Typ-2-Diabetes Mellitus bei Kindern und Jugendlichen

Vollständige Überprüfung: Jan. 2026 VonNeha Suresh Patel, DO, University of Pennsylvania School of Medicine | Peer-Review durchMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Letzte Aktualisierung: März 2026
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Der Typ-2-Diabetes mellitus ist durch Insulin-Resistenz und unzureichende Insulin-Sekretion im Verhältnis zum physiologischen Bedarf gekennzeichnet. Die Frühsymptome werden durch die Hyperglykämie bedingt und sind Polyurie, Polydipsie und Schwäche. Phasen der Polyphagie und verschwommenes Sehen kommen vor. Die Diagnose erfolgt durch Messung der Plasmaglukosekonzentration. Die Behandlung besteht aus Ernährung, Bewegung und Medikamenten, die den Glukosespiegel senken, einschließlich Metformin, Insulin sowie injizierbaren und oralen Nicht-Insulin-Medikamenten. Die Spätkomplikationen sind Gefäßkrankheiten, periphere Polyneuropathie, Nephropathie und Prädisposition für Infektionen. Komplikationen können mit ausreichender Blutzuckerkontrolle verzögert oder verhindert werden.

Die zunehmende Prävalenz von Adipositas im Kindesalter hat zu einem Anstieg der Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Kindern sowie zu einem Anstieg des Anteils von Typ-2- im Verhältnis zu Typ-1-Diabetes-Diagnosen bei Kindern geführt (1, 2). Typ-2-Diabetes wird typischerweise in der frühen Adoleszenz mit Beginn der Pubertät diagnostiziert, wenn die Insulinresistenz natürlicherweise ansteigt und ein schnelles Wachstum sowie pubertäre Veränderungen auftreten. (Siehe auch Adipositas bei Kindern und Adipositas bei Jugendlichen.)

Etwa 75% der Kinder mit Diabetes Typ 2 haben Adipositas (3). Es besteht jedoch eine erhebliche Heterogenität, und der Zusammenhang zwischen Adipositas und dem Erkrankungsalter bei Typ-2-Diabetes ist bei einigen Ethnien (z. B. bei asiatischen, insbesondere japanischen, Kindern) weniger eindeutig (3).

Allgemeine Literatur

  1. 1. Gesuita R, Eckert AJ, Besançon S, et al. Frequency and clinical characteristics of children and young people with type 2 diabetes at diagnosis from five world regions between 2012 and 2021: data from the SWEET Registry. Diabetologia. 2025;68(1):82-93. doi:10.1007/s00125-024-06283-5

  2. 2. Wagenknecht LE, Lawrence JM, Isom S, et al. Trends in incidence of youth-onset type 1 and type 2 diabetes in the USA, 2002-18: results from the population-based SEARCH for Diabetes in Youth study. Lancet Diabetes Endocrinol. 2023;11(4):242-250. doi:10.1016/S2213-8587(23)00025-6

  3. 3. Cioana M, Deng J, Nadarajah A, et al. The Prevalence of Obesity Among Children With Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open. 2022;5(12):e2247186. Published 2022 Dec 1. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.47186

Ätiologie des Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Bei Diabetes-Typ-2 produziert die Pankreas Insulin, aber es liegen unterschiedliche Grade einer Insulinresistenz vor und die Insulinsekretion reicht nicht aus, um die erhöhte Nachfrage abzudecken, die durch die Insulinresistenz verursacht wird (relativer Insulinmangel).

Der Beginn des Typ-2-Diabetes fällt häufig mit dem Höhepunkt der physiologischen pubertären Insulinresistenz zusammen, was bei zuvor kompensierten Jugendlichen zu Symptomen einer Hyperglykämie führen kann.

Die Ursache des Typ-2-Diabetes ist nicht die autoimmune Zerstörung der Betazellen, sondern ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Gene und Umweltfaktoren, die sich je nach Bevölkerungsgruppe und Patient unterscheiden.

Typ-2-Diabetes bei Kindern ist anders als Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen (1). Bei Kindern werden die Abnahme der Betazellfunktion und die Entwicklung diabetesbedingter Komplikationen beschleunigt.

Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 sind (2, 3, 4):

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Tryggestad JB, Willi SM. Complications and comorbidities of T2DM in adolescents: findings from the TODAY clinical trial. J Diabetes Complications. 2015;29(2):307-312. doi: 10.1016/j.jdiacomp.2014.10.009

  2. 2. Bellou V, Belbasis L, Tzoulaki I, Evangelou E. Risk factors for type 2 diabetes mellitus: An exposure-wide umbrella review of meta-analyses. PLoS One. 2018;13(3):e0194127. doi:10.1371/journal.pone.0194127

  3. 3. GBD 2021 Diabetes Collaborators. Global, regional, and national burden of diabetes from 1990 to 2021, with projections of prevalence to 2050: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet. 2023;402(10397):203-234. doi:10.1016/S0140-6736(23)01301-6

  4. 4. Hu S, Ji W, Zhang Y, Zhu W, Sun H, Sun Y. Risk factors for progression to type 2 diabetes in prediabetes: a systematic review and meta-analysis. BMC Public Health. 2025;25(1):1220. doi:10.1186/s12889-025-21404-4

Pathophysiologie des Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Beim Typ-2-Diabetes besteht in der Regel eine ausreichende Insulinfunktion, um eine diabetische Ketoazidose (DKA) bei Diagnosestellung zu verhindern; dennoch können Kinder mit Typ-2-Diabetes gelegentlich mit einer DKA (etwa 5–6 %) (1, 2) oder, seltener, mit einem hyperglykämisch-hyperosmolaren Zustand (HHS) vorstellig werden, auch als hyperosmolares hyperglykämisches nichtketotisches Syndrom (HHNK) bezeichnet, bei dem es zu einer schweren hyperosmolaren Dehydratation kommt. HHS tritt am häufigsten während einer Stress- oder Infektionsperiode auf, wenn die Behandlung nicht eingehalten wird oder wenn der Glukosestoffwechsel durch Medikamente (z. B. Glukokortikoide) weiter eingeschränkt wird. Andere metabolische Störungen, die mit Insulinresistenz verbunden sind, können bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes auftreten und beinhalten Folgendes:

Die Atherosklerose bei Patienten mit Typ‑2‑Diabetes beginnt bereits im Kindes- oder Jugendalter und erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erheblich.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Dabelea D, Rewers A, Stafford JM, et al. Trends in the prevalence of ketoacidosis at diabetes diagnosis: the SEARCH for diabetes in youth study. Pediatrics. 2014;133(4):e938-e945. doi:10.1542/peds.2013-2795

  2. 2. Praveen PA, Hockett CW, Ong TC, et al. Diabetic ketoacidosis at diagnosis among youth with type 1 and type 2 diabetes: Results from SEARCH (United States) and YDR (India) registries. Pediatr Diabetes. 2021;22(1):40-46. doi:10.1111/pedi.12979

Symptome und Anzeichen von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Bei Typ-2-Diabetes, ist das klinische Bild sehr unterschiedlich. Kinder sind oft asymptomatisch oder weisen nur geringe Symptome auf, und ihre Erkrankung wird möglicherweise nur bei Routineuntersuchungen festgestellt. Einige Kinder stellen sich jedoch mit einer symptomatischen Hyperglykämie (Polyurie und Pollakisurie, Polydipsie), einem hyperglykämisch-hyperosmolaren Zustand oder einer DKA vor.

Auch ohne Symptome einer Hyperglykämie weisen Personen mit Typ-2-Diabetes häufig Übergewicht oder Adipositas sowie klinische Befunde auf, die auf eine Insulinresistenz hindeuten (z. B. Acanthosis nigricans, Hautanhängsel).

Dermatologische Anzeichen der Insulinresistenz
Acanthosis nigricans

Bei Acanthosis nigricans kommt es zu einer Verdickung der Haut und zu Pigmentflecken, die sich meist in den Achselhöhlen und im Nacken entwickeln (oben); bei dunkelhäutigen Menschen kann die Haut lederartig aussehen (unten). Es handelt sich meist um eine Hautmanifestation einer gestörten Glukosetoleranz.

Bei Acanthosis nigricans kommt es zu einer Verdickung der Haut und zu Pigmentflecken, die sich meist in den Achselhöhl

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Fotos zur Verfügung gestellt von Dr. Thomas Habif.

