Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

(Hyperandrogene chronische Anovulation, Stein-Leventhal-Syndrom)

VonJoAnn V. Pinkerton, MD, University of Virginia Health System
Reviewed ByOluwatosin Goje, MD, MSCR, Cleveland Clinic, Lerner College of Medicine of Case Western Reserve University
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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Das polyzystische Ovarialsyndrom ist ein klinisches Syndrom, das durch das Vorliegen von zwei der drei folgenden Befunde definiert ist: Hyperandrogenismus (z. B. Hirsutismus, Akne), Ovulationsstörungen und polyzystische Ovarialmorphologie. Insulin-Resistenz und Adipositas sind häufig vorhanden. Die Diagnose erfolgt anhand klinischer Kriterien, Hormonuntersuchungen und bildgebender Verfahren zur Darstellung polyzystischer Ovarien sowie zum Ausschluss eines virilisierenden Tumors. Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen, der Insulinresistenz und den Fertilitätszielen.

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) tritt bei 5 bis 10 % der Frauen auf (1) In den USA ist es die häufigste Ursache für Infertilität.

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist ein klinisches Syndrom, das mit einer Störung des Eisprungs (Anovulation oder Oligoovulation), einem Androgenüberschuss und polyzystischen Eierstöcken einhergeht. Das Vorhandensein von Ovarialzysten allein reicht für die Diagnosestellung nicht aus, und einige Patientinnen weisen keine polyzystischen Ovarien auf.

Allgemeiner Hinweis

  1. 1. Dumesic DA, Oberfield SE, Stener-Victorin E, et al: Scientific statement on the diagnostic criteria, epidemiology, pathophysiology, and molecular genetics of polycystic ovary syndrome. Endocr Rev 36 (5):487–525, 2015. doi: 10.1210/er.2015-1018

Pathophysiologie des polyzystischen Ovarialsyndroms

Die Ätiologie des polyzystischen Ovarialsyndroms ist unklar. Allerdings gib es Hinweise auf eine funktionelle Störung des Cytochrom P-450c17, das die 17-Hydroxylase beeinflusst (das geschwindigkeitsbestimmende Enzym in der Androgenproduktion); in der Folge ist die Androgenproduktion erhöht. Die Pathogenese scheint Gene zu umfassen, die an der Regulierung der Androgenbiosynthese beteiligt sind, sowie Umweltfaktoren wie Ernährung, Umweltgifte und einen niedrigen sozioökonomischen Status. Es werden rassische und ethnische Unterschiede beobachtet, insbesondere bei metabolischen und psychosozialen Problemen (1).

Sowohl metabolische Hormone (Insulin, Wachstumshormone Ghrelin, LEAP-2) als auch Fortpflanzungshormone (Gonadotropin-freisetzendes Hormon [GnRH], Verhältnis von luteinisierendem Hormon/follikelstimulierendem Hormon [LH/FSH], Androgene und Östrogene) sind auffällig. Diese Hormonanomalien führen zu einer erhöhten Häufigkeit von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Insulinresistenz, Übergewicht und Adipositas, Unfruchtbarkeit und Menstruationszyklusstörungen (2, 3).

Polyzystische Ovarien enthalten typischerweise zahlreiche 2- bis 6-mm-Follikelzysten und gelegentlich größere Zysten mit atretischen Zellen. Die Ovarien können vergrößert mit glatten, verdickten Kapseln oder normal groß sein.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. VanHise K, Wang ET, Norris K, Azziz R, Pisarska MD, Chan JL. Racial and ethnic disparities in polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 2023;119(3):348-354. doi:10.1016/j.fertnstert.2023.01.031

  2. 2. Joshi A. PCOS stratification for precision diagnostics and treatment. Front Cell Dev Biol. 2024;12:1358755. Published 2024 Feb 8. doi:10.3389/fcell.2024.1358755

  3. 3. Yang J, Chen C. Hormonal changes in PCOS. J Endocrinol. 2024;261(1):e230342. Published 2024 Feb 15. doi:10.1530/JOE-23-0342

Komplikationen des polyzystischen Ovarialsyndroms

Das polyzystische Ovarialsyndrom birgt mehrere bedeutende potenzielle Komplikationen.

Infertilität steht im Zusammenhang mit ovariellen Funktionsstörungen.

