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Osteoarthrose (OA)

(Degenerative Arthritis; Degenerative Gelenkerkrankung; Osteoarthrose)

Von

Apostolos Kontzias

, MD, Stony Brook University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Quellen zum Thema

Die Osteoarthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, welche die Gelenkknorpel und das angrenzende Gewebe schädigt. Typische Symptome sind Schmerzen, Gelenkversteifungen und Funktionsverlust.

  • Ältere Menschen sind häufiger von einer Osteoarthrose aufgrund einer Schädigung des Gelenkknorpels und des umliegenden Gewebes betroffen.

  • Typische Symptome sind Schmerzen, Schwellungen, Knochenwucherungen sowie Steifheit nach dem Aufstehen oder längerer Inaktivität, die zumeist nach spätestens 30 Minuten verfliegt, vor allem wenn das Gelenk bewegt wird.

  • Die Diagnose gründet auf den Symptomen und auf Röntgenaufnahmen.

  • Die Behandlung umfasst Sport und andere Aktivitäten, schmerzlindernde und funktionsverbessernde Medikamente und, bei schweren Erkrankungen, einen Gelenkaustausch oder eine andere Operation.

Eine Osteoarthrose, die häufigste Gelenkerkrankung, beginnt häufig im Alter von 40 bis 50 Jahren, und fast alle 80-Jährigen sind in gewissem Maße davon betroffen. Vor dem 40. Lebensjahr erkranken Männer häufiger an Osteoarthrose als Frauen. Oft ist hier eine Verletzung oder eine Missbildung die Ursache. Bei Personen bis zum 40. Lebensjahr zeigen Röntgenbilder häufig Anzeichen einer Osteoarthrose, obwohl bei nur etwa der Hälfte der Betroffenen Symptome auftreten. Im Alter von 40 bis 70 Jahren ist Osteoarthrose bei Frauen häufiger als bei Männern. Ab dem 70. Lebensjahr tritt diese Erkrankung bei beiden Geschlechtern gleich stark auf.

Osteoarthrose wird wie folgt klassifiziert:

  • Primär

  • Sekundär

Bei der primären (oder idiopathischen) Osteoarthrose ist die Ursache nicht bekannt (Mehrzahl der Fälle). Bei der primären Osteoarthrose kann ein einzelnes Gelenk, z. B. das Knie, oder viele Gelenke betroffen sein.

Bei der sekundären Osteoarthrose ist die Ursache eine andere Krankheit oder Störung, zum Beispiel:

  • eine Infektion

  • eine angeborene Gelenkanomalie

  • eine Verletzung

  • eine Stoffwechselstörung (z. B. zu viel Eisen im Körper [Hämochromatose] oder zu viel Kupfer in der Leber [Morbus Wilson])

  • eine Erkrankung, die die Gelenkknorpel zerstört (z. B. rheumatoide Arthritis oder Gicht)

Menschen, die ihre Gelenke immer wieder einer starken Belastung aussetzen, wie Gießerei- und Minenarbeiter, Bauern und Busfahrer, sind besonders gefährdet. Tätigkeiten, bei denen das Knie häufig gebeugt werden muss, sind eine der Hauptursachen für eine Osteoarthrose des Kniegelenks. Seltsamerweise ist das Risiko für Langstreckenläufer nicht höher. Wenn eine Osteoarthrose vorliegt, kann diese Sportart die Erkrankung jedoch verschlimmern. Möglicherweise spielt Übergewicht eine Rolle, vor allem bei Frauen mit Osteoarthrose im Knie.

Der Alterungsprozess im Visier: Osteoarthrose

Nach wie vor ranken sich viele Mythen um die Osteoarthrose. Sie sei beim Altern, wie graues Haar und Falten, unvermeidlich, sie verursache nur leichte Behinderungen und Behandlungen nützten nichts.

Die Osteoarthrose tritt mit zunehmendem Alter tatsächlich häufiger auf. Beim Älterwerden passiert beispielsweise Folgendes:

  • Die Knorpel in den Gelenken werden dünner.

  • Die Gelenkoberflächen gleiten eventuell nicht mehr so gut übereinander wie früher.

  • Das Gelenk kann etwas anfälliger für Verletzungen werden.

