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Neurogene Blase

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2020| Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Eine neurogene Blase ist die fehlende Kontrolle über die Blase aufgrund einer Störung des Nervensystems durch Schlaganfall, Schädigung des Rückenmarks, Tumor oder einer anderen Ursache.

  • Das unkontrollierte Abgehen von Urin (Harninkontinenz) ist das primäre Symptom.

  • Blasenkatheterisierung, bildgebende Diagnostikverfahren und Tests zur Messung des Urinflusses werden durchgeführt.

  • Das Ziel der Behandlung liegt in der regelmäßigen Leerung der Blase (beispielsweise durch vorübergehende Katheterisierung und/oder mit Medikamenten).

Für die Blasenkontrolle ist das Zusammenspiel verschiedener Muskeln und Nerven erforderlich.

Eine neurogene Blase ist möglicherweise:

  • Schlaff: Eine schlaffe Blase kann sich nicht zusammenziehen und füllt sich deshalb, bis sie überläuft. Der Urin tröpfelt nun heraus.

  • Spastisch: Die Blase zieht sich ungewollt zusammen und der Betroffene verspürt auch bei leerer oder gering gefüllter Blase einen Harndrang. Typischerweise ist die Koordination zwischen den Kontraktionen der Blase und dem Schließmuskel schlecht.

  • Gemischt: Einige Betroffene weisen Anzeichen einer schlaffen und einer spastischen Blase auf.

Krankheiten, die jene Nerven schädigen oder beeinträchtigen, die die Blase oder den Blasenausgang kontrollieren, können eine neurogene Blase verursachen.

Zu den häufigen Ursachen gehören Schlaganfall, Schädigung oder Verletzung des Rückenmarks, amyotrophische Lateralsklerose (ALS), Parkinson-Krankheit, multiple Sklerose, diabetische Neuropathie und Schädigung der Nerven durch eine Beckenoperation.

Symptome

Das primäre Symptom ist Harninkontinenz. Die Betroffenen verlieren kontinuierlich kleine Mengen Urin. Männliche Betroffene leiden außerdem an Erektionsstörungen. Einige Menschen mit spastischer, neurogener Blase haben auch einen häufigen, manchmal sehr extremen Harndrang und müssen nachts häufiger zur Toilette. Bei Menschen mit spastischer, neurogener Blase liegen möglicherweise auch Schäden an anderen Nerven vor, die Schwäche, Muskelspasmen und/oder einen Verlust des Gefühls in den Beinen verursachen können.

Bei Menschen mit neurogener Blase besteht ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen und Steine in den Harnwegen. Des Weiteren ist das Risiko, an einer Hydronephrose zu erkranken, erhöht (siehe Abbildung: Stauungsniere), wenn der Urin in der Blase zurückgehalten wird und sich infolgedessen in den Nieren staut.

Diagnose

  • Messung des Resturins in der Blase nach dem Wasserlassen

  • Ultraschall der Harnwege

  • Manchmal detailliertere Untersuchungen wie eine Zystographie

Bei inkontinenten Menschen mit neurologischen Störungen vermutet der behandelnde Arzt unter Umständen eine neurogene Blase. In der Regel wird mithilfe eines Blasenkatheters oder Ultraschalls die Harnmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt, (post-miktorische Rückstände) gemessen. Es erfolgen außerdem eine Ultraschalluntersuchung der gesamten Harnwege, um eventuelle Anomalien zu erkennen, sowie Bluttests, um die Nierenfunktion zu beurteilen (siehe Bildgebende Verfahren der Harnwege).

Je nach Gesundheitszustand des Patienten sind eventuell weitere Tests erforderlich. Genauere Untersuchungen der Harnwege (z. B. Zystographie, Zystoskopie und Zystometrographie) können erfolgen, um die Blasenfunktion zu überprüfen oder um die Dauer und die Ursache der neurogenen Blase zu beurteilen.

Behandlung

  • Katheterisierung (mit langfristiger vorübergehender Katheterisierung)

  • Erhalt der Flüssigkeitsaufnahme

  • Chirurgischer Eingriff (selten)

Durch eine sofortige Behandlung können möglicherweise dauerhafte Störungen und eine Schädigung der Nieren vermieden werden. Mithilfe der Katheterisierung oder mit speziellen Techniken, um den Harnfluss auszulösen, kann möglicherweise vermieden werden, dass der Urin zu lange in der Blase zurückbleibt. Für einige Menschen mit spastischer Blase ist es möglich, den Harnfluss auszulösen, indem sie auf ihren Unterleib drücken oder ihre Oberschenkel kratzen. Wenn zu lange Urin in der Blase bleibt, besteht ein erhöhtes Risiko, eine Harnwegsinfektion zu erleiden. Das regelmäßige Einführen eines Blasenkatheters ist in der Regel sicherer als die Verwendung eines Dauerkatheters.

Den Patienten wird empfohlen, ausreichend zu trinken und auf eine kalziumarme Ernährung zu achten, um der Bildung von Steinen vorzubeugen. Der Arzt überwacht auch regelmäßig die Nierenfunktion.

Manchmal können Medikamente zur Behandlung von Dranginkontinenz hilfreich sein (siehe Tabelle Einige Medikamente, die zur Behandlung von Harninkontinenz eingesetzt werden). Nur sehr selten ist ein chirurgischer Eingriff nötig, bei dem ein neuer Harnweg aus dem Körper geschaffen wird.

Weitere Informationen

  • Urology Care Foundation: Aktuelle, umfassende urologische Gesundheitsdaten, einschließlich einer Zeitschrift für Patienten (Urology Health extra®) und aktuellen Informationen zur Forschung

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
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