Acanthosis nigricans (Ellenbogenfalte)

Dieses Foto zeigt Acanthosis nigricans (hyperpigmentierte Haut) in der Ellenbeuge aufgrund von Insulinresistenz.

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RICHARD USATINE MD / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Acanthosis Nigricans (Hautanhängsel)

Dieses Foto zeigt Acanthosis nigricans (hyperpigmentierte Haut) und mehrere Hautanhängsel aufgrund von Insulinresistenz.

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RICHARD USATINE MD / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Tipps und Risiken

  • Entgegen dem weit verbreiteten Irrglauben kann eine diabetische Ketoazidose auch bei Kindern mit Typ-2-Diabetes auftreten.

Diagnose von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

  • Bestimmung erhöhter Glukosewerte oder einer Glukosetoleranz, die die diagnostischen Kriterien erfüllt (siehe Tabelle )

  • Bestimmung des Diabetes-Typs (z. B. Typ 1, Typ 2, monogen)

  • Bestimmung von C-Peptid, Insulin und pankreatischen Autoantikörpern

  • Zusätzliche Laboruntersuchungen zum Screening auf metabolische Begleiterkrankungen (z. B. Leberfunktionstests, Nüchtern-Lipidprofil, Mikroalbumin-Kreatinin-Quotient im Spontanurin)

Die Diagnose von Diabetes und Prädiabetes basiert auf abnormen Glukosemesswerten oder einer Glukosetoleranz, die den diagnostischen Kriterien der American Diabetes Association entspricht (siehe Diagnose von Diabetes bei Kindern) (1).

Kinder ohne Autoantikörper, die bei der Diagnose älter als 10 Jahre sind (oder bei denen die Pubertät eingesetzt hat), adipös sind oder Anzeichen metabolischer Komorbiditäten aufweisen, werden in der Regel als Patienten mit Typ-2-Diabetes behandelt (2).

Prädiabetes wird diagnostiziert, wenn die Glukosewerte zwischen dem Normalbereich und dem für Diabetes diagnostischen Bereich liegen (siehe Tabelle ). Prädiabetes wird gelegentlich als Vorläufer- oder Übergangszustand vor der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes betrachtet, obwohl die Daten zur Progressionsrate sowie zu den für den Prädiabetes spezifischen Risiken bei Kindern begrenzt sind (2).

Screening auf Typ-2-Diabetes

Ein Screening wird ab dem 10. Lebensjahr oder mit dem Beginn der Pubertät bei Kindern mit Übergewicht empfohlen, die ≥ 1 zusätzlichen Risikofaktor oder Erkrankungen aufweisen, die mit einer Insulinresistenz assoziiert sind. Zu den mit einer Insulinresistenz assoziierten Erkrankungen gehören:

Das Screening kann aus der Bestimmung der Nüchternglukose, des glykosylierten Hämoglobins (HbA1C) und/oder einem oralen Glukosetoleranztest bestehen. Wiederholen Sie das Screening alle 2 bis 3 Jahre oder häufiger, wenn sich das kardiometabolische Gesamtrisikoprofil verschlechtert.

Screening auf Komorbiditäten und Komplikationen

Die Überwachung akuter Komplikationen der Hypo- und Hyperglykämie (einschließlich DKA und HHS) wird unter Blutzuckerkontrolle erörtert; deren Behandlung wird unter Komplikationen des Diabetes bei Kindern und Jugendlichen besprochen. Für weitere Einzelheiten siehe Typ-2-Diabetes mellitus – Komplikationen und Langzeitkomplikationen des Diabetes mellitus.

Wie bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes (und im Gegensatz zu Kindern mit Typ-1-Diabetes) beginnt das Screening auf Langzeitkomplikationen (vaskuläre Komplikationen) bei Patienten mit Typ-2-Diabetes bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Das Screening umfasst die Beurteilung der Füße, der Augen, der Nierenfunktion und der Proteinurie sowie des Blutdrucks.