Der Östrogenspiegel ist erhöht und wird aufgrund chronischer oder intermittierender Anovulation nicht konstant durch Progesteron ausgeglichen, was das Risiko für Endometriumhyperplasie und Endometriumkarzinom erhöht.

Der Androgenspiegel ist häufig erhöht, was zu Hirsutismus führt. Eine Hyperinsulinämie durch Insulinresistenz kann auftreten und zu einer erhöhten ovarialen Androgenproduktion beitragen. Ein langfristiger Androgenüberschuss erhöht das Risiko für Adipositas, kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich Hypertonie, Hyperlipidämie und metabolisches Syndrom. Das Risiko für Androgenüberschuss und dessen Komplikationen kann bei Frauen ohne Übergewicht ebenso hoch sein wie bei übergewichtigen Frauen.

Die Verkalkung der Koronararterien und die Verdickung der Intima media der Karotis sind bei Frauen mit PCOS häufiger, was auf eine mögliche subklinische Atherosklerose hindeutet (1). Dies kann auf Insulinresistenz, Adipositas oder erhöhte Androgenspiegel zurückzuführen sein und korreliert mit viszeralem Fett.

Diabetes mellitus Typ 2 und gestörte Glukosetoleranz treten häufiger auf, und das Risiko einer obstruktiven Schlafapnoe ist erhöht.

Studien deuten darauf hin, dass PCOS mit leichten chronischen Entzündungen assoziiert ist und dass Frauen mit PCOS ein erhöhtes Risiko einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung haben (2).

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, Angstzustände, Essstörungen, geringem Selbstwertgefühl und einem negativen Körperbild assoziiert (3).

Komplikationen Referenzen

  1. 1. Gomez JMD, VanHise K, Stachenfeld N, Chan JL, Merz NB, Shufelt C. Subclinical cardiovascular disease and polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 2022;117(5):912-923. doi:10.1016/j.fertnstert.2022.02.028

  2. 2. Rocha AL, Oliveira FR, Azevedo RC, et al: Recent advances in the understanding and management of polycystic ovary syndrome. F1000Res 26;8, 2019. pii: F1000 Faculty Rev-565. doi: 10.12688/f1000research.15318.1 eCollection 2019.

  3. 3. Kurki MI, Karjalainen J, Palta P, et al. FinnGen provides genetic insights from a well-phenotyped isolated population [published correction appears in Nature. 2023 Mar;615(7952):E19. doi: 10.1038/s41586-023-05837-8.]. Nature. 2023;613(7944):508-518. doi:10.1038/s41586-022-05473-8

Symptome und Anzeichen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS)

Die Symptome des polyzystischen Ovarialsyndroms beginnen typischerweise in der Pubertät und verschlimmern sich mit der Zeit. Eine Ovulationsstörung tritt in der Regel in der Pubertät auf und führt manchmal zu einer primären Amenorrhö. Vorzeitige Adrenarche ist weit verbreitet und wird durch einen Überschuss an Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) verursacht und ist oft durch frühes Wachstum der Achselhaare, Körpergeruch und mikrokomedonale Akne gekennzeichnet.

Zu den typischen Symptomen gehören unregelmäßige Menstruationen (Oligomenorrhö oder Amenorrhö); bei vielen Patientinnen ist die Fertilität eingeschränkt. Weitere häufige Symptome sind leichte Adipositas und leichter Hirsutismus. Bei bis zu der Hälfte der Frauen mit PCOS ist das Körpergewicht normal, und einige Frauen sind untergewichtig.

Körperbehaarung kann in einem männlichen Muster wachsen (z. B. an der Oberlippe, Kinn, Rücken, Daumen und Zehen; um die Brustwarzen; und entlang der Linie alba des Unterbauches). Einige Frauen entwickeln Akne. Virilisierung (Klitorishypertrophie, Vertiefung der Stimme, erhöhte Muskelmasse, männlicher Haarausfall, Brustatrophie) deutet auf einen schwereren Hyperandrogenismus hin (adrenaler Hyperandrogenismus, androgenproduzierender Tumor).

Als Folge der durch die Insulinresistenz erhöhten Insulinspiegel kann es zu verdickten, dunklen Hautpartien (Acanthosis nigricans) in den Axillen, am Nacken, in Hautfalten und an den Fingerknöcheln und/oder Ellbogen kommen.