Doch alte Menschen müssen nicht zwangsläufig an Osteoarthrose erkranken. Sie wird nicht allein durch die Abnutzung der Gelenke hervorgerufen. Weitere Auslöser können einzelne oder wiederholte Verletzungen, falsche Bewegungen, Stoffwechselstörungen, Gelenkinfektionen und andere Gelenkerkrankungen sein.

Die Osteoarthrose führt darüber hinaus im Alter häufig zu Behinderungen.

Osteoarthrose lässt sich effektiv behandeln, z. B. durch Schmerzmittel (Analgetika), Sport und Physiotherapie, in einigen Fällen auch durch eine Operation.

Mit zunehmendem Alter kommt es auch häufig zu Bänderverletzungen. Die Bänder, die die Gelenke zusammenhalten, verlieren mit der Zeit an Elastizität, wodurch die Gelenke steif werden. Die Ursache hierfür sind chemische Veränderungen der Proteine, aus denen die Bänder bestehen. Dadurch werden die meisten Menschen im Alter unbeweglicher. Bänder reißen tendenziell leichter, und wenn sie reißen, heilen sie langsamer. Bei älteren Menschen sollten die Übungen von einem Trainer oder Arzt überprüft werden, um Bänderrisse zu vermeiden.

In einigen Fällen lassen sich die arthrosebedingten Schmerzen nicht durch einfache Schmerzmittel (Analgetika) wie Paracetamol lindern. Stärkere Schmerzmittel wie Tramadol oder selten Opioide sind möglicherweise erforderlich, werden aber nur verschrieben, wenn sie wirklich nötig sind, um Probleme mit Nebenwirkungen und einer möglichen Abhängigkeit zu vermeiden. Bei älteren Menschen können diese Medikamente auch zu Verwirrung führen. Für sie können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die am betroffenen Gelenk in die Haut gerieben werden, eine bessere Alternative sein. Dabei werden weniger Wirkstoffe aufgenommen als bei einer Einnahme über den Mund, was das Risiko von Nebenwirkungen verringert.

Ursachen

Normalerweise reduzieren Knorpel die Reibung in den Gelenken und schützen sie auch nach jahrelanger normaler Belastung, Überbeanspruchung oder Verletzungen vor einem Verschleiß. Eine Arthrose wird zumeist durch Gewebeschäden verursacht. In dem Bemühen, ein geschädigtes Gelenk zu reparieren, sammeln sich im Gelenk Chemikalien an und erhöhen die Produktion der Knorpelbestandteile, wie Collagen (ein zähes, faserartiges Protein im Bindegewebe) und der Proteoglykane (einer Substanz, die für Widerstandsfähigkeit sorgt). Der Knorpel kann Wasser einlagern und anschwellen; er wird weich, und es bilden sich Risse an der Oberfläche. Unter dem Knorpel bilden sich kleine Vertiefungen im Knochen, die ihn schwächen.

Durch den Versuch des Gewebes, den Schaden zu reparieren, kann es zu neuem Wachstum von Knochen und anderen Gewebearten kommen. Am Ende der Gelenke kann es zu Knochenwucherungen kommen. Die so entstehenden Beulen (Osteophyten) sind sicht- und fühlbar. Schließlich wird die glatte, rutschige Oberfläche des Knorpels rau und narbig, sodass das Gelenk nicht mehr reibungslos bewegt werden und Stöße nicht mehr abfangen kann. Alle Bestandteile des Gelenks – Gelenkkapsel (das Gelenk umschließende Gewebe), Synovialmembran (Innenhaut in der Gelenkkavität), Sehnen, Bänder und Knorpel – versagen auf die eine oder andere Weise und verändern das Gelenk.

Symptome

In der Regel entwickelt sich eine Osteoarthrose schleichend und macht sich zuerst an einem oder mehreren Gelenken bemerkbar. Fingergelenke, Daumengrundgelenk, Hals, Lendenwirbelsäule, großer Zeh, Hüfte und Knie sind am häufigsten betroffen.

