Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...
Kurzinformationen

Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) und AIDS

Von

The Manual's Editorial Staff

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie alle Einzelheiten
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Was ist das humane Immundefizienz-Virus (HIV)?

Das humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein zur Familie der Retroviren gehörendes Virus. Es führt zu AIDS (erworbenes Immunschwächesyndrom), einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

HIV wird als Immundefizienz-Virus bezeichnet, weil es das Immunsystem schwächt (also eine Defizienz verursacht). Das Immunsystem schützt Sie normalerweise vor Infektionen und Krebserkrankungen.

Eine HIV-Infektion schwächt Ihr Immunsystem, indem sie bestimmte Arten von weißen Blutkörperchen abtötet, die sogenannten CD4-Lymphozyten. Ohne genügend CD4-Lymphozyten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens bestimmter Infektionen und Krebserkrankungen.

  • Die HIV-Infektion schwächt Ihre körpereigenen Abwehrkräfte gegen bestimmte Infektionen und Krebserkrankungen

  • Es gibt kein Heilmittel gegen HIV, aber HIV-Medikamente können dennoch viel bewirken und das Virus eindämmen

  • Ohne Behandlung führt das HIV unweigerlich zu AIDS

  • Die möglichst rasche Einleitung einer Behandlung mit HIV-Medikamenten kann AIDS-bedingte Komplikationen verhindern

  • Die Betroffenen sterben nicht an HIV, sondern an Komplikationen infolge der Infektionen und Krebserkrankungen, die sie sich zuziehen

  • Zur Prävention einer HIV-Infektion ist es hilfreich, sich beim Geschlechtsverkehr zu schützen, keine Spritzen auszutauschen und kein Fremdblut anzunehmen

Was ist das erworbene Immunschwächesyndrom (Acquired Immunodeficiency Syndrome, kurz AIDS)?

AIDS ist ein erworbenes Immunschwächesyndrom. Nicht jeder HIV-Infizierte hat AIDS. AIDS entsteht bei einer HIV-Infektion zusammen mit Folgendem:

  • Sehr geringe Anzahl an CD4-Lymphozyten

  • Gewisse Infektionen und Krebserkrankungen

Es gibt zahlreiche Infektionen und Krebserkrankungen, die AIDS-definierend sind. Hier sind einige der bekanntesten:

  • Pilzinfektionen der Speiseröhre (der Verbindung zwischen Rachen und Magen), des Gehirns oder der Lunge

  • Kaposi-Sarkom, eine Krebserkrankung, die schmerzlose rote oder violette Flecken auf der Haut oder im Mund hervorruft

  • Non-Hodgkin-Lymphom und gewisse weitere Krebserkrankungen

  • Gewisse Infektionen, die von einem gesunden, nicht aber von einem geschwächten Immunsystem abgewehrt werden können, wie z. B. Pneumocystis-Pneumonie, Toxoplasmose und Zytomegalie

AIDS-Kranke leiden oft unter starkem Gewichtsverlust – das sogenannte „AIDS-Wasting-Syndrom“.

Was verursacht eine HIV-Infektion?

Wenn das HI-Virus einen CD4-Lymphozyten befällt, stellt es zahlreiche Kopien von sich selbst her, bevor es die CD4-Zelle abtötet und die Viruskopien freisetzt. Diese Kopien befallen dann andere CD4-Lymphozyten und stellen noch mehr Kopien her. Dieser Zyklus geht weiter, bis sich Milliarden von HI-Viren in Ihrem Körper befinden.

Mit HIV infizieren können Sie sich durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person, insbesondere mit Folgendem:

  • Blut

  • Samenflüssigkeit

  • Scheidenflüssigkeit

  • Brustmilch

Infektionen durch Tränenflüssigkeit, Urin oder Speichel sind selten. Das Virus ist in diesen Flüssigkeiten zwar vorhanden, aber nur in geringer Menge.

  • Sie können sich mit HIV anstecken, wenn Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person haben

  • Sie können sich mit HIV anstecken, wenn Sie die gleiche Spritze wie eine infizierte Person benutzen

  • Kinder können sich mit HIV anstecken, wenn die Infektion von der Mutter während der Schwangerschaft, der Geburt oder des Stillens an sie übertragen wird

  • Sie können sich jedoch nicht mit HIV anstecken, wenn Sie eine Person mit HIV berühren, in die Arme nehmen oder sich in ihrer Nähe aufhalten

Was sind die Symptome einer HIV-Infektion?

Viele Infizierte weisen zunächst keine Symptome auf. Innerhalb von 1 bis 4 Wochen nach der Ansteckung mit HIV kommt es möglicherweise zu folgenden Symptomen:

  • Fieber

  • Ausschlag

  • Verdickte Stellen im Hals, unter den Armen oder in der Leistengegend – dabei handelt es sich um geschwollene Lymphknoten, die normalerweise winzig kleinen bohnenförmigen Organe, die dem Körper beim Kampf gegen Infektionen behilflich sind

  • Gefühl von Schwäche und Müdigkeit

Diese Symptome dauern 3 bis 14 Tage an. Nachdem sie abgeklungen sind, haben Sie möglicherweise jahrelang kaum oder gar keine Symptome.

Wenn Sie nicht behandelt werden, hat Ihr geschwächtes Immunsystem später jedoch Mühe, Sie vor Infektionen zu schützen. Je nachdem, welche Infektion Sie sich zugezogen haben, treten dann unterschiedliche Symptome auf. Wenn beispielsweise die Lunge infiziert ist, haben Sie möglicherweise Husten und Atemschwierigkeiten. Bei einer Infektion der Speiseröhre haben Sie möglicherweise Schmerzen beim Schlucken. Eine Infektion im Darm wiederum verursacht Durchfall und Gewichtsverlust.