Patienten mit Typ-2-Diabetes (im Gegensatz zu Patienten mit Typ-1-Diabetes, bei denen sich Komplikationen über viele Jahre entwickeln) weisen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung häufig Komorbiditäten auf, wie metabolische Dysfunktion-assoziierte Fettlebererkrankung, Hyperlipidämie und Hypertonie. Bei Diagnosestellung sollten bei Patienten Leberfunktionstests, ein Nüchtern-Lipidprofil, ein metabolisches Profil einschließlich Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate sowie ein Protein-Kreatinin-Quotient im Spontanurin durchgeführt werden (2). Die Blutdruckmessung und ein Screening der psychischen Gesundheit sollten zum Zeitpunkt der Diagnose sowie bei jedem diabetesbezogenen Arztbesuch durchgeführt werden. Augen- und Fußuntersuchungen sollten bei Diagnosestellung und jährlich durchgeführt werden. Kinder, die klinische Befunde haben, die Komplikationen andeuten, sollten auch getestet werden auf:

Literatur zur Diagnose

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

  2. 2. Shah AS, Barrientos-Pérez M, Chang N, et al. ISPAD Clinical Practice Consensus Guidelines 2024: Type 2 Diabetes in Children and Adolescents. Horm Res Paediatr. 2024;97(6):555-583. doi:10.1159/000543033

Behandlung von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

  • Ernährung

  • Körperliche Betätigung

  • Antihyperglykämische Medikation, gelegentlich einschließlich Insulin

  • Glykämische Kontrolle

Wie beim Typ-1-Diabetes ist die glykämische Kontrolle der Grundpfeiler der Behandlung. Dies kann durch eine Kombination aus Änderungen des Lebensstils, einschließlich Ernährungsumstellung, körperlicher Aktivität und Gewichtsmanagement, sowie oralen antihyperglykämischen Medikamenten und Insulin erreicht werden. Darüber hinaus liegt ein zusätzlicher Schwerpunkt auf der Erkennung und Behandlung assoziierter kardiometabolischer Störungen und chronischer vaskulärer Komplikationen.

Kinder mit Typ‑2‑Diabetes benötigen die gleiche Aufmerksamkeit hinsichtlich Ernährung und Gewichtskontrolle sowie der Erkennung und Behandlung von Dyslipidämie und Hypertonie wie Erwachsene, wenngleich die Screening‑Empfehlungen nicht identisch sind (1). Die meisten Kinder mit Typ-2-Diabetes leiden an Adipositas (2), weshalb eine Änderung des Lebensstils der Grundpfeiler der Therapie ist. Eine Pharmakotherapie kann ebenfalls indiziert sein.

Ernährung und Bewegung

Alle Kinder mit Typ-2-Diabetes sollten eine umfassende Schulung und Unterstützung im Diabetes-Selbstmanagement erhalten, einschließlich Ernährungsberatung, vorzugsweise unter Einbeziehung einer in der Betreuung von Kindern mit Diabetes erfahrenen Ernährungsfachkraft (1, 3). Die meisten Patienten sollten dazu ermutigt werden, Gewicht zu verlieren und so die Insulin-Sensitivität zu erhöhen.

Zu den Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährung, Kontrolle der Kalorienzufuhr und Steigerung der körperlichen Aktivität gehören:

  • Verzichten Sie auf zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel aus raffiniertem Einfachzucker (z. B. verarbeitete Süßigkeiten, Maissirup mit hohem Fruktosegehalt).

  • Sie sollten davon abraten, Mahlzeiten auszulassen, und dazu ermutigen, die Mahlzeiten nach einem festen Zeitplan einzunehmen (möglichst in der Familie und ohne Ablenkung durch andere Aktivitäten, z. B. durch Fernsehen, Computer oder Videospiele).

  • Vermeiden Sie das ständige Naschen von Lebensmitteln über den Tag verteilt.

  • Kontrollieren Sie die Größe der Portionen.

  • Begrenzen Sie den Verzehr von fett- und kalorienreichen Lebensmitteln im Haushalt.

  • Erhöhen Sie die Aufnahme von Ballaststoffen, indem Sie mehr Obst und Gemüse essen.

  • Steigern Sie Ihre körperliche Aktivität auf 60 Minuten mäßiger bis starker körperlicher Aktivität an mindestens 3 Tagen pro Woche (vorzugsweise 5 bis 7 Tage pro Woche).

  • Begrenzen Sie die Bildschirmzeit auf < 2 Stunden pro Tag, einschließlich Fernsehen, nicht bildungsbezogene Computerzeit, Handys und andere tragbare Geräte sowie Videospiele.

