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Chronische Bauchschmerzen und rezidivierende Bauchschmerzen

Von

Jonathan Gotfried

, MD, Lewis Katz School of Medicine at Temple University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2020| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2020
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Quellen zum Thema

Bauchschmerzen sind dann chronisch, wenn sie länger als 3 Monate bestehen. Sie können immer vorhanden sein (chronisch) oder kommen und gehen (rezidivierend). Chronische Bauchschmerzen treten häufig bei Kindern ab dem 5. Lebensjahr auf. Etwa 10 bis 15 % der Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren, besonders im Alter von 8 bis 12 Jahren, haben chronische oder rezidivierende Bauchschmerzen. Sie sind bei Mädchen etwas häufiger. Chronische Bauchschmerzen kommen auch bei Erwachsenen häufig vor und betreffen Frauen häufiger als Männer.

Menschen mit chronischen Bauchschmerzen können abhängig von der Ursache auch andere Symptome aufweisen.

Ursachen

Normalerweise sind Personen, bei denen die Bauchschmerzen seit mindestens 3 Monaten bestehen, von einem Arzt untersucht worden, und typische Erkrankungen, die Bauchschmerzen verursachen ({blank} Akute Bauchschmerzen), wurden bereits erkannt. Wenn die Personen untersucht worden sind und die Ursache zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt wurde, haben nur 10 % eine spezifische körperliche Erkrankung (siehe Tabelle: Körperliche Ursachen und Merkmale von chronischen Bauchschmerzen). Die übrigen 90 % haben sogenannte funktionelle Bauchschmerzen.

Funktionelle Bauchschmerzen sind tatsächliche Schmerzen, die ohne Nachweis einer bestimmten körperlichen Erkrankung oder eines anderen Verdauungsproblems (z. B. ein peptisches Geschwür) länger als 6 Monate auftreten. Sie sind auch nicht auf ein Arzneimittel oder einen Giftstoff zurückzuführen. Wenn funktionelle Bauchschmerzen bei Menschen auftreten, deren Stuhlgewohnheiten sich geändert haben, wird dies als Reizdarmsyndrom (RDS) bezeichnet. Funktionelle Schmerzen können stark sein und beeinträchtigen typischerweise den Alltag der Personen. Die genaue Ursache der Schmerzen ist nicht bekannt. Die Nerven des Verdauungstrakts können jedoch für Empfindungen (wie z. B. normale Bewegungen des Verdauungstrakts) überempfindlich werden, die die meisten Menschen nicht stören. Genetische Faktoren, belastende Ereignisse, Persönlichkeit, soziale Umstände und zugrundeliegende Geisteskrankheiten (z. B. Depression oder Angst) können allesamt zu funktionellen Schmerzen beitragen. Chronische Bauchschmerzen bei Kindern können mit einem Aufmerksamkeitsbedürfnis (wenn ein Geschwisterkind geboren wird oder die Familie umzieht), der mit dem Schulbeginn verbundenen Belastung, einer Laktoseintoleranz oder manchmal mit Kindesmisshandlungen zusammenhängen.

Häufige körperliche Ursachen

Viele körperliche Erkrankungen verursachen Bauchschmerzen (siehe Tabelle: Körperliche Ursachen und Merkmale von chronischen Bauchschmerzen). Die häufigsten Ursachen variieren mit dem Alter.

Bei Kindern sind die häufigsten Ursachen folgende:

Bei jungen Erwachsenen umfassen häufige Ursachen das Folgende:

Bei älteren Erwachsenen werden Krebserkrankungen (wie z. B. Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Darmkrebs oder Eierstockkrebs) häufiger.

Beurteilung

Die Ärzte konzentrieren sich zuerst darauf, ob die Schmerzen funktionell sind oder durch eine Erkrankung, ein Medikament oder ein Toxin verursacht werden. Diese Entscheidung kann schwierig sein. Wenn jedoch Warnzeichen vorliegen, sind funktionelle Schmerzen unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich).

