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Vergiftung durch Pflanzen

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Ein paar häufig angebaute Pflanzen sind sehr giftig, während viele Pflanzen mäßig giftig sind (siehe Tabelle: Mäßig giftige Pflanzen). Ein spezifisches Antidot gibt es nur für wenige Giftpflanzen. Die meisten Pflanzen, einschließlich der Pflanzen in siehe Tabelle: Mäßig giftige Pflanzen, führen bei einer Einnahme zu minimalen Symptomen, es sei denn die Blätter und anderen Bestandteile wurden in konzentrierter Form zu einer Paste verarbeitet oder zur Teeherstellung verwendet.

Sehr giftige und potenziell tödliche Pflanzen sind:

  • Rizinussamen vom Wunderbaum/Christuspalme und Paternosterbohne (auch-erbse) (Abrus precatorius)

  • Oleander und Fingerhut

  • Schierling

Rizinussamen vom Wunderbaum/Christuspalme und Paternosterbohne (auch-erbse) (Abrus precatorius)

Rizinussamen enthalten Ricin, ein äußerst wirksames Zellgift. Paternosterbohnen enthalten Abrin, ein verwandtes und sogar noch potenteres Toxin. Rizinussamen enthalten in einer relativ undurchlässigen Schale Ricin, ein hochkonzentriertes Gift; aus diesem Grund muss die Schale erst zerbissen werden, um das Gift freizusetzen. Allerdings ist das Saatgut der Paternosterbohne oft nicht intakt und eine einfacher bakteriell vermttelter Aufschluss kann das Toxin Abrin freisetzen.

In beiden Fällen zählen zu den Symptomen eine verzögert einsetzende, manchmal schwere hämorrhagische Gastroenteritis mit anschließendem Delir, Krampfanfällen, Koma und Tod. Mit dem Ziel, alle verschluckten Bohnen wieder zu entfernen, sollte eine Darmspülung in Erwägung gezogen werden.

Oleander und Fingerhut

Diese Pflanzen und das Maiglöckchen (ähnlich, aber weniger toxisch) enthalten Digitalis-Glykoside. Die toxische Wirkung führt zu Gastroenteritis, Verwirrung, Hyperkaliämie und Herzrhythmusstörungen. Die Bestimmung der Digitaliskonzentration im Serum kann die Giftaufnahmezwar bestätigen, ist aber nicht weiter hilfreich.

Kaliumkonzentrationen sind engmaschig zu kontrollieren. Eine Hyperkaliämie kann eventuell nur mit einer Hämodialyse behandelt werden. Kalzium wird für die Behandlung der Herzrhythmusstörungen nicht empfohlen. Digoxin-spezifische Fab (antigenbindende Antikörperfragmente) wurden für die Arrhythmiebehandlung eingesetzt.

Schierling

Eine Schierlingvergiftung (gefleckter Schierling und Wasserschierling) kann nnerhalb von 15 min Symptome auslösen.

Der gefleckte Schierling hat eine nikotinartige Wirkung, beginnend mit Mundtrockenheit und fortschreitend mit Tachykardie, Tremor, verstärktem Schwitzen, Mydriasis, Krampfanfällen und Muskellähmungen. Rhabdomyolyse und Bradykardie können auftreten.

Der Wasserschierling scheint die γ-Aminobuttersäure (GABA)-Aktivität zu verstärken. Zu den Symptomen gehören dann Gastroenteritis, Delir, therapierefraktäre Krämpfe und Koma.

Tabelle
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Mäßig giftige Pflanzen

Pflanze

Symptome

Therapie

Aconitin (z. B. aus dem Eisenhut)

Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, Parästhesie, Schwäche

Unterstützende Behandlung

Natriumbicarbonat

Aloe Spezies.

