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Infektiöse Arthritis

(Septische Arthritis)

Von

Steven Schmitt

, MD, Cleveland Clinic Lerner College of Medicine at Case Western Reserve University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2019| Inhalt zuletzt geändert Jan 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Bei einer infektiösen Arthritis sind die Flüssigkeit und das Gewebe eines Gelenks entzündet. Sie wird meist durch Bakterien, gelegentlich auch durch Viren oder Pilze verursacht.

  • Bakterien, Viren und Pilze gelangen über die Blutbahn oder aus umliegendem infiziertem Gewebe in den Knochen und verursachen dort eine Infektion.

  • Innerhalb weniger Stunden oder Tagen kommt es zu Schmerzen, Schwellungen und Fieber.

  • Gelenkflüssigkeit wird mit einer Nadel entnommen und untersucht.

  • Es werden unverzüglich Antibiotika verabreicht.

Es gibt zwei Arten der infektiösen Arthritis:

  • Akut

  • Chronisch

Akute infektiöse Arthritis

Eine akute infektiöse Arthritis, die durch Bakterien verursacht wird, entwickelt sich sehr rasch. Die meisten Fälle einer infektiösen Arthritis sind akut. Die akute infektiöse Arthritis kann sowohl gesunde Menschen als auch Menschen mit Risikofaktoren betreffen. Die für die normale Funktionstüchtigkeit des Gelenks erforderliche Knorpelmasse kann innerhalb von Stunden oder Tagen zerstört werden.

Manchmal sind auch Personen mit einer Infektion außerhalb der Knochen und Gelenke, z. B. der Geschlechts- oder Verdauungsorgane, von einer Arthritis betroffen. Bei dieser Art der Arthritis handelt es sich um eine Reaktion auf diese Infektion, weshalb sie auch reaktive Arthritis genannt wird. Bei einer reaktiven Arthritis ist das Gelenk entzündet, aber nicht wirklich infiziert.

Chronische infektiöse Arthritis

Die chronische infektiöse Arthritis entwickelt sich langsam über mehrere Wochen hinweg. Nur sehr wenige Fälle mit infektiöser Arthritis sind chronisch. Die chronische infektiöse Arthritis betrifft am häufigsten Menschen mit Risikofaktoren.

Am häufigsten sind Knie-, Schulter-, Hand-, Hüft- und Ellenbogengelenk sowie die Fingergelenke befallen. Bei einer Infektion durch Bakterien, Pilze und Mykobakterien ist zumeist nur ein Gelenk betroffen, und nur selten mehrere. Der Auslöser der Lyme-Borreliose z. B. führt häufig zu einer Infektion der Kniegelenke. Gonorrhö verursachende Bakterien (Gonokokken), Viren (wie Hepatitis) und gelegentlich einige andere Bakterien können einige oder viele Gelenke gleichzeitig befallen.

Ursachen

Die für die Infektion verantwortlichen Organismen, vor allem Bakterien, gelangen zumeist aus einer Infektion des umliegenden Gewebes (z. B. Osteomyelitis oder eine infizierte Wunde) oder über die Blutbahn in das Gelenk. Die Infektion des Gelenks kann direkt durch eine Kontamination während einer Operation, durch eine Injektion oder eine Verletzung (z. B. Bisswunden von Menschen oder Hunde-, Katzen- oder Rattenbisse) erfolgen.

Akute infektiöse Arthritis

Die akute infektiöse Arthritis wird in der Regel von Bakterien und Viren ausgelöst.

Viele Bakterien können Auslöser sein. Welches Bakterium die akute infektiöse Arthritis tatsächlich auslöst, hängt vom Alter einer Person ab.

Spirochäten (schraubenförmige Bakterien), wie die Erreger der Lyme-Krankheit und Syphilis, können Gelenke befallen.

Viren wie HIV, Parvoviren und die Erreger von Röteln, Mumps, Hepatitis B und Hepatitis C können die Gelenke von Menschen in jedem Alter befallen.

Infektiöse Arthritis kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Bei den meisten erkrankten Kindern liegen keine erkennbaren Risikofaktoren vor.

Zu den Risikofaktoren für akute infektiöse Arthritis gehören:

  • Frühere Erkrankung an einer Gelenkinfektion

  • Künstliches Gelenk oder Gelenkoperation

  • Verwendung von Nadeln zur Injektion von Drogen

  • Chronische Erkrankungen (wie Diabetes, Lupus und chronische Lungen- oder Lebererkrankungen)

  • Fortgeschrittenes Alter

  • Verhalten, das das Risiko einer Geschlechtskrankheit erhöht (wie Geschlechtsverkehr mit mehreren Partnern und ohne Kondom)

  • Krankheiten, die fortlaufende Gelenkschäden verursachen (einschließlich rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis und durch Verletzungen verursachte Arthritis)

  • Infektion, die in die Blutbahn gelangt (Bakteriämie)

  • Dialyse-Patienten

  • Hautinfektionen

Bei Patienten mit einer Lungenentzündung oder Sepsis (Blutvergiftung) können sich Bakterien in einem oder mehreren Gelenken ablagern, was zu einer infektiösen Arthritis führen kann.