Warnsignale

Die folgenden Symptome geben Anlass zur Sorge:

  • Fieber

  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

  • Schmerzen, die die Person in der Nacht aufwecken

  • Blut in Erbrochenem, Stuhl oder Urin

  • Starkes oder häufiges Erbrechen oder Durchfall

  • Gelbliche Verfärbung der Haut und des Weißen im Auge (Gelbsucht)

  • Schwellung von Bauch und/oder Beinen

  • Schwierigkeiten beim Schlucken

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Wenn Personen mit chronischen Bauchschmerzen Warnzeichen entwickeln, sollten sie sich sofort beim Arzt vorstellen, wenn nicht Appetitlosigkeit, Gelbsucht und/oder Schwellung die einzigen Warnzeichen sind. Personen mit Appetitlosigkeit, Gelbsucht und/oder Schwellung oder mit stetigen, stärker werdenden Schmerzen sollten innerhalb weniger Tage einen Arzt aufsuchen. Wenn Warnzeichen vorliegen, ist eine körperliche Ursache sehr wahrscheinlich. Personen ohne Warnzeichen sollten irgendwann einem Arzt vorgestellt werden, eine Verzögerung von einigen Tagen schadet jedoch nicht.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache für die Schmerzen und die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle: Körperliche Ursachen und Merkmale von chronischen Bauchschmerzen).

Ärzte stellen besonders Fragen zu Aktivitäten (wie Essen, Wasserlassen oder Stuhlgang), die die Schmerzen bessern oder verschlimmern. Es ist wichtig, ob die Schmerzen oder andere Verdauungsprobleme nach dem Essen oder Trinken von Milchprodukten auftreten, da eine Laktoseintoleranz insbesondere bei dunkelhäutigen Menschen, Lateinamerikanern, Asiaten (besonders aus ostasiatischen Ländern) und amerikanischen Ureinwohnern häufig vorkommt. Ärzte stellten außerdem Fragen zu weiteren Symptomen (wie z. B. Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung), zu Ernährung, zu jeglichen Bauchoperationen, verwendeten Medikamenten und früheren Untersuchungen und Behandlung wegen der Schmerzen. Außerdem ist wichtig, ob Familienmitglieder an Erkrankungen leiden, die Bauchschmerzen verursachen.

Der Arzt fragt auch nach der Ernährung, da die Aufnahme von großen Mengen an Cola-Getränken, Fruchtsäften (die bedeutende Mengen der Zuckerarten Fructose und Sorbit enthalten können) oder gasproduzierenden Nahrungsmitteln (wie Bohnen, Zwiebeln, Kohl und Blumenkohl) manchmal die Ursache von ansonsten rätselhaften Bauchschmerzen sein kann.

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich besonders auf den Bauch, um empfindliche Bereiche, Raumforderungen oder vergrößerte Organe zu finden. Im Normalfall wird eine rektale Untersuchung durchgeführt, und der Arzt untersucht den Stuhl auf Blut. Bei Frauen wird auch eine Untersuchung des Beckens vorgenommen. Die Ärzte achten darauf, ob die Haut gelb aussieht (Gelbsucht) und ob die Personen einen Hautausschlag oder eine Schwellung in den Beinen aufweisen.

Zwischen dem anfänglichen Besuch und den Nachsorgebesuchen werden die Personen häufig gebeten, Informationen zu den Schmerzen, Stuhlgewohnheiten, Ernährung, allen Aktivitäten, die die Schmerzen auszulösen scheinen, allen versuchten Heilmitteln und deren Wirkung aufzuzeichnen.

Tabelle
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Körperliche Ursachen und Merkmale von chronischen Bauchschmerzen

Ursache*

Häufige Merkmale†

Untersuchungen‡

Erkrankungen des Verdauungstrakts

Kinder wachsen nicht wie erwartet (Gedeihstörung)

Blähungen und häufig Durchfall oder helle, voluminöse und ungewöhnlich faul riechende Stühle, die ölig erscheinen können

Symptome, die sich verschlimmern, wenn die Personen weizenhaltige Nahrungsmittel essen (die Gluten enthalten)

Blutuntersuchungen zur Messung der Spiegel von Antikörpern, die produziert werden, wenn Menschen mit Zöliakie glutenhaltige Nahrungsmittel essen