Die ersten Symptome sind häufig als tiefsitzend beschriebene Schmerzen, die sich durch Aktivitäten in Verbindung mit dem Tragen von Lasten (z. B. Stehen) in den entsprechenden Gelenken verstärken können. In einigen Fällen kann das Gelenk nach dem Aufstehen oder nach Inaktivität steif sein. Diese Steifheit lässt gewöhnlich jedoch nach spätestens 30 Minuten nach, vor allem, wenn das Gelenk bewegt wird.

Wenn weitere Symptome auftreten, wird das Gelenk möglicherweise unbeweglicher und lässt sich nicht mehr vollständig ausstrecken oder beugen. Durch neues Wachstum von Knochen oder anderen Gewebearten können sich die Gelenke vergrößern. Der raue Knorpel verursacht im Gelenk bei Bewegungen knirschende oder knackende Geräusche und Berührungsempfindlichkeit.

Knochenwucherungen entwickeln sich häufig an den Endgelenken (Heberden-Knoten) oder den Mittelgelenken der Finger (Bouchard-Knoten).

Bei manchen Gelenken wie dem Knie dehnen sich die stützenden und stabilisierenden Bänder so stark, dass das Gelenk seinen Halt verliert. Hüfte oder Knie können steif und unbeweglicher werden. Berührungen oder Bewegungen des Gelenks können sehr schmerzhaft sein, vor allem beim Stehen, Gehen oder Treppensteigen.

Die Wirbelsäule ist häufig von Osteoarthrose betroffen. Das häufigste Symptom sind Rückenschmerzen. Gewöhnlich verursachen geschädigte Bandscheiben und Wirbelknochen nur leichte Bewegungseinschränkungen und geringe Schmerzen. Dennoch kann eine Osteoarthrose in der Hals- oder der Lendenwirbelsäule Taubheitsgefühle, Schmerzen und Schwäche in einem Arm oder Bein verursachen, wenn die Knochenwucherungen auf einen Nerv drücken. Kommt es im Rückenmarkkanal der Lendenwirbelsäule zu Knochenwucherungen (lumbale Spinalkanalstenose), können die Beinnerven abgedrückt werden. Die dadurch verursachten Schmerzen in den Beinen nach einem Spaziergang können den falschen Eindruck erwecken, dass die Blutversorgung in den Beinen gestört ist (Claudicatio intermittens oder Schaufensterkrankheit). In seltenen Fällen drücken Knochenwucherungen die Speiseröhre zusammen und erschweren das Schlucken.

Die Osteoarthrose kann über Jahre unverändert bleiben oder rasch fortschreiten, meist verläuft sie jedoch nach dem Auftreten der ersten Symptome langsam. Bei vielen Betroffenen kommt es zu Beeinträchtigungen.

Bei geröteten, heißen und geschwollenen Gelenken sollten die Betroffenen ärztlich untersucht werden, da diese Symptome normalerweise nicht auf eine Osteoarthrose, sondern auf eine Infektion oder Gicht zurückzuführen sind.

Diagnose

  • Röntgenaufnahmen

Die Diagnose der Osteoarthrose kann aufgrund der charakteristischen Symptome, der körperlichen Untersuchung, der Ergebnisse bestimmter Blutuntersuchungen und des Erscheinungsbilds der Gelenke auf dem Röntgenbild (z. B. Knochenvergrößerung und Verengung der Gelenkspalte) gestellt werden. Zur frühen Erkennung einer Osteoarthrose eignet sich das Röntgenverfahren jedoch nicht sehr gut, da Knorpelveränderungen, eines der ersten Merkmale, nicht abgebildet werden. Die Auffälligkeiten im Röntgenbild lassen sich auch oft schwer mit den Symptomen in Einklang bringen. So kann das Röntgenbild zum Beispiel nur geringfügige Veränderungen aufzeigen, obwohl der Patient unter starken Symptomen leidet, während bei einem Patienten mit geringen oder keinen Symptomen zahlreiche Veränderungen sichtbar sein könnten.

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt frühe Veränderungen der Knorpel auf, wird aber selten zur Diagnose angewandt.

Zur Osteoarthrose-Diagnose werden keine Bluttests gemacht, obwohl sich dadurch andere Erkrankungen ausschließen lassen würden (z. B. rheumatoide Arthritis).