Für Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren liefert die Formel 1000 Kalorien + (100 × Alter des Kindes in Jahren) eine Schätzung des täglichen Kalorienbedarfs, die mit veröffentlichten Leitlinien vergleichbar ist (4).

Eine metabolische Operation (auch als bariatrische oder Adipositaschirurgie bezeichnet) kann zur Gewichtsreduktion bei Jugendlichen ab 12 Jahren mit Typ-2-Diabetes und einem Body-Mass-Index ≥ 35 kg/m2 in Betracht gezogen werden (3).

Pharmakologische Behandlung

Bei asymptomatischen Patienten mit leichter Hyperglykämie kann zunächst eine Anpassung des Lebensstils versucht werden; werden die Blutzuckerziele jedoch nicht innerhalb von etwa 3 bis 6 Monaten erreicht, sollte Metformin in Erwägung gezogen werden.

Metformin

Metformin ist ein Insulin-Sensibilisator und ist das häufigste orale Antihyperglykämikum der ersten Wahl für Patienten unter 18 Jahren. Metformin wird als Monotherapie eingesetzt, wenn der anfängliche HbA1C-Wert < 8,5% (< 69 mmol/mol) ohne Azidose oder Ketose ist, und wird in Verbindung mit einer nichtpharmakologischen Therapie einschließlich Ernährungsumstellung und Bewegung eingesetzt (3).

Metformin sollte mit einer niedrigen Dosis begonnen und mit der Nahrung aufgenommen werden, um Übelkeit und Bauchschmerzen zu verhindern. Die Dosis wird über einen Zeitraum von 3 bis 6 Wochen schrittweise bis zur maximalen Zieldosis (2 g/Tag) erhöht. Falls verfügbar, können Formen der verlängerten Freisetzung von Metformin bei einigen Patienten, die die Standardformulierungen dieses Medikaments nicht vertragen, gastrointestinale Nebenwirkungen vermindern.

Das Ziel der Behandlung ist ein HbA1C-Wert von mindestens < 7% (< 53 mmol/mol) und vorzugsweise < 6,5% (< 48 mmol/mol). Wenn dies mit Metformin allein nicht erreicht werden kann, sollte zusätzlich ein basales Insulin oder ein Glukagon-like-Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptoragonist eingeleitet werden. Leider versagt bei etwa der Hälfte der Jugendlichen mit Typ‑2‑Diabetes langfristig eine Metformin‑Monotherapie, sodass Insulin erforderlich wird.

Insulin

Eine Insulintherapie wird auch bei Kindern eingeleitet, die mit einem schwereren Typ-2-Diabetes vorstellig werden (HbA1c > 8,5 % [> 69 mmol/mol]) (3); Glargin, Detemir oder Mischinsulin können verwendet werden.

Kinder mit DKA oder HHS benötigen in der Regel anfangs intravenöses Insulin und werden dann auf subkutanes Insulin umgestellt (3). Sobald die Azidose sich zurückgebildet hat, kann Metformin initiiert werden.

Insulin anforderungen können während der ersten Behandlungswochen rapide abnehmen, wenn sich die endogene Insulinsekretion erhöht; Insulin kann oft mehrere Wochen nach der Wiedererlangung akzeptabler Stoffwechselkontrolle gestoppt werden.

Ein Patient unter Kombinationstherapie (teilweise einschließlich basalem Insulin), der die glykämischen Zielwerte nicht erreicht, benötigt jedoch möglicherweise zusätzlich prandiale Insulin-Boli (3).

Weitere antihyperglykämische Medikamente bei Kindern

Wenn Patienten die Zielwerte unter einer dualen Therapie mit Metformin und Basalinsulin nicht erreichen, können GLP-1-Rezeptor-Agonisten als Teil der Intensivierungstherapie hinzugefügt werden. Orale Medikamente können ebenfalls in Betracht gezogen werden.

Liraglutid, Exenatid mit verlängerter Wirkstofffreisetzung und Dulaglutid sind GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die bei Kindern > 10 Jahren mit Typ‑2‑Diabetes eingesetzt werden können und zur Senkung der HbA1c-Spiegel beitragen (3). Injizierbares Semaglutid ist ein weiterer GLP-1-Rezeptor-Agonist, der zur Behandlung von Adipositas bei Patienten > 12 Jahren eingesetzt wird (5). Dieses injizierbare, nicht insulinabhängige Antihyperglykämikum verbessert die glukoseabhängige Insulinsekretion und verlangsamt die Magenentleerung.