Gastroenteritis, Nephritis, Hautreizungen

Unterstützende Pflege und Hautspülung mit Wasser und Seife

Aristolochia Spezies (Pfeifenblumen)

Tubulointerstitielle Nephropathie

Unterstützende Behandlung

Azalee

Cholinergische Symptome

Unterstützende Pflege und Atropin

Caladium Spezies (Kaladien, z. B. Buntwurz)

Orale Schädigung der Schleimhaut aufgrund der Ca-Oxalatkristalle in den Blättern

Unterstützende Behandlung mit (z. B. mit Milch oder Eis)

Capsicum Spezies (Paprika)

Schleimhautreizung und Schwellung

Unterstützende Pflege, Spülung

Colchicin (Herbstzeitlose)

Verzögerte Gastroenteritis, multiples Organversagen

Knochenmarksuppression

Unterstützende Behandlung und möglicherweise als letzter Ausweg experimentelle Gabe von Colchicin-spezifische Fab-Fragmente*

Blausäureglykoside (z. B. in Prunus Spezies [z. B. Pfirsich, Aprikose und wilde Kirschkerne], Malus Spezies [z. B. Apfelkerne] und andere Kerne)

Symptome einer Zyanidvergiftung

Hydroxocobalamin

Zyanid-Antidot Kitt (aus Amylnitrat, Natriumnitrit, und Natriumthiosulfat)

Tollkirsche

Anticholinergische Symptome, Hyperthermie, Krampfanfälle, Halluzinationen

Unterstützende Behandlung

Bei schwerer Hyperthermie oder Anfällen möglicherweise Physostigmin

Dieffenbachia (Aronstabgewächse)

Orale Schädigung der Schleimhaut aufgrund der Ca-Oxalatkristalle in den Blättern

Unterstützende Behandlung mit (z. B. mit Milch oder Eis)

Ackerbohne

Bei Patienten mit G6PD-Mangel: Gastroenteritis, Fieber, Kopfschmerzen, Anämie

Unterstützende Behandlung

Bei schwerer Anämie und Vergiftung: ggf. Austauschtransfusion

Grüne Kartoffeln und Kartoffeltriebe

Gastroenteritis, Halluzinationen, Delirium

Unterstützende Behandlung

Stechpalmenbeeren

Gastroenteritis

Unterstützende Behandlung

Gemeiner Stechapfel (Datura)

Anticholinergische Symptome, Hyperthermie, Krampfanfälle, Halluzinationen

Unterstützende Behandlung

Bei schwerer Hyperthermie oder Anfällen möglicherweise Physostigmin

Süßholz (nicht die künstlich aromatisierte Süßigkeit)

Hypokaliämie, Hypertonie und Retention von Wasser und Natrium (Pseudohyperaldosteronismus)

Unterstützend

Maiglöckchen

Hyperkaliämie, Gastroenteritis, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen

Mistel

Gastroenteritis

Unterstützende Behandlung

Brennnessel

Lokales Jucken und Brennen

Unterstützende Behandlung

Nachtschattengewächse (Solanum), Sträucher oder Bäume

Gastroenteritis, Halluzinationen, Delirium

Unterstützende Behandlung

Polei-Minze (Mentha polegium)

Hepatotoxizität

N-Acetylcystein

Philodendron Spezies.

Orale Schädigung der Schleimhaut aufgrund der Ca-Oxalatkristalle in den Blättern

Unterstützende Behandlung mit (z. B. mit Milch oder Eis)

Weihnachtsstern (Euphorbia pucherrima)

Leichte Schleimhautreizungen

Unnötig

Eichenblättriger Giftsumach (Toxicodendron radicans)

Dermatitis

Siehe Dermatitis

Phytolacca americana

Schleimhautreizungen, Gastroenteritis

Unterstützende Behandlung

Aronstabgewächse

Orale Schädigung der Schleimhaut aufgrund der Ca-Oxalatkristalle in den Blättern

Unterstützende Behandlung mit (z. B. mit Milch oder Eis)

Eibe

Gastroenteritis

Selten: Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Koma

Unterstützende Behandlung

* Erhältlich nur in Frankreich.

Fab = Fab-Fragmente von Antikörpern.

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