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Diphtherie

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Diphtherie ist eine ansteckende, manchmal tödlich verlaufende Infektion der oberen Atemwege, die durch das grampositive Stäbchenbakterium (siehe Abbildung Wie Bakterien sich entwickeln) Corynebacterium diphtheriae ausgelöst wird. Einige Arten von Corynebacterium diphtheriae setzen einen hochwirksamen Giftstoff frei, der Herz, Nieren und Nervensystem schädigen kann.

  • Diphtherie wird durch eine bakterielle Infektion ausgelöst, die in entwickelten Ländern heutzutage nur noch selten vorkommt.

  • Zu den typischen Symptomen zählen Halsschmerzen, ein allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber, manchmal in Kombination mit geschwollenen Lymphknoten, sowie feste, graue pseudomembranöse Beläge im Rachen.

  • Die Diagnose wird anhand der Symptome, wobei insbesondere die Halsschmerzen und die Pseudomembran von Bedeutung sind, und anhand der Ergebnisse einer angesetzten Kultur gestellt.

  • Eine Impfung schützt vor dieser Infektion.

  • Betroffene werden ins Krankenhaus eingewiesen und erhalten Antibiotika zur Bekämpfung der Infektion.

Vor Jahrzehnten war Diphtherie eine der Hauptursachen für Todesfälle bei Kindern. Heute ist Diphtherie in entwickelten Ländern selten, in erster Linie dank der guten Durchimpfungsrate. In den USA werden jährlich weniger als fünf Fälle gemeldet, doch die Diphtheriebakterien existieren weiterhin und können Epidemien auslösen, wenn nicht angemessen geimpft wird. Diphtherie ist in vielen Ländern in Asien, im Südpazifik, im Nahen Osten, in Osteuropa sowie in Haiti und der Dominikanischen Republik verbreitet. Seit 2011 ist es in Indonesien, Thailand, Laos, Südafrika, Sudan und Pakistan zu Ausbrüchen gekommen (Reiseinformationen zu Diphtherie sind auf der Website der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verfügbar).

Wussten Sie ...

  • Dank der Regelimpfungen ist Diphtherie in entwickelten Ländern heutzutage selten.

Die Bakterien, die Diphtherie verursachen, werden in der Regel durch das Einatmen von Tröpfchen, die von infizierten Personen abgehustet wurden, übertragen. Die Bakterien vermehren sich gewöhnlich auf der Schleimhaut von Mund oder Rachen oder in deren Nähe und verursachen dort eine Entzündung. Diese Form von Diphtherie wird respiratorische Diphtherie genannt.

Einige Arten von Corynebacterium diphtheriae setzen einen hochwirksamen Giftstoff frei, der Herz, Nieren und Nervensystem schädigen kann.

Bei einer leichteren Form der Diphtherie, an der in erster Linie Erwachsene erkranken, ist nur die Haut betroffen. Diese Form tritt häufiger bei Menschen mit mangelnder Hygiene (etwa bei Obdachlosen) auf. Sie wird durch Kontakt mit infizierten Hautgeschwüren übertragen.

Symptome

Die Krankheit beginnt normalerweise einige Tage (durchschnittlich 5 Tage) nach dem Kontakt mit dem Erreger. Die Diphtheriesymptome setzen im Lauf einiger Tage ein, mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, einem allgemeinen Krankheitsgefühl und leichtem Fieber (etwa 38 bis 38,9 °C). Bei Kindern können auch erhöhte Herzfrequenz, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost und Kopfschmerzen vorliegen. Die Lymphknoten am Hals können geschwollen sein (sogenannter Stiernacken). Die Entzündung kann zu einem Anschwellen des Rachens führen, wodurch sich die Atemwege verengen und heftige Atemschwierigkeiten ausgelöst werden.

Eine Pseudomembran bildet sich im der Nähe der Mandeln oder in anderen Bereichen des Rachens. Dabei handelt es sich um eine derbe graue Materialschicht, die von den Bakterien gebildet wird. Sie besteht aus abgestorbenen weißen Blutkörperchen, Bakterien und anderen Substanzen. Diese Pseudomembran verengt die Atemwege. Es kann eine Gaumenlähmung eintreten. Beim Einatmen kann die Pseudomembran dazu führen, dass die Betroffenen laut nach Luft schnappen. Die Pseudomembran kann auch in die Luftröhre hineinragen oder sich plötzlich ablösen und die Atemwege so vollständig blockieren. Infolgedessen bekommt die betroffene Person gar keine Luft mehr.

