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Angststörungen – eine Übersicht

Von

John W. Barnhill

, MD, Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2018| Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Angst ist ein Gefühl der Nervosität, Besorgnis oder Unsicherheit, die ein normales menschliches Erlebnis darstellt. Sie ist auch in einer Vielzahl von psychiatrischen Erkrankungen vorhanden, darunter generalisierte Angststörung, Panikstörung und Phobien. Auch wenn jede dieser Störungen anders ist, können sie alle mit Leid und Funktionsstörungen einhergehen, die mit Stress und Angst zusammenhängen.

  • Zusätzlich zu Angstgefühlen haben die Betroffenen körperliche Symptome, einschließlich Kurzatmigkeit, Schwindel, Schwitzen, beschleunigter Herzschlag und/oder Tremor.

  • Angststörungen ändern oft das tägliche Verhalten der Betroffenen erheblich. Sie vermeiden z. B. bestimmte Dinge und Situationen.

  • Diese Störungen werden anhand bestimmter, eingeführter Kriterien diagnostiziert.

  • Den meisten Patienten kann durch Medikamente, Psychotherapie oder einer Kombination aus beiden erheblich geholfen werden.

Angst ist eine normale Reaktion auf eine Bedrohung oder auf psychischen Stress. Normale Angstgefühle beruhen auf Furcht und stellen eine wichtige Überlebensfunktion dar. Wenn man einer gefährlichen Situation ausgesetzt ist, wird durch das Angstgefühl eine „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ (englisch: Fight or Flight) ausgelöst. Bei dieser Reaktion treten eine Reihe körperlicher Veränderungen auf, beispielsweise versorgt eine erhöhte Durchblutung des Herzens und der Muskeln den Körper mit der notwendigen Energie und Kraft, um auf lebensbedrohliche Situationen zu reagieren, z. B. vor einem aggressiven Tier zu fliehen oder sich gegen einen Angreifer zu verteidigen.

Angst wird jedoch als Störung bezeichnet, wenn sie

  • in einem unangebrachten Moment auftritt

  • zu häufig auftritt

  • so intensiv und langanhaltend ist, dass sie die normalen Aktivitäten einer Person beeinträchtigt

Angststörungen kommen häufiger als alle anderen Arten von psychischen Gesundheitsstörungen vor. Schätzungsweise 15 Prozent der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten sind davon betroffen. Starke Angstgefühle können über Jahre anhalten und sich für die Person mit der Angststörung mit der Zeit als etwas Normales anfühlen. Aus diesem und anderen Gründen werden Angststörungen häufig nicht diagnostiziert oder behandelt.

Zu den Angststörungen zählen:

Das psychische Leiden, das unmittelbar oder kurz nach dem Durchleben oder Miterleben eines überwältigenden traumatischen Ereignisses auftritt, wird nicht mehr als Angststörung klassifiziert. Solche Störungen werden nun als trauma- und stressbezogene Störungen klassifiziert und schließen akute Belastungsreaktionen (ABR) und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) ein.

Wie sich Angstgefühle auf die Leistung auswirken

Die Auswirkungen von Angstgefühlen auf die Leistung können auf einer Kurve dargestellt werden. Wenn die Angst zunimmt, erhöht sich proportional dazu die Leistungseffizienz, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn sich das Angstgefühl weiter erhöht, sinkt die Leistungseffizienz. Bevor der Höhepunkt der Kurve erreicht ist, gilt das Angstgefühl als adaptiv, da es Menschen dabei hilft, sich auf eine Krise vorzubereiten und ihre Funktionsfähigkeit zu verbessern. Hinter dem Spitzenwert der Kurve gilt das Angstgefühl als maladaptiv, da es Bedrängnis erzeugt und die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt wird.

Wie sich Angstgefühle auf die Leistung auswirken

Ursachen

Die Ursachen von Angststörungen sind nicht vollständig bekannt. Folgende Faktoren können jedoch eine Rolle spielen:

  • Genetische Faktoren (einschließlich Familiengeschichte einer Angststörung)

  • Umgebung (z. B. Durchleben traumatischer Ereignisse oder von Stress)

  • Psychische Veranlagung

  • Körperliche Erkrankungen

Eine Angststörung kann durch verschiedene Arten von Stress in der persönlichen Umgebung wie dem Ende einer wichtigen Beziehung oder einer lebensbedrohlichen Katastrophe ausgelöst werden.

