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Überblick über Kopfschmerzen

Von

Stephen D. Silberstein

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Kopfschmerzen sind Schmerzen, die jeden Teil des Kopfes betreffen können, darunter die Kopfhaut, den oberen Halsbereich, das Gesicht und das Kopfinnere. Kopfschmerzen gehören zu den wichtigsten Gründen, weswegen die Menschen einen Arzt aufsuchen.

Kopfschmerzen beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit und die Alltagsbewältigung. Einige Menschen leiden oft an Kopfschmerzen. Andere wiederum nur selten.

Ursachen

Obwohl Kopfschmerzen quälend und belastend sein können, sind sie dennoch meistens kein Zeichen für einen bedenklichen Gesundheitszustand. Man kann zwei Arten von Kopfschmerzen unterscheiden:

  • Primärkopfschmerzen: Werden nicht durch eine andere Erkrankung verursacht

  • Sekundärkopfschmerzen: Werden durch eine andere Erkrankung verursacht

Zu den primären Kopfschmerzerkrankungen zählen Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerzen.

Sekundärkopfschmerzen können das Ergebnis von Erkrankungen des Gehirns, der Augen, der Nase, des Halses, der Nasennebenhöhlen, der Zähne, der Kiefer, der Ohren oder des Nackens sein bzw. von einer (systemischen) Erkrankung herrühren, die den gesamten Körper betrifft.

Häufige Ursachen

Die zwei häufigsten Ursachen für Kopfschmerzen sind Primärkopfschmerzen:

Seltenere Ursachen

In seltenen Fällen beruhen Kopfschmerzen auf einer seltener auftretenden Kopfschmerzerkrankung, die man Cluster-Kopfschmerzen nennt, oder auf einer der vielen sekundären Kopfschmerzerkrankungen (siehe Tabelle: Einige Ursachen und Merkmale von Kopfschmerzen). Einige sekundäre Kopfschmerzerkrankungen sind ernst, insbesondere solche, die das Gehirn betreffen, wie z. B. eine Hirnhautentzündung, einen Hirntumor oder eine Hirnblutung (intrazerebrale Hämorrhagie).

Fieber kann Kopfschmerzen verursachen, wie auch viele Infektionen, die nicht speziell das Gehirn betreffen. Solche Infektionen beinhalten die Lyme-Borreliose, das Rocky-Mountains-Fleckfieber und die Influenza (Virusgrippe).

Kopfschmerzen stellen sich auch bei Menschen ein, die den Koffeinkonsum oder die Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetika) unterbrechen, nachdem sie diese lange Zeit eingenommen hatten (Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch).

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung stellen Augenbelastung und Bluthochdruck (mit Ausnahme von extrem hohem Blutdruck) in der Regel keinen Grund für Kopfschmerzen dar.

Beurteilung

Die Ärzte konzentrieren sich auf Folgendes:

  • Sie bestimmen, ob die Kopfschmerzen eine andere Ursache haben (d. h., ob es sich um sekundäre Kopfschmerzen handelt)

  • Sie untersuchen auf Symptome, die darauf hinweisen könnten, dass die Kopfschmerzen von einer ernsten Erkrankung hervorgerufen werden

Wenn keine Ursache feststellbar ist, wird versucht herauszufinden, welche Art von Primärkopfschmerz vorliegt.

Warnsignale

Bei Menschen mit Kopfschmerzen sind bestimmte Merkmale Grund zur Sorge:

  • Empfindungs- oder Sehveränderungen, plötzliche Muskelschwäche, Koordinationsverlust, Krampfanfälle, Sprach- und Verständnisschwierigkeiten oder Veränderungen des Bewusstseinszustandes, wie Benommenheit oder Verwirrtheit (die auf eine Hirnstörung hinweisen)

  • Fieber und ein steifer Nacken, der das Senken des Kinns auf die Brust schmerzhaft und manchmal unmöglich macht

  • Ein sehr plötzlicher, starker Kopfschmerz (Donnerschlagkopfschmerz)

  • Druckschmerz an den Schläfen (wie beim Frisieren) oder Kieferschmerzen beim Kauen

  • Das Vorliegen einer Krebserkrankung oder einer Erkrankung, die das Immunsystem schwächt (Immundefektkrankheit), wie AIDS

