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Meningitis (Hirnhautentzündung) bei Kindern

Von

Geoffrey A. Weinberg

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2018| Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Unter der bakteriellen Hirnhautentzündung versteht man eine Infektion der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen).

  • Ursache einer bakteriellen Meningitis bei älteren Säuglingen und Kindern sind normalerweise Bakterien in den Atemwegen. Bei Neugeborenen rührt die Hirnhautentzündung häufig von einer bakteriellen Infektion des Blutes her (Sepsis).

  • Ältere Kinder und Jugendliche haben einen steifen Nacken, Kopfschmerzen und sind verwirrt, während Säuglinge und Kleinkinder gewöhnlich reizbar sind, keine Nahrung zu sich nehmen, erbrechen oder andere Symptome haben.

  • Die Diagnose wird mithilfe einer Spinalpunktion und Blutuntersuchungen gestellt.

  • Manche Kinder sterben an Hirnhautentzündung, obwohl sie angemessen behandelt wurden.

  • Eine Impfung kann helfen, bestimmten bakteriellen Infektionen vorzubeugen, die eine Hirnhautentzündung verursachen.

  • Die Infektion wird mit Antibiotika bekämpft.

Einen Überblick zur Hirnhautentzündung finden Sie unter Einführung zur Meningitis. Siehe auch Virale Meningitis.

Eine Hirnhautentzündung kann in jedem Alter auftreten. Meningitis (Hirnhautentzündung) verläuft bei älteren Kindern ähnlich wie bei Jugendlichen und Erwachsenen (siehe Akute bakterielle Meningitis). Säuglinge und Kleinkinder haben bei Meningitis (Hirnhautentzündung) jedoch einen anderen Krankheitsverlauf.

Auch wenn sie bei allen Kindern auftreten kann, sind Kinder mit Sichelzellanämie und Kinder ohne Milz besonders anfällig für eine Hirnhautentzündung. Bei Kindern mit angeborenen Fehlbildungen der Gesichts- und Schädelknochen können Bakterien durch die Knochendefekte eindringen und so zu den Hirnhäuten gelangen. Kinder mit einem geschwächten Immunsystem, wie etwa Kinder mit AIDS oder Kinder, die eine Chemotherapie erhalten haben, sind ebenso anfälliger für Hirnhautentzündung.

Ursachen

Meningitis (Hirnhautentzündung) bei Neugeborenen ist in der Regel die Folge einer Infektion des Blutes (Sepsis). Die Infektion wird gewöhnlich durch Bakterien aus dem Geburtskanal ausgelöst, am häufigsten sind dies Streptokokken der Gruppe B, Escherichia coli und Listeria monocytogenes.

Kleinkinder und Kinder entwickeln eine Infektion für gewöhnlich meist durch Kontakt mit Sekreten der Atemwege (wie Speichel oder Schleim aus der Nase), die die krankheitsmachenden Erreger enthalten. Zu den Bakterien, die für Infektionen bei älteren Säuglingen und Kindern verantwortlich sind, zählen Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis. Eine Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae-B-Infektion – früher die am häufigsten vertretene Form – kommt dank der guten Durchimpfungsrate gegen diesen Organismus heute nur mehr selten vor. Moderne Impfungen gegen Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis (als konjugierte Streptococcus pneumoniae- bzw. Meningokokkenimpfstoffe bezeichnet) tragen dazu bei, dass auch diese Organismen immer seltener eine Hirnhautentzündung bei Kindern auslösen.

Symptome

Die Symptome der Meningitis (Hirnhautentzündung) sind je nach Alter unterschiedlich. Sobald Kinder Symptome im Zusammenhang mit dem Gehirn entwickeln (wie eine auffällige Benommenheit oder Verwirrtheit), kann die Hirnhautentzündung sehr schnell fortschreiten. Ganze 15 Prozent aller Kinder mit einer bakteriellen Meningitis sind zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme bewusstlos (komatös) oder beinahe bewusstlos.

