Die eitrige (purulente) Labyrinthitis ist eine bakterielle Innenohrinfektion, die oft zu Taubheit und einem Verlust der Gleichgewichtsfunktion führt.
Eine purulente Labyrinthitis tritt in der Regel auf, wenn Bakterien in das Innenohr (Cochlea und vestibuläre Strukturen) eindringen, als Komplikation einer schweren akuten Otitis media oder einer chronisch-suppurativen Otitis media, einer eitrigen Meningitis, eines Traumas mit Labyrinthfraktur mit nachfolgender Infektion oder eines sich ausdehnenden Cholesteatoms. Eine chronische suppurative Otitis media führt in etwa 9% der Fälle mit Komplikationen zu suppurativer Labyrinthitis (1). In einer retrospektiven Analyse von 20 Patienten, bei denen über einen Zeitraum von 14 Jahren nach einer akuten Otitis media Komplikationen im Innenohr und/oder eine Fazialisparese auftraten, entwickelten zwei Personen (10 %) eine eitrige Labyrinthitis (2). Viren können ebenfalls eine Labyrinthitis verursachen; die resultierende Infektion ist jedoch in der Regel nicht eitrig.
Die Pathophysiologie der eitrigen Labyrinthitis umfasst das Eindringen von Bakterien in die perilymphatischen Räume durch den Cochlea-Aquädukt, was zu einem Zusammenbruch der Blut-Labyrinth-Schranke und eitrigen Veränderungen im Labyrinth führt. Daraufhin kommt es zu einer Schädigung der Haarzellen und zum Absterben von Nervenzellen im Ganglion spirale, was zu sensorineuraler Schwerhörigkeit führen kann (3).
Literatur
1. Yorgancılar E, Yildirim M, Gun R, et al. Complications of chronic suppurative otitis media: a retrospective review. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2013;270(1):69-76. doi:10.1007/s00405-012-1924-8
2. Hydén D, Akerlind B, Peebo M. Inner ear and facial nerve complications of acute otitis media with focus on bacteriology and virology. Acta Otolaryngol. 2006;126(5):460-466. doi:10.1080/00016480500401043
3. Klein M, Koedel U, Kastenbauer S, Pfister HW. Nitrogen and oxygen molecules in meningitis-associated labyrinthitis and hearing impairment. Infection. 2008;36(1):2-14. doi:10.1007/s15010-007-7153-1
Symptome und Anzeichen einer eitrigen Labyrinthitis
Da die eitrige Labyrinthitis sowohl die vestibulären als auch die cochleären Regionen des Innenohrs betrifft, umfassen die Symptome der eitrigen Labyrinthitis Folgendes:
Schwerer Schwindel und Nystagmus
Übelkeit und Erbrechen
Tinnitus
Unterschiedlichen Schweregrade von Hörverlust.
Ohrenschmerzen und Fieber sind häufig. Eine Gangstörung aufgrund von Gleichgewichtsstörungen kann vorhanden sein.
Diagnose von eitriger Labyrinthitis
Schläfenbein CT
möglicherweise MRT
Gelegenlich Lumbalpunktion
Audiogramm
Eitrige Labyrinthitis wird vermutet, wenn Schwindel, Nystagmus, eine Schallempfindungsschwerhörigkeit oder eine Kombination davon während einer Episode von akuter Otitis media einem Trauma oder der Ausbreitung einer chronischen Infektion (z. B. als Komplikation eines Cholesteatoms) auftritt. Durch eine CT-Untersuchung des Schläfenbereichs lassen sich knöcherne Erosionen der Ohrkapsel oder andere Komplikationen einer akuten Otitis media (z. B. einschmelzende Mastoiditis) feststellen. Bei Meningitis- oder Hirnabszess-Symptomen (Bewusstseinstrübung, Meningismus oder hohes Fieber) kann eine MRT indiziert sein; in dem Fall wird auch eine Lumbalpunktion durchgeführt, um eine Blutkultur anzulegen. Audiogramme können ebenfalls durchgeführt werden, um einen sensorineuralen Hörverlust zu detektieren.
Behandlung von eitriger Labyrinthitis
Intravenöse (IV) Antibiotika
Myringotomie
Manchmal Tympanostomie
Die Therapie von eitriger Labyrinthitis erfolgt mit meningitiswirksamen Antibiotika (z. B. Ceftriaxon IV 1-mal täglich). Ceftazidim ersetzt oft Ceftriaxon bei nosokomialen Infektionen, um Pseudomonas aeruginosa abzudecken. Die Antibiotika werden später nach den Ergebnissen der Kultur und der Empfindlichkeitsprüfung eingestellt.
Zur Ableitung des Eiters aus dem Mittelohr wird eine Myringotomie durchgeführt (manchmal mit Einlage eines Paukenröhrchens). Unter Umständen ist auch eine Mastoidektomie erforderlich.