  • Symptome mit Beteiligung des gesamten Körpers wie Fieber oder Gewichtsverlust

  • Kopfschmerzen, die immer stärker werden

  • Rote Augen und Halo-Lichtringeffekte um die Lichtquellen

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen mit Warnsignalen sollten umgehend einen Arzt aufsuchen. Das Vorliegen eines Warnsignals kann bedeuten, dass die Kopfschmerzen von einer ernsten Erkrankung herrühren, wie zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Starke Kopfschmerzen mit Fieber und Nackenversteifung: Meningitis (Hirnhautentzündung) – eine lebensbedrohliche Infektion des mit Flüssigkeit gefüllten Raumes zwischen den Gewebeschichten, die Hirn und Rückenmark umhüllen (Meningen)

  • Donnerschlagkopfschmerz: Subarachnoidalblutung (Blutung innerhalb der Hirnhäute), die oft infolge eines geplatzten Aneurysmas entsteht

  • Ein Druckschmerz an den Schläfen, insbesondere bei älteren Menschen, die Gewicht verloren haben und Muskelschmerzen aufweisen: Riesenzellarteriitis

  • Kopfschmerzen bei Menschen mit Krebs oder einem geschwächten Immunsystem (aufgrund einer Erkrankung oder eines Medikamentes): Meningitis oder Krebs, der sich auf die Hirnhäute ausgebreitet hat

  • Rote Augen und Halo-Lichtringeffekte um die Lichtquellen: Glaukom, das ohne Behandlung zu einem irreversiblen Sehverlust führt

Menschen ohne Warnsignale, die jedoch andere Symptome aufweisen, müssen innerhalb einiger Tage bis zu einer Woche ärztlich beurteilt werden. Zu diesen Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen, deren Frequenz und Stärke ansteigt

  • Kopfschmerzen, die nach dem 50. Lebensjahr beginnen

  • Verschlechterung der Sehkraft

  • Gewichtsverlust

Personen, die keine der genannten Symptome aufweisen und Kopfschmerzen in einer bisher nicht erlebten Form bekommen oder deren gewöhnlichen Kopfschmerzen plötzlich ungewöhnlich stark werden, sollten ihren Arzt anrufen. Je nach den anderen Symptomen kann der Arzt bestimmte Schmerzmittel empfehlen oder den Betroffenen zu einer Untersuchung auffordern.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die ärztlichen Befunde im Verlauf der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung liefern oft einen Hinweis auf die Ursache des Schmerzes und auf die Tests, die möglicherweise vorgenommen werden müssen (siehe Tabelle: Einige Ursachen und Merkmale von Kopfschmerzen).

Die Ärzte fragen nach den Merkmalen der Kopfschmerzen:

  • Wie häufig sie auftreten

  • Wie lange sie andauern

  • Wo sich die Schmerzen befinden

  • Wie stark sie sind

  • Wie sich die Schmerzen anfühlen (zum Beispiel pochend, stumpf oder wie Messerstiche)

  • Ob noch weitere Symptome bestehen

  • Wie lange es dauert, bis plötzlich auftretende Kopfschmerzen ihren Höhepunkt erreichen

  • Was die Kopfschmerzen auslöst, verschlimmert und lindert

Weitere Fragen sind unter anderem

  • Ob der Betroffene zuvor bereits Kopfschmerzen hatte

  • Ob die Kopfschmerzen erneut aufgetreten sind und falls ja, wann sie einsetzten und wie oft sie aufgetreten sind

  • Ob die aktuellen Kopfschmerzen wie frühere Kopfschmerzen sind oder sich von diesen unterscheiden

Die Ärzte erkundigen sich auch nach Risikofaktoren für Kopfschmerzen. Hierzu gehört Folgendes:

  • Ob die Betroffenen bestimmte Medikamente einnehmen oder abgesetzt haben

  • Ob sie sich kürzlich einer Spinalpunktion unterzogen haben

  • Ob sie an einer Erkrankung leiden, die für die Kopfschmerzen verantwortlich sein könnte

  • Ob der Betroffene Familienangehörige hat, die an starken Kopfschmerzen leiden

  • Ob der Betroffene sich vor Kurzem eine Kopfverletzung zugezogen hat

Die Betroffenen können über die oben genannten Fragen nachdenken und die Antworten notieren, bevor sie den Arzt aufsuchen. Dadurch kann Zeit gespart und die Beurteilung gelenkt werden.