Häufig Biopsie des oberen Dünndarms

Cholezystitis (Entzündung der Gallenblase), wenn chronisch

Wiederkehrende krampfartige Schmerzen im oberen rechten Bauchabschnitt

Ultraschall zur Untersuchung auf Gallensteine

Häufig keine Beschwerden, wenn das Colon jedoch teilweise blockiert ist, möglicherweise krampfartige Beschwerden

Manchmal Blut im Stuhl (Blut kann sichtbar sein oder während einer ärztlichen Untersuchung nachgewiesen werden)

Gewichtsverlust

Bildgebende Verfahren wie ein CT-Scan des Dickdarms nach dem Trinken eines Kontrastmittels (CT-Kolonographie)

Harte, seltene Stuhlgänge, die sich nur schwer ausscheiden lassen

Krampfartige Schmerzen im Unterbauch, die nach dem Stuhlgang abnehmen

Manchmal Schmerzen während des Stuhlgangs

Eine ärztliche Untersuchung einschließlich einer sorgfältigen Befragung zur Ernährung

Wiederkehrende Episoden starker Schmerzen mit Fieber, Appetitverlust, Gewichtsabnahme und Durchfall

CT und/oder Koloskopie

Röntgenaufnahmen des Dünndarms

Gastroösophageale Refluxkrankheit (manchmal im Zusammenhang mit einer Hiatushernie)

Sodbrennen (brennende Schmerzen, die im Oberbauch beginnen und bis zum Rachen wandern, manchmal mit saurem Geschmack im Mund)

Manchmal Brustschmerzen

Manchmal Husten, Heiserkeit oder beides

Die Symptome verschlechtern sich manchmal durch Hinlegen

Besserung mit Antazida

Häufig nur die Untersuchung eines Arztes und ein Behandlungsversuch mit Medikamenten zur Unterdrückung der Säureproduktion (wenn die Symptome sich bessern, ist die Ursache wahrscheinlich eine gastroösophageale Refluxkrankheit)

Manchmal Endoskopie des oberen Verdauungstrakts (Untersuchung von Speiseröhre und Magen mit einem flexiblen Betrachtungsschlauch), Röntgenaufnahmen des oberen Verdauungstrakts nach oraler Verabreichung von Barium (Bariumschluck) oder Test auf Säurereflux mittels einer pH-Messung

Hepatitis, falls chronisch

Beschwerden im rechten Oberbauch

Ein allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise)

Appetitlosigkeit

Gelbsucht (selten)

Manchmal bei Menschen, die eine akute Hepatitis hatten

Bluttests zur Beurteilung der Leber und zur Feststellung von viralen, autoimmunen oder metabolischen Ursachen von Hepatitis

Blähungen, Krämpfe, Entweichen von Gas (Flatulenz) und Durchfall nach dem Konsum von Milchprodukten

Manchmal ein Atemtest zum Nachweis von Wasserstoff, der auf unverdaute Laktose hindeutet

Eine Ernährung, bei der laktosehaltige Nahrungsmittel ausgeschlossen werden (Eliminationsdiät), um festzustellen, ob diese Nahrungsmittel die Symptome auslösen

Anhaltende Schmerzen im Oberbauch, oft mit Ausstrahlung in den Rücken

Gewichtsverlust

Manchmal Gelbsucht

CT

MRCP

Entzündung der Bauchspeicheldrüse, wenn chronisch oder zusammen mit einer pankreatischen Pseudozyste

Episoden starker Schmerzen im mittleren Oberbauch

Manchmal Durchfall und Fett im Stuhl

Normalerweise bei Menschen, die eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse gehabt haben

Blutuntersuchungen, um die Spiegel eines von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Enzyms zu messen

Bildgebende Verfahren wie CT oder MRCP

Stuhltests

Parasiteninfektionen (besonders Giardiasis)

Kürzlich erfolgte Reise in Entwicklungsländer, Aufnahme von Wasser aus Bächen oder Seen oder Kontakt mit infizierten Menschen

Krämpfe, Flatulenz und Durchfall

Stuhluntersuchung, um nach Parasiten oder deren Eiern zu suchen

Magenschmerzen, die sich durch Nahrungsaufnahme und Einnahme von Antazida bessern

Können Personen nachts wecken

Können durch regelmäßige Einnahme von NSAR verursacht werden

Endoskopie und Biopsie bezüglich Helicobacter (H.) pylori (Bakterium, das peptische Geschwüre verursachen kann)

