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Suizidales Verhalten

Von

Paula J. Clayton

, MD, University of Minnesota School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Suizidalität umfasst abgeschlossen Selbstmord und Selbstmordversuch. Das Nachdenken, Überlegen oder Planen von Selbstmord wird als Selbstmordgedanke bezeichnet.

  • Der vollendete Suizid: Eine suizidale Handlung, die zum Tode führt.

  • Suizidversuch: Eine nichttödliche, gegen sich selbst gerichtete, potenziell schädigende Handlung, die zum Tod führen soll, kann aber zu Verletzungen führen oder auch nicht.

  • Eine nichtsuizidale Selbstverletzung (NSSV) ist eine selbst zugefügte Handlung, die Schmerzen oder oberflächliche Schädigungen verursacht, aber nicht den Tod beabsichtigt.

Epidemiologie

Die Statistiken über suizidales Verhalten beruhen hauptsächlich auf Sterbeurkunden und Leichenschauberichten und unterschätzen die wahre Inzidenz. Um weitere zuverlässige Informationen zu liefern, hat die CDC das National Violent Death Reporting System (NVDRS) etabliert; es ist ein System der Bundesstaaten, das aus verschiedenen Quellen Fakten zu jedem einzelnen gewaltsamen Zwischenfall sammelt, um ein besseres Verständnis der Ursachen gewaltsamer Todesfälle (Morde und Suizide) bereitzustellen. Die NVDRS gibt es derzeit in 40 Staaten.

In den USA stellt Suizid die zehnthäufigste Todesursache dar, mit einer Sterberate von 13,8/100.000 und beinahe 41.000 vollendeten Suiziden im Jahr 2015. In den USA sterben täglich 121 Menschen durch Selbstmord. Als Todesursache zählt er wie folgt:

  • 2. unter den Menschen im Alter von 15 bis 34

  • 3. unter Personen im Alter von 10 bis 14

  • 4. unter Personen im Alter von 35 bis 44+

Die Altersgruppe mit der höchsten Suizidrate ist heute die der 45- bis 64-Jährigen resultierend aus einem deutlichen Anstieg in letzter Zeit). Warum sich diese Rate erhöht hat, ist unbekannt; die folgenden Faktoren könnten jedoch dazu beigetragen haben:

  • Vor Jahren, als Teenager, gab es in dieser Gruppe eine höhere Depressionsrate als in älteren Gruppen, und Forscher sagen voraus, dass die Selbstmordrate mit wachsendem Alter steigen wird.

  • Diese Rate beinhaltet die erhöhte Zahl an Suiziden bei Angehörigen des Militärs und bei Veteranen (20% der Suizide gehören in diese Gruppe).

  • Diese Rate könnte den erhöhten Missbrauch von verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten und eine Reaktion auf die schlechte Wirtschaftslage widerspiegeln.

Die zweithöchste Suizidrate liegt bei Menschen ≥ 85 Jahre.

In den 90er Jahren ist die Suizidrate bei Jugendlichen nach einem Jahrzehnt ständigen Ansteigens wieder zurückgegangen, allerdings nur, um erneut wieder stetig anzusteigen.

In allen Altersgruppen ist Tod durch Suizid bei Männern häufiger als bei Frauen; das Verhältnis beträgt etwa 3,5:1. Die Gründe dafür sind unklar, aber mögliche Erklärungen sind:

  • Männer scheinen weniger Hilfe zu suchen, wenn sie verzweifelt sind.

  • Männer haben eine höhere Prävalenz von Alkohol- und Drogenmissbrauch, die zu Suizidalität führt.

  • Männer sind aggressiver und verwenden tödliche Mittel, wenn sie einen Selbstmordversuch unternehmen.

  • Die Zahl der Suizide bei Männern beinhaltet die Suizide im Militär und unter Veteranen, die einen höheren Anteil von Männern als Frauen haben.

Im Jahr 2015 machten weiße Männer 7 von 10 Selbstmorden aus.