Weitere Symptome variieren zwischen den Patientinnen und können Gewichtszunahme (mitunter scheinbar unverhältnismäßig zu Ernährung und Bewegung), Fatigue, geringe Energie, schlafbezogene Probleme (einschließlich Schlafapnoe), Stimmungsschwankungen, Depression, Angstzustände und Kopfschmerzen umfassen. Die Symptome variieren von Patient zu Patient.

Diagnose des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS)

  • Klinische Kriterien

  • Hormonelle Blutuntersuchungen auf Androgene sowie zum Ausschluss anderer endokrinologischer Störungen, wie die Messung der Serumspiegel von Testosteron, follikelstimulierendem Hormon (FSH), Prolaktin und Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH).

  • Beckenultraschall

Die Diagnose polyzystisches Ovarialsyndrom wird in der Regel anhand der Rotterdam-Kriterien gestellt, wobei mindestens zwei der folgenden drei Befunde vorliegen müssen (1):

  • Oligoovulation und/oder Anovulation

  • Klinischer und/oder biochemischer Nachweis eines Hyperandrogenismus

  • Polyzystische Ovarien (transvaginaler Ultraschall mit 12 oder mehr Follikeln in jedem Ovar mit einem Durchmesser von 2 bis 9 mm und/oder vergrößertes Ovarvolumen [>10 ml])

Bluttests umfassen die Messung von Testosteron, das beim polyzystischen Ovarialsyndrom leicht erhöht sein kann; Werte > 150 ng/dl deuten auf einen Androgen-sekretierenden Tumor der Ovarien oder Nebennieren hin. Zwar ist die Bestimmung von serumfreiem Testosteron sensitiver als die des Gesamt-Testosterons, allerdings auch technisch aufwändiger.

Bei Patienten mit Hirsutismus oder Virilisierung sollten andere Ursachen von Hyperandrogenismus ausgeschlossen werden, indem andere Serumandrogene gemessen werden, einschließlich

  • Frühmorgendliches Serum-17-Hydroxyprogesteron zur Ausschlussdiagnostik eines adrenalen Hyperandrogenismus

  • DHEAS; hohe Werte (> 800 µg/dL) deuten auf einen adrenalen Androgen-sezernierenden Tumor hin

Zu den Untersuchungen gehören Schwangerschaftstests und die Messung von FSH, Prolaktin und TSH, um andere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen. Außerdem wird das Serum-Kortisol bestimmt, um ein Cushing-Syndrom auszuschließen, das Oligomenorrhö, Hirsutismus und Adipositas verursachen kann.

Eine transvaginale Sonographie wird durchgeführt, um polyzystische Ovarien zu erkennen und andere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen. Eine transvaginale Ultraschalluntersuchung wird bei heranwachsenden Mädchen jedoch nicht durchgeführt.

Tipps und Risiken

  • Das polyzystische Ovarialsyndrom verursacht häufig Hirsutismus (übermäßige Gesichts- und Körperbehaarung), aber Virilisierung (z. B. Klitorishypertrophie, Stimmvertiefung, männlicher Haarausfall) deutet auf einen adrenalen Hyperandrogenismus oder einen Androgen-sezernierenden Tumor hin.

Diagnose des PCOS bei jugendlichen Mädchen

Die Diagnose von PCOS bei Jugendlichen ist kompliziert, da die physiologischen Veränderungen während der weiblichen Pubertät (z. B. Hyperandrogenismus, Menstruationsunregelmäßigkeiten) den Merkmalen von PCOS ähnlich sind. Daher wurden separate Kriterien für die Diagnose von PCOS bei Jugendlichen (2) vorgeschlagen, es wurde jedoch kein Konsens erzielt. Diese Kriterien setzen voraus, dass beide der folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Abnormes uterines Blutungsmuster (für das Alter oder das gynäkologische Alter [Alter minus Alter bei Menarche] ungewöhnlich oder Symptome, die 1 bis 2 Jahre anhalten)

  • Nachweis eines Hyperandrogenismus (persistierend erhöhte Serum-Testosteron-Spiegel über den Normwerten für Erwachsene, mäßiger bis ausgeprägter Hirsutismus oder mäßige bis schwere entzündliche Akne vulgaris)

Häufig wird das Serum-17-Hydroxyprogesteron bestimmt, um Adoleszentinnen auf kongenitale Nebennierenhyperplasie zu untersuchen.