Eine allgemeine körperliche Untersuchung wird durchgeführt. Der Schwerpunkt wird auf Kopf und Nacken, Gehirn, Rückenmark und Nervenfunktion gelegt (neurologische Untersuchung). Bisweilen wird auch eine Augenuntersuchung durchgeführt.

Tests

Die meisten Menschen benötigen keine Untersuchung. Falls jedoch der Arzt Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung hegt, werden üblicherweise Untersuchungen durchgeführt. Für einige der verdächtigen Erkrankungen werden Tests so bald wie möglich durchgeführt. In anderen Fällen können die Tests innerhalb von einem oder mehreren Tagen durchgeführt werden.

Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) werden so bald wie möglich durchgeführt, falls die Betroffenen

  • Einen Donnerschlagkopfschmerz haben

  • Veränderungen des Bewusstseinszustandes, wie z. B. Benommenheit oder Verwirrtheit, aufweisen

  • Fieber und ein steifer Nacken, der das Senken des Kinns auf die Brust schmerzhaft und manchmal unmöglich macht

  • Eine Schwellung des Sehnervs (Papillenödem) aufweisen, die durch eine Augenuntersuchung mit Hilfe eines Ophthalmoskops festgestellt wird

  • Symptome aufweisen, die ein Ansprechen des gesamten Körpers auf die Infektion nahelegen (Sepsis), wie einen bestimmten Ausschlag oder Schock

  • Symptome aufweisen, die auf eine Fehlfunktion des Gehirns hindeuten, wie Empfindungs- oder Sichtveränderungen, plötzliche Muskelschwäche, Koordinationsverlust, Krampfanfälle oder Sprach- und Verständnisschwierigkeiten

  • Extrem hohen Blutdruck aufweisen

  • Eine Kopfverletzung haben, die zu Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit führt

Wenn einer der folgenden Umstände besteht, wird etwa innerhalb eines Tages eine MRT (in der Regel) oder CT durchgeführt:

  • Krebs

  • Ein geschwächtes Immunsystem (aufgrund einer Erkrankung wie AIDS oder eines Medikaments)

Wenn die Betroffenen bestimmte weitere Merkmale aufweisen, wird innerhalb einiger Tage eine MRT oder CT durchgeführt. Beispiele hierfür sind:

  • Kopfschmerzen, die nach dem 50. Lebensjahr beginnen

  • Gewichtsverlust

  • Doppeltsehen

  • Neue Kopfschmerzen, die morgens beim Aufwachen schlimmer sind oder den Betroffenen aus dem Schlaf reißen

  • Ein Anstieg der Häufigkeit, Dauer oder Intensität chronischer Kopfschmerzen

Eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) wird in der Regel durchgeführt, wenn

  • Der Verdacht auf eine akute Hirnhautentzündung oder Enzephalitis (Infektion des Gehirns) besteht.

  • Der Betroffene einen Donnerschlagkopfschmerz aufweist, der eine Subarachnoidalblutung vermuten lässt, auch wenn die Ergebnisse der CT oder MRT unauffällig sind.

  • Der Betroffene ein geschwächtes Immunsystem hat.

Wenn die Ärzte der Meinung sind, dass der Druck innerhalb des Schädels erhöht sein könnte—zum Beispiel durch eine Masse (wie einen Tumor, Abszess oder Bluterguss), wird vor der Spinalpunktion eine CT oder MRT durchgeführt. Eine Spinalpunktion vorzunehmen kann gefährlich sein, wenn der Druck innerhalb des Schädels erhöht ist. Wenn Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit entnommen wird und der Druck innerhalb des Schädels erhöht ist, können sich Teile des Gehirns plötzlich nach unten verschieben. Wenn diese Teile durch die kleinen Öffnungen in den Geweben gepresst werden, die das Gehirn in seine Bestandteile teilen, resultiert daraus eine lebensbedrohliche Erkrankung, die Gehirnhernie genannt wird.

Abhängig von den Testergebnissen und den vermuteten Ursachen werden weitere Tests innerhalb von Stunden oder Tagen durchgeführt.