Manchmal ein H.-pylori-Atemtest oder eine Stuhluntersuchung

Narbengewebe, das sich bei Menschen nach einer Bauchoperation im Darmbereich entwickelt (Adhäsionen)

Krampfartige Beschwerden zusammen mit Übelkeit und manchmal Erbrechen

Obere GI-Reihe (Röntgenaufnahmen des Magens und Dünndarms nach Einnahme von flüssigem Barium) und weitere Röntgenuntersuchungen des Dünndarms

CT-Scan

Verdauungsstörungen oder leichte Schmerzen

Oft geringe Blutmengen im Stuhl (nur bei einer ärztlichen Untersuchung nachweisbar)

Typischerweise bei älteren Erwachsenen

Endoskopie von Speiseröhre und Magen

Krampfartige Schmerzen mit verschiedenen separaten Episoden blutiger Durchfälle

Typischerweise bei jungen Erwachsenen

Sigmoidoskopie oder Koloskopie

Biopsie von Mastdarm oder Colon

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Typischerweise bei Kindern

Intravenöse Urographie oder CT

Ultraschall

Schmerzen in der Seite (Flanke), die kommen und gehen, oft bei Menschen mit bekannten Steinen

Manchmal Fieber

Dunkler oder blutiger Urin

Urinuntersuchung

CT oder intravenöse Urographie

Erkrankungen des Fortpflanzungssystems (bei Frauen)

Beschwerden hauptsächlich vor oder während der Menstruationsperioden

Laparoskopie

Vage Unterbauchbeschwerden

Ultraschalluntersuchung des Beckens

Blähung

Manchmal eine Raumforderung im Becken, die bei einer ärztlichen Untersuchung entdeckt wird

Ultraschalluntersuchung des Beckens

Systemische Erkrankungen

Wiederkehrende Attacken von starken Bauchschmerzen und Erbrechen

Manchmal Muskelschwäche, Krampfanfälle und geistige Störungen (wie Reizung oder Agitiertheit)

Bei einigen Porphyrietypen Bläschenbildung auf der Haut bei Sonnenexposition

Urin- und Blutuntersuchungen, um nach Stoffen (Porphyrien) zu suchen, die während der Anfälle produziert werden

Familienmitglieder, die an der Krankheit leiden

Episoden von Bauchschmerzen mit einer Dauer von 48 bis 72 Stunden und oft begleitet von Fieber

Beginn in Kindheit oder Jugend

Genetische Untersuchung

Symptome, die sich nur nach dem Essen bestimmter Speisen wie Meeresfrüchte entwickeln

Eine Eliminationsdiät

Immunglobulin-A-assoziierte Vaskulitis (ehemals Purpura Schönlein-Henoch)

Ein rötlich-violetter Ausschlag kleiner Punkte (Petechien) oder größerer Flecken (Purpura) an den Armen und Beinen, am Gesäß und am Fußrücken

Schmerzhafte, empfindliche, geschwollene Gelenke

Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

Bei einer ärztlichen Untersuchung entdecktes Blut im Stuhl

Biopsie der betroffenen Haut

Krampfartige Bauchschmerzen

Mentale Veränderungen wie verminderte Aufmerksamkeitsspanne, Verwirrung und Verhaltensänderung

Appetitverlust, Erbrechen und Verstopfung

Schmerzhafte Gelenke

Im Normalfall nur, wenn Arbeiter Blei ausgesetzt werden

Häufiger bei kleinen Kindern, die in Häusern leben, die über 30 Jahre alt sind und in denen möglicherweise Farben auf Bleibasis verwendet wurden (seit 1978 verboten)

Bluttests zur Messung der Bleikonzentration

Episoden starker Bauchschmerzen, die länger als einen Tag anhalten

Wiederkehrende Schmerzen außerhalb der Bauchregion, wie im Rücken, in der Brust, in den Armen und/oder Beinen

Bei dunkelhäutigen Kindern, die typischerweise Familienmitglieder mit der Erkrankung haben

Blutuntersuchungen zur Suche nach sichelförmigen roten Blutkörperchen und nach dem abnormen Hämoglobin, das für die Sichelzellanämie charakteristisch ist

* Körperliche Ursachen sind nur für etwa 10 % der Fälle chronischer Bauchschmerzen verantwortlich. In den meisten Fällen handelt es sich um funktionelle Bauchschmerzen. In dieser Tabelle sind nicht alle körperlichen Ursachen von chronischen Bauchschmerzen aufgeführt.

† Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

‡ Bei den meisten Menschen mit chronischen Bauchschmerzen führen Ärzte typischerweise grundlegende Blut- und Urinuntersuchungen wie ein großes Blutbild, Blutuntersuchungen zur Bewertung der Funktion von Leber und Bauchspeicheldrüse und eine Urinanalyse durch. Andere Tests werden auf Grundlage der Ergebnisse dieser Tests und der Untersuchung durchgeführt.

CT = Computertomographie; MRCP = Magnetresonanz-Cholangiopankreatographie; NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika.

Tests

Im Normalfall machen die Ärzte bestimmte Tests. Dazu gehören eine Urinanalyse, ein großes Blutbild und Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Funktionsfähigkeit von Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse. Wenn jemand über 50 Jahre alt ist oder Risikofaktoren für Dickdarmkrebs aufweist (z. B. Vorkommen der Krankheit in der Familie), wird in der Regel auch eine Koloskopie empfohlen. Manche Ärzte empfehlen eine Computertomographie (CT-Scan) des Bauches bei Personen unter 50, andere wiederum warten, bis sich bestimmte Symptome entwickeln. Abhängig von den Ergebnissen der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung werden weitere Tests durchgeführt (siehe Tabelle: Körperliche Ursachen und Merkmale von chronischen Bauchschmerzen).

Zusätzliche Tests werden durchgeführt, wenn ein Testergebnis auffällig ist, wenn Personen neue Symptome entwickeln oder wenn während der Untersuchungen neue Abnormitäten entdeckt werden.

Behandlung

Die Behandlung von Bauchschmerzen hängt von der Ursache und den Symptomen ab. Wenn beispielsweise jemand an einer Laktoseintoleranz leidet, kann eine laktosefreie Ernährung (ohne Milch und Milchprodukte) helfen. Bei Verstopfung kann die Anwendung eines Abführmittels über ein paar Tage und die Zugabe von ballaststoffreicher Ernährung helfen.

Funktionelle Bauchschmerzen

Die Behandlung funktioneller Schmerzen hängt von den Symptomen ab und konzentriert sich darauf, den Betroffenen die Rückkehr zu normalen Alltagsaktivitäten zu ermöglichen und die Beschwerden zu lindern. Normalerweise umfasst die Behandlung eine Kombination mehrerer Strategien. Mehrere Arztbesuche können erforderlich sein, um die beste Kombination herauszuarbeiten. Ärzte planen die Nachsorgebesuche oft in Abhängigkeit der Bedürfnisse der Personen. Die Besuche werden fortgesetzt, bis das Problem eindeutig beseitigt worden ist.

Bei einer Diagnose mit funktionellen Schmerzen betont der Arzt, dass die Schmerzen zwar echt sind, aber meist keine ernsthafte Ursache haben, und dass emotionale Faktoren (z. B. Stress, Angst, Depression) die Schmerzen auslösen oder sogar noch verschlimmern können. Ärzte vermeiden es, Tests zu wiederholen, nachdem sorgfältige Tests keine körperliche Ursache der Symptome erbracht haben.

Es gibt zwar keine Behandlungen, mit denen funktionelle chronische Bauchschmerzen geheilt werden können, es stehen aber viele hilfreiche Maßnahmen zur Verfügung. Diese Maßnahmen hängen von einer vertrauens- und verständnisvollen Beziehung zwischen dem Arzt, der betroffenen Person und ihren Familienmitgliedern ab. Die Ärzte erklären, auf welche Weise die Laborergebnisse und die anderen Testergebnisse zeigen, dass die Person nicht gefährdet ist. Die Ärzte ermuntern Personen, an Arbeit, Schule und sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Diese Teilnahme verschlimmert die Erkrankung nicht, sondern sie ermutigt zu Unabhängigkeit und Selbstvertrauen. Personen, die sich von ihren Alltagsaktivitäten zurückziehen, riskieren, dass ihre Symptome ihr Leben kontrollieren, anstatt dass sie die Kontrolle über ihre Symptome behalten.