Liraglutide wird als tägliche Injektion verabreicht, während Exenatid mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, Dulaglutid und Semaglutid als wöchentliche subkutane Injektionen verabreicht werden, was die Therapietreue der Patienten verbessern kann. Alle diese Medikamente fördern den Gewichtsverlust, wahrscheinlich durch die Wirkung der verzögerten Magenentleerung und Appetitreduktion. Sie werden über einen Zeitraum von Wochen auf die Behandlungsdosis titriert, um die häufigen gastrointestinalen Nebenwirkungen, insbesondere Übelkeit und Erbrechen, zu minimieren. GLP-1-Agonisten können eingesetzt werden, wenn Metformin nicht vertragen wird, oder zusätzlich eingesetzt werden, wenn die HbA1C-Zielwerte mit Metformin allein innerhalb von 3 Monaten nicht erreicht werden. GLP-1-Agonisten können vor Beginn der Insulin-Behandlung verwendet werden, um sowohl die Gewichtsabnahme als auch die Blutzuckerkontrolle zu fördern.

Empagliflozin, Canagliflozin und Dapagliflozin sind Natrium-Glukose-Kotransporter-2 (SGLT2)-Inhibitoren, die bei Kindern > 10 Jahren mit Typ-2-Diabetes eingesetzt werden (1, 3, 6). SGLT2 ist ein Glukosetransporter, der im proximalen Tubulus der Nieren zu finden ist. Es ist für etwa 90% der gefilterten Glukoserückresorption verantwortlich. SGLT2-Hemmer blockieren die gekoppelte Rückresorption von Natrium und Glukose aus den proximalen Tubuli, was bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zu einer erhöhten Ausscheidung von Glukose über die Nieren und einer Senkung des Blutzuckerspiegels führt. Diese Medikamente sind bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz oder Dialysepatienten kontraindiziert. Sie können das Risiko einer DKA erhöhen, in einigen Fällen auch bei normalen Blutzuckerwerten, da die renale Glukoseausscheidung erhöht ist. Zu den unerwünschten Wirkungen dieser Medikamente gehört das vermehrte Auftreten von Harnwegs- und Genitalpilzinfektionen.

Glykämische Kontrolle und HbA1C-Zielwerte

Patienten mit Typ-2-Diabetes führen in der Regel seltener Blutzuckerselbstkontrollen durch als Patienten mit Typ-1-Diabetes. Die Häufigkeit hängt jedoch von der Art der angewandten Therapie, den Nüchtern- und postprandialen Blutzuckerspiegel, dem Grad der als erreichbar erachteten glykämischen Kontrolle und den verfügbaren Ressourcen ab.

Kinder und Jugendliche, die mehrmals täglich Insulin spritzen, die krank sind und bei denen der Blutzuckerspiegel nicht optimal eingestellt ist, sollten ihren Blutzuckerspiegel mindestens 3-mal am Tag kontrollieren (7). Diejenigen, die unter einer stabilen Behandlung mit Metformin plus ausschließlich langwirksamem Insulin stehen (d. h. ohne kurzwirksames Bolus-Insulin) und ihre Zielwerte ohne Hypoglykämie erreichen, können weniger häufig kontrollieren, in der Regel 2-mal täglich (nüchtern und 2 Stunden postprandial). Die Häufigkeit der Überwachung sollte erhöht werden, wenn die Glukosekontrollziele nicht erreicht werden, während einer Krankheit oder wenn die Symptome einer Hypoglykämie oder Hyperglykämie auftreten. Kinder und Jugendliche mit Typ-2-Diabetes, die Insulinschemata mit mehreren täglichen Injektionen oder Insulinpumpen verwenden, sollten CGM-Systeme angeboten werden, die denen ähneln, die bei Typ-1-Diabetes eingesetzt werden (1).