Das von gewissen Diphtheriebakterien produzierte Toxin schädigt bestimmte Nerven, besonders jene, die zu den Muskeln in Gesicht, Hals, Armen und Beinen führen. Die Folge sind Symptome wie Schluckbeschwerden oder Schwierigkeiten, die Augen, Arme oder Beine zu bewegen. Das Zwerchfell (der für das Einatmen wichtigste Muskel) kann gelähmt werden, was manchmal eine Ateminsuffizienz auslöst. Das Abklingen dieser Symptome kann Wochen dauern. Das bakterielle Toxin kann auch eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) verursachen, die manchmal zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und zum Tod führen kann.

Eine schwere Infektion kann zudem die Nieren schädigen oder Bluthochdruck hervorrufen.

Wenn nur die Haut von der Diphtherie betroffen ist, bilden sich an Schürfungen erinnernde wunde Stellen unterschiedlichen Aussehens. Sie treten auf Armen und Beinen auf und gleichen denen bei anderen Hautkrankheiten, beispielsweise bei einem Ekzem, bei Schuppenflechte und Impetigo. Manche Patienten haben wunde Stellen, die nicht ausheilen. Die Läsionen können schmerzhaft und gerötet sein und nässen.

Abbildungen von Diphtherie

Etwa 3 Prozent der Diphtheriepatienten sterben an der Krankheit. Das Sterberisiko ist in folgenden Fällen erhöht:

  • Wenn nicht sofort ein Arzt aufgesucht wird.

  • Wenn Herz oder Nieren von der Diphtherie betroffen sind.

  • Wenn Kinder unter 15 Jahren oder Erwachsene über 40 Jahren an Diphtherie erkranken.

Diagnose

  • Anlegen einer Kultur aus einer Probe des infizierten Gewebes

  • Elektrokardiogramm bei Vermutung einer Einbeziehung des Herzens

Diphtherieverdacht besteht bei einer kranken Person mit Halsschmerzen und einer Pseudomembran, insbesondere dann, wenn der Gaumen gelähmt und die Person nicht geimpft ist. Die Diagnose wird durch Anlegen einer Kultur aus einem Rachenabstrich der betroffenen Person im Labor bestätigt.

Wenn der Arzt vermutet, dass das Herz in Mitleidenschaft gezogen ist, wird ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt.

Der Verdacht auf Hautdiphtherie besteht, wenn jemand während eines Ausbruchs von Diphtherie der Atemwege Läsionen entwickelt. Um die Diagnose zu bestätigen, wird eine Probe der Läsion entnommen und ins Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angesetzt werden.

Vorbeugung

Eine Diphtherieimpfung wird bei Kindern im Rahmen des Standardimpfplans routinemäßig durchgeführt (siehe Tabelle: Grundimmunisierung von Säuglingen und Kindern). Der Diphtherieimpfstoff ist in der Regel mit Impfstoffen gegen Tetanus und Pertussis (Keuchhusten) kombiniert. Nach Abschluss der ersten Impfserie wird alle zehn Jahre eine Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie (in Kombination mit Tetanus) verabreicht.

Wenn ohne ausreichenden Impfschutz eine Exposition gegenüber dem Diphtherie-Erreger stattfindet oder wenn die Diphtherie-Auffrischungsimpfung mehr als 5 Jahre zurückliegt, wird die Auffrischungsimpfung nachgeholt.

Nach Exposition gegenüber dem Diphtherieerreger

Menschen, die engen Kontakt mit einer an Diphtherie erkrankten Person haben, werden hinsichtlich einer Infektion getestet und erhalten 7 Tage lang Antibiotika. Es werden Proben aus dem Rachen und der Nase entnommen und zum Anlegen einer Kultur ins Labor geschickt. Wenn in den Proben Diphtheriebakterien nachgewiesen werden, müssen die Betroffenen weitere 7 Tage lang (also insgesamt 14 Tage) Antibiotika einnehmen.

Behandlung

  • Diphtherie-Antitoxin

  • Antibiotika

Patienten mit Symptomen einer respiratorischen Diphtherie werden normalerweise auf der Intensivpflegestation (IPS) behandelt und bekommen Antikörper (Antitoxine) gespritzt, welche die Diphtherietoxine neutralisieren sollen. Um die Diphtheriebakterien abzutöten, werden auch Antibiotika wie Penicillin oder Erythromycin verabreicht. Die Antibiotikabehandlung dauert 14 Tage. Die Betroffenen müssen unter Quarantäne gestellt werden (um eine Ansteckung weiterer Personen zu verhindern), bis zwei Kulturen, die nach der Antibiotikabehandlung angelegt wurden, bestätigen, dass die Bakterien abgetötet wurden.

Bei einer Diphtherieinfektion der Haut reinigt der Arzt die Läsionen gründlich mit Wasser und Seife, und die Betroffenen müssen 10 Tage lang Antibiotika einnehmen.

Bei einer schweren Infektion verläuft die Genesung langsam. Den Patienten wird angeraten, sich ausreichend zu schonen. Bei einer Infektion des Herzmuskels kann selbst normale körperliche Belastung schädlich sein.

Weitere Informationen

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