Bei Gelenkschwellungen kann der Arzt ein Betäubungsmittel in die betroffene Stelle injizieren und eine Nadel in das Gelenk einführen, um eine Gelenkflüssigkeitsprobe zu entnehmen. Um Arthritis von anderen Gelenkerkrankungen wie Infektionen oder Gicht zu unterscheiden, wird die Flüssigkeit untersucht.

Behandlung

  • Physikalische Therapien, einschließlich Physio- und Ergotherapie

  • Arzneimittel

  • Operation

Die Hauptziele der Behandlung von Osteoarthrose sind:

  • Schmerzlinderung

  • Erhaltung der Gelenkflexibilität

  • Optimierung der Funktionalität des Gelenks und des gesamten Körpers

Dies wird vor allem durch sportliche Aktivitäten wie Kraft-, Dehn- und Ausdauerübungen sowie Rehabilitation (Physiotherapie und Ergotherapie) erreicht. Die Betroffenen lernen, durch Veränderung der täglichen Aktivitäten mit Osteoarthrose zu leben. Weitere Maßnahmen umfassen Medikamente, Operation (in einigen Fällen) und neuere Therapieformen.

Physische Maßnahmen

Geeignete Übungen, darunter Dehn-, Kräftigungs- und Haltungsübungen, halten den Knorpel gesund, verbessern den Bewegungsspielraum des Gelenks und kräftigen insbesondere die umliegenden Muskeln, sodass sie Belastungen besser standhalten können. Die Verschlimmerung einer Arthrose an Hüfte und Knie kann manchmal durch Sport verlangsamt werden. Zu den ärztlichen Empfehlungen zählen auch Übungen im Wasser (z. B. in einem Schwimmbad), da diese die Gelenke schonen.

Außerdem sollten täglich Dehnübungen gemacht werden.

Die Übungen sollten ausgewogen sein, mit einigen Minuten Pause bei schmerzenden Gelenken (täglich alle 4 bis 6 Stunden). Eine Ruhigstellung des Gelenks würde die Beschwerden hingegen eher verschlechtern als verbessern.

Auch übermäßig weiche Stühle, Sessel, Matratzen und Autositze können die Symptome verstärken.

Im Liegen sollte kein Kissen unter die Knie gelegt werden, da sich dadurch die Hüft- und Kniemuskeln anspannen können. (Anders verhält es sich bei Schmerzen im unteren Rücken oder einem Ischiassyndrom, wo ein Kissen zwischen die Knie geklemmt werden soll, damit es den unteren Rücken und die Hüfte entlasten kann [siehe Ischias].)

Es wird empfohlen, den Autositz nach vorn zu stellen, Stühle mit gerader Lehne und relativ hohem Sitz (z. B. Küchen- oder Esszimmerstühle), feste Matratzen und harte Bettunterlagen (z. B. ein Brett) zu benutzen und festes Schuhwerk oder Sportschuhe zu tragen.

Toilettensitzerhöhungen können für Menschen mit schmerzhafter Osteoarthrose in Knie oder Hüfte hilfreich sein, vor allem, wenn ihre Muskeln schwach sind.

Wussten Sie ...

  • Personen mit Osteoarthrose des Rückens sollten im Liegen kein Kissen unter die Knie legen, da sich dadurch die Hüft- und Kniemuskeln anspannen können.

Bestimmte Übungen können eine Osteoarthrose der Wirbelsäule lindern. Bei schweren Schmerzen kann ein Stützkorsett nötig sein. Zu den Übungen sollte Muskelkräftigung ebenso gehören wie Ausdauertraining (z. B. Gehen, Schwimmen und Radfahren auf einem Ergometer). Die Betroffenen sollten ihre normalen täglichen Aktivitäten wie Hobbys oder berufliche Tätigkeit möglichst beibehalten. Um die Osteoarthroseschmerzen durch Beugen nicht zu verstärken, sollten die sportlichen Übungen jedoch angepasst werden.

Andere Maßnahmen können helfen, die Schmerzen zu lindern und den Patienten ein Leben mit Osteoarthrose zu ermöglichen. Hierzu gehören

  • Physiotherapie, oft in Verbindung mit Wärmeanwendungen wie Heizkissen, sowie Ergotherapie können hilfreich sein.

  • Sanfte Übungen im Bewegungsraum im warmen Wasser verbessern die Muskelfunktion und lösen so Versteifungen und Krämpfe.

