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Interstitielle Zystitis

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Die interstitielle Zystitis ist eine nichtinfektiöse Blasenentzündung, die mit Schmerzen (suprapubisch, im Becken und im Abdomen), häufigem Wasserlassen sowie Harndrang mit Inkontinenz einhergeht. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese und Ausschluss anderer Erkrankungen klinisch und durch Zystoskopie und Biopsie. Unter der Therapie geht es den meisten Patienten besser, eine Heilung ist jedoch selten. Die Therapie variiert, umfasst diätetische Maßnahmen, Blasentraining, Pentosan, Analgetika, Antidepressiva und intravesikale Behandlungen.

(Siehe auch Übersicht zu Miktion.)

Die Inzidenz der interstitiellen Zystitis ist unbekannt; die Störung scheint aber häufiger zu sein als früher angenommen und kann anderen klinischen Syndromen zugrunde liegen (z. B. chronischen Beckenschmerzen). Weiße sind häufiger betroffen und 90% der Fälle kommen bei Frauen vor.

Die Ursache ist unbekannt, aber die Pathophysiologie kann womöglich mit dem Verlust von schützendem urothelialem Mucin und dem dadurch bedingten Eindringen von Harnkalium und anderen Substanzen in die Blasenwand, mit der Aktivierung von sensiblen Nerven und einer Schädigung der glatten Muskulatur in Zusammenhang stehen. Mastzellen können diesen Prozess vermitteln, aber ihre Rolle ist unklar.

Symptome und Beschwerden

Anfangs verläuft die interstitielle Zystitis asymptomatisch; aber wenn es im Laufe der Jahre zu einer Schädigung der Blasenwand kommt, treten Symptome auf und verschlimmern sich. Suprapubischer und Beckendruck oder Schmerzen stehen oft in Verbindung mit häufigem Wasserlassen (bis zu 60-mal am Tag) oder Harndrang. Diese Symptome verschlechtern sich mit der Blasenfüllung und verschwinden, wenn die Patienten Wasser lassen; bei manchen Patienten werden die Symptome durch Ovulation, Menstruation, saisonale Allergien, physischen oder emotionalen Stress oder beim Geschlechtsverkehr schlimmer. Nahrungsmittel mit hohem Kaliumgehalt (z. B. Zitrusfrüchte, Schokolade, koffeinhaltige Getränke, Tomaten) können eine Verschlimmerung auslösen. Tabak, Alkohol und stark gewürzte Speisen können die Symptome verschlechtern. Wird die Blasenwand narbig umgewandelt, nehmen Blasencompliance und -kapazität ab, woraus Harndrang und häufiges Wasserlassen resultieren oder sich verschlechtern.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Zystoskopie mit möglicher Biopsie

Die Diagnose wird aufgrund der Symptome vermutet, nachdem andere häufigere Störungen durch Untersuchungen ausgeschlossen wurden (HWI, PID, chronische Prostatitis oder Prostatodynie, Divertikulitis).

Eine Zystoskopie ist notwendig, und manchmal wird ein gutartiges Blasengeschwür (Hunnersches Geschwür) entdeckt. Ein Blasenkarzinom, insbesondere ein Carcinoma in situ, muss durch Biopsie ausgeschlossen werden. Die Beurteilung der Symptome anhand einer standardisierten Skala oder während einer intravesikalen Kaliumchloridgabe (Kalium-Sensitivitätstest) kann die diagnostische Genauigkeit verbessern, gehört aber nicht zur Routine.

Therapie

  • Änderung des Lebenssstils

  • Blasentraining

  • Medikamente (z. B. Natriumpentosanpolysulfat, trizyklische Antidepressiva, NSAR, Dimethylsulfoxidinstillation)

  • Das letzte Mittel ist eine Operation

Lebensstiländerung

Bis zu 90% der Patienten erfahren durch die Behandlung eine Besserung, eine Heilung ist aber selten. Die Behandlung sollte die Förderung des Bewusstseins und die Vermeidung potenzieller Auslöser wie Tabak, Alkohol, Lebensmittel mit hohem Kaliumgehalt und würzige Lebensmittel beinhalten.