Im Jahr 2015 meldeten > 1,1 Millionen Menschen einen Selbstmordversuch. Auf jeden vollendeten Suizid kommen 25 Suizidversuche. Viele Menschen unternehmen wiederholte Versuche. Nur 5–10% der Menschen, die einen Suizid versuchen, sterben schließlich dadurch; jedoch endet bei den Älteren einer von vier Suizidversuchen tödlich. Frauen unternehmen Suizidversuche 2- bis 3-mal häufiger als Männer, bei Mädchen im Alter von 15–19 Jahren kann es, verglichen mit einem Versuch bei den Jungen im gleichen Alter, 100 Versuche geben.

Ungefähr einer von 6 Menschen, die Suizid begehen, hinterlässt einen Abschiedsbrief. Der Inhalt kann Aufschluss über die Gründe für den Suizid (einschließlich mentaler Störung) geben.

Trittbrettfahrer-Selbstmorde oder Ansteckungseffekte machen rund 10% der Suizide aus. Gruppensuizide sind extrem selten, ebenso wie Morde/Selbstmorde. Selten begehen Menschen eine Tat (z. B. eine Waffe zu ziehen), die die Strafverfolgungsbehörden zwingen, sie zu töten–sog. Suizid durch die Polizei.

Ätiologie

Suizidales Verhalten ergibt sich in der Regel aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren.

Der wichtigste behandelbare Risikofaktor für Suizid ist

Die Dauer einer Episode von Depression ist der stärkste Prädiktor für Selbstmord. Auch wenn Suizide häufiger zu sein scheinen, wenn starke Angst Teil einer Depression oder bipolaren Depression ist. Das Risiko von suizidalen Gedanken und Suizidversuchen kann sich in jüngeren Altersgruppen erhöhen, nachdem Antidepressiva begonnen werden ( Suizidales Verhalten : Depressionsbehandlung und Suizidrisiko und Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter : Suizidrisiko und Antidepressiva).

Weitere Risikofaktoren für Suizid sind:

  • Die meisten anderen schweren psychischen Störungen

  • Konsum von Alkohol, Missbrauchsdrogen und verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln

  • Früherer Suizidversuche

  • Ernste körperliche Erkrankungen, insbesondere bei älteren Menschen

  • Persönlichkeitsstörungen

  • Impulsivität

  • Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Abstieg

  • Traumatische Erfahrungen in der Kindheit

  • Familienanamnese mit Suizid und/oder mentalen Störungen

Tod durch Suizid ist häufiger bei Menschen mit einer psychischen Störung, als unter Alter und Geschlecht abgestimmten Kontrollen, .

Einige Menschen mit Schizophrenie suizidieren sich, manchmal aufgrund einer Depression, für die diese Menschen anfällig sind. Die Suizidmethode kann bizarr und gewaltsam sein. Suizidversuche sind bei diesen Menschen weiter verbreitet, als bisher angenommen.

Alkohol und Drogen können die Enthemmung und Impulsivität verstärken und gleichzeitig die Stimmung verschlechtern–eine potenziell tödliche Kombination. Zwischen 30% und 40% der Menschen, die bei einem Suizidversuch sterben, haben davor Alkohol getrunken, und etwa die Hälfte von ihnen war zu dem Zeitpunkt intoxikiert. Impulsive junge Männer und Frauen sind besonders anfällig für die Auswirkungen von Alkohol. Bei ihnen können moderate Rauschpegel dazu führen, dass sie tödlichere Selbstmordmethoden anwenden (1). Jedoch haben Menschen mit einer Alkoholkrankheit ein erhöhtes Suizidrisiko, auch wenn sie nüchtern sind.

Schwere, insbesondere chronische und schmerzhafte körperliche Krankheiten tragen zu ca. 20% der Suizide bei älteren Menschen bei.

Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind anfällig für Suizide–dies gilt v. a. für emotional unreife Menschen mit einer Borderline- oder antisozialen Persönlichkeitsstörung, da sie nur eine geringe Frustrationstoleranz aufweisen und auf Stress impulsiv mit Gewalt und Aggression reagieren.

