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Überblick über Arbovirus-, Arenavirus- und Filovirus-Infektionen

Von

Thomas M. Yuill

, PhD, University of Wisconsin-Madison

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Arboviren, Arenaviren und Filoviren sind Viren, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Das beteiligte Tier hängt von der Art des Virus ab.

Viele dieser Infektionen verursachen keine Symptome. Symptome der meisten dieser Infektionen sind in der Regel mild und unauffällig und ähneln den Grippesymptomen. Mit fortschreitender Infektion können geschwollene Lymphknoten, Ausschläge und Gelenkschmerzen auftreten. Einige dieser Viren können das Gewebe, welches das Gehirn und Rückenmark bedeckt (Meningitis), oder das Gehirn selbst (Enzephalitis) infizieren. Manche verursachen Fieber mit Blutungsneigung (sogenanntes hämorrhagisches Fieber), was lebensbedrohlich sein kann.

Arboviren

Arbovirus ist eine Abkürzung für Arthropod-borne Virus. Als Arbovirus wird jedes Virus bezeichnet, das auf Menschen (oder Tiere) von bestimmten Gliederfüßern übertragen wird, die Blut saugen, also hauptsächlich Insekten (Fliegen und Stechmücken) und Zecken.

Arboviren werden übertragen, wenn ein Insekt oder eine Zecke ein infiziertes Tier oder eine infizierte Person und dann eine andere Person oder ein anderes Tier sticht. Die meisten Infektionen mit Arboviren werden nicht direkt von Person zu Person übertragen. Ausnahmen sind Dengue-Fieber, Gelbfieber, Zika-Virusinfektion und Chikungunya-Fieber, die durch Stechmücken von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Das Zika-Virus kann auch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. In seltenen Fällen werden Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren durch Bluttransfusionen oder Organspenden oder von der Mutter bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen.

Weltweit gibt es mehr als 250 Arboviren. Mindestens 80 verursachen Krankheiten bei Menschen.

Viele Arboviren, die früher nur in bestimmten Teilen der Welt vorkamen, breiten sich inzwischen aus. Zu diesen Viren zählen das Chikungunya-Virus, die Viruserreger des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers, der Japanischen Enzephalitis, des Rift-Valley-Fiebers und des West-Nil-Fiebers sowie das Ross-River-Virus und das Zika-Virus. Diese Viren verbreiten sich zum Teil deshalb, weil der Klimawandel dazu geführt hat, dass die Stechmücken, welche die Viren übertragen, in mehr Gebieten überleben können. Wo das Virus weit verbreitet ist, kann es auch zur Infektion von Reisenden kommen, die dann nach Hause fahren und dort von einer Stechmücke gestochen werden, die das Virus wiederum auf andere Personen überträgt.

Das Chikungunya-Virus wird durch eine bestimmte Art von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen. Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika, hat sich aber inzwischen bis in die Karibik und bis nach Mittel-, Süd- und Nordamerika ausgebreitet. Typisch für eine Infektion mit dem Chikungunya-Virus sind Fieber und starke Gelenkschmerzen, oft in Händen und Füßen. Es können auch Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschwellungen oder ein Ausschlag auftreten. Die meisten Betroffenen fühlen sich innerhalb von einer Woche wieder besser.

Arenaviren

Arenaviren werden von Nagetieren übertragen. Infektionen, die durch diese Viren verursacht werden, umfassen lymphozytäre Choriomeningitis, Lassa-Fieber und argentinisches hämorrhagisches Fieber (durch das Junin-Virus verursacht). Das Lassa-Fieber kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Arenavirus-Infektionen kommen in einigen Gegenden der Welt relativ häufig vor und können schwere Erkrankungen verursachen.

Filoviren

Filoviren können schweres hämorrhagisches Fieber bei Menschen und anderen Primaten (z. B. Menschenaffen und Affen) auslösen. Bisher wurden nur zwei Mitglieder dieser Virusgruppe identifiziert:

Es wurde bisher nicht festgestellt, wie sich diese Viren auf die Menschen ausbreiten. Experten gehen aber davon aus, dass die erste Übertragung der Viren auf einen Menschen durch Berührung oder Verzehr eines infizierten Tieres erfolgte, wie z. B. eine Fledermaus oder ein Primat. Diese Viren verbreiten sich leicht von Mensch zu Mensch.