Neugeborene und Kinder unter 12 Monaten

Neugeborene und Kinder unter 12 Monaten weisen selten einen steifen Nacken auf (was bei älteren Kindern ein häufiges Symptom ist) und können spezifische Beschwerden nicht mitteilen. Bei diesen jüngeren Kindern sollten Eltern bei den folgenden wichtigen Anzeichen einer Erkrankung hellhörig werden und ein möglicherweise schwerwiegendes Problem vermuten:

  • Für gewöhnlich Unruhe und Reizbarkeit (insbesondere, wenn die Kinder gehalten werden)

  • Auffällige Schläfrigkeit (Lethargie)

  • Schlechte Nahrungsaufnahme

  • Zu hohe oder niedrige Temperatur

  • Erbrechen

  • Ausschlag

  • Krampfanfälle

Bei etwa einem Drittel der Neugeborenen mit bakterieller Meningitis (Hirnhautentzündung) treten Krampfanfälle auf. Bei Säuglingen und jungen Kindern ist etwa eines von fünf Kindern mit bakterieller Meningitis von Krampfanfällen betroffen. Gelegentlich werden die Nerven, die verschiedene Augen- und Gesichtsbewegungen kontrollieren, durch die Bakterien geschädigt, was dazu führen kann, dass sich ein Auge nach außen oder innen dreht oder Lähmungserscheinungen im Gesicht auftreten.

Bei etwa 25 % der Neugeborenen mit Meningitis wölben sich die Fontanellen (die weichen Stellen zwischen den Schädelknochen) durch den zunehmenden Druck der Gehirnflüssigkeit hervor oder fühlen sich gespannt an. Diese Symptome entwickeln sich im Normalfall über 1 bis 2 Tage. Bei manchen Kindern, vor allem bei solchen, die unter 3 bis 4 Monate alt sind, kann diese Krankheit ganz plötzlich auftreten und in weniger als 24 Stunden aus einem gerade noch gesunden Kind ein todkrankes machen.

In seltenen Fällen verursachen bestimmte Bakterien im Gehirn von Säuglingen mit Hirnhautentzündung Eitertaschen (Abszesse). Wenn die Abszesse wachsen, steigt der Hirndruck (der sogenannte intrakranielle Druck), was zu Erbrechen, einer Vergrößern des Kopfumfangs und hervortretenden Fontanellen führt.

Ältere Kinder und Jugendliche

Ältere Kinder und Jugendliche mit Hirnhautentzündung weisen meist einige Tage lang steigendes

  • Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Verwirrtheit

  • Einen steifen Nacken

Sie können vor Auftreten der Hirnhautentzündung eine Infektion der oberen Atemwege gehabt haben. Es kann auch zu Krampfanfällen, einem Druck auf das Gehirn und Nervenschädigungen kommen.

Diagnose

  • Spinalpunktion

  • Bluttests

  • Manchmal bildgebende Diagnostikverfahren

Zur Diagnose einer bakteriellen Meningitis wird mithilfe eines Verfahrens namens Spinalpunktion (Lumbalpunktion) eine Probe der Rückenmarksflüssigkeit entnommen. Die Flüssigkeit wird ausgewertet und mögliche Bakterien in der Probe werden zur genaueren Bestimmung in einem Labor untersucht und gezüchtet (angelegte Kultur). Manchmal werden die Symptome einer bakteriellen Meningitis durch andere Infektionen verursacht, beispielsweise einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder durch eine andere Art der Hirnhautentzündung, die keine bakterielle Ursache hat. Daher wird die Probe auf diese anderen Ursachen ebenfalls untersucht.

Manchmal ist eine Spinalpunktion nicht möglich, da das Kind Anzeichen eines erhöhten Hirndrucks, einer Hirnschädigung oder einer Blutungsstörung aufweist. In diesen Fällen wird zusätzlich mittels Blutkulturen untersucht, ob sich im Blut Bakterien finden. Die Spinalpunktion wird durchgeführt, sobald sie als sicher eingestuft wird.

Ultraschalluntersuchungen und häufiger Computertomographien (CT) sind bildgebende Verfahren, mit deren Hilfe der Druck auf das Gehirn gemessen und das Vorliegen eines Abszesses bestimmt werden können.

Prognose

Auch wenn eine bakterielle Hirnhautentzündung rechtzeitig angemessen behandelt wird, liegt die Sterberate bei daran erkrankten Neugeborenen bei 5 bis 25 Prozent.