Tabelle
icon

Einige Ursachen und Merkmale von Kopfschmerzen

Art der Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Primärkopfschmerzen (nicht infolge einer anderen Erkrankung)

Schwere, durchdringende Kopfschmerzen, welche

  • eine Seite des Kopfes betreffen und schwerpunktmäßig um das Auge liegen

  • 15 bis 180 Minuten andauern (in der Regel 30 Minuten bis eine Stunde)

  • häufig zur gleichen Tageszeit auftreten

  • sich phasenweise gehäuft mit dazwischenliegenden beschwerdefreien Zeiten ereignen,

  • normalerweise durch Licht, Geräusche und Gerüche nicht verstärkt werden

  • nicht mit Erbrechen einhergehen

durch Unfähigkeit, sich hinzulegen, und Rastlosigkeit (manchmal durch besondere Unruhe ausgedrückt) charakterisiert sind

Auf der gleichen Seite wie der Schmerz: Laufende Nase, tränendes Auge, hängendes Augenlid (Horner-Syndrom) und manchmal Schwellung des Bereichs unter dem Auge

Ärztliche Untersuchung

Gelegentlich MRT oder CT vom Kopf, um andere Erkrankungen auszuschließen, insbesondere wenn die Kopfschmerzen erst kürzlich eingesetzt haben oder das Muster der Symptome sich geändert hat

Ein mittelstarker bis starker Kopfschmerz, der

  • typischerweise pulsierend oder pochend ist und in der Regel auf einer Kopfseite, manchmal jedoch auf beiden Seiten zu spüren ist

  • mehrere Stunden bis Tage andauert

  • durch Schlafmangel, eine Kopfverletzung, Hunger oder bestimmte Weine und Lebensmittel ausgelöst werden kann

  • durch körperliche Aktivität verstärkt werden kann

  • durch Schlaf gelindert wird

  • häufig von Übelkeit, Erbrechen und Empfindlichkeit auf laute Geräusche, helles Licht und/oder Gerüche begleitet wird

oft mit einem Gefühl beginnt, dass eine Migräne einsetzt (Prodrom oder Vorbote genannt), z. B. durch Stimmungswechsel, Appetitlosigkeit und Übelkeit

manchmal mit vorübergehenden Empfindungs- und Gleichgewichtsstörungen sowie Störungen von Muskelkoordination, Sprache oder Sicht auftritt, wie z. B. das Sehen von Blitzlichtern und blinden Flecken (diese Symptome nennt man Aura)

Wie bei Cluster-Kopfschmerzen

In der Regel ein leichter bis mittelstarker Kopfschmerz, der

  • sich anfühlt wie ein Band, das um den Kopf festgezogen wird, beginnend vorne am Kopf oder im Bereich um die Augen

  • sich über den gesamten Kopf ausbreitet

  • 30 Minuten bis mehrere Tagen dauert

  • am Tagesende stärker sein kann

  • durch körperliche Aktivität, Licht, Geräusche oder Gerüche nicht verschlimmert wird

  • nicht von Übelkeit, Erbrechen oder anderen Symptomen begleitet wird

Wie bei Cluster-Kopfschmerzen

Sekundärkopfschmerzen (aufgrund einer anderen Erkrankung)

Benommenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung, Schwäche, Reizbarkeit oder Schlafstörungen

Bei Menschen, die kürzlich einen großen Höhenunterschied erlebt haben (einschließlich Flugreisen von über 6 Stunden)

Ärztliche Untersuchung

Ein Hirntumor, ein Abszess, oder eine andere Masse im Gehirn, so wie ein Bluterguss (Hämatom)

Ein leichter bis starker Kopfschmerz, welcher

  • zunehmend schlimmer werden kann

  • gewöhnlich immer häufiger wiederkehrt und letztendlich zu einem ständigen Schmerz ohne zwischenzeitliche Erleichterung wird

  • bei Positionswechsel zu einer verschwommenen Sicht führen kann

  • von Unbeholfenheit, Schwäche, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfällen oder Sehstörungen begleitet wird

MRT oder CT

Exposition gegenüber Kohlenmonoxid (im Winter kann dieses Gas eingeatmet werden, falls die Heizungsanlagen nicht ausreichend belüftet werden)

Die Exposition von Kohlenmonoxid kann unbewusst erfolgen, da dieses Gas farb- und geruchlos ist

Ein Bluttest

Zahninfektionen (der oberen Zähne)

Schmerzen, die

  • normalerweise am Gesicht und meistens an einer Seite gespürt wird

  • beim Kauen verstärkt werden

Zahnschmerzen

Zahnuntersuchung

Enzephalitis (Gehirninfektion)

