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Staphylococcus-aureus -Infektionen

(Staphylokokken-Infektionen)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Das Bakterium Staphylococcus aureus ist die gefährlichste der zahlreichen Arten von Staphylokokken. Dieses grampositive kugelförmige Bakterium (siehe Abbildung Wie Bakterien sich entwickeln) verursacht oftmals Hautinfektionen, kann aber auch Lungenentzündungen, Infektionen der Herzklappen und Knocheninfektionen auslösen.

  • Übertragen werden die Bakterien durch direkten Kontakt mit Infizierten, durch Verwendung kontaminierter Gegenstände oder durch Tröpfcheninfektionen beim Niesen oder Husten.

  • Häufig kommt es zu Infektionen der Haut, doch können die Bakterien auch in die Blutbahn eindringen und entfernte Organe befallen.

  • Hautinfektionen können Blasen, Abszesse, Rötungen und Schwellungen an den infizierten Stellen hervorrufen.

  • Die Diagnose beruht auf der Erscheinungsform der Haut oder der Ermittlung der in einer Probe aus infiziertem Gewebe gefundenen Bakterien.

  • Durch sorgfältiges Händewaschen kann eine Ausbreitung der Infektion verhindert werden.

  • Es werden Antibiotika gewählt, bei denen eine Wirkung gegen diesen Bakterienstamm wahrscheinlich ist.

Staphylococcus aureus kommt bei etwa 30 Prozent der gesunden Erwachsenen in der Nase (in der Regel zeitweise) und bei etwa 20 Prozent auf der Haut vor. Bei Krankenhauspatienten oder Beschäftigten im Krankenhaus sind diese Zahlen höher.

Übertragen werden können die Bakterien durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, durch Anfassen kontaminierter Gegenstände (wie beispielsweise Sportgeräte, Telefone, Türgriffe, Fernbedienungen oder Fahrstuhlknöpfe) oder seltener durch Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten.

Personen, welche die Bakterien in sich tragen, jedoch keine Symptome aufweisen, werden als Träger bezeichnet. Aus der Nase von Trägern können die Bakterien beispielsweise über die Hände zu anderen Körperregionen gelangen, was manchmal zu Infektionen führen kann. Bei Krankenhauspatienten oder Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie Träger sind.

Arten von Staphylokokken-Infektionen

Durch Staphylococcus aureus hervorgerufene Infektionen reichen von leichten bis zu lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Die häufigsten Staphylokokken-Infektionen:

  • Hautinfektionen, die oft Abszesse hervorrufen

Die Bakterien können aber auch in die Blutbahn gelangen (sogenannte Bakteriämie) und fast jeden anderen Körperbereich befallen, insbesondere Herzklappen (Endokarditis) und Knochen (Osteomyelitis).

Außerdem neigen die Bakterien dazu, sich an Implantaten im Körper anzusammeln, beispielsweise an künstlichen Herzklappen oder Gelenken, an Herzschrittmachern und Kathetern, die durch die Haut in Blutgefäße eingeführt werden.

In bestimmten Situationen treten bestimmte Staphylokokken-Infektionen vermehrt auf:

  • Infektionen des Blutkreislaufs: Wenn ein Katheter über längere Zeit in einer Vene verbleibt

  • Endokarditis: Wenn illegale Drogen gespritzt werden, eine künstliche Herzklappe vorhanden ist oder ein infizierter Katheter in eine Vene gelegt wird

  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung): Wenn Staphylococcus-aureus-Bakterien von einer Infektion des Blutkreislaufs oder von nahe gelegenem Weichgewebe aus die Knochen befallen, was bei Druck- oder Fußgeschwüren aufgrund von Diabetes der Fall sein kann

  • Lungenentzündung (Pneumonie): Tritt (insbesondere) nach einer Grippe oder einer Infektion des Blutkreislaufs, bei Einnahme von Kortikosteroiden oder Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva) oder bei Krankenhauspatienten, die eine Luftröhrenintubation und künstliche Beatmung benötigen, auf (sogenannte nosokomiale Pneumonie)

Toxine von Staphylokokken

Es gibt viele Stämme von Staphylococcus aureus. Manche Stämme produzieren Toxine, die eine Lebensmittelvergiftung durch Staphylokokken, toxisches Schocksyndrom sowie das staphilogene Lyell-Syndrom hervorrufen können.