Wahl der Behandlungsmethode

Neben der Änderung der Lebensweise werden Blasentraining, Medikamente, intravesikale Therapien und chirurgische Eingriffe nach Bedarf eingesetzt. Stressreduktion und Biofeedback (um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken, z. B. mit Kegel-Übungen) können helfen. Keine der Behandlungsformen hat sich allein als wirksam erwiesen, jedoch wird eine Kombination von 2 nichtchirurgischen Behandlungen empfohlen, bevor ein operativer Eingriff erwogen wird.

Medikamentöse Therapien

Das am häufigsten eingesetzte Medikament ist Natriumpentosanpolysulfat, ein Heparin-ähnliches Molekül, ähnlich dem urothelialen Glukosaminoglykan; eine Dosis von 100 mg p.o. 3-mal täglich kann die protektive Blasenoberfläche wiederherstellen. Linderungen werden erst nach 2–4 Monaten wahrgenommen. Eine intravesikale Instillation (Anm. d. Red.: und Elektrophorese, electro-Motifdrugapplication, EMDA) von 15 ml einer Lösung aus 100 mg Pentosan oder 40.000 I.E. Heparin plus 80 mg Lidocain und 3 ml Natriumbicarbonat kann bei Patienten, die nicht auf die orale Therapie ansprechen, erfolgreich sein. Trizyklische Antidepressiva (z. B. Imipramin 25–50 mg täglich) und NSAR in Standarddosierung können die Schmerzen lindern. Antihistaminika (z. B. Hydroxyzin 10–50 mg 1-mal vor dem Schlafengehen) hemmen die Mastzellen direkt oder über die Blockade von allergischen Triggern.

Dimethylsulfoxid, über einen Katheter in die Blase instilliert und dort für 15 Minuten belassen, kann Substanz P vermindern und die Mastzellgranulation fördern. 50 ml, alle 1–2 Wochen über 6–8 Wochen, nötigenfalls auch wiederholt, lindern bei bis zu der Hälfte der Patienten die Symptome. Die intravesikale Instillation von BCG und Hyaluronsäure wird derzeit untersucht.

Chirurgische und andere Verfahren

Einigen Patienten helfen auch die Hydrodistension der Blase, die endoskopische Resektion eines Hunner-Geschwürs und die sakrale Nervenstimulation.

Eine operative Therapie (Blasenteilresektion, Blasenerweiterung, Neoblase und Harnableitung) ist der letzte Ausweg für Patienten mit unerträglichen Schmerzen, die auf keine andere Therapie ansprechen. Der Ausgang ist nicht vorhersagbar; bei manchen Patienten bestehen die Symptome fort.

Wichtige Punkte

  • Die interstitielle Zystitis ist eine nichtinfektiöse Blasenentzündung, die dazu tendiert, chronische Schmerzen im Becken sowie häufiges Wasserlassen zu verursachen.

  • Die Diagnose erfordert den Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome (z. B. Harnwegsinfektionen, entzündliche Erkrankungen des Beckens, chronische Prostatitis oder Prostatodynie, Divertikulitis), Zystoskopie und Biopsie.

  • Heilung ist selten, aber bei bis zu 90% der Patienten verbessert sich der Zustand mit der Behandlung.

  • Zu den Behandlungen gehören Umstellung der Ernährung, Blasentraining und Medikamente (z. B. Natriumpentosanpolysulfat, trizyklische Antidepressiva, NSAR, Dimethylsulfoxidinstillation).

  • Eine Operation ist die letzte Alternative bei Patienten mit nicht zu tolerierenden Schmerzen, bei denen andere Therapieformen erfolglos waren.

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