Bestimmte soziale Faktoren (z. B. Probleme mit dem Geschlechtspartner, Mobbing, kürzliche Verhaftung, Konflikte mit dem Gesetz) scheinen mit Selbstmord zusammenzuhängen. Nach solchen Ereignissen ist Suizid oft der letzte Ausweg für diese bereits verzweifelten Menschen.

Traumatische Kindheitserfahrungen, insbesondere die Belastungen durch sexuellen oder körperlichen Missbrauch oder elterliche Deprivation, stehen mit versuchten und evtl. vollendeten Suiziden in Zusammenhang.

Suizid findet sich in Familien, sodass eine Familienanamnese mit Suiziden, Suizidversuchen oder mentalen Störungen mit einem erhöhten Suizidrisiko bei anfälligen Menschen verbunden ist.

Hinweis zur Ätiologie

  • 1. Park CHK, Yoo SH, Lee J, et al: Impact of acute alcohol consumption on lethality of suicide methods. Compr Psychiatry 75:27–34, 2017. doi: 10.1016/j.comppsych.2017.02.012.

Methoden

Die Wahl der Selbstmordmethoden hängt von vielen Dingen ab, inkl. kulturellen Faktoren, der Verfügbarkeit der Mittel und der Ernsthaftigkeit der Absicht. Einige Methoden (z. B. ein Sprung aus großer Höhe) machen das Überleben praktisch unmöglich, wohingegen andere (z. B. die Einnahme von Substanzen) eine Rettung zulassen können. Jedoch lässt sich aus der Wahl einer Methode, die dann doch nicht zum Tode führt, nicht schließen, dass die Absicht weniger ernst war.

Eine bizarre Methode deutet auf eine zugrunde liegende Psychose hin.

Bei Selbstmordversuchen ist der Drogenkonsum die am häufigsten verwendete Methode. Gewaltsame Methoden wie Erschießen und Erhängen sind bei versuchten Suiziden selten.

Fast 50% der durchgeführten Selbstmorde in den USA beinhalten Waffen. Männer benutzen diese Methode häufiger als Frauen. Frauen benutzen Vergiftungen häufiger als Männer. Andere typische Methoden des Selbstmords umfassen das Erhängen, das Springen aus großer Höhe, das Ertrinken und das Schneiden.

Einige Methoden, wie das Fahren in einen Abgrund, können andere Personen gefährden.

Maßnahmen

Ein Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der eventuelle Suizidabsichten bei einem Patienten voraussieht, ist von Gesetzes wegen verpflichtet, die zuständige Behörde zwecks Intervention zu informieren. Bei Unterlassung kann er sich strafbar machen. Suizidale Patienten dürfen erst alleine gelassen werden, wenn sie sich in einer sicheren Umgebung befinden. Sie sollten durch geschultes Fachpersonal (z. B. Krankenwagen, Polizei) in eine geschützte Umgebung (oft eine psychiatrische Einrichtung) verbracht werden.

Jede suizidale Handlung, gleichgültig ob geäußerte Absicht oder Versuch, muss ernst genommen werden. Bei jedem Patienten mit einer lebensbedrohlichen Selbstverletzung ist die körperliche Schädigung zu beurteilen und zu behandeln.

Nach der Bestätigung einer Überdosis einer potenziell tödlichen Substanz werden sofort Maßnahmen ergriffen, um die Resorption zu verhindern und die Ausscheidung aus dem Körper zu beschleunigen, jegliches Antidot zu verabreichen und eine unterstützende Behandlung bereitzustellen ( Allgemeine Grundlagen zu Vergiftungen : Therapie).