Kopfschmerzen mit wechselnden Merkmalen

Oft begleitet von Fieber, zunehmender Benommenheit, Verwirrtheit, Erregung, Schwäche und/oder Unbeholfenheit

Krampfanfälle und Koma

MRT oder CT und Spinalpunktion

Ein pochender Schmerz, den man an der Schläfe auf einer Kopfseite spürt

Schmerz beim Frisieren oder Kauen

Gelegentlich vergrößerte Schläfenarterien (Arteria temporalis) und Schmerzen, insbesondere an den Schultern, Oberschenkeln und Hüften

Möglicherweise Sehstörungen und Verlust des Sehvermögens

Häufiger bei Menschen über 55

Eine Blutuntersuchung, um die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) zu messen, wodurch eine Endzündung entdeckt werden kann

Biopsie der Schläfenlappenarterie

Bildgebende Verfahren wie MRT oder Magnetresonanzangiographie (MRA)

Glaukom (Grüner Star) – eine Art, die Engwinkelglaukom genannt wird – beginnt abrupt (akut)

Mäßige oder starke Schmerzen, die vorne am Kopf oder in bzw. über dem Auge auftreten

Rote Augen, Halo-Erscheinungen um die Lichtquellen, Übelkeit, Erbrechen und Verlust des Sehvermögens

Eine möglichst umgehende Augenuntersuchung

Kopfverletzung (postkommotionelles Syndrom)

Kopfschmerzen, die unmittelbar oder kurz nach einer Kopfverletzung beginnen (mit oder ohne Bewusstseinsverlust)

Manchmal ein fehlerhaftes Gedächtnis, Persönlichkeitsveränderungen oder beides

CT oder MRT

Idiopathische intrakranielle Hypertonie (Überdruck im Schädel ohne irgendeine bekannte Ursache)

Kopfschmerzen, die

  • Täglich oder fast täglich erscheinen und schwankende Intensität haben

  • Beide Kopfseiten betreffen

Manchmal Doppeltsehen oder verschwommenes Sehen, Übelkeit oder ein Klingeln in den Ohren, das zeitgleich mit dem Herzschlag zu hören ist (pulsierender Tinnitus)

MRT und Magnetresonanzvenographie gefolgt von Spinalpunktion

Intrazerebrale Blutung (Blutung im Gehirn)

Leichte oder starke Schmerzen, die

  • Plötzlich beginnen

  • Auf einer oder beiden Kopfseiten auftreten

  • Oft von Übelkeit und manchmal von Erbrechen gefolgt sind

Möglicherweise mit starker Benommenheit, Unbeholfenheit, Schwäche, Sprach- und Verständnisschwierigkeiten, Verlust des Sehvermögens, Empfindungsverlust oder Verwirrtheit einhergehen

Gelegentlich Krampfanfälle oder Koma

CT oder MRT

Niederdruckkopfschmerzen (treten auf, wenn Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit entnommen wird oder austritt)

Starke Kopfschmerzen, häufig begleitet von einem steifen Nacken und Fieber

Schmerzen, die sich im Sitzen oder Stehen verstärken und beim Flachliegen abklingen

Treten meist nach einer Spinalpunktion (Lumbalpunktion) auf

Ärztliche Untersuchung

Wenn die Kopfschmerzen von alleine auftreten (nicht nach einer Spinalpunktion) MRT, nachdem ein Kontrastmittel in eine Vene injiziert wurde

Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch

Chronische und oft tägliche Kopfschmerzen

Häufig bei Menschen, die an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leiden

Übermäßiger Einsatz von Schmerzmitteln (Analgetika wie NSAR oder Opioide), Koffein oder manchmal Triptanen oder weiteren Medikamenten zur Behandlung von Kopfschmerzen

Ärztliche Untersuchung

Starke, andauernde Kopfschmerzen

Fieber

Steifer Hals, der das Senken des Kinns auf die Brust schmerzhaft und manchmal unmöglich macht

Ein Krankheitsgefühl, Übelkeit oder Erbrechen

Eine Spinalpunktion (in der Regel mit vorangegangenem CT)

Schmerzen, die

  • Manchmal am Gesicht, vorne am Kopf oder als Zahnschmerz gespürt werden

  • Plötzlich beginnen können und nur Tage oder Stunden dauern oder allmählich beginnen und anhaltend sind