Ein Beckenultraschall ist bei Adoleszentinnen in der Regel nur indiziert, wenn die Serum-Androgenspiegel oder der Grad der Virilisierung auf einen Ovarialtumor hinweisen. Die transvaginale Sonographie wird in der Regel nicht zur Diagnose von PCOS bei heranwachsenden Mädchen eingesetzt, da sie bei < 40% der Mädchen eine polyzystische Morphologie feststellt und bei alleiniger Anwendung keine Vorhersage über das Vorhandensein oder die Entwicklung von PCOS trifft.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Rotterdam ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS consensus workshop group. Revised 2003 consensus on diagnostic criteria and long-term health risks related to polycystic ovary syndrome (PCOS). Hum Reprod. 2004;19(1):41-47. doi:10.1093/humrep/deh098

  2. 2. Tehrani FR, Amiri M. Polycystic ovary syndrome in adolescents: Challenges in diagnosis and treatment. Int J Endocrinol Metab 17 (3): e91554, 2019. doi: 10.5812/ijem.91554

Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms

  • In der Regel Östrogen/Gestagen-Kontrazeptiva oder Gestagene

  • Manchmal Metformin oder andere Insulinsensibilisatoren

  • Behandlung des Hirsutismus und bei erwachsenen Frauen die langfristigen Risiken durch hormonelle Veränderungen

  • Bei Kinderwunsch Behandlung der Unfruchtbarkeit

Die Behandlung des PCOS zielt darauf ab:

  • Behandlung von Hormon- und Stoffwechselanomalien und damit Verringerung des Risikos eines Östrogenüberschusses (z. B. Endometriumhyperplasie) und eines Androgenüberschusses (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)

  • Linderung der Symptome (unregelmäßige Menstruation, Akne, übermäßige Gesichts- und Körperbehaarung)

  • Behandlung der Infertilität

Hormonelle Medikamente werden eingesetzt, um eine regelmäßige Abstoßung des Endometriums herbeizuführen und/oder Gestagene bereitzustellen, die der proliferativen Wirkung von Östrogenen auf das Endometrium entgegenwirken. Dies reduziert das Risiko einer Endometriumhyperplasie und eines Endometriumkarzinoms. Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva sind oft die erste Wahl, sorgen für einen regelmäßigen Menstruationszyklus, reduzieren Akne und Hirsutismus und bieten Kontrazeption. Diese Behandlungen reduzieren auch zirkulierende Androgene, die Akne und Hirsutismus verringern können. Weitere Optionen sind zyklische orale Gestagene (z. B. Medroxyprogesteron 5 bis 10 mg oral einmal täglich für 10 bis 14 Tage alle 1 bis 2 Monate) oder alternativ ein Levonorgestrel-Intrauterinpessar. Zu den antiandrogenen Gestagenen gehören Drospirenon und Dienogest.

Lebensstiländerungen und pharmakologische Ansätze werden zur Behandlung der Insulininsensitivität eingesetzt. Liegt Adipositas vor, werden Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung empfohlen. Diese Maßnahmen können helfen, die Ovulation auszulösen (was die Menstruationszyklen regelmäßiger macht und die Fertilität häufig verbessert), Insulinsensitivität zu erhöhen sowie Acanthosis nigricans und Hirsutismus zu reduzieren. Eine Gewichtsabnahme kann auch zur Verbesserung der Fruchtbarkeit beitragen. Die bariatrische Operation kann für einige Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom eine Option sein (1). Gewichtsreduktion wird Frauen mit PCOS, die keine Adipositas haben, voraussichtlich keinen Nutzen bringen.

Metformin 500 bis 1000 mg zweimal täglich kann eingesetzt werden, um die Insulinsensitivität bei Frauen mit PCOS zu verbessern, wenn Lebensstiländerungen nicht wirksam sind oder wenn hormonelle Medikamente nicht eingenommen werden können oder nicht vertragen werden. Metformin reduziert auch freies Testosteron. Bei Gabe von Metformin sollten regelmäßig die Serum-Glukose- sowie die Nieren- und Leberwerte bestimmt werden. Metformin hilft bei der Korrektur metabolischer und glykämischer Anomalien und macht Menstruationszyklen regelmäßiger, aber es hat wenig oder keinen positiven Effekt auf Hirsutismus, Akne oder Unfruchtbarkeit. Da Metformin die Ovulation auslösen kann, ist eine Empfängnisverhütung erforderlich, sofern kein Kinderwunsch besteht.

