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Autoimmunerkrankungen

Von

Peter J. Delves

, PhD, University College London, London, UK

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2020| Inhalt zuletzt geändert Okt 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Bei einer Autoimmunerkrankung handelt es sich um eine Fehlfunktion des Immunsystems, bei der der Körper eigenes Gewebe angreift.

  • Was genau zu einer Autoimmunerkrankung führt, ist bislang unbekannt.

  • Die Symptome sind je nach genauer Erkrankung und betroffenen Körperteilen unterschiedlich.

  • Häufig werden verschiedene Bluttests zur Überprüfung auf eine Autoimmunerkrankung durchgeführt.

  • Die Behandlung hängt von der Art der Autoimmunerkrankung ab. Oft werden Medikamente verabreicht, die die Aktivität des Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva).

Das Immunsystem muss zuerst gefährliche oder Fremdstoffe erkennen Erkennung Die Aufgabe des Immunsystems ist es, den Körper gegen fremde oder gefährliche Eindringlinge zu verteidigen. Zu diesen Eindringlingen zählen: Mikroorganismen (häufig Keime genannt, wie Bakterien... Erfahren Sie mehr , bevor es den Körper dagegen verteidigen kann. Zu solchen Substanzen zählen unter anderem Bakterien, Viren, Parasiten (z. B. Würmer), bestimmte Krebszellen und sogar transplantierte Organe und transplantiertes Gewebe. Diese Substanzen haben Moleküle, die das Immunsystem erkennen kann und die eine Reaktion des Immunsystems hervorrufen können. Diese Moleküle werden auch als Antigene bezeichnet. Antigene können sich in einer Zelle oder auf deren Oberfläche befinden (z. B. Bakterien oder Krebszellen) oder Bestandteil eines Virus sein. Einige Antigene wie Pollen oder Nahrungsmoleküle können für sich selbst bestehen.

Körpereigene Gewebezellen können Antigene haben. In der Regel reagiert das Immunsystem nur auf Antigene von fremden oder gefährlichen Substanzen, nicht aber auf Antigene körpereigener Gewebe. Manchmal jedoch kann das Immunsystem auch fehlerhaft arbeiten und Antigene körpereigener Gewebe als fremd erkennen und dagegen Antikörper (sog. Autoantikörper) oder Immunzellen herstellen, die gegen bestimmte Zellen oder Gewebe des Körpers gerichtet sind und diese angreifen. Diese Immunantwort wird auch als Autoimmunreaktion bezeichnet. Sie führt zu Entzündungen und Gewebeschäden. Solche Auswirkungen können eine Autoimmunerkrankung begründen. Viele Personen produzieren jedoch nur kleinste Mengen von Autoantikörpern, sodass keine Autoimmunerkrankung zustande kommt. Das Vorhandensein von Autoantikörpern Scheinbare Gelenkschmerzen kommen manchmal aus den umliegenden Strukturen, wie den Bändern, Sehnen oder Muskeln (siehe Einführung in die Biologie des Bewegungsapparats). Beispiele für solche... Erfahren Sie mehr im Blut bedeutet nicht, dass bei dieser Person eine Autoimmunerkrankung vorliegt.