Die Erstuntersuchung kann durch eine medizinische Fachkraft erfolgen, die in der Beurteilung von und im Umgang mit suizidalem Verhalten geschult ist. Jedoch brauchen alle Patienten so schnell wie möglich eine psychiatrische Beurteilung. Es muss entschieden werden, ob die Patienten eingewiesen werden müssen und ob Zwangsmaßnahmen oder eine Fixierung erforderlich sind. Patienten mit einer psychotischen Störung und manche Patienten mit schwerer Depression und ungelösten Krisen sollten auf eine psychiatrische Station überwiesen werden. Patienten mit Manifestationen von medizinischen Störungen, die möglicherweise Verwirrtheit verursachen (z. B. Delir, Krampfanfälle, Fieber), müssen eventuell auf eine medizinische Station mit angemessenen suizidpräventiven Maßnahmen überwiesen werden.

Nach einem Suizidversuch leugnet der Patient u. U. alle Probleme, da auf die schwere Depression, die zur suizidalen Handlung geführt hat, eine kurzzeitige Stimmungsaufhellung folgen kann. Dennoch bleibt das Risiko eines späteren vollendeten Suizids hoch, wenn die Störung des Patienten nicht behandelt wird.

Das psychiatrische Assessment identifiziert manche der Probleme, die zum Suizidversuch beigetragen haben, und verhilft dem Arzt dazu, einen geeigneten Behandlungsplan zu erstellen. Dieser besteht aus folgenden Komponenten:

  • Rapport herstellen und der Erzählung des Patienten zuhören (1)

  • Verständnis für den Suizidversuch, seinen Hintergrund, die Ereignisse davor und die Umstände, unter denen er stattfand

  • Erfragen der Symptome psychischer Störungen, die mit Suizid verbunden sind

  • Vollständige Erhebung des mentalen Status des Patienten, mit besonderer Betonung der Identifizierung von Depression, Angst, Agitiertheit, Panikattacken, schwerer Insomnie, anderen psychischen Störungen und Alkohol- oder Drogen-/Arzneimittelmissbrauch (viele dieser Probleme erfordern zusätzlich zur Krisenintervention eine spezifische Behandlung)

  • Fundiertes Verständnis der persönlichen und familiären Beziehungen, die oft relevant für den Suizidversuch sind

  • Befragung enger Familienmitglieder und Freunde

  • Fragen nach dem Vorhandensein einer Feuerwaffe im Haus (außer in Florida, wo eine solche Untersuchung gesetzlich verboten ist)

  • Sicherheitsplanung, um Patienten dabei zu helfen, Auslöser suizidaler Planung zu erkennen und Pläne zu entwickeln, um mit Selbstmordgedanken umzugehen, wenn diese auftreten (1, 2),

Management-Referenzen

  • 1. Michel K, Valach L, Gysin-Maillart A: A novel therapy for people who attempt suicide and why we need new models of suicide.brauchen. Int J Environ Res Public Health 14 (3), 2017. pii: E243. doi: 10.3390/ijerph14030243.

  • 2. Stanley B, Brown G: Safety planning intervention: A brief intervention to mitigate suicide risk. Cogn Behav Pract 19: 256-264, 2011.

Prävention

Prävention erfordert die Identifikation von Risikopersonen (siehe Tabelle: Risikofaktoren und Warnzeichen für Suizid) und die Einleitung geeigneter Interventionen.

Es besteht Einigkeit darüber, dass Patienten, die nach einem Suizidversuch ins Krankenhaus eingeliefert werden, in den ersten Tagen oder Wochen nach der Entlassung das höchste Sterberisiko durch Suizid haben und das Risiko während der ersten 6 bis 12 Monate nach der Entlassung hoch bleibt. Danach nimmt das Risiko zu und ab, ist aber immer höher als bei Menschen, die nie selbstmörderisch waren.

Gründe für das erhöhte Selbstmordrisiko sind u.a. folgende

  • Die Stimmung des Patienten kann lange dauern, bis sie sich verbessert.

  • Der Patient ist möglicherweise nicht optimistisch genug, um die verschriebenen Medikamente einzunehmen.

  • Der Patient fühlt sich möglicherweise nicht gut genug, um zum geplanten Nachsorgetermin zu gehen.

  • Zu Hause fühlt der Patient, dass die auslösenden Probleme ungelöst sind.

