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Tularämie

(Hasenpest; Lemmingfieber)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Tularämie (Hasenpest) ist eine Infektion, die durch das gramnegative BakteriumFrancisella tularensis hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Wildtieren, meistens Kaninchen, oder durch den Biss/Stich einer infizierten Zecke, einer Goldaugenbremse oder eines Flohs.

  • Der Umgang mit Tierkadavern, ein Zeckenbiss, das Einatmen kontaminierter zerstäubter Partikel oder der Verzehr bzw. das Trinken von kontaminiertem Material kann diese Infektion hervorrufen.

  • Symptome können Fieber, Geschwüre und geschwollene Lymphknoten umfassen.

  • Aus Gewebe- oder Blutproben angelegte Kulturen können bei der Diagnosefindung behilflich sein.

  • Die Verabreichung von Antibiotika in Injektionsform ist fast immer wirksam.

  • Verhindert werden kann das Risiko von Tularämie durch Vermeidung von Zeckenbissen, vorsichtigen Umgang mit Tierkadavern und der Desinfektion von Wasser.

Übertragung

Francisella tularensis kommt normalerweise bei Tieren, insbesondere bei Nagetieren, Kaninchen und Hasen, vor. Wilde Tiere und Haustiere können Träger der Bakterien sein.

Menschen können sich auf folgende Weise anstecken:

  • Durch den Umgang mit Tierkadavern (beispielsweise wenn Jäger Hasen häuten oder wenn Fleischer, Landwirte, Pelzhändler und Laboranten Kontakt mit Tieren oder tierischen Produkten haben)

  • Durch den Biss infizierter Zecken, Goldaugenbremsen, Flöhe oder anderer Insekten, die gewöhnlich im Sommer vorkommen (besonders bei Kindern)

  • Durch den Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel (wie nicht durchgegartes Kaninchenfleisch) oder das Trinken von unsauberem Wasser

  • Durch das Einatmen von Schwebstoffpartikeln, welche die Bakterien enthalten (beispielsweise beim Rasenmähen, wenn der Rasenmäher über ein totes infiziertes Tier mäht, oder bei der Arbeit mit den Bakterien im Labor)

Francisella tularensis stellt eine potenzielle biologische Waffe dar. Es kann sich durch die Luft ausbreiten und wird eingeatmet. Die Größe des Schwebstoffpartikels bestimmt, in welchem Teil der Atemwege sich die Bakterien niederlassen. Kleine Partikel, die sich in der Lunge absetzen, verursachen eine Lungenentzündung. Größere Partikel setzen sich im Rachen ab. Partikel können sich auch in den Augen absetzen.

Tularämie wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Ausbreitung über die Blutbahn

Die Infektion kann sich über die Blutbahn ausbreiten und folgende Strukturen infizieren:

  • Die Lunge (wo sie eine Lungenentzündung hervorruft)

  • Knochen

  • Die das Herz umgebende Membran (wo sie eine Perikarditis hervorruft)

  • Das Bauchfell (wo sie eine Bauchfellentzündung hervorruft)

  • Die Herzklappen (wo sie eine Endokarditis hervorruft)

  • Die Hirn- und Rückenmarkshäute (wo sie eine Meningitis hervorruft)

Manchmal kommt es zu Eiteransammlungen in der Lunge und dadurch zur Bildung von Abszessen.

Formen

Es gibt mehrere Formen von Tularämie.

Ulzeroglanduläre Form

Hierbei handelt es sich um die häufigste Form. An der Stelle, wo die Bakterien in die Haut eindringen, entwickeln sich offene schmerzhafte Geschwüre (Ulzera): durch eine Hautverletzung, in der Regel an Händen und Fingern, oder durch einen Zeckenbiss, gewöhnlich an der Leiste, in der Achselhöhle oder am Rumpf.

Die Bakterien ziehen zu den benachbarten Lymphknoten und verursachen schmerzhafte Schwellungen. Mitunter reißt die Haut im Bereich der Lymphknoten auf und es kann zu Eiterausfluss kommen.

Glanduläre Form

Die Lymphknoten schwellen schmerzhaft an, aber es entstehen keine Geschwüre auf der Haut.

Okuloglanduläre Form

Eines der Augen schwillt schmerzhaft an, es kommt zu Rötung und oft zu Eiterausfluss. Die nahen Lymphknoten schwellen schmerzhaft an.

Möglicherweise entsteht okuloglanduläre Tularämie durch Berührung des Auges mit infizierten Fingern oder durch Spritzer von verunreinigtem Wasser.

Oropharyngeale Form

Der Rachen ist entzündet und es kommt zu Schwellungen der Lymphknoten am Hals. Manche Betroffene leiden auch unter Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Oropharyngeale Tularämie wird meist durch den Verzehr von nicht durchgegartem, kontaminiertem Fleisch oder durch das Trinken von kontaminiertem Wasser hervorgerufen.

Typhöse Form

Es treten Schüttelfrost, hohes Fieber und Bauchschmerzen auf, jedoch entstehen keine Geschwüre und es kommt auch nicht zur Schwellung von Lymphknoten.

Typhöse Tularämie tritt bei einer Infektion der Blutbahn auf. Manchmal ist die Infektionsquelle unbekannt.

Lungenpest

Die Lunge ist infiziert. Viele Betroffene haben einen trockenen Husten, Atemnot und Schmerzen in der Brust. Ein Ausschlag kann auftreten.

Pneumonie durch Tularämie wird durch Einatmen der Bakterien oder durch Verbreitung der Bakterien über die Blutbahn in die Lunge hervorgerufen. Diese Form tritt bei 10 bis 15 Prozent der Patienten mit ulzeroglandulärer Tularämie und bei 50 Prozent der Patienten mit typhöser Tularämie auf.