Insulinsensibilisatoren (z. B. Glucagon-like Peptide-1-Rezeptor-Agonisten oder Thiazolidindione) in Kombination mit Metformin werden derzeit untersucht (2). Eine Studie mit PCOS-Patientinnen mit Adipositas (n = 27), die 6 Monate lang mit Semaglutid behandelt wurden, ergab, dass fast 80% eine Gewichtsabnahme von mindestens 5% aufwiesen, was häufig mit einer Normalisierung des Menstruationszyklus assoziiert war (3). In weiteren Studien wird die Rolle von Mikrobiota-Behandlungen bei PCOS untersucht (4).

Behandlung des Hirsutismus

Bei Hirsutismus können physikalische Maßnahmen (z. B. Bleichen, Epilation, Zupfen, Wachsen, Enthaarungscreme) eingesetzt werden (5). Eflornithin-Creme (13,9%ig, 2-mal/Tag) kann helfen, unerwünschte Gesichtsbehaarung zu entfernen.

Eine Gewichtsreduzierung verringert die Androgenproduktion bei fettleibigen Frauen und kann so das Haarwachstum verlangsamen.

Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva senken die Androgenspiegel. Spironolacton (50 bis 100 mg 2-mal täglich) ist ebenfalls wirksam, aber da dieses Medikament teratogene Wirkungen haben kann, ist eine wirksame Empfängnisverhütung erforderlich. Cyproteron, ein Antiandrogen (in den USA nicht erhältlich), reduziert die Menge unerwünschter Körperhaare bei 50 bis 75% der betroffenen Frauen.

GnRH-Agonisten und -Antagonisten werden als Behandlung gegen unerwünschte Körperbehaarung infolge eines Hyperandrogenismus untersucht. Beide Arten von Medikamenten hemmen die Produktion von Sexualhormonen in den Ovarien. Beide können jedoch Knochenschwund verursachen und zu Osteoporose führen.

Eine Akne kann mit den üblichen Arzneimitteln (z. B. Benzoylperoxid, Tretinoin-Creme, topische und orale Antibiotika) behandelt werden. Systemisches Isotretinoin wird nur in schweren Fällen eingesetzt.

Behandlung der Infertilität

Viele Patientinnen mit PCOS leiden unter Infertilität. Clomifen ist die Therapie der ersten Wahl bei Infertilität bei Patientinnen mit PCOS. Der Aromatasehemmer Letrozol kann auch zur Ovulationsinduktion eingesetzt werden. Es können auch andere Fertilitätsmedikamente eingesetzt werden. Dazu gehören das follikelstimulierende Hormon (FSH) zur Stimulierung der Eierstöcke, ein Agonist des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) zur Stimulierung der FSH-Ausschüttung und humanes Choriongonadotropin (hCG) zur Auslösung des Eisprungs.

Wenn Clomifen und andere Medikamente erfolglos sind oder andere Indikationen für eine Laparoskopie vorliegen, kann eine laparoskopische Ovarialbohrung in Betracht gezogen werden; allerdings müssen mögliche langfristige Komplikationen der Bohrung (z. B. Verwachsungen, Eierstockinsuffizienz) berücksichtigt werden. Bei der Ovarialbohrung werden mit einem Elektrokauter oder einem Laser Löcher in kleine Bereiche der Ovarien gebohrt, die Androgene produzieren. Eine Ovarialkeilresektion wird nicht empfohlen.

Gewichtsreduktion kann auch bei Frauen mit PCOS-assoziierter Adipositas hilfreich sein. Adipositas ist mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen verbunden (einschließlich Gestationsdiabetes, Frühgeburt und Präeklampsie); eine präkonzeptionelle oder frühe pränatale Beurteilung von Body-Mass-Index, Blutdruck und oraler Glukosetoleranz wird empfohlen.

Management von Komorbiditäten

PCOS ist mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Angststörungen verbunden, und Frauen sowie Adoleszentinnen mit PCOS sollten auf diese Probleme gescreent und bei Bedarf an eine Fachkraft für psychische Gesundheit überwiesen und/oder entsprechend behandelt werden.

Patientinnen mit PCOS und Übergewicht oder Adipositas sollten auf Symptome einer obstruktiven Schlafapnoe mittels Polysomnografie untersucht und bei Bedarf behandelt werden.