  • Wärmeanwendungen wie z. B. Heizkissen oder ein feuchtes und warmes Handtuch können auf betroffene Gelenke aufgetragen werden. (Um Verbrennungen zu vermeiden, sollte das Heizkissen nicht auf hoher Stufe verwendet und nicht über einen längeren Zeitraum angelassen werden.)

  • Vorübergehend stärker werdende Schmerzen in einem Gelenk lassen sich auch durch Kälte lindern.

  • Orthopädische Einlagen (Orthosen), stützendes Schuhwerk oder Sportschuhe können die Schmerzen beim Gehen lindern.

  • Spezielle Hilfsmittel, die das tägliche Leben erleichtern (z. B. Spazierstock, Krücken oder Gehhilfe, Halskrause, elastische Kniestützbandage, um die Gelenke vor einer Überlastung zu schützen, oder ein fester Badewannensitz, um einer Überdehnung während des Waschens vorzubeugen), sollten je nach Bedarf eingesetzt werden.

  • Durch Gewichtsabnahme kann der Druck auf die Gelenke etwas gemildert werden.

  • Elektrostimulation wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann die Schmerzen ebenfalls lindern.

  • Akupunktur setzt im Gehirn chemische Botenstoffe frei (Neurotransmitter), die als natürliche Schmerzmittel wirken und helfen können.

  • Medizinische Massagen und Tiefenwärme mittels Diathermie und Ultraschallbehandlungen sind hilfreich.

Arzneimittel

Bewegungsübungen und Physiotherapie können durch Medikamente unterstützt werden. Sie können einzeln oder als Kombination verordnet werden, ändern den Krankheitsverlauf jedoch nicht. Sie sollen lediglich die Symptome lindern und das tägliche Leben erleichtern.

Ein einfaches Schmerzmittel (Analgetikum), z. B. Paracetamol, reicht unter Umständen zur Linderung leichter bis mittelschwerer Schmerzen aus, wenn es vor Aktivitäten eingenommen wird, bei denen Beschwerden zu erwarten sind. Bei ständigen Gelenkbeschwerden ist eine regelmäßige Einnahme möglich. Zwar treten Nebenwirkungen nur selten auf, dennoch sollte Paracetamol nicht in höheren als den empfohlenen Dosen eingenommen werden, vor allem, wenn eine Lebererkrankung vorliegt. Bei der Einnahme von Paracetamol sollten zusätzlich keine anderen rezeptfreien Arzneimittel mit Paracetamol angewendet werden.

Gelegentlich ist jedoch ein stärkeres Schmerzmittel wie Tramadol oder ein Opioid erforderlich.

Alternativ lassen sich Schmerzen und Schwellungen auch mit einem nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR) gut behandeln. NSAR lindern Gelenkschmerzen und -entzündungen und können in Kombination mit anderen Analgetika genommen werden. NSAR gibt es auch als Gel oder Salbe, die über den Hand- und Kniegelenken in die Haut gerieben werden (z. B. Diclofenac-Gel 1 %), um die Symptome zu lindern. Bei längerer Anwendung sind die Nebenwirkungen bei NSAR jedoch stärker als bei Paracetamol.

In einigen Fällen sind andere Arten von Schmerzmitteln erforderlich. Beispielsweise kann eine Salbe aus Cayennepfeffer – der Wirkstoff ist Capsaicin – am Gelenk direkt auf die Haut aufgetragen werden. Der Arzt empfiehlt möglicherweise auch Lidocainpflaster zur Schmerzreduzierung, wobei es keinen Nachweis über die Wirksamkeit dieser Pflaster gibt. Auch mit dem oralen Antidepressivum Duloxetin lässt sich der Osteoarthroseschmerz lindern.

Mit Hilfe von (gewöhnlich gering dosierten) Muskelrelaxanzien können Schmerzen in den verkrampften Muskeln, die die von Osteoarthrose betroffenen Gelenke stützen, gelindert werden. Bei älteren Menschen überwiegen jedoch zumeist die Nebenwirkungen.

