Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Sinus-cavernosus-Thrombose

Von

James Garrity

, MD, Mayo Clinic College of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Nov 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.

Die Sinus-cavernosus-Thrombose ist eine sehr seltene, typischerweise septische Thrombose des Sinus cavernosus, die meistens durch ein Nasenfurunkel oder eine bakterielle Sinusitis verursacht wird. Symptome und klinische Zeichen umfassen Schmerzen, Exophthalmus, Ophthalmoplegie, Sehverlust, Stauungspapille, und Fieber. Die Diagnose lässt sich mit CT oder MRT bestätigen. Die Behandlung erfolgt mit i.v. Antibiotika. Komplikationen sind häufig, und die Prognose ist schlecht.

Ätiologie

Die Sinus cavernosi sind trabekuläre Sinus im Bereich der Schädelbasis, in denen sich das venöse Blut aus den Gesichtsvenen sammelt. Die Sinus-cavernosus-Thrombose ist eine extrem seltene Komplikation von Gesichtsinfektionen, wie vor allem Nasenfurunkel (50%), Sinusitis sphenoidalis oder ethmoidalis (30%), und Zahninfektionen (10%). Der häufigste Erreger ist Staphylococcus aureus (70%), gefolgt von Streptococcus sp.; anaerobe Bakterien sind häufiger, wenn Zahn- oder Nebenhöhleninfektionen zugrundeliegen.

Thrombosen der Nasennebenhöhlen (bezogen auf Mastoiditis) und Thrombosen der oberen Sagittalhöhle (bezogen auf backterielle Meningitis) treten auf, sind aber seltener als eine kavernöse Sinusthrombose.

Pathophysiologie

Der 3., 4. und 6. Schädelnerv sowie der Augen- und Oberkieferzweig des 5. Schädelnervs liegen neben der kavernösen Nasennebenhöhle und sind häufig bei einer kavernösen Sinusthrombose betroffen. Zu den Komplikationen der kavernösen Sinusthrombose gehören Meningoenzephalitis, Hirnabszess, Schlaganfall, Blindheit und Hypophyseninsuffizienz.

Symptome und Beschwerden

Erste Symptome einer kavernösen Sinusthrombose sind fortschreitend starke Kopfschmerzen oder Gesichtsschmerzen, meist einseitig und lokalisiert im retroorbitalen und frontalen Bereich. Hohes Fieber ist häufig. Ophthalmoplegie (typischerweise des VI. Hirnnervs im Anfangsstadium), Exophthalmus und Augenlidödeme entwickeln sich später und werden häufig bilateral. Die Sensibilität im Gesichtsbereich kann reduziert sein oder fehlen. Bewusstseinseintrübung, Verwirrtheit, Krampfanfälle und fokale neurologische Ausfälle sind Zeichen einer Ausbreitung der Infektion in das zentrale Nervensystem. Patienten mit kavernöser Sinusthrombose können auch Anisokorie oder Mydriasis (3. Schädelnerv-Dysfunktion), Papillenschwellung und Sehverlust aufweisen.

Diagnose

  • MRT oder CT

Kavernöse Sinusthrombose wird oft falsch diagnostiziert, weil sie selten ist. Sie sollte differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden bei Patienten, welche Symptome einer Orbitalphlegmone aufweisen. Typische Kennzeichen, die eine Sinus-cavernosus-Thrombose von einer Orbitalphlegmone unterscheiden, umfassen Hirnnervenfunktionsstörungen, bilaterale Augenbefunde und Bewusstseinsveränderungen.

Die Diagnose basiert auf der neuroradiologischen Bildgebung. Die MRT gibt besser Aufschluss, aber auch ein cCT kann hilfreich sein. Sinnvolle ergänzende Untersuchungen können Blutkulturen und Lumbalpunktionen umfassen.

Prognose

Die Sterblichkeit beträgt 30% bei allen Patienten mit kavernöser Sinus-Thrombose und 50% bei denen mit zugrundeliegender Sphenoid-Sinusitis. Bei zusätzlichen 30% der Fälle entwickeln sich ernsthafte Folgeerkrankungen (z. B. Ophthalmoplegie, Blindheit, Behinderung verursacht durch Schlaganfall, Hypophyseninsuffizienz), die bleibend sein können.

Behandlung

  • i.v. hochdosierte Antibiotika

  • Manchmal Kortikosteroide

Anfänglich Antibiotika für Patienten mit kavernöser Sinusthrombose sind Nafcillin oder Oxacillin 1 bis 2 g alle 4 bis 6 h in Kombination mit einem Cephalosporin der dritten Generation (z.B. Ceftriaxon 1 g alle 12 h). In Bereichen, in denen Methicillin-resistente S. aureus weit verbreitet ist, sollte Vancomycin 1 g i.v. alle 12 h an die Stelle von Nafcillin oder Oxacillin gesetzt werden. Ein Medikament gegen Anaerobier (z. B. Metronidazol 500 mg alle 8 h) sollte zusätzlich verabreicht werden, wenn eine Sinusitis oder eine Zahninfektion vorliegt.

Im Fall einer Sinusitis sphenoidalis ist eine chirurgische Sinusdrainage erforderlich, insbesondere wenn nicht innerhalb von 24 h ein Ansprechen auf die Antibiotika erfolgt.

Sekundäre Behandlung für kavernöse Sinus-Thrombose kann Kortikosteroide (z. B. Dexamethason 10 mg p. o. alle 6 h) für kraniale Nervenfunktionsstörungen; Antikoagulation ist umstritten, weil die meisten Patienten auf Antibiotika ansprechen, und unerwünschte Wirkungen können die Vorteile übersteigen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Wie eine laterale Kanthotomie durchgeführt wird
Video
Wie eine laterale Kanthotomie durchgeführt wird
Glaukom
Video
Glaukom
Im Inneren des Auges befinden sich zwei mit Flüssigkeit gefüllte Kammern. Intraokularflüssigkeit...

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN