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Verzögerte Pubertät

Von

Andrew Calabria

, MD, Perelman School of Medicine at The University of Pennsylvania

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2020| Inhalt zuletzt geändert Sep 2020
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Kurzinformationen

Verzögerte Pubertät wird als das Ausbleiben des Beginns der sexuellen Reife zum erwarteten Zeitpunkt definiert.

  • In den meisten Fällen entwickeln sich die Kinder einfach später als Gleichaltrige, letztendlich jedoch normal.

  • Manchmal wird eine verzögerte Pubertät durch eine chronische Erkrankung, Hormonstörungen, Strahlentherapie oder Chemotherapie, Essstörungen oder übermäßige sportliche Aktivitäten, genetische Erkrankungen, Tumoren und bestimme Infektionen verursacht.

  • Die typischen Symptome sind unter anderem das ausbleibende Wachstum der Hoden bei Jungen und das Ausbleiben des Brustwachstums und der Menstruation bei Mädchen.

  • Die Diagnose basiert auf den Ergebnissen einer körperlichen Untersuchung, verschiedenen Labortests, einer Röntgenuntersuchung der Knochen und, sofern erforderlich, einem Gentest und einer Magnetresonanztomographie.

  • Die Behandlung ist abhängig von der Ursache und kann eine Hormonsubstitutionstherapie beinhalten.

Die sexuelle Reifung (Pubertät) setzt ein, wenn die Hypothalamusdrüse beginnt, ein chemisches Signal namens Gonadotropin-freisetzendes Hormon abzusondern. Die Hirnanhangsdrüse reagiert auf dieses Signal, indem sie Hormone, sog. Gonadotropine, absondert, die das Wachstum der Geschlechtsdrüsen stimulieren (die Hoden bei Jungen und die Eierstöcke bei Mädchen). Die wachsenden Geschlechtsdrüsen sondern die Sexualhormone Testosteron bei Jungen und Östrogen bei Mädchen ab. Diese Hormone führen zur Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale, darunter Gesichtsbehaarung und Muskelmasse bei Jungen, Brüste bei Mädchen, und Scham- und Achselbehaarung sowie sexuelles Verlangen (Libido) bei beiden Geschlechtern.

Bei einigen Jugendlichen beginnt die sexuelle Entwicklung nicht im üblichen Alter.

Bei Jungen kommt die verzögerte Pubertät häufiger vor und ist folgendermaßen definiert

  • Keine Vergrößerung der Hoden (Testes) im Alter von 14 Jahren

  • Zeitspanne von mehr als 5 Jahren ab dem Einsetzen der Pubertät bis hin zum abgeschlossenen Wachstum der Geschlechtsorgane

Bei Mädchen wird die verzögerte Pubertät folgendermaßen definiert

  • Keine Brustentwicklung im Alter von 13 Jahren

  • Zeitspanne von mehr als 3 Jahren ab dem Einsetzen des Brustwachstums bis hin zur ersten Menstruationsperiode

  • Keine Menstruation (Amenorrhö) bis zum Alter von 16 Jahren

Ursachen

In den meisten Fällen stellt die verzögerte Pubertät eine normale Abweichung dar, die erblich bedingt sein könnte (auch als konstitutionelle Verzögerung der Pubertät bezeichnet). Diese Jugendlichen, die manchmal als „Nachzügler“ bezeichnet werden, haben eine normale Wachstumsrate und sind im Übrigen gesund. Auch wenn der Wachstumsschub und die Pubertät verzögert auftreten, verläuft ihre Entwicklung letztendlich normal.

Verschiedene Störungen, wie beispielsweise Diabetes mellitus, entzündliche Darmerkrankungen, Nierenerkrankungen, Mukoviszidose und Anämie, können die sexuelle Entwicklung verzögern oder verhindern. Entwicklungsverzögerungen oder ein Ausbleiben der Entwicklung können auch bei Jugendlichen, die sich einer Strahlentherapie oder Krebs-Chemotherapie unterziehen, auftreten. Die Pubertät kann auch durch Autoimmunerkrankungen (wie Hashimoto-Thyreoiditis, Addison-Krankheit [primäre Nebennierenrindeninsuffizienz] und Erkrankungen, die die Eierstöcke direkt betreffen) verzögert werden. Durch einen Tumor, der die Hirnanhangsdrüse oder den Hypothalamus beeinträchtigt, kann der Gonadotropinspiegel sinken oder die Hormonproduktion insgesamt zum Erliegen kommen.

Bei Jungen können Hodenerkrankungen, beispielsweise eine Verletzung durch Verdrehen der Hoden (Hodentorsion) oder Infektionen (zum Beispiel Mumps) die Pubertät verzögern. Bei Jugendlichen, insbesondere Mädchen, die aufgrund übermäßiger sportlicher Aktivitäten oder Diäten stark abnehmen, setzt die Pubertät häufig verzögert ein, was unter anderem auch ein Ausbleiben der Menstruation bedeutet (Amenorrhö).

Chromosomenanomalien, wie beispielsweise das Turner-Syndrom bei Mädchen und das Klinefelter-Syndrom bei Jungen sowie andere genetische Störungen können die Produktion der Sexualhormone beeinflussen. Bei einer dieser genetischen Erkrankungen, dem Kallmann-Syndrom, ist nur die Gonadotropin-Produktion betroffen.

Symptome

Jugendliche mit verzögerter Pubertät können deutlich kleiner als Gleichaltrige sein, Probleme mit Hänseleien und Mobbing haben und häufig Hilfe im Umgang und mit der Bewältigung von sozialen Problemen benötigen. Auch wenn es Jugendlichen im Allgemeinen unangenehm ist, anders als ihre Altersgenossen zu sein, sind es vor allem Jungen, die sich aufgrund der verzögerten Pubertät gestresst fühlen und sich schämen.

Diagnose

  • Eine körperliche Untersuchung

  • Röntgenuntersuchung zur Bestimmung des Knochenalters

  • Bluttests

  • Manchmal Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Erstbeurteilung der verzögerten Pubertät sollte aus einer vollständigen Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung zur Beurteilung der Entwicklung, des Ernährungszustands und des Wachstums bestehen.

Häufig wird eine Röntgenuntersuchung eines oder mehrerer Knochen durchgeführt, um die Reife der Knochen zu bestimmen (Röntgenuntersuchung zur Bestimmung des Knochenalters).

Es können grundlegende Labortests sowie Tests zur Bestimmung des Hormonspiegels und möglicherweise ein Gentest durchgeführt werden, um nach Anzeichen einer chronischen Erkrankung zu suchen.

Jungen, die bis zum Alter von 14 Jahren keine Anzeichen einer einsetzenden Pubertät zeigen, sowie Mädchen, die bis zum Alter von 13 Jahren keine Anzeichen einer einsetzenden Pubertät zeigen oder die bis zum Alter von 16 Jahren keine Menstruation haben, werden normalerweise ärztlich untersucht. Wenn diese Kinder ansonsten gesund sind, haben sie höchstwahrscheinlich eine konstitutionelle Verzögerung der Pubertät. Der Arzt kann entscheiden, bei diesen Jugendlichen regelmäßige Untersuchungen in Abständen von 6 Monaten durchzuführen, um sicherzustellen, dass die Pubertät einsetzt und normal fortschreitet.

Mädchen mit stark verzögerter Pubertät sollten auf primäre Amenorrhö untersucht werden.

Zum Ausschluss eines Hirntumors oder einer strukturellen Auffälligkeit der Hirnanhangsdrüse kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden.

Behandlung

  • Behandlung der Krankheitsursache

  • Hormontherapie

Die Behandlungsmethode für verzögerte Pubertät hängt von ihrer Ursache ab. Wenn eine tiefer liegende Störung die Ursache der verzögerten Pubertät ist, setzt sich die Pubertät für gewöhnlich fort, sobald die Störung behandelt wurde.

Ein Jugendlicher, bei dem eine natürliche Entwicklungsverzögerung vorliegt, muss nicht behandelt werden. Belastet die verzögerte oder fehlende Entwicklung den Jugendlichen jedoch psychisch stark, können vom Arzt ergänzende Geschlechtshormone gespritzt werden, um den Pubertätsbeginn früher einzuleiten. Bei Jungen wird diese Behandlung bedeutend häufiger durchgeführt. Kinder mit verzögerter Pubertät benötigen oft zusätzliche Unterstützung von den Eltern, Familienmitgliedern und Freunden, um sicherzustellen, dass sie ein gesundes Körperbild und Selbstwertgefühl haben.

Wenn bei Jungen im Alter von 14 Jahren noch keine Anzeichen der Pubertät auftreten, können sich diese einer 4- bis 6-monatigen Testosterontherapie mit monatlichen Injektionen unterziehen. In geringen Mengen leitet Testosteron die Pubertät ein, bewirkt die Entwicklung einiger männlicher Merkmale (Virilisierung) und verhindert nicht das Körperwachstumspotenzial der Jugendlichen.

Mädchen können geringe Dosen von Östrogen als Pillen oder Pflaster verabreicht werden.

Genetische Störungen können nicht behandelt werden. Eine Hormontherapie kann jedoch die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale unterstützen.

Zur Entfernung von Hypophysentumoren kann eine Operation notwendig sein. Bei diesen Kindern besteht das Risiko eines Hypopituitarismus (einem Mangel an einem oder mehreren Hormonen, die von der Hypophyse gebildet werden).

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