Der empfohlene HbA1C-Zielwert für Typ-2-Diabetes bei den meisten Kindern und Jugendlichen liegt bei < 6,5% (< 48 mmol/mol) (1, 3). Wie bei allen glykämischen Zielwerten werden die Werte individuell angepasst, basierend auf den metabolischen Anforderungen und Charakteristika des Patienten. Für Patienten mit höherem Hypoglykämierisiko kann ein höherer Zielwert (< 7 % [< 53 mmol/mol]) angemessen sein.

Die HbA1C-Werte sollten bei den meisten Kindern mit Typ-2-Diabetes alle 3 Monate gemessen werden, insbesondere wenn Insulin verwendet wird oder die Stoffwechselkontrolle suboptimal ist. Bei einigen Kindern mit stabilen Glukosewerten können die Werte zweimal jährlich bestimmt werden.

Kinder mit Typ-2-Diabetes, die ihre HbA1c- und/oder Nüchternglukose-Zielwerte nicht erreichen, kommen für eine intensivierte Therapie in Betracht (z. B. mit Insulin, einschließlich einer Bolusinsulintherapie, GLP-1-Rezeptor-Agonisten und/oder SGLT-2-Inhibitoren).

Literatur zur Behandlung

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 14. Children and Adolescents: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S283-S305. doi:10.2337/dc25-S014

  2. 2. Cioana M, Deng J, Nadarajah A, et al. The Prevalence of Obesity Among Children With Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open. 2022;5(12):e2247186. Published 2022 Dec 1. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.47186

  3. 3. Shah AS, Barrientos-Pérez M, Chang N, et al. ISPAD Clinical Practice Consensus Guidelines 2024: Type 2 Diabetes in Children and Adolescents. Horm Res Paediatr. 2024;97(6):555-583. doi:10.1159/000543033

  4. 4. Arnold MJ, Harding MC, Conley AT. Dietary Guidelines for Americans 2020-2025: Recommendations from the U.S. Departments of Agriculture and Health and Human Services. Am Fam Physician. 2021;104(5):533-536.

  5. 5. Weghuber D, Barrett T, Barrientos-Pérez M, et al. Once-Weekly Semaglutide in Adolescents with Obesity. N Engl J Med. 2022;387(24):2245-2257. doi:10.1056/NEJMoa2208601

  6. 6. Nadgir U, Ali SR, Gogate J, Shaw W, Antunes J, Fonseca S. Treatment With Canagliflozin Versus Placebo in Children and Adolescents With Type 2 Diabetes : A Randomized Clinical Trial. Ann Intern Med. 2025;178(9):1217-1226. doi:10.7326/ANNALS-24-04017

  7. 7. Copeland KC, Silverstein J, Moore KR, et al: Management of newly diagnosed type 2 Diabetes Mellitus (T2DM) in children and adolescents. Pediatrics 131(2):364-382, 2013. doi: 10.1542/peds.2012-3494

Wichtige Punkte

  • Diabetes-Typ-2 wird durch Insulinresistenz und relativen Insulinmangel aufgrund eines komplexen Zusammenspiels zwischen vielen genetischen und Umweltfaktoren (insbesondere Adipositas) verursacht; seine Frequenz nimmt bei Kindern zu und er wird gewöhnlich nach der Pubertät diagnostiziert.

  • Die meisten Kinder weisen eine symptomatische Hyperglykämie ohne Azidose auf, mit häufigem Wasserlassen, Polydipsie und Polyurie; seltener manifestiert sich ein Typ-2-Diabetes bei Kindern mit einer diabetischen Ketoazidose oder einem hyperglykämisch-hyperosmolaren Syndrom.

  • Screenen Sie gefährdete Kinder für Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes.

  • Kinder mit Diabetes-Typ-2 werden zunächst mit Metformin und/oder Insulin behandelt; die meisten Kinder, die zum Zeitpunkt der Diagnose Insulin benötigen, können erfolgreich auf eine Metformin-Monotherapie umgestellt werden, aber etwa die Hälfte benötigt im Endeffekt eine Insulintherapie.

  • GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT-2-Inhibitoren können in Kombination mit Metformin zur Verbesserung der glykämischen Kontrolle eingesetzt werden.

  • Bei Kindern besteht ein Risiko für mikro- und makrovaskuläre Komplikationen des Diabetes, die durch regelmäßige Screening-Tests ermittelt werden müssen.

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