Septikämische Pest

Diese seltene Form ist auch die schwerste. Es handelt sich um eine Erkrankung des gesamten Körpers, bei dem die Bakterien sich in der Blutbahn ausbreiten und Funktionsstörungen vieler Organe hervorrufen.

Der Blutdruck ist niedrig, die Lunge füllt sich mit Flüssigkeit, und die Gerinnungsfaktoren im Blut sind aufgebraucht, sodass es zu Blutungen kommt (disseminierte intravasale Koagulopathie).

Symptome

Verschiedene Formen der Tularämie betreffen unterschiedliche Teile des Körpers (z. B. Augen, Rachen oder Lunge) und rufen somit verschiedene Symptome hervor. Gewöhnlich treten die Symptome 2 bis 4 Tage nach dem Kontakt mit dem Bakterium auf, in manchen Fällen aber auch erst nach bis zu 10 Tagen.

Geschwüre können in der Nähe der Kratzwunden oder Bisse entstehen, an denen die Infektion begonnen hat. Die Lymphknoten in der Nähe der infizierten Stelle können schmerzhaft anschwellen. Es kann plötzliches Fieber von bis zu 40 °C in Verbindung mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen, starken Schweißausbrüchen und Muskelschmerzen auftreten. Die Betroffenen haben möglicherweise ein allgemeines Krankheitsgefühl und fühlen sich elend. Es können Erbrechen und Gewichtsverlust auftreten. Zu jeder Zeit können Hautausschläge auftreten.

Prognose

Bei entsprechender Behandlung erholen sich fast alle Patienten. Ohne Behandlung beträgt die Sterberate 6 Prozent bei Patienten mit ulzeroglandulärer Tularämie und bis zu 33 Prozent bei Patienten mit typhöser, pneumonischer oder septikämischer Tularämie. Der Tod tritt in der Regel infolge einer außer Kontrolle geratenen Infektion, Lungenentzündung, Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Infektionen der Schleimhäute in der Bauchhöhle (Bauchfellentzündung) ein.

Rückfälle sind sehr selten, können aber bei unzureichender Behandlung auftreten. Menschen, die Tularämie bereits gehabt haben, sind gegen diese Erkrankung immun.

Diagnose

  • Kultur und Untersuchung von Proben von Blut und/oder anderen infizierten Flüssigkeiten

Vermutet wird Tularämie bei Patienten mit plötzlichem Fieber, geschwollenen Lymphknoten und typischen Geschwüren nach Kontakt mit Zecken oder Goldaugenbremsen oder selbst nach leichtem Kontakt mit Kaninchen, Hasen oder Nagetieren.

Es werden Proben von infiziertem Material, wie Blut, Lymphflüssigkeit, Eiter aus Geschwüren oder Auswurf, entnommen. Diese werden in ein Labor geschickt, wo zur Identifizierung etwaiger Bakterien Kulturen angelegt werden. Das Blut kann auch auf entsprechende Antikörper untersucht werden.

Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kann verwendet werden, um die Menge an bakterieller DNS in der Probe zu erhöhen, sodass die Bakterien schneller nachgewiesen werden können.

Vorbeugung

Wenn Gebiete besucht werden, in denen Tularämie häufig vorkommt, sollten folgende Dinge beachtet werden:

  • Freiliegende Haut sollte mit einem Insektenschutzmittel, das 25 bis 30 Prozent Diethyltoluamid (DEET) enthält, eingeschmiert werden

  • Die Kleidung sollte mit einem permethrinhaltigen Insektenschutzmittel behandelt werden

  • Bei Spaziergängen in Waldgebieten auf Wegen oder Pfaden bleiben

  • In der Mitte der Pfade laufen, um Berührungen von Büschen und Gras zu vermeiden

  • Lange Hosen tragen und die Hosenbeine in Stiefel oder Strümpfe hineinstecken

  • Kleidung, Familienangehörige und Hauttiere sollten sorgfältig nach Zecken abgesucht werden

  • Unbehandeltes Wasser, das möglicherweise verunreinigt ist, sollte nicht getrunken werden, noch sollte darin gebadet, geschwommen oder gearbeitet werden

Das unmittelbare Absuchen nach Zecken kann die Infektion verhindern, da die Übertragung durch eine anhaftende Zecke gewöhnlich erst nach 4 Stunden geschieht. Zecken sollten sofort entfernt werden ( Vorbeugung gegen Zeckenbisse).

Beim Umgang mit Kaninchen, Hasen und Nagetieren sollte Schutzkleidung getragen werden (beispielsweise Gummihandschuhe und eine Gesichtsmaske), da Bakterien vorhanden sein können. Wildvögel und andere Wildtiere sollten vor dem Verzehr sorgfältig gekocht und zubereitet werden.

Zurzeit ist keine Impfung erhältlich, ein Impfstoff befindet sich aber in der Erforschung.

Nach Kontakt mit den Bakterien (beispielsweise nach einem Laborunfall) erhalten die Betroffenen Doxycyclin oder Ciprofloxacin, um einen Ausbruch der Infektion zu verhindern.

Behandlung

  • Antibiotika

Mit Tularämie Infizierte müssen nicht isoliert werden.

Tularämie wird in der Regel 7 bis 10 Tage lang mit intramuskulären Streptomycinspritzen behandelt. Es können auch Gentamycin, Chloramphenicol, Ciprofloxacin und Doxycyclin angewendet werden.

In seltenen Fällen müssen größere Abszesse operativ entleert werden.

Warme Kompressen für das betroffene Auge, dunkle Brillengläser und die Einnahme verordneter Augentropfen können hilfreich sein.

Patienten mit starken Kopfschmerzen werden in der Regel Schmerzmittel verordnet.

Weitere Informationen

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