Bei Kindern ohne Risikofaktoren kann es zu einer akuten infektiösen Arthritis kommen. Etwa 50 % der betroffenen Kinder erkranken vor dem 3. Lebensjahr. Routinemäßige Impfungen der Kinder gegen Haemophilus influenzae und Streptococcus pneumoniae können das Risiko für diese Altersgruppe jedoch deutlich senken.

Chronische infektiöse Arthritis

Die chronische infektiöse Arthritis wird normalerweise durch Mycobacterium tuberculosis (dem Hauptauslöser der Tuberkulose), Pilze oder Bakterien verursacht.

Zu den Risikofaktoren für chronische infektiöse Arthritis gehören:

Wussten Sie ...

  • Patienten mit chronischer Arthritis, wie der rheumatoiden Arthritis, und plötzlich auftretenden Schmerzen und Schwellungen in einem Gelenk sollten unverzüglich einen Arzt konsultieren, da es sich hier auch ohne Fieber um eine Infektion handeln kann.

Symptome

Bei der akuten infektiösen Arthritis treten die Symptome gewöhnlich nach wenigen Stunden oder Tagen auf. Das infizierte Gelenk schmerzt normalerweise sehr stark und wird rot und warm. Bewegungen und Berührungen sind sehr schmerzhaft. Im Gelenk sammelt sich Flüssigkeit, wodurch es anschwillt und steif wird. Außerdem können Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Gonokokkenarthritis verursacht normalerweise weniger starke Symptome. Die Patienten haben in der Regel 5 bis 7 Tage lang Fieber. Bei den Betroffenen können Blasen, Beulen, Geschwüre und ein Ausschlag auf der Haut oder Geschwüre an Mund oder Genitalien und dem Oberkörper, den Händen oder Beinen auftreten. Der Schmerz kann von einem Gelenk zum anderen wandern, bevor ein Gelenk anschwillt und berührungsempfindlich wird. Die Sehnen können sich entzünden.

Säuglinge und Kleinkinder, die noch nicht sprechen können, halten das betroffene Gelenk häufig ruhig, sind reizbar, verweigern das Essen und haben Fieber oder nicht. Kleine Kinder mit entzündeten Hüft- oder Kniegelenken weigern sich meist zu gehen.

Bei einer chronischen infektiösen Arthritis, kommt es meist zu einer allmählichen Schwellung, leichter Erwärmung, minimaler oder keiner Rötung des Gelenkbereichs und leichten Schmerzen, die geringer sein können als bei einer akuten infektiösen Arthritis. Normalerweise ist nur ein Gelenk betroffen.

Je nach Auslöser der infektiösen Arthritis können andere Symptome auftreten, z. B. Symptome der Lyme-Borreliose oder geschwollene Lymphknoten bei einer infizierten Bisswunde.

Diagnose

  • Analyse und Kultur der Gelenkflüssigkeit

  • Bluttests

  • Mitunter Auswurf, Rückenmarksflüssigkeit und Urintests

  • Mitunter Röntgenuntersuchung, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschall

Bei einer schweren oder unerklärlichen Arthritis oder bei Personen mit anderen, für eine infektiöse Arthritis typischen Symptomen wird zumeist von einer infektiösen Arthritis ausgegangen.

In der Regel wird sobald wie möglich mit einer Nadel etwas Gelenkflüssigkeit entnommen (diesen Vorgang bezeichnet man als Gelenkpunktion oder Arthrozentese). Sie wird auf eine erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen, Bakterien und andere Organismen untersucht. Im Labor können die Erreger in der Gelenkflüssigkeit vermehrt und so bestimmt werden (Kultur), außer wenn der Patient kürzlich Antibiotika eingenommen hat. Die Erreger von Tripper, Lyme-Borreliose und Syphilis sind allerdings in der Gelenkflüssigkeit nur schwer auszumachen. Werden Bakterienkulturen angelegt, testet das Labor, welches Antibiotikum am besten wirkt.