Es gibt viele verschiedene Autoimmunerkrankungen. Zu den häufiger auftretenden Autoimmunerkrankungen gehören unter anderem die Basedow-Krankheit Eine Schilddrüsenüberfunktion ist eine Überaktivität der Schilddrüse, die zu hohen Spiegeln der Schilddrüsenhormone und einer Beschleunigung der Lebensfunktionen führt. Die Basedow-Krankheit... Erfahren Sie mehr , rheumatoide Arthritis Rheumatoide Arthritis (RA) Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen, häufig gefolgt... Erfahren Sie mehr Rheumatoide Arthritis (RA) , Hashimoto-Thyroiditis Hashimoto-Thyreoiditis Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunentzündung der Schilddrüse. Eine Hashimoto-Thyreoiditis entsteht, wenn der Körper die Zellen der Schilddrüse angreift – eine Autoimmunreaktion... Erfahren Sie mehr , Typ-I-Diabetes Typ-1-Diabetes Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, bei welcher der Körper nicht genügend Insulin produziert oder nicht in der Lage ist, auf das gebildete Insulin richtig zu reagieren. In der Folge ist der... Erfahren Sie mehr , der systemische Lupus erythematodes Systemischer Lupus erythematodes (SLE) Systemischer Lupus erythematodes ist eine chronische entzündliche Autoimmunerkrankung des Bindegewebes, bei der Gelenke, Nieren, Haut, Schleimhäute und die Wände der Blutgefäße betroffen sein... Erfahren Sie mehr Systemischer Lupus erythematodes (SLE) („Lupus“) und die Vaskulitis Übersicht über Vaskulitis Bei dieser Erkrankung sind die Blutgefäße entzündet (Vaskulitis). Auslöser können bestimmte Infektionen oder Medikamente sein. Gelegentlich ist die Ursache unbekannt. Es können allgemeine Symptome... Erfahren Sie mehr Übersicht über Vaskulitis . Weitere Erkrankungen, von denen man annimmt, dass auch sie zu den Autoimmunerkrankungen gehören, sind u. a. die Addison-Krankheit Addison-Krankheit Die Addison-Krankheit beruht auf einer Unterfunktion der Nebennieren, was zum Mangel an Nebennierenhormonen führt. Die Addison-Krankheit kann durch Autoimmunreaktionen, Krebs, Infektionen oder... Erfahren Sie mehr Addison-Krankheit , Polymyositis Autoimmunmyositis Eine Autoimmunmyositis ruft eine Entzündung und Schwächung der Muskeln (Polymyositis) oder der Haut und der Muskulatur (Dermatomyositis) hervor. Die Muskelschäden können zu Muskelschmerzen führen... Erfahren Sie mehr Autoimmunmyositis , das Sjögren-Syndrom Sjögren-Syndrom Das Sjögren-Syndrom ist eine häufig auftretende rheumatische Autoimmunerkrankung. Typische Symptome sind übermäßige Trockenheit der Augen, des Mundes und anderer Schleimhäute. Weiße Blutkörperchen... Erfahren Sie mehr Sjögren-Syndrom , progressive systemische Sklerose Systemische Sklerodermie Sklerodermie ist eine seltene, chronisch verlaufende rheumatische Autoimmunerkrankung, bei der sich Haut, Gelenke und innere Organe degenerativ verändern und vernarben und die Blutgefäße sich... Erfahren Sie mehr Systemische Sklerodermie , viele Fälle von Glomerulonephritis Glomerulonephritis Die Glomerulonephritis ist eine Erkrankung der Glomeruli (Kapillarknäuel in den Nieren, über deren kleine Poren das Blut gefiltert wird). Sie ist durch Gewebeschwellung (Ödem), Bluthochdruck... Erfahren Sie mehr (Nierenentzündung) und einige Formen von Unfruchtbarkeit.

Tabelle
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Ursachen von Autoimmunerkrankungen

Autoimmunreaktionen können auf verschiedenen Wegen ausgelöst werden:

  • Eine normale Körpersubstanz ist verändert, beispielsweise durch ein Virus, ein Medikament, Sonnenlicht oder Bestrahlung. Die veränderte Substanz kann von dem Immunsystem als fremd wahrgenommen werden. Beispielsweise kann ein Virus eine Körperzelle infizieren und verändern. Die von einem Virus infizierte Zelle stimuliert das Immunsystem, das zum Angriff übergeht.

  • Eine fremde Substanz, die einer natürlichen Körpersubstanz ähnelt, kann in den Körper eindringen. Das Immunsystem kann versehentlich nicht nur die fremde, sondern auch die ihm ähnliche körpereigene Substanz angreifen. Beispielsweise können die eine Halsentzündung hervorrufenden Bakterien ein Antigen haben, das einem Antigen auf menschlichen Herzzellen ähnelt. In seltenen Fällen greift das Immunsystem einer Person nach einer Halsentzündung deren Herz an (diese Reaktion ist Teil des rheumatischen Fiebers).

  • Die die Antikörperproduktion kontrollierenden Zellen – z. B. die B-Zellen (eine weiße Blutkörperchenart) – können fehlerhaft funktionieren und abnorme Antikörper produzieren, die manche körpereigenen Zellen angreifen.

  • Eine körpereigene Substanz, die normalerweise nur in einem bestimmten Bereich vorkommt (und dadurch dem Immunsystem nicht zugänglich ist), gelangt in den Blutkreislauf. Beispielsweise kann durch einen Schlag auf das Auge Flüssigkeit des Augapfels in den Blutkreislauf gelangen. Die Flüssigkeit stimuliert das Immunsystem, das Auge als fremd zu erkennen und anzugreifen.

Warum etwas bei einer Person eine Autoimmunreaktion oder -erkrankung auslöst und bei einer anderen nicht, ist meistens nicht bekannt. Manchmal spielen allerdings Erbfaktoren eine Rolle. Einige Personen haben Gene, die sie etwas anfälliger für die Entwicklung einer Autoimmunerkrankung machen. Diese leicht erhöhte Anfälligkeit für eine Autoimmunerkrankung und nicht die Erkrankung selber ist das, was vererbt wird. Bei anfälligen Personen kann die Erkrankung durch einen Auslöser (z. B. eine Virusinfektion oder Gewebeschädigung) zur Ausbildung angeregt werden.

Viele Autoimmunerkrankungen kommen bei Frauen häufiger vor.

