 14 Tage nach einer Infektion (nach dem Geschlechtsverkehr oder in manchen Fällen nach einer Durchfallerkrankung).

  • Bei Männern verursacht die Entzündung leichte bis mittlere Schmerzen und Ausfluss aus dem Penis oder Hautausschlag auf der Eichel (Balanitis circinata). Die Prostata kann sich schmerzhaft entzünden.

  • Bei Frauen treten, wenn überhaupt, nur leichte Symptome im Harn- und Genitaltrakt auf, wie etwa leichter Ausfluss und ein unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen.

Die Bindehaut (die Membran an Augenlid und Augapfel) kann sich röten und entzünden, was zu Juckreiz oder Brennen, Lichtempfindlichkeit, gelegentlich Schmerzen und erhöhtem Tränenfluss führt.

An Mund und Zunge können kleine, für gewöhnlich schmerzlose und manchmal berührungsempfindliche Geschwüre auftreten. Gelegentlich blüht ein starker Hautausschlag in Form von harten, verdickten Flecken auf, vor allem an Handflächen und Fußsohlen und um die Nägel (Keratoderma blennorrhagicum).

In seltenen Fällen kommt es zu Herz- und Blutgefäßerkrankungen (z. B. Entzündung der Aorta), Entzündungen des Brustfells, Störungen der Aortenklappe sowie Störungen des Rückenmarks oder des peripheren Nervensystems (alle Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks).

Diagnose

  • Röntgenaufnahmen

Die Kombination aus Gelenkbeschwerden und einer vorangegangenen Entzündung, vor allem bei Erkrankungen der Genitalien, Harnwege und Augen, kann auf eine reaktive Arthritis hinweisen. Da die Symptome nicht immer gemeinsam auftreten, kann es Monate dauern, bis die Erkrankung diagnostiziert wird.

Es gibt keine einfachen Laboruntersuchungen, um die Diagnose einer reaktiven Arthritis zu bestätigen. Jedoch können Röntgenaufnahmen häufig Aufschluss über den Gelenkzustand geben. Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen können durch Tests ausgeschlossen werden.

Prognose

Bei den meisten Betroffenen verschwinden die ersten Symptome der reaktiven Arthritis nach 3 oder 4 Monaten, doch bei bis zu 50 % treten die Gelenkentzündungen oder andere Symptome nach einigen Jahren wieder auf.

Wenn die Symptome anhalten oder häufig wiederkehren, kann es zu Verformungen der Gelenke, der Wirbelsäule sowie des Gelenks zwischen Wirbelsäule und Hüftknochen (Iliosakralgelenk) kommen. Einige Patienten mit einer reaktiven Arthritis bleiben dauerhaft behindert.

Behandlung

  • Nichtsteroidale Antirheumatika

  • Manchmal Antibiotika, Sulfasalazin, Azathioprin oder Methotrexat oder eine Kombination

  • Manchmal Kortikosteroidspritzen

  • Physiotherapie

Wenn die Erkrankung durch eine Infektion der Genitalien oder Harnwege verursacht wird, werden Antibiotika verabreicht. Die Behandlung ist allerdings nicht immer erfolgreich, und die optimale Behandlungsdauer ist unbekannt.

Bei Gelenkentzündungen wird in der Regel ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) eingesetzt. Wie bei der rheumatoiden Arthritis können auch Sulfasalazin oder Immunsuppressiva (wie Azathioprin oder Methotrexat) verordnet werden.

Um die Symptome zu lindern, können auch Kortikosteroide in ein stark entzündetes Gelenk oder die entzündeten Sehnen gespritzt werden.

Während der Genesungsphase können die Gelenke durch eine Physiotherapie beweglich gehalten werden.

Bindehautentzündung und wunde Hautstellen benötigen keine Behandlung. Bei einer schweren Augenentzündung (Uveitis) müssen möglicherweise jedoch Kortikosteroide und pupillenerweiternde Augentropfen verordnet werden.

Weitere Informationen

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