Eine laufende Nase, manchmal mit Eiter oder Blut

Ein Krankheitsgefühl, möglicherweise nächtlicher Husten und oft Fieber

Ärztliche Untersuchung

Unter Umständen CT der Nebenhöhlen oder Nasenendoskopie

Subarachnoidalhämatom (Blutung zwischen den inneren und mittleren Gewebeschichten, die das Gehirn umhüllen)

Starke, konstante Schmerzen, die

  • Plötzlich beginnen und innerhalb von Sekunden ansteigen (Donnerschlagkopfschmerz)

  • Oft als die schlimmsten Kopfschmerzen beschrieben werden, die jemals erlebt wurden

Möglicherweise kurzzeitiger Bewusstseinsverlust bei Einsatz der Kopfschmerzen

Unter Umständen Benommenheit, Verwirrtheit, Schwierigkeit, aufzuwachen, oder Koma

Steifer Nacken, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Rückenschmerzen

MRT oder CT

Spinalpunktion, wenn die MRT- oder CT-Ergebnisse negativ sind

Subduralhämatom (eine Bluttasche zwischen den äußeren und mittleren Gewebeschichten, die das Gehirn umhüllen)

Kopfschmerzen mit wechselnden Merkmalen

Möglicherweise Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Vergesslichkeit und/oder Schwäche oder Lähmung der einen Körperseite

MRT oder CT

Schmerz beim Kauen harter Nahrung

Manchmal Schmerzen in oder rund um den Kiefer oder im Nacken

Manchmal Klicken oder Knallen beim Öffnen des Mundes, gesperrter Kiefer oder Schwierigkeit, den Mund weit zu öffnen

Körperliche Untersuchung, manchmal zahnärztliche Untersuchung

Gelegentlich MRT, Röntgenaufnahmen, oder CT

*Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie; NSAR = nicht-steroidale Antirheumatika.

Behandlung

Die Behandlung der Kopfschmerzen richtet sich nach der Ursache.

Falls es sich um Spannungskopfschmerzen handelt oder diese von einer leichten Virusinfektion begleitet sind, können die Betroffenen Paracetamol oder ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) einnehmen.

Wichtige Informationen für ältere Menschen

Wenn die Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr beginnen, gehen Ärzte in der Regel davon aus, dass diese durch eine andere Erkrankung verursacht werden, soweit keine andere Diagnose gestellt wird. Viele Erkrankungen, die Kopfschmerzen verursachen, wie z. B. Riesenzellarteriitis, Hirntumoren und Subduralhämatome (die von Stürzen herrühren können), sind bei älteren Menschen üblicher.

Die Kopfschmerzbehandlung kann bei älteren Menschen eingeschränkt sein. Es ist wahrscheinlicher, dass sie an Erkrankungen leiden, die sie an der Einnahme einiger Medikamente hindern, die zur Behandlung von Migränen und Cluster-Kopfschmerzen (Triptane und Dihydroergotamine – siehe Tabelle: Arzneimittel zur Behandlung von Migräne) eingesetzt werden. Zu diesen Erkrankungen gehören Angina pectoris, koronare Herzkrankheit und nicht behandelter hoher Blutdruck.

Falls ältere Menschen Medikamente zur Behandlung von Kopfschmerzen einnehmen müssen, die sie benommen machen, müssen sie streng überwacht werden.

Wichtigste Punkte

  • Die meisten Kopfschmerzen haben keine ernste Ursache, besonders dann, wenn sie Menschen in jungem Alter betreffen, sich mit der Zeit nicht verändern und die Untersuchungsergebnisse normal sind.  

  • Bei häufigen Kopfschmerzen oder Warnsignalen sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen.  

  • Die meisten Kopfschmerzen bedürfen keiner Untersuchung. 

  • Der Arzt kann in der Regel die Art oder die Ursache der Kopfschmerzen anhand der Krankengeschichte, der Symptome und der Ergebnisse der körperlichen Untersuchung feststellen.

  • Bei Verdacht, auf eine schwerwiegende Erkrankung (wie z. B. eine Blutung oder Infektion) wird möglichst umgehend eine CT oder MRT durchgeführt.  

  • Falls der Arzt Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, Enzephalitis oder Subarachnoidalblutung hegt, wird eine Spinalpunktion durchgeführt.

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