Bei älteren Säuglingen und Kindern liegt die Sterberate zwischen 3 und 5 Prozent, wenn der Auslöser die Haemophilus influenzae-B-Infektion ist, zwischen 5 und 10 Prozent, wenn der Auslöser Neisseria meningitidis sind, und zwischen 10 und 20 Prozent, wenn der Auslöser Streptococcus pneumoniae sind.

Von den überlebenden Neugeborenen entwickeln 20 bis 50 Prozent schwere Probleme in Bezug auf Gehirn und Nerven, zum Beispiel eine Ansammlung von zusätzlicher Flüssigkeit in den offenen Bereichen des Gehirns (Hydrozephalus), Hörschaden und intellektuelle Behinderung. Bis zu 30 Prozent haben leichte bleibende Schäden wie Lernstörungen, einen leichten Hörschaden oder gelegentliche Krampfanfälle.

Etwa 15 bis 25 Prozent der älteren Säuglinge und Kinder weisen Probleme des Gehirns und der Nerven, wie Hörschaden, intellektuelle Behinderung und Krampfanfälle, auf.

Vorbeugung

Viele Fälle von Meningitis (Hirnhautentzündung) können durch routinemäßige Impfungen verhindert werden. Bestand Kontakt mit einer an Hirnhautentzündung erkrankten Person, werden häufig Antibiotika zur Verhinderung einer Ansteckung gegeben (dies wird als Chemoprophylaxe bezeichnet).

Impfungen

Medizinische Fachkräfte und Eltern können eine bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) verhindern, indem sie sicherstellen, dass alle kleinen Kinder die Konjugatimpfung gegen die Haemophilus influenzae-B-Infektion (Hib) und Pneumokokken erhalten, und dass ältere Kinder und Jugendliche die Meningokokken-Impfung erhalten. Bei Säuglingen und jungen Kindern mit einem hohen Risiko einer Infektion mit Neisseria meningitidis kann der Impfstoff gegen Meningokokken verabreicht werden.

Chemoprophylaxe

Bei engem Kontakt mit einer an durch Neisseria meningitidis oder Haemophilus influenzae verursachten Hirnhautentzündung erkrankten Person verabreichen Ärzte normalerweise Antibiotika. Ein enger Kontakt wird leicht unterschiedlich definiert, abhängig davon, welche der zwei Bakterienarten die Meningitis verursacht haben, zeichnet sich aber typischerweise durch Folgendes aus:

  • Mitglieder desselben Haushalts (insbesondere im Alter unter 2 Jahren)

  • Mitarbeiter von Kindertagesstätten (insbesondere, wenn sie im Zimmer des betroffenen Kindes arbeiten)

  • Personen, die direkten Kontakt mit dem Speichel des betroffenen Kindes haben (zum Beispiel durch Küssen, gemeinsam genutzte Zahnbürsten oder andere Utensilien sowie medizinisches Personal während bestimmter Verfahren)

  • Nicht oder nur teilweise geimpfte Kinder, die einer Infektion ausgesetzt sind

  • Kinder mit einem geschwächten Immunsystem, die einer Infektion ausgesetzt sind

Sobald das infizierte Kind bestimmt wurde, erhalten nahe Kontaktpersonen eine Chemoprophylaxe. Idealerweise sollte dies innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Geeignete Medikamente sind Rifampicin, Ceftriaxon und Ciprofloxacin, die je nach Alter der infizierten Person ausgewählt werden.

Behandlung

  • Antibiotika

Wenn der Verdacht auf Hirnhautentzündung besteht, werden intravenös hohe Dosen von Antibiotika verabreicht. Sehr kranke Kinder bekommen sogar bereits vor der Spinalpunktion Antibiotika. Wenn der Befund der Spinalpunktion verfügbar ist, muss der Arzt nötigenfalls das Antibiotikum wechseln, je nachdem, welche Bakterien die Hirnhautentzündung verursacht haben. Das Alter des Kindes hilft bei der Wahl des richtigen Antibiotikums.

Manche Kinder ab 6 Wochen erhalten eventuell intravenöse Kortikosteroide (wie Dexamethason), um einem Hörschaden vorzubeugen.

Manchmal wird eine zweite Kultur angelegt und eine zweite Spinalpunktion durchgeführt, um festzustellen, ob die Antibiotika schnell genug wirken.

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