Vor der Entlassung sollten daher der Patient und die Familienangehörigen oder ein enger Freund über das unmittelbare Sterberisiko durch Suizid beraten werden, und ein Termin für die Nachsorge sollte in der ersten Woche nach Entlassung gestellt werden, bevor der Patient das Krankenhaus verlässt. Darüber hinaus sollten dem Patienten und Familienmitgliedern oder Freunden die Namen, Dosierungen und Dosishäufigkeiten der Medikamente des Patienten mitgeteilt werden.

Wenn möglich, sollte in den ersten Wochen nach der Entlassung folgendes getan werden:

  • Der Patient sollte nicht allein gelassen werden.

  • Die Einhaltung des verschriebenen Arzneimittels durch den Patienten sollte überwacht werden.

  • Der Patient sollte täglich nach dem allgemeinen Zustand, der Stimmung, dem Schlafmuster und der Energie befragt werden (z. B. um aufstehen, sich anziehen und mit anderen um sie herum interagieren zu können)

Das Familienmitglied oder der Freund des Patienten sollte den Patienten zu Folgeterminen bringen und den Arzt über den Fortschritt oder Stagnation des Patienten informieren. Diese Interventionen sollten für ≥ 2 Monate nach der Entlassung fortgesetzt werden.

Tabelle
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Risikofaktoren und Warnzeichen für Suizid

Art

Spezifische Faktoren

Demographische Daten

Männlich

Alter 45–64

Soziale Situation

Persönlich bedeutsame Jubiläen

Arbeitslosigkeit oder finanzielle Schwierigkeiten, v. a. wenn sie zu einem drastischen Rückgang des Lebensstandards führen

Kürzliche Trennung, Scheidung oder Verwitwung

Kürzliche Festnahme oder Konfikt mit dem Gesetz

Soziale Isolation mit tatsächlicher oder eingebildeter teilnahmsloser Haltung von Verwandten oder Freunden

Vorgeschichte mit Suizidalität

Früherer Suizidversuch

Schmieden detaillierter Pläne für einen Suizid, Einleiten von Schritten zur Umsetzung des Plans (Beschaffung einer Schusswaffe oder von Pillen) und Vorkehrungen, um nicht entdeckt zu werden

Familienanamnese mit Suizid oder einer mentalen Störung

Klinisches Bild

Depressive Erkrankung, insbesondere zu Beginn

Ausgeprägte motorische Unruhe, Rastlosigkeit und Angst mit schwerer Insomnie

Ausgeprägte Schuldgefühle, Gefühle der Unzulänglichkeit und Hoffnungslosigkeit; Empfindung, eine Last für andere zu sein (Bedrücktheit); Selbsterniedrigung; nihilistischer Wahn

Wahn oder nahezu wahnhafte Überzeugung, eine körperliche Erkrankung zu haben (z. B. Krebs, Herzerkrankung, sexuell übertragbare Krankheit), oder andere Wahnvorstellungen (z. B. der Armut)

Halluzinationen mit imperativem Charakter

Impulsive, feindselige Persönlichkeit

Eine chronische, schmerzhafte oder behindernde körperliche Erkrankung, v. a. bei ehemals gesunden Patienten

Substanzgebrauch

Alkohol- oder Drogenmissbrauch (einschließlich Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten), vor allem, wenn der jüngste Konsum zugenommen hat

Gebrauch von Medikamenten, die zur Suizidalität beitragen können (z. B. kann abruptes Absetzten von Paroxetin und bestimmten anderen Antidepressiva zu verstärkten Depressionen und Angstzuständen führen, was wiederum das Risiko für suizidales Verhalten erhöht)

Obwohl manche versuchten oder vollendeten Suizide selbst für nahestehende Menschen überraschend und schockierend sind, mag es eindeutige Warnhinweise an Familienmitglieder, Freunde oder medizinische Fachkräfte gegeben haben. Diese Warnhinweise sind oft explizit, wenn Patienten etwa die tatsächlich ihre Pläne besprechen oder plötzlich ihr Testament aufsetzen oder ändern. Die Warnungen können jedoch auch weniger deutlich sein, wenn Patienten etwa Bemerkungen darüber machen, dass sie nichts hätten, für das es sich zu leben lohne oder dass sie tot besser aufgehoben seien.

