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Hirnabszess

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Kurzinformationen
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Bei einem Hirnabszess handelt es sich um eine Eitertasche im Gehirn.

  • Im Gehirn kann sich ein Abszess bilden, wenn Bakterien aus einer Infektion, die anderswo im Kopf oder im Blutstrom vorhanden ist, oder durch eine Wunde ins Gehirn gelangen.

  • Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Schwäche auf einer Körperseite oder Krampfanfälle können die Folge sein.

  • Eine Bildgebung des Kopfbereiches ist nötig.

  • Antibiotika werden verabreicht, worauf der Abszess in der Regel mit einer Nadel abgelassen oder mit einem chirurgischen Eingriff entfernt wird.

Hirnabszesse sind recht selten.

In dem Gewebe um einen Hirnabszess sammelt sich Flüssigkeit an. Die Folge ist, dass das den Abszess umgebende Gewebe anschwillt und sich der Druck im Schädel erhöht. Je größer der Abszess, desto größer die Schwellung und der Druckanstieg. Wenn der Abszess ausläuft oder aufbricht und der Eiter in die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (die durch das Gewebe fließt, welches das Gehirn und Rückenmark bedeckt) gelangt, kann es zu einer akuten Meningitis kommen.

Ursachen

Hirnabszesse können folgende Ursachen haben:

  • Eine Infektion, die sich aus einem anderen Bereich des Kopfes ausbreitet (wie beispielsweise von einem Zahn, der Nase oder einem Ohr)

  • Eine Infektion, die von einem anderen Körperteil über das Blut ins Gehirn gelangt

  • Bakterien, die über eine Kopfwunde, die bis zum Gehirn reicht, eintreten. Dazu gehören auch Schnitte, die während einer Hirnoperation gemacht werden

Manchmal ist die Ursache nicht bekannt.

Viele Bakterienarten, darunter Streptococcus-Bakterien, Staphylococcus aureus,und Bacteroides fragilis, können Hirnabszesse hervorrufen. Die Protozoen Toxoplasma gondii (die Toxoplasmose verursachen) und Pilze wie Aspergilli, sind häufige Ursachen von Hirnabszessen bei Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Das Immunsystem kann durch Erkrankungen wie eine Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV), die zu AIDS führt, oder durch Arzneimittel, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), geschwächt werden. Immunsuppressiva können eingesetzt werden, um die Abstoßung transplantierter Organe zu verhindern oder um Krebs oder Autoimmunerkrankungen zu behandeln.

Symptome

Ein Hirnabszess kann, abhängig von seinem Sitz, seiner Größe, dem Ausmaß der Entzündung und der Schwellung um den Abszess, eine Reihe von Symptomen auslösen.

Zuerst können Fieber und Schüttelfrost auftreten, die dann wieder verschwinden.

Von einem Hirnabszess Betroffene können Kopfschmerzen haben, Übelkeit verspüren, erbrechen, ungewöhnlich benommen werden und dann ins Koma fallen (was oft passiert, wenn der Druck im Hirn immer weiter ansteigt). Krampfanfälle können auftreten, eine Körperseite kann schwach werden oder das Denkvermögen kann beeinträchtigt sein. Die Symptome können innerhalb von Tagen oder Wochen einsetzen. Bei manchen Menschen sind die Symptome leicht oder treten erst bei einer fortgeschrittenen Infektion auf.

Diagnose

  • Magnetresonanztomographie oder Computertomographie

  • Entnahme und Untersuchung einer Eiterprobe aus dem Abszess

Wenn Ärzte einen Hirnabszess vermuten, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, bevor und nachdem Gadolinium intravenös injiziert wurde. Mit Gadolinium (ein MRT-Kontrastmittel) sind Abszesse auf MRT-Aufnahmen besser sichtbar. Wenn keine MRT möglich ist, kann eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden, nachdem ein Röntgenkontrastmittel (mit dem Abszesse auf CT-Aufnahmen besser sichtbar sind) intravenös injiziert wurde. MRT hat eine höhere Auflösung und kann Auffälligkeiten im Frühstadium besser darstellen als CT. Jedoch sind möglicherweise zusätzliche Untersuchungen erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen, da ein Hirnabszess einem Hirntumor oder einer durch einen Schlaganfall oder multiple Sklerose verursachten Schädigung ähneln kann.

Um den verursachenden Organismus zu identifizieren und somit das geeignete Arzneimittel zu ermitteln, entnehmen Ärzte dem Abszess mithilfe einer Nadel eine Eiterprobe. Die Probe wird mikroskopisch untersucht und ins Labor eingeschickt, um in der Flüssigkeit Bakterien wachsen zu lassen (Kultur), damit diese identifiziert werden können. Um die Nadel in den Abszess einzuführen, wird MRT oder CT als Hilfe verwendet. Für dieses Verfahren (das stereotaktische Aspiration bzw. Biopsie genannt wird) wird ein Rahmen am Schädel befestigt. Der Rahmen liefert Bezugspunkte, die auf der MRT- oder CT-Aufnahme erkannt werden können. So kann der Arzt die Nadel präzise in den Abszess einführen, nachdem ein kleines Loch durch den Schädel gebohrt wurde.

Die Ärzte warten jedoch das Ergebnis der Kultur nicht ab, bevor sie die Behandlung einleiten.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Normalerweise Ableitung des Eiters mit einer Nadel oder operativer Eingriff zur Entfernung des Abszesses

  • Arzneimittel zur Linderung der Schwellung und des Drucks

Ein Hirnabszess ist tödlich, wenn er nicht mit Antibiotika behandelt und eventuell operiert wird. Folgende Antibiotika werden am häufigsten angewendet:

  • Cephalosporine (wie Cefotaxim oder Ceftriaxon)

  • Vancomycin (oder Nafcillin)

  • Metronidazol

Diese Antibiotika können zusammen verabreicht werden, bis die Ärzte ermittelt haben, welches Antibiotikum am wirksamsten gegen den Organismus ist, der den Abszess verursacht. Antibiotika werden meist für vier bis acht Wochen verabreicht, wobei alle zwei Wochen oder noch häufiger ein CT oder MRT wiederholt wird, um das Ansprechen auf die Behandlung zu überwachen.

Große Abszesse sowie Abszesse, die trotz der Antibiotikabehandlung größer werden, müssen eventuell mithilfe einer stereotaktisch geführten Nadel drainiert oder in einem offenen chirurgischen Eingriff entfernt werden.

Die Genesung erfolgt rasch oder langsam, in Abhängigkeit von:

  • dem Erfolg des operativen Eingriffs

  • der Anzahl der Abszesse

  • Wie gut das Immunsystem des Betroffenen funktioniert

Wenn Personen mit einem geschwächten Immunsystem einen Abszess infolge von Toxoplasma gondii oder infolge eines Pilzes haben, müssen sie möglicherweise lebenslang Antibiotika einnehmen.

Druckanstieg und Schwellungen im Gehirn werden aggressiv behandelt, weil sie zu bleibenden Hirnschäden führen können. Daher geben die Ärzte Kortikosteroide (z. B. Dexamethason) und Arzneimittel, die Schwellungen und Hirndruck vermindern (z. B. Mannitol).

Zur Vorbeugung von Krampfanfällen können Antiepileptika verabreicht werden.

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