Ein toxisches Schocksyndrom kann auch durch Toxine ausgelöst werden, die von gewissen Streptokokken produziert werden. Dieses Syndrom verursacht schnell fortschreitende und schwere Symptome, die Fieber, Ausschlag, gefährlich niedrigen Blutdruck und mehrfaches Organversagen umfassen.

Risikofaktoren für Staphylokokken-Infektionen

Unter bestimmten Bedingungen erhöht sich das Risiko einer Staphylokokken-Infektion:

Bei Antibiotikaresistenz

Viele Stämme haben eine Resistenz gegen die Wirkung von Antibiotika entwickelt. Wenn Träger Antibiotika einnehmen, töten diese die nicht resistenten Stämme, wodurch die resistenten Stämme übrig bleiben. Diese Bakterien können sich dann vermehren, und wenn diese eine Infektion hervorrufen, ist die Behandlung schwieriger.

Ob und gegen welche Art von Antibiotika die Bakterien resistent sind, hängt oft davon ab, wo sich die Betroffenen angesteckt haben: in einem Krankenhaus oder einer anderen Gesundheitseinrichtung oder außerhalb solcher Einrichtungen.

Methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

Da in Krankenhäusern vielfach Antibiotika verabreicht werden, sind Krankenhausmitarbeiter oft Träger resistenter Stämme. Wenn sich die Betroffenen in einer Gesundheitseinrichtung anstecken, sind die Bakterien normalerweise gegen mehrere Arten von Antibiotika resistent, einschließlich fast aller Antibiotika, die mit Penicillin verwandt sind (sogenannte Beta-Lactam-Antibiotika). Bakterienstämme, die gegen Beta-Lactam-Antibiotika resistent sind, werden als methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA) bezeichnet. Methicillin ist eine Art Penicillin.

MRSA-Stämme kommen häufig vor, wenn die Infektion in einer Gesundheitseinrichtung erfolgt ist (sogenannte nosokomiale Infektion). Außerdem verursachen einige MRSA-Stämme, die außerhalb von Gesundheitseinrichtungen erworben wurden (sogenannte ambulante Infektion), auch Infektionen wie beispielsweise leichte Abszesse und Hautinfektionen. Die Anzahl solcher ambulanter Infektionen steigt.

Wussten Sie ...

  • Die Behandlung von Staphylokokken-Infektionen kann sich schwierig gestalten, weil viele dieser Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben.

Symptome

Zu den von Staphylococcus aureus hervorgerufenen Hautinfektionen zählen Folgende:

  • Follikulitis ist die leichteste Infektion. Hierbei ist eine Haarwurzel (Follikel) befallen, wodurch ein etwas schmerzhafter kleiner Pickel an dieser Stelle entsteht.

  • Impetigo besteht aus flachen, mit Flüssigkeit gefüllten Blasen, die platzen und honigfarbene Krusten hinterlassen. Impetigo kann jucken oder wehtun.

  • Abszesse (Eiterbeulen oder Furunkel) sind warme, schmerzhafte Eiteransammlungen direkt unter der Haut.

  • Zellulitis ist eine Infektion der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Zellulitis breitet sich aus und verursacht Schmerzen sowie Rötungen.

  • Toxische epidermale Nekrolyse und das staphilogene Lyell-Syndrom bei Neugeborenen sind schwerwiegende Infektionen. Beide Infektionen führen zu einem großflächigen Abschälen der Haut.

Einige Hautinfektionen durch Staphylococcus aureus

Alle durch Staphylokokken hervorgerufenen Hautinfektionen sind höchst ansteckend.