Im Durchschnitt werden Allgemeinmediziner in ihrer Praxis jährlich mit 6 potenziell suizidalen Menschen konfrontiert. Etwa 77% der Menschen, die durch Suizid sterben, haben im vorausgegangenen Jahr einen Arzt aufgesucht, und ca. 32% waren im vorausgegangen Jahr in Behandlung bei einem Psychologen oder Psychiater.

Da schwere und schmerzhafte körperliche Krankheiten, Substanzmissbrauch und psychische Störungen (v. a. Depression) bei Suizid häufig eine Rolle spielen, sind die Erkennung dieser Risikofaktoren und die Einleitung einer angemessenen Behandlung wichtige Beiträge, die ein Arzt zur Suizidprävention leisten kann.

Jeder Patient mit einer Deperssion sollte direkt nach Suizididaetionen gefragt werden. Die Befürchtung, eine solche Frage könnte den Patienten erst auf sebstzerstörerische Gedanken bringen, ist ohne Grundlage. Die Frage hilft dem Arzt, sich ein klareres Bild über die Tiefe der Depression zu machen, sie ermutigt zu einem konstruktiven Gespräch und vermittelt dem Patienten, dass der Arzt seine tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wahrnimmt.

Selbst Menschen, die ihren unmittelbar bevorstehenden Suizid androhen (die z. B. telefonisch mitteilen, sie würden gleich eine tödliche Dosis eines Medikaments einnehmen oder die drohen, aus großer Höhe zu springen), können irgendwie den Wunsch haben, weiterzuleben. Der Arzt oder eine andere Person, an die sie sich mit der Bitte um Hilfe wenden, muss diesen Lebenswunsch unterstützen.

Psychiatrische Notfallhilfe für suizidale Menschenbeinhaltet Folgendes:

  • Aufbau einer Beziehung und offene Kommunikation mit ihnen

  • Fragen nach aktueller und früherer psychiatrischer Versorgung und nach Medikamenten, die derzeit eingenommen werden

  • Hilfe bei der Klärung des Problems, das die Krise verursacht hat

  • Anbieten von konstruktiver Hilfe bei dem Problem

  • Beginn der Behandlung der zugrunde liegenden psychischen Störung

  • Schnellstmögliche Überweisung an einen geeigneten Ort zur Nachsorge

  • Entlassung der Patienten mit geringem Risiko in die Gesellschaft eines geliebten Menschen oder eines engagierten und verständnisvollen Freundes

  • Geben sie diesen Patienten die Telefonnummer für Rettung-1-800-273-TALK (8255) — oder Links zum Online Lifeline Crisis Chat, Crisis Text Line (Text HOME zu 741741) oder für die American Foundation for Suicide Prevention

Depressionsbehandlung und Suizidrisiko

Die Kombination aus Antidepressiva und einer bewährten Kurzzeitpsychotherapie ist die ideale Behandlung von Depressionen.

Menschen mit Depressionen haben ein erhebliches Suizidrisiko und sollten sorgfältig auf suizidale Verhaltensweisen und Suizidideationen überwacht werden. Das Suizidrisiko kann zu Beginn einer antidepressiven Behandlung erhöht sein, wenn die psychomotorische Verlangsamung und Unentschlossenheit gebessert sind, die depressive Verstimmung aber noch anhält. Werden Antidepressiva angesetzt oder Dosierungen erhöht, erfahren einige Patienten Agiertiertheit, Angst und verstärkte Depression, was die Suizidalität erhöhen kann.