Meist wird auch das Blut untersucht, weil sich die Erreger, die Gelenkentzündungen verursachen, häufig im Blut wiederfinden. Auch in Auswurf, Rückenmarkflüssigkeit und Urin können die Erreger bestimmt werden, um die Infektionsquelle zu finden und um festzustellen, ob die Infektion in einem anderen Bereich ist.

Wenn der Verdacht besteht, dass die infektiöse Arthritis durch Gonokokken ausgelöst wird, werden auch Proben aus der Harnröhre, dem Gebärmutterhals, dem Rektum und dem Rachen entnommen. Da viele Menschen mit Gonorrhö auch an einer Chlamydien-Infektion (einer weiteren Geschlechtskrankheit) leiden, werden Tests für eine solche Infektion der Genitalien durchgeführt.

Um die Bakterien leichter zu erkennen und zu identifizieren, kann der Arzt die Gelenkflüssigkeit mittels Polymerase-Kettenreaktion (ein Nukleinsäureamplifikationstest [NAT]) analysieren, um so die DNA von Gonokokken und Mykobakterien festzustellen.

Es können auch Röntgenaufnahmen des betroffenen Gelenks gemacht werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Wenn das Gelenk nur schwer zu untersuchen oder zu punktieren ist, kann auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) weiterhelfen. Mit MRT und Ultraschall lassen sich Flüssigkeits- oder Eiteransammlungen (Abszesse) erkennen.

Prognose

Eine durch nicht-gonorrhoische Bakterien ausgelöste infektiöse Arthritis kann die Gelenkknorpel innerhalb von Stunden oder Tagen nachhaltig zerstören.

Eine infektiöse Arthritis durch gonorrhoische Bakterien führt in der Regel nicht zu dauerhaften Gelenkschäden.

Bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis erlangt das betroffene Gelenk normalerweise nicht wieder die vollständige Beweglichkeit und das Sterblichkeitsrisiko ist höher.

Behandlung

  • Antibiotika oder Pilzmittel

  • Entfernung des Eiters

  • Schienen des Gelenks, gefolgt von Physiotherapie

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können Schmerzen, Entzündungen und Fieber lindern.

Antibiotika

Wenn Verdacht auf eine Infektion besteht, müssen unverzüglich Antibiotika verordnet werden, noch vor der Bestimmung der Erreger in Labortests. Bis zur Bestimmung des Erregers – bis zu 48 Stunden nach Anlegen der Kultur – werden die Antibiotika verabreicht, die den Erreger am wahrscheinlichsten abtöten. Anfangs werden die Antibiotika intravenös (in eine Vene) verabreicht, damit eine ausreichende Menge das befallene Gelenk erreicht.

Schlägt die Behandlung an, zeigt sich innerhalb von 48 Stunden eine Besserung. Nach Erhalt der Laborergebnisse muss das Antibiotikum, je nach Ansprechen des spezifischen Erregers auf bestimmte Antibiotika, entsprechend angepasst werden. Über 2 bis 4 Wochen werden intravenös Antibiotika verabreicht. Danach werden für weitere 2 bis 6 Wochen hoch dosierte Antibiotika oral eingenommen.

Wenn eine Infektion länger anhält und auch nach Einnahme herkömmlicher Antibiotika nicht abklingt, sind die Auslöser zumeist Mykobakterien oder Pilze. Pilzinfektionen werden mit Antipilzmitteln bekämpft. Bei Infektionen durch Mykobakterien wird eine Antibiotikakombination eingesetzt. Die Behandlung von Infektionen durch Pilze und Mykobakterien ist langwierig.

Virale Infektionen bessern sich für gewöhnlich auch ohne Einnahme von Antibiotika.

Entfernung des Eiters

Der Arzt saugt oftmals Eiter mit einer Nadel ab (Aspiration), um einen Abszess zu vermeiden, der das Gelenk schädigen und mit Antibiotika schwerer zu behandeln sein könnte. Ist dieses Vorgehen schwierig (z. B. bei einem Hüftgelenk) oder erfolglos, kann unter Umständen eine Arthroskopie (Einführung einer kleinen Sonde zur direkten Untersuchung des Gelenkinneren) oder eine Operation erforderlich sein, um das Gelenk zu drainieren (d. h., um den Eiter des Gelenks abzusagen). Eine Aspiration muss häufig mehrmals erfolgen. Manchmal wird ein Drainageröhrchen eingeführt, um den Eiter abzulassen.

Schiene und Physiotherapie

In den ersten Tagen der Infektion wird das Gelenk geschient, um es ruhigzustellen und die Schmerzen zu lindern, aber zur Stärkung der Muskeln und zur Vermeidung von Versteifungen und dauerhaften Funktionsverlusten ist auch eine Physiotherapie erforderlich.

Weitere Informationen

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