Diagnose

  • Bluttests

  • Kulturen von Blutproben oder Proben von infiziertem Gewebe

Zur Diagnose dieser Infektionen können Bluttests durchgeführt und Kulturen angelegt werden. Das Blut kann zudem auf entsprechende Antikörper gegen oder Antigene von Viren untersucht werden. (Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem produziert werden, um dem Körper zu helfen, sich gegen einen bestimmten Angreifer zu verteidigen. Antigene sind Proteine auf oder in Viren, welche die körpereigenen Abwehrmechanismen auslösen.) Das Anlegen einer Kultur beinhaltet das Züchten von Mikroorganismen im Labor aus Proben von Blut, Körperflüssigkeit oder anderen Materialien, die aus einer infizierten Stelle entnommen wurden, bis genügend vorhanden sind, damit sie identifiziert werden können.

Auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) basierende Techniken können verwendet werden, um viele Kopien des viralen Erbguts zu erstellen. Mit dieser Technik können Ärzte das Virus schnell und genau identifizieren.

Tests werden manchmal schnell durchgeführt – zum Beispiel, wenn die Infektion eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt oder gravierende Symptome vorliegen.

Eine Blutprobe oder andere Gewebeprobe wird manchmal mit einem Elektronenmikroskop mit starker Vergrößerung und hoher Auflösung untersucht.

Vorbeugung

Da es so viele verschiedene Arboviren gibt, ist es oft einfacher und kostengünstiger, Arbovirus-Infektionen zu kontrollieren, indem die sie übertragenden Gliederfüßer kontrolliert werden und einer Exposition gegenüber dem Virus vorgebeugt wird (einschließlich der Vorbeugung von Mückenstichen und Zeckenbissen), als durch die Entwicklung spezieller Impfstoffe oder medikamentöser Behandlungen.

Die Kontrolle von Stechmücken ist schwierig, neue Ansätze werden jedoch entwickelt und getestet.

Vermeidung einer Virusexposition

Infektionen, die durch Stechmücken oder Zecken übertragen werden, können häufig durch Folgendes verhindert werden:

  • Kleidung tragen, die so viel wie möglich des Körpers bedeckt

  • Insektenabwehrmittel anwenden, die z. B. Diethyltoluamid (DEET) enthalten

  • Kontakt mit Stechmücken oder Zecken möglichst vermeiden

Um Mückenstiche zu vermeiden, können Menschen zum Beispiel einschränken, wie viel Zeit sie in feuchten Gebieten draußen verbringen.

Gegen Zecken kann Folgendes helfen:

  • Auf Wegen oder Pfaden bleiben

  • Hosen in die Schuhe oder Socken stecken

  • Langärmlige Hemden tragen (siehe Randleiste zur Vorbeugung von Zeckenbissen)

Infektionen, die von Mäusen oder anderen Nagetieren übertragen werden, entstehen in der Regel durch Kontakt mit ihrem Urin, ihren Fäkalien oder anderen Körperflüssigkeiten, die das Virus enthalten. Folgende Maßnahmen können dabei helfen, solchen Kontakt zu vermeiden:

  • Geschlossene Räume, wo sich Mäuse aufgehalten haben, vor dem Reinigen durchlüften.

  • Oberflächen vor dem Kehren oder Reinigen mit einem Bleichmittel benetzen.

  • Keinen Staub aufwühlen.

  • Öffnungen verschließen, durch die Nagetiere in das Haus gelangen könnten.

  • Nahrungsmittel in schädlingssicheren Behältern aufbewahren.

  • Potenzielle Nistplätze in Wohnumgebungen beseitigen.

Die Vorbeugung einer Exposition gegenüber dem Ebola- oder dem Marburg-Virus erfordert eine strenge Quarantäne von infizierten Menschen und die Anwendung von Isoliermaßnahmen, da diese Viren sich leicht von Mensch zu Mensch verbreiten.

Impfungen

Derzeit sind wirksame Impfstoffe nur für das Gelbfiebervirus und den Viruserreger der Japanischen Enzephalitis verfügbar. Impfstoffe gegen durch Zecken übertragene Enzephalitis sind in Europa, Russland und China erhältlich. Ein Impfstoff gegen Dengue-Fieber ist in einigen Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten verfügbar, ist aber nur bedingt wirksam. Ein experimenteller Impfstoff gegen das Ebola-Virus wird während des aktuellen Ausbruchs (Frühjahr 2018) im Kongo getestet. Am Ende des Ebola-Ausbruchs 2016 in Westafrika wurde es in begrenztem Rahmen erfolgreich eingesetzt.

Behandlung

  • Unterstützende Versorgung

  • Manchmal Ribavirin

Die Behandlung der meisten dieser Infektionen konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen. So können beispielsweise Bluttransfusionen gegeben werden, wenn die Blutung stark ist.

Das antivirale Medikament Ribavirin kann zur Behandlung von hämorrhagischem Fieber eingesetzt werden, wie etwa bei Lassa-Fieber.

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