Wenn sich das Gelenk plötzlich entzündet, anschwillt und schmerzt, kann die Gelenkflüssigkeit abgelassen und ein Kortison direkt ins Gelenk gespritzt werden. Diese Behandlung kann die Schmerzen zeitweilig lindern und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern.

Ein bis fünf Spritzen mit Hyaluronsäure (ein Bestandteil der Gelenkflüssigkeit) wöchentlich ins Kniegelenk können manche Menschen für längere Zeit schmerzfrei machen. Diese Spritzen sollten aber höchstens alle sechs Monate gegeben werden. Hyaluronsäureinjektionen sind bei schwerer Osteoarthrose weniger wirksam und verlangsamen deren Fortschreiten nicht.

Die Wirksamkeit einiger Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat) bei Osteoarthrose wurde geprüft. Bisher sind die Ergebnisse nicht eindeutig und die Wirksamkeit von Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat zur Schmerzbehandlung nicht belegt. Sie scheinen auch nichts daran zu ändern, dass die Gelenkschäden sich verschlimmern. Die Wirksamkeit anderer Nahrungsergänzungsmittel konnte bisher nicht bewiesen werden.

Operation

Wenn alle anderen Methoden die Schmerzen und Funktionsfähigkeit nicht verbessern können, kann ein chirurgischer Eingriff eine gute Alternative sein. Einige Gelenke, vor allem Hüfte und Knie, können durch eine Prothese ersetzt werden. Ein Austausch, insbesondere der Hüfte, ist in den meisten Fällen erfolgreich, verbessert zumeist die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit und führt zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Aus diesem Grund sollte bei nicht behandelbaren Schmerzen und einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit ein Gelenkersatz in Erwägung gezogen werden. Da ein künstliches Gelenk nicht das ganze Leben hält, wird dieses Verfahren bei sehr jungen Menschen häufig hinausgeschoben, um einen wiederholten Wechsel zu vermeiden. Wenn alle anderen Maßnahmen fehlschlagen, können Symptome bei Osteoarthrose im Rücken oder Nacken, vor allem Nervenquetschungen, durch eine Operation behoben werden. Der Nutzen eingeschränkter arthroskopischer Eingriffe bei Osteoarthrose des Kniegelenks, wie eine Reparatur des Meniskus oder eine Rekonstruktion der Kniebänder, ist unklar.

Bei jungen Osteoarthrose-Kranken werden bei kleinen Knorpeldefekten (häufig aufgrund von Verletzungen) verschiedene Methoden zur Zellregeneration angewendet. Bei starken Knorpelschäden, wie sie häufig bei älteren Menschen vorkommen, konnte der Vorteil dieser Verfahren jedoch noch nicht belegt werden.

Ersetzen der kompletten Hüfte (Hüfttotalendoprothese)

Manchmal muss das gesamte Hüftgelenk ausgetauscht werden. Das komplette Hüftgelenk besteht aus dem Kopf des Oberschenkelhalsknochens (Femur) und der Oberfläche der Gelenkpfanne, in welcher der Kopf des Oberschenkelhalsknochens sitzt. Diese Operation nennt man eine Hüfttotalendoprothese oder eine Hüfttotalarthroplastik. Der Kopf des Oberschenkelhalses (Femur) kann durch ein künstliches Teil (Prothese), das aus Metall besteht, ersetzt werden. Die Prothese weist einen soliden Schaft auf, der mitten im Oberschenkelhalsknochen verankert wird. Die Pfanne wird durch eine Metallschale ersetzt, die mit solidem Kunststoff beschichtet ist.

Ersetzen der kompletten Hüfte (Hüfttotalendoprothese)

Kniegelenkersatz

Ein von Osteoarthrose stark geschädigtes Knie kann durch ein künstliches Kniegelenk ersetzt werden. Nach Gabe eines Narkosemittels macht der Chirurg einen Schnitt über dem geschädigten Knie. Die Kniescheibe (Patella) wird entfernt, und die Enden von Oberschenkelknochen (Femur) und Unterschenkelknochen (Tibia) werden geglättet, damit das künstliche Gelenk (Prothese) besser eingepasst werden kann. Ein Teil des künstlichen Gelenks wird in den Oberschenkel eingesetzt, der andere in den Unterschenkel, wo es mit Zement befestigt wird.

Kniegelenkersatz

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