Wenn ein Mensch unangemessen auf Stress reagiert oder sich von Ereignissen überwältigt fühlt, kann sich eine Angststörung entwickeln. Beispielsweise sprechen manche Menschen gerne vor einer Gruppe. Andere hingegen haben Angst davor und haben Symptome wie Schweißausbrüche, Furcht, Herzrasen und Zittern. Manche Menschen vermeiden es sogar, vor einer kleinen Gruppe zu sprechen.

Die Neigung zu Angstgefühlen liegt häufig in der Familie. Nach Meinung von Ärzten kann diese Neigung zum Teil erblich bedingt sein, ist jedoch zum Teil wahrscheinlich durch das Zusammenleben mit ängstlichen Menschen erworben.

Wussten Sie ...

  • Angststörungen sind die häufigste Art psychischer Gesundheitsstörungen.

  • Bei Menschen mit einer Angststörung ist die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu leiden, größer als bei anderen.

Durch körperliche Erkrankung oder Medikamente/Drogen verursachte Angststörung

Angstgefühle können auch durch eine allgemeine Erkrankung oder die Einnahme oder das Absetzen (Entzug) von Drogen bzw. Medikamenten verursacht werden. Allgemeine Erkrankungen, die Angstgefühle verursachen können, sind u. a.:

Selbst Fieber kann Angstgefühle verursachen.

Angstgefühle können bei Menschen auftreten, die im Sterben liegen. Ursachen sind die Angst vor dem Tod, Schmerzen und Atembeschwerden ( Symptome bei tödlich verlaufenden Krankheiten : Depressionen und Angstzustände).

Drogen und Medikamente, die Angstgefühle auslösen können, sind u. a.:

  • Aufputschmittel (z. B. Amphetamine)

  • Koffein

  • Viele rezeptpflichtige Medikamente wie Kortikosteroide

  • Einige rezeptfrei erhältliche Produkte zur Gewichtsabnahme mit den pflanzlichen Wirkstoffen Guarana oder Koffein oder beiden

Der Entzug von Alkohol oder Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen (verwendet zur Behandlung von Angststörungen; siehe den jeweiligen Eintrag in der Tabelle Medikamente zur Behandlung von Angststörungen) kann Angstgefühle oder andere Symptome wie Schlaflosigkeit und Ruhelosigkeit verursachen.

Symptome

Angstgefühle können plötzlich, beispielsweise als Panik, auftreten oder sich allmählich über Minuten, Stunden oder Tage aufbauen. Angstgefühle können unterschiedlich lang andauern, von wenigen Sekunden bis zu Jahren. Die Intensität von Angstgefühlen reicht von kaum spürbaren Bedenken bis zu ausgewachsenen Panikattacken, die Kurzatmigkeit, Schwindel, Herzrasen und Zittern (Tremor) verursachen können.

Angststörungen können besorgniserregend sein und das Leben eines Menschen so sehr beeinträchtigen, dass sie zu Depressionen führen können. Die Betroffenen können eine Substanzgebrauchsstörung entwickeln. Menschen mit Angststörungen (außer mit bestimmten sehr speziellen Phobien, wie die Angst vor Spinnen) sind mindestens doppelt so anfällig für Depressionen wie Menschen ohne Angststörungen. Manchmal entwickeln Personen mit Depressionen eine Angststörung.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer Kriterien

Die Entscheidung, wann Angstgefühle schwerwiegend genug sind, um sie als Störung zu bezeichnen, kann kompliziert sein. Menschen gehen unterschiedlich gut mit Angstgefühlen um, und es kann schwierig sein zu bestimmen, was außergewöhnliche Angstgefühle ausmacht. Ärzte wenden für gewöhnlich die folgenden definierten Kriterien an:

  • Die Angstgefühle sind sehr belastend.

  • Die Angstgefühle beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit.

  • Angstzustände sind lang anhaltend oder treten immer wieder auf.

Ärzte suchen nach anderen Erkrankungen, die Angstzustände verursachen können, wie z. B. Depression oder eine Schlafstörung. Ärzte fragen auch, ob Verwandte ähnliche Symptome hatten, weil Angststörungen oft in Familien gehäuft auftreten.

Der Arzt führt auch eine körperliche Untersuchung durch. Es können Blutuntersuchungen und weitere Tests durchgeführt werden, um nach anderen Krankheiten zu suchen, die Angstgefühle verursachen können.

Behandlung

  • Gegebenenfalls Behandlung der Ursache

  • Psychotherapie

  • Medikamentöse Behandlung

  • Behandlung anderer aktiver Erkrankungen

Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig, denn die Behandlung unterscheidet sich je nach Art der Angststörung. Zusätzlich muss zwischen Angststörungen und Angstgefühlen, die bei vielen anderen psychischen Gesundheitsstörungen auftreten, unterschieden werden, bei denen verschiedene Behandlungsansätze Anwendung finden.

Falls die Ursache eine körperliche Krankheit oder ein Medikament ist, wird eher versucht, die Ursache zu beheben, anstatt die Symptome der Angstgefühle zu behandeln. Die Angstgefühle sollten abnehmen, nachdem die körperliche Störung behandelt wurde oder das Medikament bzw. Suchtmittel lange genug abgesetzt war, damit alle Entzugserscheinungen abklingen konnten. Bleiben die Angstgefühle bestehen, kommen Anxiolytika oder Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie) zum Einsatz.

Bei sterbenden Menschen können bestimmte starke Schmerzmittel, wie Morphin sowohl die Schmerzen als auch die Angst lindern.

Falls eine Angststörung diagnostiziert wird, kann bei den meisten Patienten eine medikamentöse Behandlung oder eine Psychotherapie (z. B. eine Verhaltenstherapie) allein oder als Kombinationstherapie die Beschwerden und Funktionsstörungen erheblich lindern. Benzodiazepine (wie Diazepam) werden bei akuten Angstgefühlen häufig verschrieben. Für viele Menschen wirken Antidepressiva, wie z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), genauso gut für Angststörungen wie für Depressionen. Die jeweilige Behandlung hängt davon ab, welche Angststörung diagnostiziert wird.

Alle Angststörungen können zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten. Angststörungen treten z. B. häufig zusammen mit einer Alkoholkrankheit auf. Es ist wichtig, alle diese Erkrankungen so schnell wie möglich zu behandeln. Die Behandlung der Alkoholkrankheit ohne Behandlung der Angstzustände ist wahrscheinlich nicht wirksam, da der Betroffene vielleicht Alkohol gegen die Angst trinkt. Andererseits kann die Behandlung der Angstgefühle ohne Behandlung der Alkoholkrankheit erfolglos sein, da tägliche Schwankungen der Alkoholmengen im Blut zu Schwankungen im Ausmaß der Angst des Betroffenen führen können.

Tabelle
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Medikamente zur Behandlung von Angststörungen

Medikament

Anwendungsgebiete

Einige Nebenwirkungen

Anmerkungen

Benzodiazepine

Alprazolam

Chlordiazepoxid

Clonazepam

Clorazepat

Diazepam

Lorazepam

Oxazepam

Schläfrigkeit, Gedächtnisstörungen, beeinträchtigte Koordination und verlängerte Reaktionszeit

Kann zu Arzneimittelabhängigkeit führen

Die am meisten verwendeten Arten von Anxiolytika

Fördern geistige und körperliche Entspannung, indem die Nervenaktivität im Gehirn verringert wird

Zeigen schnell Wirkung, manchmal innerhalb einer Stunde

Sollten nicht von Alkoholabhängigen verwendet werden

Buspiron

Schwindel und Kopfschmerzen

Keine Benommenheit und keine Wechselwirkung mit Alkohol

Führt nicht zu Arzneimittelabhängigkeit

Wirkung setzt manchmal erst nach mehreren Wochen ein

Antidepressiva*

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (wie Escitalopram)

Serotonin- Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Venlafaxin)

Monoaminoxidase-Hemmer

Trizyklische Antidepressiva (wie Clomipramin)

*Nicht alle aufgeführten Antidepressiva funktionieren bei allen aufgeführten Anwendungen.

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