Kürzliche öffentliche Gesundheitswarnungen über den möglichen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Antidepressiva (besonders Paotexine) und Suizidideationen und -versuchen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben zu einem signifikanten Rückgang (> 30%) der Verschreibungen von Antidepressiva an diese Gruppen geführt. Allerdings sind die Suizidraten bei Jugendlichen in demselben Zeitraum um 14% gestiegen. Somit haben diese Warnungen, die von der medikamentösen Depressionsbehandlung abgeraten haben, vorübergehend eventuell zu mehr und nicht zu weniger Todesfällen durch Suizid geführt. Zusammengenommen legen diese Ergebnisse nahe, dass der beste Ansatz darin besteht, die Behandlung zu fördern, aber mit entsprechenden Vorkehrungen wie

  • Abgabe von Antidepressiva in subletalen Mengen

  • Häufigere Besuche zu Beginn der Behandlung

  • Erteilen einer klaren Warnung an Patienten und Angehörige sowie Bezugspersonen, bzgl. sich verschlechternder Symptome oder Suizidgedanken wachsam zu sein

  • Anweisung an Patienten, Angehörige und Lebenspartner, sofort den verschreibenden Arzt zu verständigen oder anderswo Betreuung zu suchen, wenn sich die Symptome verschlimmern oder Suizidgedanken auftreten

Mehrere Studien haben gezeigt, dass Lithium, wenn es zusammen mit Antidepressiva und atypischen Antipsychotika verabreicht wird, die Anzahl der Todesfälle durch Suizid bei Patienten mit Major Depression oder bipolarer Störung reduziert. Lithium ist selbst in niedrigen Dosen hochwirksam als antisuizides Mittel für rezidivierende Depressionen. Darüber hinaus reduziert Clozapin das Selbstmordrisiko bei Patienten mit Schizophrenie.

Die Elektrokrampftherapie wird immer noch zur Behandlung von schweren Depressionen und suizidalen Depressionen eingesetzt.

Auswirkungen eines Suizids

Jede suizidale Handlung hat auf alle Beteiligten eine tiefe emotionale Wirkung. Arzt, Angehörige und Freunde können Schuld-, Schamgefühle und Gewissenbisse hegen, weil sie einen Suizid nicht verhindert haben, aber auch Wut gegenüber dem Verstorbenen und anderen Personen empfinden. Der Arzt kann den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen wertvolle Hilfe für den Umgang mit ihren Schuld- und Trauergefühlen anbieten.

Ärztliche Sterbehilfe

Ärztliche Sterbehilfe (früher: assistierter Suizid) bezieht sich auf die ärztliche Hilfe für Menschen, die ihr Leben beenden wollen. Sie ist umstritten und ist in nur 5 US-Bundesstaaten (Oregon, Washington, Montana, Vermont, Kalifornien) und in Kanada legal. Alle Staaten, in denen die ärztliche Sterbehilfe legal ist, haben Richtlinien für teilnehmende Patienten und Ärzte, z. B. Anspruchsberechtigung und Meldepflichten (z. B. muss der Patient geistig kompetent sein und eine tödliche Krankheit mit einer Lebenserwartung von < 6 Monaten haben). Freiwillige Euthanasie ist in den Niederlanden, Belgien, Kolumbien und Luxemburg legal. Assistierter Suizid ist in der Schweiz, in Deutschland, Japan und Kanada legal.

Der ärztlich assistierte Suizid (oder assistierter Tod) beinhaltet die Bereitstellung tödlicher Mittel für den Patienten, die zu einem Zeitpunkt der Wahl des Patienten verwendet werden. Bei der freiwilligen aktiven Euthanasie nimmt der Arzt eine aktive Rolle bei der Durchführung der Patientenanfrage ein; Meist handelt es sich um eine intravenöse Verabreichung einer tödlichen Substanz.)

Trotz der begrenzten Verfügbarkeit von ärztlicher Hilfe beim Sterben können Patienten mit schmerzhaften, lähmenden und unheilbaren Zuständen eine Diskussion darüber mit einem Arzt einleiten.

Ärztliche Sterbehilfe kann Ärzte vor schwierige ethische Fragen stellen.

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