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Mundtrockenheit

(Xerostomie)

Von

Bernard J. Hennessy

, DDS, Texas A&M University, College of Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Mundtrockenheit entsteht durch mangelnden Speichelfluss. Diese Störung kann unangenehm sein, beim Sprechen und Schlucken stören, das Tragen von Zahnersatz erschweren, Mundgeruch (Halitosis) verursachen und durch abnehmenden Säuregehalt und zunehmende Bakterienbildung im Mund die Mundhygiene verschlechtern, was zur Entwicklung von Karies beitragen kann. Langanhaltende Mundtrockenheit kann zu starker Zahnfäule (Karies) und Candidiasis des Mundes führen. Mundtrockenheit ist unter älteren Menschen verbreitet.

Ursachen

Mundtrockenheit tritt auf, wenn die Speicheldrüsen nicht richtig funktionieren und damit die Speichelproduktion hemmen. Es gibt viele Ursachen (siehe Tabelle Einige Ursachen für Mundtrockenheit).

Die häufigsten Ursachen von Mundtrockenheit sind:

  • Medikamente

  • Bestrahlung von Kopf und Hals (zur Krebsbehandlung)

Medikamente sind die bei Weitem häufigste Ursache. Ca. 400 rezeptpflichtige und viele rezeptfreie Medikamente bewirken eine abnehmende Speichelproduktion. Zu den häufigsten Klassen von Medikamenten zählen die folgenden:

  • Medikamente mit anticholinerger Wirkung (durch Unterdrückung der Wirkung von Acetylcholin)

  • Medikamente gegen Parkinson (Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Krankheit)

  • Chemotherapiemedikamente für Krebs

Viele häufig verwendeten Medikamente haben anticholinerge Wirkungen. Mundtrockenheit ist nur eine von vielen anticholinergen Nebenwirkungen.

Chemotherapiemedikamente verursachen während der Einnahme schwere Mundtrockenheit und wunde Stellen im Mund (Stomatitis). Diese Probleme verschwinden nach dem Absetzen der Medikamente.

Weitere Medikamente, die zu Mundtrockenheit führen, sind z. B. bestimmte Antihypertensiva (Medikamente gegen Bluthochdruck), Anxiolytika (angstlösende Mittel) und Antidepressiva (zur Behandlung von Depressionen).

Insbesondere führte die zunehmende Verwendung von Methamphetamin zu einem verstärkten Aufkommen des sogenannten „Meth-Mund“, der ein fortgeschrittenes Stadium von Zahnfäule (Karies) darstellt, die durch den Methamphetamin-Missbrauch ausgelöste Mundtrockenheit entsteht. Die Schädigung verschlimmert sich durch das Zähneknirschen und Zusammenbeißen (die durch das Medikament hervorgerufen werden), die Hitze des eingeatmeten Dampfes und vermutlich eine erhöhte Aufnahme von zuckerhaltigen Getränken und schlechte Mundhygiene während der Einnahme dieses Medikaments. Diese Kombination führt zu rapider Zerstörung der Zähne und zu lebenslangen Zahnproblemen.

Tabakkonsum verursacht gewöhnlich einen verminderten Speichelfluss.

Bestrahlungstherapie bei Kopf- und Halskrebs kann die Speicheldrüsen ernsthaft schädigen und permanente Trockenheit verursachen. Auch geringe Strahlendosen können eine zeitweilige Austrocknung bewirken.

Zu den weniger häufigen Ursachen der Mundtrockenheit zählen Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen (systemische Erkrankungen). Die Mundtrockenheit tritt sehr häufig bei Patienten auf, die unter dem Sjögren-Syndrom leiden. Manche Menschen mit Diabetes oder einer HIV-Infektion haben Mundtrockenheit.

Beurteilung

Nicht alle Menschen mit Mundtrockenheit müssen sofort von einem Arzt untersucht werden. Die folgenden Angaben können bei der Entscheidung behilflich sein, ob eine ärztliche Beurteilung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Menschen mit Mundtrockenheit geben bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zur Sorge. Hierzu gehören

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Personen mit Warnzeichen sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Menschen mit starker Zahnfäule (Karies) sollten einen Zahnarzt aufsuchen. Menschen mit Mundtrockenheit ohne Warnzeichen, die sich ansonsten wohlfühlen, können ihren Arzt etwa binnen einer Woche aufsuchen.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte fragen zunächst nach den Symptomen und Vorerkrankungen einer Person. Symptome wie trockene oder gereizte Augen, trockene Haut, Ausschlag und/oder Gelenkschmerzen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Sjögren-Syndroms. Ärzte fragen auch nach aktuellen oder zurückliegenden Strahlenbehandlungen, Kopf- und Halstraumata und einer eventuellen HIV-Infektion. Ärzte müssen von sämtlichen Mitteln wissen, die eine Person einnimmt, um herauszufinden, ob eines davon die Ursache für die Mundtrockenheit sein könnte.

Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Untersuchung konzentriert sich auf den Mund, um den Grad der Trockenheit zu ermitteln. Wenn der Grad der Trockenheit unklar ist, können Ärzte 10 Sekunden lang einen Zungenspatel an die Innenseite der Wange halten. Wenn der Zungenspatel sich nach dem Loslassen sofort ablöst, gilt der Speichelfluss als normal. Wenn er sich nicht leicht entfernen lässt, ist der Speichelfluss nicht normal. Bei Frauen kann der Lippenstiftabdruck auf den Schneidezähnen ein hilfreicher Indikator für Mundtrockenheit sein.

Ärzte untersuchen den Mund auch auf Wundstellen, die durch den Pilz Candida albicans verursacht wurden, und prüfen den Zustand der Zähne (z. B. auf Karies an ungewöhnlichen Stellen). Unerwartet starke Zahnverfärbungen und starker Zahnverfall können ein Anzeichen für einen illegalen Drogenkonsum, insbesondere von Methamphetaminen, sein.

Was der Arzt anhand der Vorgeschichte und der Untersuchung vorfindet, liefert oft einen Grund für die Mundtrockenheit (siehe Tabelle Einige Ursachen für Mundtrockenheit) und die erforderlichen Tests. Wenn die Mundtrockenheit kurz nach Aufnahme einer neuen Medikation auftrat, versuchen es Ärzte gern mit einem Aussetzen der Medikation, um zu sehen, ob die Symptome verschwinden.

Tabelle
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Einige Ursachen für Mundtrockenheit

Ursache

Beispiele

Medikamente

Medikamente mit anticholinergen Wirkungen

Angstlösende Medikamente

Antidepressiva

Antiemetika

Antihistaminika

Antipsychotika

Antispasmodika

Freizeitdrogen/illegale Drogen

Marihuana (Cannabis)

Methamphetamine

Tabak

Sonstiges

Antihypertensiva

Medikamente zur Behandlung der Parkinsonkrankheit

Bronchodilatatoren

Chemotherapeutika

Abschwellende Mittel

Diuretika

Meperidin, Methadon und andere Opioide

Systemische Erkrankungen

HIV-Infektion

Lepra

Tuberkulose

Sonstiges

Zu häufiges Atmen durch den Mund

Kopf- und Halstraumata (als Ursache von Nervenverletzungen)

Strahlentherapie an Kopf und Hals

Virusinfektionen

Tests

Manchmal testen Ärzte die Funktion der Speicheldrüsen durch Messen des Speichelflusses (Sialometrie). Menschen kauen Paraffin oder tröpfeln sich Zitronensäure auf die Zunge, um den Speichelfluss zu stimulieren. Anschließend sammeln die Ärzte den Speichel. Die Messung des Speichelflusses kann Ärzten dabei helfen zu bestimmen, ob die Mundtrockenheit sich bessert oder verschlechtert.

Wenn Ärzte die Ursache der Mundtrockenheit nicht ermitteln können, sollten sich die Betroffenen einer Biopsie (Entnahme von Gewebe für eine mikroskopische Untersuchung) einer kleineren Speicheldrüse an der Unterlippe unterziehen, um sie auf das Sjögren-Syndrom, Sarkoidose, Amyloidose, Tuberkulose oder Krebs zu prüfen. Sie können auch einen HIV-Test erwägen.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache, einschließlich des Absetzens von verursachenden Medikamenten, sofern möglich

  • Bisweilen Medikamente zur Anregung der Speichelproduktion

  • Speichelersatz

  • Regelmäßige Mundhygiene und Zahnversorgung

Nach Möglichkeit wird die Ursache der Mundtrockenheit behandelt. Bei Menschen mit durch Medikamente bedingte Mundtrockenheit, deren aktuelles Medikament nicht abgesetzt werden kann, sollten die Medikamente am Morgen und nicht am Abend eingenommen werden, da nächtliche Mundtrockenheit mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Karies führt. Bei allen Medikamenten sollten leicht einzunehmende Rezepturen, bspw. in flüssiger Form, erwogen werden. Medikamente, die unter die Zunge gelegt werden, sollten vermieden werden. Menschen sollten Wasser trinken, bevor sie Kapseln und Tabletten schlucken oder Nitroglyzerin unter die Zunge legen. Dekongestiva und Antihistaminika sollten vermieden werden.