Woran erkennt der Arzt eine HIV-Infektion?

Der Arzt führt zunächst einen einfachen Screeningtest mit Ihrem Blut oder Speichel durch. Wenn der Screeningtest Hinweise auf HIV ergibt, führt der Arzt zur Sicherheit weitere Bluttests durch.

Wenn Sie eine HIV-Infektion haben, misst der Arzt die Menge des HI-Virus in Ihrem Blut.

  • Diese Menge wird als Viruslast bezeichnet

Die Viruslast ist eine wichtige Zahl für Sie und Ihren Arzt. Eine hohe Viruslast ist schlecht. Das heißt, dass sich viele Viren in Ihrem Körper befinden und Ihr Immunsystem stark geschwächt ist. Eine niedrige Viruslast ist gut. Das heißt in der Regel, dass die Behandlung anschlägt.

Der Arzt führt zudem regelmäßig Bluttests durch, um festzustellen, wie viele CD4-Zellen Sie haben.

  • Das ist die sogenannte CD4-Zahl bzw. der CD4-Wert.

Ein hoher CD4-Wert bedeutet, dass Ihr Immunsystem stark ist. Ein niedriger CD4-Wert bedeutet, dass Ihr Immunsystem schwächer wird. Ein niedriger CD4-Wert kann bedeuten, dass Ihre Medikamente nicht mehr wirken oder dass Sie sie nicht einnehmen. Die Wirkung der Medikamente kann nachlassen, weil das Virus eine Resistenz gegen sie entwickelt hat. Wenn Ihr CD4-Wert sehr stark absinkt, müssen Sie möglicherweise Arzneimittel zur Vorbeugung von Infektionen einnehmen.

Es ist wichtig zu wissen, ob Sie eine HIV-Infektion haben, denn mit der entsprechenden Behandlung können Sie länger überleben, gesünder bleiben und das Virus nicht an andere Menschen weitergeben.

Wie wird eine HIV-Infektion behandelt?

Die HIV-Infektion kann nicht geheilt werden, aber der Arzt kann HIV-Medikamente, sogenannte antiretrovirale Arzneimittel, einsetzen, um die Infektion abzuschwächen:

  • Antiretrovirale Arzneimittel verhindern, dass sich das HIV kopiert, und senken die Menge an HIV in Ihrem Blut

  • Sie müssen in der Regel mindestens drei verschiedene HIV-Medikamente einnehmen, denn HIV-Medikamente wirken am besten, wenn sie kombiniert werden

  • Häufig werden mehrere Arzneimittel in einer Tablette kombiniert, damit sie nicht allzu viele Pillen schlucken müssen

  • HIV-Medikamente müssen das ganze Leben lang eingenommen werden

  • Wenn Sie die Medikamente auch nur kurzfristig nicht einnehmen, kann die HIV-Infektion wieder stärker werden

Wenn Sie Ihre Medikamente genau nach den ärztlichen Anweisungen einnehmen, können Sie auch mit einer HIV-Infektion ein langes Leben führen.

Der Arzt kann Ihnen noch andere Medikamente für folgende Zwecke verordnen:

  • Vorbeugung anderer Infektionen wie Soor und Lungenentzündung

  • Unterstützung gegen Nebenwirkungen wie Schwäche und Gewichtsverlust

Stellen Sie sicher, dass all Ihre Ärzte wissen, welche HIV-Medikamente Sie einnehmen, bevor sie Ihnen weitere Arzneimittel verschreiben.

Wie kann ich einer HIV-Infektion vorbeugen?

Sie können einer HIV-Infektion vorbeugen, indem Sie sich beim Geschlechtsverkehr schützen und keine Spritzen mit anderen teilen.

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr ein Latexkondom und wenden Sie das Kondom richtig an, sodass es dicht ist und nicht aufreißen kann

  • Verwenden Sie keine Vaseline oder sonstige Gleitmittel auf Ölbasis zusammen mit Kondomen, da diese dadurch angegriffen werden können

  • Lassen Sie sich auf HIV testen und bitten Sie Ihren Partner, sich ebenfalls testen zu lassen, bevor Sie sich auf Geschlechtsverkehr einlassen

  • Teilen Sie Nadeln oder Spritzen mit niemandem

  • Tragen Sie Schutzhandschuhe aus Latex, wenn Sie in Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten einer anderen Person kommen könnten

  • Lassen Sie sich auf HIV testen, wenn Sie schwanger sind, damit Ihr Arzt Ihnen Medikamente verabreichen kann, die verhindern, dass Ihr Baby sich ansteckt

Sie können auch HIV-Medikamente einnehmen, bevor Sie dem HI-Virus ausgesetzt sind. Dies wird als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bezeichnet. Diese Medikamente sind jedoch teuer und werden in der Regel nur an Personen mit einem hohen Infektionsrisiko abgegeben, wie z. B. Personen, deren Partner HIV haben.

Wenn Sie bereits HIV haben, können Sie die Ausbreitung der Infektion auf andere Menschen verhindern, indem Sie nur geschützten Geschlechtsverkehr praktizieren und keine Spritzen mit anderen teilen.

Es gibt noch keinen Impfstoff zur Prävention der HIV-Infektion.

Wo kann ich mehr über HIV erfahren?

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN