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Hyperkalzämie (hoher Kalziumspiegel im Blut)

Von

James L. Lewis, III

, MD, Brookwood Baptist Health and Saint Vincent’s Ascension Health, Birmingham

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Bei der Hyperkalzämie ist der Kalziumspiegel im Blut zu hoch.

  • Ein hoher Kalziumspiegel kann durch ein Problem der Nebenschilddrüsen oder durch die Ernährung, Krebs oder Erkrankungen mit Knochenbeteiligung verursacht werden.

  • Zuerst treten Verdauungsprobleme auf, Durstgefühl und häufiges Wasserlassen. Ein schwerer Kalziumüberschuss führt jedoch zu Verwirrung und schließlich zum Koma. Die Krankheit kann lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird.

  • Ein Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie) wird häufig bei Routine-Blutuntersuchungen entdeckt.

  • Es kann ausreichen, viel Flüssigkeit zu trinken. Diuretika können jedoch die Ausscheidung von Kalzium erhöhen. Bei Bedarf können Medikamente verwendet werden, die eine Freisetzung von Kalzium aus dem Knochen verlangsamen.

Kalzium ist eines der Elektrolyte im Körper. Das sind Mineralstoffe, die bei Auflösung in Körperflüssigkeiten wie Blut eine elektrische Ladung tragen (das meiste Kalzium im Körper ist jedoch nicht geladen). Der Körper kontrolliert die Menge des im Blut zirkulierenden Kalziums genau.

Ursachen

Ursachen eines Kalziumüberschusses umfassen:

  • Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen: Mindestens eine der vier Nebenschilddrüsen setzt zu viel Nebenschilddrüsenhormon frei, das die Menge an Kalzium im Blut regulieren hilft.

  • Zu hohe Kalziumzufuhr: Gelegentlich entwickelt sich ein Kalziumüberschuss bei Patienten mit peptischen Geschwüren, wenn sie viel Milch trinken und kalziumhaltige Antazida zur Linderung einnehmen. Dies führt zu einer Erkrankung, die als Milch-Alkali-Syndrom bezeichnet wird.

  • Zu hohe Vitamin-D-Zufuhr: Wenn Menschen über mehrere Monate hinweg täglich hohe Dosen Vitamin D einnehmen, nimmt die durch den Verdauungstrakt aufgenommene Menge an Kalzium deutlich zu.

  • Krebs: Zellen bei Krebserkrankungen der Nieren, der Lunge und der Eierstöcke können große Mengen eines Eiweißstoffs freisetzen, der wie das Nebenschilddrüsenhormon den Kalziumspiegel im Blut anhebt. Diese Effekte, die humorale Hyperkalzämie bei Krebs genannt werden, gelten als paraneoplastisches Syndrom. Kalzium kann auch ins Blut freigesetzt werden, wenn sich ein Tumor auf die Knochen ausbreitet (metastasiert) und Knochenzellen zerstört. Diese Knochenzerstörung gibt es am häufigsten bei Krebserkrankungen von Prostata, Brust und Lunge. Ein multiples Myelom (ein Krebs des Knochenmarks) kann ebenfalls den Knochen zerstören und einen Kalziumüberschuss zur Folge haben. Andere Krebsformen können den Kalziumspiegel im Blut auf bislang noch nicht vollständig geklärte Weise erhöhen.

  • Knochenerkrankungen: Wird ein Knochen abgebaut (resorbiert) oder zerstört, wird Kalzium in das Blut freigesetzt, was manchmal zu einem Überschuss an Kalzium (Hyperkalzämie) führt. Bei der Paget-Krankheit werden Knochen abgebaut, aber der Kalziumspiegel im Blut ist für gewöhnlich normal. Der Kalziumspiegel kann jedoch zu hoch ansteigen, wenn Patienten mit Paget-Krankheit dehydriert werden oder zu viel sitzen oder liegen – weil die Knochen dann nicht belastet werden. Eine schwere Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann ebenfalls durch einen Abbau von Knochengewebe einen Kaliumüberschuss bewirken.

  • Inaktivität: Manchmal entwickeln bewegungsunfähige Patienten, wie z. B. Gelähmte, oder solche, die sehr lange bettlägerig sind, eine Hyperkalzämie, weil die über lange Zeit unbelasteten Knochen Kalzium ins Blut freisetzen.

Granulomatöse Störungen, Medikamente, hormonelle Störungen und einige andere Erkrankungen können ebenfalls zu einer Hyperkalzämie führen.

Wussten Sie ...

  • Fehlende Mobilität kann den Kalziumspiegel ansteigen lassen, da die Knochen geschwächt werden und Kalzium ins Blut abgeben.

Hyperparathyreoidismus

Die Nebenschilddrüsen setzen das Nebenschilddrüsenhormon frei, das die Aufnahme von Kalzium durch den Verdauungstrakt fördert, die Nieren dazu veranlasst, weniger Kalzium auszuscheiden, und die Knochen dazu anregt, gespeichertes Kalzium freizusetzen.

Parathormon veranlasst die Nieren, mehr Phosphat auszuscheiden, aber es regt auch die Knochen an, Phosphat ins Blut freizusetzen. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten bestimmt, ob der Phosphatspiegel normal bleibt oder sinkt.

Wenn die Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon bilden, entsteht eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus). Patienten mit Hyperparathyreoidismus haben zu viel Kalzium und einen normalen bis niedrigen Phosphatgehalt im Blut.

Primärer Hyperparathyreoidismus

Beim primären Hyperparathyreoidismus verursacht eine Störung die Freisetzung von zu viel Nebenschilddrüsenhormonen. Bei etwa 90 Prozent aller Patienten mit primärem Hyperparathyreoidismus ist die Störung ein nicht bösartiger Tumor (Adenom) in einer der Nebenschilddrüsen. Bei den übrigen 10 Prozent vergrößern sich die Drüsen einfach und produzieren zu viel Hormon. Nur selten sind Krebserkrankungen der Nebenschilddrüsen für eine Überfunktion verantwortlich.

Ein primärer Hyperparathyreoidismus tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Er entwickelt sich eher bei älteren Menschen und solchen, die eine Strahlentherapie im Halsbereich erhalten haben. Manchmal tritt er im Rahmen der multiplen endokrinen Neoplasie, einer seltenen Erbkrankheit, auf.

Ein primärer Hyperparathyreoidismus wird gewöhnlich behandelt, indem eine oder mehrere Nebenschilddrüsen operativ entfernt werden. Die Operation zielt auf die Entfernung des gesamten Nebenschilddrüsengewebes ab, das übermäßig viel Parathormon bildet. Der chirurgische Eingriff ist in fast 90 Prozent der Fälle erfolgreich.

Familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie

Das Syndrom der familiären hypokalziurischen Hyperkalzämie ist eine weitere erbliche Störung, die entsteht, weil die Nebenschilddrüsen den Kalziumgehalt im Blut unterschätzen und in Reaktion darauf versehentlich zu viele Parathormone ausscheiden. Eine Nebenschilddrüsenoperation ist bei dieser Erkrankung nicht sinnvoll, und in der Regel ist keine andere Behandlung erforderlich.

Sekundärer Hyperparathyreoidismus

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus werden zu viele Nebenschilddrüsenhormone als Reaktion auf ein starkes Absinken des Kalziumspiegels im Blut freigesetzt, wie dies bei chronischen Nierenerkrankungen und Vitamin D-Mangel der Fall sein kann.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Tertiärer Hyperparathyreoidismus

Beim tertiären Hyperparathyreoidismus werden zu viele Nebenschilddrüsenhormone unabhängig vom Kalziumgehalt im Blut ausgeschüttet. Der tertiäre Hyperparathyreoidismus tritt in der Regel bei Menschen auf, die bereits lange an einem sekundären Hyperparathyreoidismus leiden.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Symptome

Ein Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie) verursacht häufig keine Symptome. Die frühesten Anzeichen eines Kalziumüberschusses (Hyperkalzämie) sind gewöhnlich Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. Die Patienten können abnorm große Urinmengen ausscheiden, wodurch es zu Dehydratation und vermehrtem Durstgefühl kommt.

Ein sehr schwerer Kalziumüberschuss führt häufig zu Funktionsstörungen des Gehirns, Verwirrung, Gefühlsausbrüchen, Delirium, Halluzinationen und Koma. Muskelschwäche kann auftreten, und Herzrhythmusstörungen und der Tod können eintreten.

Ein langfristiger oder schwerer Kalziumüberschuss führt häufig zu kalziumhaltigen Nierensteinen. Weniger häufig entwickelt sich eine Niereninsuffizienz, die sich normalerweise unter Behandlung zurückbildet. Hat sich jedoch einmal ausreichend Kalzium in den Nieren angesammelt, kann der Schaden nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Diagnose

  • Messung der Menge von Kalzium im Blut

Ein Kalziumüberschuss wird häufig bei Routine-Blutuntersuchungen entdeckt.

Wird eine Hyperkalzämie festgestellt, sind weitere Tests erforderlich, um die Ursache dafür zu ergründen. Es können zusätzliche Blut- und Urintests vorgenommen werden. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann ebenfalls erforderlich sein.

Behandlung

  • Flüssigkeiten und Medikamente zur Beschleunigung der Ausscheidung von Kalzium

Wenn der Kalziumüberschuss nicht schwerwiegend ist, genügt es meist, die Ursache zu beseitigen. Wenn Personen an leichter Hyperkalzämie oder an Erkrankungen leiden, die Kalziumüberschuss verursachen können, und ihre Nierenfunktion normal ist, wird ihnen normalerweise geraten, viel Flüssigkeit zu trinken. Flüssigkeiten regen die Nieren zur Ausscheidung von Kalzium an und beugen einem Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) vor.

Ärzte können dazu raten, phosphathaltige Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die die Aufnahme (Resorption) von Kalzium vermeiden helfen.

Bei sehr hohen Kalziumspiegeln oder Anzeichen von Funktionsstörungen des Gehirns oder Muskelschwäche werden Flüssigkeit und harntreibende Mittel (Diuretika) über eine Vene (intravenös) verabreicht, solange die Nierenfunktion normal ist. Eine Dialyse ist eine sehr wirksame, sichere und zuverlässige Behandlung, aber sie ist normalerweise nur Menschen mit schwerem Kalziumüberschuss vorbehalten, die nicht anders behandelt werden können.

Verschiedene andere Medikamente (einschließlich Bisphosphonate, Kalzitonin, Kortikosteroide und selten Plicamycin) können zur Therapie von Kalziumüberschuss eingesetzt werden. Diese Medikamente arbeiten primär über eine Verlangsamung der Freisetzung von Kalzium aus den Knochen.

Besonders schwierig zu behandeln ist der durch Krebs verursachte Kalziumüberschuss. Manchmal hilft das Medikament Denosumab. Wenn die Krebserkrankung nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, kehrt der Kalziumüberschuss häufig trotz bester Behandlung zurück.

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