Etwa 1 bis 4 Wochen nach einer Entbindung können Brustinfektionen (Mastitis) in Verbindung mit Zellulitis und Abszessen auftreten. Der Bereich um die Brustwarze ist gerötet und tut weh. Durch Abszesse gelangen oft größere Mengen an Bakterien in die Muttermilch. Dadurch kann das zu stillende Kind infiziert werden.

Eine Lungenentzündung führt oft zu hohem Fieber, Atemnot und Husten, dessen Auswurf Blut enthalten kann. Es kann zu Abszessen in der Lunge kommen. Manchmal vergrößern sich diese und befallen die Membranen um die Lunge herum. In anderen Fällen sammelt sich Eiter an (sogenanntes Empyem). Durch diese Beschwerden wird die Atmung erschwert.

Bei Menschen mit schweren Verbrennungen ist Blutvergiftung eine häufige Todesursache. Üblicherweise umfassen die Symptome anhaltend hohes Fieber und manchmal einen Kreislaufschock.

Eine Endokarditis kann zu einer schnellen Schädigung der Herzklappen führen, was zu Herzversagen (mit Schwierigkeiten beim Atmen) und möglicherweise zum Tod führen kann.

Osteomyelitis verursacht Schüttelfrost, Fieber und Schmerzen in den Knochen. Haut und Weichgewebe über dem infizierten Knochen werden rot und schwellen an, und in den benachbarten Gelenken kann es zur Ansammlung von Flüssigkeit kommen.

Diagnose

  • Bei Hautinfektionen ärztliche Untersuchung

  • Bei anderen Infektionen Kultur von Blut oder infizierten Körperflüssigkeiten

Staphylokokken-Infektionen der Haut werden gewöhnlich aufgrund ihrer Erscheinungsform diagnostiziert.

Andere Infektionen erfordern Blutproben oder Proben infizierter Flüssigkeiten, die ins Labor geschickt werden, um Bakterienkulturen anzulegen und die Bakterien zu identifizieren und zu testen. Die Laborergebnisse bestätigen die Diagnose und es wird bestimmt, welche Antibiotika die Staphylokokken abtöten können (sogenannte Resistenzprüfung).

Wenn eine Osteomyelitis vermutet wird, wird eine Röntgenuntersuchung, eine Computertomographie (CT), eine Magnetresonanztomographie (MRT), ein Knochenszintigramm mit einem Radionuklid oder eine Kombination dieser Untersuchungsmethoden durchgeführt. Durch diese Untersuchungen kann festgestellt werden, wo sich der Schaden befindet und wie schwer er ist. Eine Knochenbiopsie wird vorgenommen, um eine Probe für Untersuchungszwecke zu gewinnen. Diese Probe kann mithilfe einer Nadel oder bei einem chirurgischen Eingriff entnommen werden.

Vorbeugung

Eine Übertragung dieser Bakterien kann verhindert werden, indem man sich die Hände gründlich mit Wasser und Seife wäscht oder eine Handdesinfektionslösung auf Alkoholbasis benutzt.

Einige Ärzte empfehlen das Auftragen des Antibiotikums Mupirocin in den Nasenlöchern, um Staphylokokken in der Nase zu beseitigen. Da jedoch ein übermäßiger Gebrauch von Mupirocin zu einer Mupirocinresistenz führen kann, wird dieses Antibiotikum nur verwendet, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Infektion besonders hoch ist. Beispielsweise wird es Patienten vor bestimmten Operationen oder Menschen, die in einem Haushalt mit einer übertragbaren Hautinfektion leben, verabreicht.

Wenn sich Staphylokokken-Träger bestimmten chirurgischen Eingriffen unterziehen müssen, werden sie vor der Operation häufig mit einem Antibiotikum behandelt.

Personen mit einer Staphylokokken-Hautinfektion sollten keine Lebensmittel handhaben.