Ärzte empfehlen möglicherweise eine ballaststoffreiche Ernährung und Ballaststoffpräparate. Möglicherweise müssen die Betroffenen Nahrungsmittel vermeiden, die ihre Schmerzen auslösen. Manche Menschen sollten es beispielsweise vermeiden, große Mengen an Nahrungsmitteln zu sich zu nehmen, die schwer verdaulich sind und viel Gas produzieren. Ebenso sollten Getränke mit viel Zucker vermieden werden.

Viele Medikamente wurden mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert. Dazu zählen Medikamente, die Muskelkrämpfe der Verdauungswege verringern oder ganz eindämmen (Antispasmodika) und Pfefferminzöl.

Auslöser von Stress oder Angst werden so gut wie möglich minimiert. Eltern und andere Familienmitglieder sollten eine Bestärkung der Schmerzen durch zu viel Aufmerksamkeit vermeiden. Wenn die Personen weiterhin Angst haben oder sich deprimiert fühlen und dies möglicherweise in Zusammenhang mit den Schmerzen steht, können Ärzte Antidepressiva oder Medikamente zur Verringerung der Angst verschreiben. Therapien, die Personen bei einer Änderung ihres Verhaltens unterstützen, wie Entspannungstraining, Biofeedback und Hypnose, können ebenfalls die Verringerung der Angst unterstützen und den Personen dabei helfen, ihre Schmerzen besser zu tolerieren.

Für Kinder ist die Hilfe ihrer Eltern absolut erforderlich. Eltern wird geraten, das Kind zur Unabhängigkeit zu ermutigen und seine normalen Aufgaben, insbesondere die Teilnahme am Schulunterricht, zu erfüllen. Wenn die Kinder Aktivitäten vermeiden dürfen, kann dadurch deren Angst sogar zunehmen. Eltern können das Kind bei der Bewältigung seiner Schmerzen bei Alltagsaktivitäten unterstützen, indem sie seine unabhängigen und verantwortlichen Verhaltensweisen loben und belohnen. Beispielsweise könnten Eltern das Kind durch Einplanen einer besonderen Zeit mit dem Kind oder einen besonderen Ausflug belohnen. Die Beteiligung von Schulpersonal kann helfen. Man kann vereinbaren, das Kind während des Schultages im Krankenzimmer kurz ruhen zu lassen, damit es dann nach 15 bis 30 Minuten wieder in die Klasse kommt. Die Schulschwester kann dem Kind erlauben, gelegentlich einen Elternteil anzurufen, der das Kind dazu ermutigen sollte, in der Schule zu bleiben.

Wichtigste Punkte

  • Normalerweise handelt es sich bei chronischen oder wiederkehrenden Bauchschmerzen um funktionelle Schmerzen (d. h., die Betroffenen haben zwar Schmerzen, aber keine spezifische körperliche Erkrankung und kein anderes gastrointestinales Problem).

  • Symptome, bei denen sofort ein Arzt aufgesucht werden muss, sind hohes Fieber, Appetit- oder Gewichtsverlust, Schmerzen, durch die die Person aufwacht, Blut im Stuhl oder Urin, Gelbsucht, starke Übelkeit und häufiges Erbrechen, Schluckbeschwerden und Schwellung der Beine und/oder des Bauches.

  • Blut- und Urintests werden normalerweise durchgeführt, um nach Erkrankungen zu suchen, die die Schmerzen verursachen können.

  • Zusätzliche Tests sind nur erforderlich, wenn Personen abnorme Testergebnisse, Warnzeichen oder Symptome einer speziellen Erkrankung aufweisen.

  • Bei funktionellen Schmerzen besteht die Behandlung aus einer Schulung, wie man Stress oder Angst abbaut, der Förderung der Teilnahme an normalen Alltagsaktivitäten, einem Versuch mit Ballaststoffpräparaten, Medikamenten zur Reduzierung oder Unterdrückung von Muskelkrämpfen im Verdauungstrakt sowie manchmal der Einnahme von Medikamenten oder der Anwendung von Verhaltenstherapien zum Abbau von Angst und/oder aus der Änderung der Ernährung.

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