Kontrolle über Symptome

Eine Behandlung zur Förderung der Kontrolle über Symptome besteht aus Maßnahmen, die

  • die Speichelproduktion erhöhen

  • Speichel durch eine andere Flüssigkeit ersetzen

  • Karies kontrollieren

Zu den Medikamenten, die die Speichelproduktion erhöhen, gehören Cevimelin und Pilokarpin. Die hauptsächliche Nebenwirkung von Cevimelin ist Übelkeit. Die hauptsächlichen Nebenwirkungen von Pilokarpin sind Schwitzen, Erröten und die Ausscheidung großer Mengen an verdünntem Urin (Polyurie).

Häufiges Nippen an zuckerfreien Getränken und Xylitol-haltiges Kaugummi helfen, den Speichelfluss zu stimulieren. Es kann auch helfen, ein frei verkäufliches Speichelsubstitut ‎zu verwenden.

Vaseline kann auf die Lippen und unter Zahnersatz aufgetragen werden, um Trockenheit, Rissbildung, Wundheit und Traumata der Mundschleimhaut zu lindern. Ein Kaltluft-Befeuchter kann Mundatmern helfen, die typischerweise nachts ihre schlimmsten Symptome entwickeln.

Eine gründliche Zahnhygiene ist elementar und wichtig. Die Zähne sollten regelmäßig (insbesondere vor dem Schlafengehen und mit verschreibungspflichtiger Zahnpasta mit hohem Fluoridanteil) mit einer Fluoridlösung oder Gel täglich gereinigt werden. Neuere Zahnpasten mit zusätzlichem Kalzium und Phosphaten können auch zur Kariesprophylaxe beitragen. Der Zahnarzt sollte öfter zur Zahnpflege und zur Entfernung von Zahnstein aufgesucht werden. Der wirksamste Weg zur Kariesprophylaxe besteht in der Verwendung einer individuell angepassten Zahnschiene mit verschreibungspflichtiger Zahnpasta für Fluoridgaben zuhause, insbesondere am Abend.. Die Anwendung mit einer rezeptpflichtigen Fluoridzahnpasta auf die Zähne, ohne die Verwendung einer Zahnschiene, wird manchmal bevorzugt. Zusätzlich kann ein Zahnarzt 2- bis 4-mal jährlich einen Natriumfluorid-Lack auftragen.

Zuckerhaltige oder saure Speisen und Getränke sowie allzu trockene, würzige oder extrem heiße oder kalte Speisen sollten vermieden werden. Insbesondere sollten zuckrige Speisen vor dem Schlafengehen vermieden werden.

Wichtige Informationen für ältere Menschen

Mundtrockenheit ist unter älteren Menschen weiterverbreitet, aber dies hängt wahrscheinlich eher mit den vielen Medikamenten zusammen, die ältere Menschen einnehmen, als mit dem Älterwerden selbst.

Wichtigste Punkte

  • Medikamente sind die häufigste Ursache, aber einige Krankheiten (insbesondere das Sjögren-Syndrom oder eine HIV-Infektion) und Strahlentherapie können ebenfalls zu Mundtrockenheit führen.

  • Der Speichelfluss kann durch xylitolhaltiges Kaugummi oder zuckerfreie Lutschbonbons, bestimmte Medikamente und durch die Verwendung eines künstlichen Speichelersatzes gesteigert werden.

  • Da Menschen mit Mundtrockenheit ein hohes Risiko von Zahnfäule tragen, sind eine gründliche Mundhygiene, zusätzliche prophylaktische Maßnahmen zuhause (einschließlich die tägliche Anwendung von frei verkäuflichen Fluoridspülungen oder vom Zahnarzt verschriebener Zahnpasta mit hohem Fluoridanteil) und vom Zahnarzt verabreichte Fluoride wichtig.

Weitere Informationen

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