Da das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen kann, sind eine frühzeitige Screening-Untersuchung, Prävention und/oder Überweisung an einen Kardiologen bei Frauen mit PCOS und einem der folgenden Befunde erforderlich:

  • Familiengeschichte von früh einsetzenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Zigarettenrauchen

  • Adipositas

  • Diabetes mellitus

  • Hypertonie

  • Dyslipidämie

  • Schlafapnoe

Eine Gewichtsreduktion mit Glucagon-ähnlichen Peptid-1 (GLP-1)-Rezeptoragonisten kann die Insulinresistenz und Fruchtbarkeit verbessern (6).

Frauen mit anomalen Uterusblutungen und chronischer Ovulationsstörung sollten auf Endometriumhyperplasie oder Karzinom untersucht werden.

Literatur zur Therapie

  1. 1. Yue W, Huang X, Zhang W, et al. Metabolic surgery on patients with polycystic ovary syndrome: A systematic review and meta-analysis. Front Endocrinol (Lausanne) 13:848947, 2022. doi: 10.3389/fendo.2022.848947

  2. 2. Xing C, Li C, He B. Insulin Sensitizers for Improving the Endocrine and Metabolic Profile in Overweight Women With PCOS. J Clin Endocrinol Metab. 2020;105(9):2950-2963. doi:10.1210/clinem/dgaa337

  3. 3. Carmina E, Longo RA. Semaglutide Treatment of Excessive Body Weight in Obese PCOS Patients Unresponsive to Lifestyle Programs. J Clin Med. 2023;12(18):5921. Published 2023 Sep 12. doi:10.3390/jcm12185921

  4. 4. Batra M, Bhatnager R, Kumar A, et al. Interplay between PCOS and microbiome: The road less travelled. Am J Reprod Immunol. 2022;88(2):e13580. doi:10.1111/aji.13580

  5. 5. Martin KA, Chang RJ, Ehrmann,DA, et al. Evaluation and treatment of hirsutism in premenopausal women: an endocrine society clinical practice guideline [published correction appears in J Clin Endocrinol Metab. 2021 Jun 16;106(7):e2845. doi: 10.1210/clinem/dgab308.]. J Clin Endocrinol Metab. 2008;93(4):1105-1120. doi:10.1210/jc.2007-2437

  6. 6. Cena H, Chiovato L, Nappi RE. Obesity, Polycystic Ovary Syndrome, and Infertility: A New Avenue for GLP-1 Receptor Agonists. J Clin Endocrinol Metab. 2020;105(8):e2695-e2709. doi:10.1210/clinem/dgaa285

Richtlinien für das polyzystische Ovarialsyndrom

Im Folgenden finden Sie eine Liste von Leitlinien professioneller medizinischer Gesellschaften oder staatlicher Stellen zu diesem medizinischen Thema (dies ist keine vollständige Liste):

Wichtige Punkte

  • Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine häufige Ursache der Ovulationsstörung.

  • Vermuten Sie PCOS bei Frauen mit unregelmäßiger Menstruation, leichter Adipositas und leichtem Hirsutismus, aber beachten Sie, dass das Gewicht bei vielen Frauen mit PCOS normal oder niedrig ist.

  • Es sollte auf schwere Erkrankungen (z. B. Cushing-Syndrom, Tumoren) mit ähnlichen Symptomen und Komplikationen (z. B. metabolisches Syndrom) untersucht werden.

  • Wenn eine Schwangerschaft nicht erwünscht ist, sollten Frauen mit hormonellen Kontrazeptiva behandelt und Änderungen des Lebensstils empfohlen werden; wenn Änderungen des Lebensstils unwirksam sind, sollten Metformin oder andere Insulin-Sensibilisatoren hinzugefügt werden.

  • Wenn Frauen mit PCOS unfruchtbar sind und sich ein Kind wünschen, überweisen Sie sie an Spezialisten für reproduktive Infertilität.

  • Screen für Komorbiditäten wie Endometriumkarzinom, Stimmungs- und Angststörungen, obstruktive Schlafapnoe, Diabetes und kardiovaskuläre Risikofaktoren (einschließlich Hypertonie und Hyperlipidämie).

Weitere Informationen

Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. Legro RS, Arslanian SA, Ehrmann DA. Diagnosis and treatment of polycystic ovary syndrome: an Endocrine Society clinical practice guideline [published correction appears in J Clin Endocrinol Metab. 2021 May 13;106(6):e2462. doi: 10.1210/clinem/dgab248.]. J Clin Endocrinol Metab. 2013;98(12):4565-4592. doi:10.1210/jc.2013-2350

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