In manchen Gesundheitsversorgungseinrichtungen werden Patienten bei der Einlieferung routinemäßig auf MRSA untersucht. Andere Einrichtungen untersuchen nur solche Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für MRSA-Infektionen besteht, beispielsweise Patienten, bei denen bestimmte Arten von Operationen anstehen. Das Screening besteht aus der Untersuchung einer Abstrichprobe aus der Nase, die mithilfe eines Wattestäbchens gewonnen wird. Bei einem Nachweis von MRSA-Stämmen werden die betreffenden Personen isoliert, um ein Ausbreiten der Bakterien zu verhindern.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Mitunter chirurgische Entfernung von infizierten Knochen und/oder Fremdmaterial

Durch Staphylococcus aureus hervorgerufene Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Die Ärzte versuchen zu bestimmen, ob die Bakterien gegen Antibiotika resistent sind und, wenn ja, gegen welche Art von Antibiotika.

In einem Krankenhaus erworbene Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, die gegen MRSA wirksam sind. Dazu gehören Vancomycin, Linezolid, Tedizolid, Quinupristin plus Dalfopristin, Ceftarolin, Telavancin und Daptomycin. Wenn die Untersuchungsergebnisse später darauf hinweisen, dass der Stamm auf Methicillin empfindlich reagiert und der Patient nicht gegen Penicillin allergisch ist, wird ein mit Methicillin verwandtes Medikament wie Nafcillin oder Oxacillin verabreicht. Abhängig von der Schwere der Infektion werden Antibiotika möglicherweise über mehrere Wochen verabreicht.

Die Ansteckung mit einer MRSA-Infektion kann außerhalb einer Gesundheitseinrichtung erfolgen. Außerhalb von Gesundheitseinrichtungen erworbene MRSA-Stämme reagieren gewöhnlich empfindlich auf andere Antibiotika, wie z. B. Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Clindamycin, Minocyclin oder Doxycyclin, und ebenso auf Antibiotika, die zur Behandlung von im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen verabreicht werden.

Durch MRSA hervorgerufene leichte Hautinfektionen wie Follikulitis, werden in der Regel mit einer Salbe behandelt, die Bacitracin, Neomycin und Polymyxin B (nicht verschreibungspflichtig) oder Mupirocin (verschreibungspflichtig) enthält. Wenn mehr als eine Salbe erforderlich ist, werden gegen MRSA wirksame Antibiotika in Tablettenform oder intravenös verabreicht. Welches Antibiotikum zum Einsatz kommt, hängt von der Schwere der Infektion und den Ergebnissen der Resistenzprüfung ab.

Betrifft eine Infektion Knochen oder im Körper befindliche Fremdkörper (wie Herzschrittmacher, künstliche Herzklappen und Gelenke sowie transplantierte Blutgefäße), wird manchmal zusätzlich zur Antibiotikakur Rifampin und möglicherweise ein weiteres Antibiotikum verabreicht. Normalerweise müssen infizierte Knochen oder Fremdkörper operativ entfernt werden, damit die Infektion heilen kann.

Etwaige Abszesse werden gewöhnlich entleert.

Weitere Staphylokokken-Infektionen

Staphylococcus aureus produziert das Enzym Koagulase. Andere Spezies der Staphylokokken, die dieses Enzym nicht produzieren, werden als koagulasenegativ bezeichnet. Diese Bakterien finden sich normalerweise bei allen gesunden Menschen auf der Haut.

Auch wenn sie weniger gefährlich sind als Staphylococcus aureus, können diese Bakterien schwere Infektionen hervorrufen, was gewöhnlich der Fall ist, wenn diese im Krankenhaus erworben wurden. Die Bakterien können Katheter, die über die Haut in Blutgefäßen angelegt werden oder implantierte medizinische Geräte (wie Herzschrittmacher oder künstliche Herzklappen und Gelenke) infizieren.

Oft sind diese Bakterien gegen viele Arten von Antibiotika resistent. Vancomycin, das gegen viele resistente Bakterien wirksam ist, wird manchmal gemeinsam mit Rifampin verabreicht. Oft müssen infizierte medizinische Geräte entfernt werden.

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