Symptome von Autoimmunerkrankungen

Welche Symptome auftreten, hängt von der jeweiligen Erkrankung und dem betroffenen Körperteil ab. Manche Autoimmunerkrankungen befallen bestimmte Gewebetypen im gesamten Körper – beispielsweise Blutgefäße, Knorpel oder die Haut. Andere Autoimmunerkrankungen beeinträchtigen ein bestimmtes Organ. Praktisch jedes Organ, einschließlich Nieren, Lunge, Herz und Gehirn, kann betroffen sein. Die daraus entstehenden Entzündungen und Gewebeschädigungen können Schmerzen, Gelenkverformungen, Schwäche, Gelbsucht, Juckreiz, Atembeschwerden, Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme), Delirium und sogar den Tod zur Folge haben.

Diagnose von Autoimmunerkrankungen

  • Bluttests

  • Untersuchung durch den Arzt

Bluttests können auf eine vorhandene Entzündung hinweisen und somit eine Autoimmunerkrankung nahelegen. Solche Untersuchungen umfassen Folgendes:

  • Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG): Diese Untersuchung misst, wie schnell sich die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) auf dem Boden eines Reagenzglases voll Blut absetzen. Die BSG ist bei einer Entzündung häufig erhöht, da die in Reaktion auf die Entzündung produzierten Proteine die Fähigkeit der roten Blutkörperchen, im Blut zu schweben, beeinträchtigen.

  • Großes Blutbild (CBC): Diese Untersuchung bestimmt die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut. Diese Anzahl ist oft verringert (Anämie), da aufgrund der Entzündung weniger rote Blutkörperchen produziert werden.

Da eine Entzündung viele Ursachen hat (viele, die nicht autoimmun sind), führen die Ärzte häufig auch Bluttests durch, um verschiedene Antikörper, die bei einer bestimmten Autoimmunerkrankung vorhanden sein können, nachzuweisen. Beispiele dieser Antikörper sind:

  • Antinukleäre Antikörper, die gewöhnlich bei systemischem Lupus erythematodes vorhanden sind

  • Rheumafaktor oder sich gegen das zyklische citrullinierte Peptid richtende Antikörper (Anti-CCP), die gewöhnlich bei rheumatoider Arthritis vorhanden sind

Aber selbst diese Antikörper kommen gelegentlich auch bei Personen ohne Autoimmunerkrankung vor. Somit verwenden die Ärzte für die Diagnose einer Autoimmunerkrankung in der Regel eine Reihe von Tests und bewerten darüber hinaus die aufgetretenen Symptome.

Wussten Sie ...

  • Einige Personen haben Gene, die sie etwas anfälliger für die Entwicklung einer Autoimmunerkrankung machen.

  • So gut wie jedes Organ kann von einer Autoimmunerkrankung betroffen sein.

Prognose bei Autoimmunerkrankungen

Einige Autoimmunerkrankungen beginnen und verschwinden wieder auf unerklärliche Weise. Die meisten Autoimmunerkrankungen sind jedoch chronischer Natur. Häufig werden die Medikamente ein Leben lang zur Kontrolle der Symptome benötigt.

Die Prognose hängt von der jeweiligen Erkrankung ab.

Behandlung von Autoimmunerkrankungen

  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, einschließlich Kortikosteroide

  • Bei einigen Autoimmunerkrankungen auch Plasmaaustausch und intravenöses Immunglobulin

Medikamentöse Behandlung

Für gewöhnlich werden zur Unterdrückung des Immunsystems Medikamente zur Vorbeugung gegen die Abstoßung eines Transplantats Unter einer Transplantation versteht man die Entnahme lebender, funktioneller Zellen, Gewebe oder Organe aus einem Körper und deren Verpflanzung entweder in demselben Körper (autologe Transplantation)... Erfahren Sie mehr oftmals langfristig orale Immunsuppressiva wie Azathioprin, Chlorambucil, Cyclophosphamid, Ciclosporin, Mycophenolat oder Methotrexat verabreicht. Allerdings unterdrücken diese Medikamente nicht nur die Autoimmunreaktion, sondern auch die Fähigkeit des Körpers, sich gegen fremde Substanzen zu verteidigen, z. B. gegen Infektionen verursachende Mikroorganismen und Krebszellen. Infolgedessen steigt das Risiko für bestimmte Infektionen und Krebsarten.

Häufig werden orale Kortikosteroide Kortikosteroide: Einsatz und Nebenwirkungen Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen, häufig gefolgt... Erfahren Sie mehr Kortikosteroide: Einsatz und Nebenwirkungen , wie Prednison, angewendet. Diese Medikamente wirken entzündungshemmend und unterdrücken zudem das Immunsystem. Eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden hat viele Nebenwirkungen. Wenn möglich sollten Kortikosteroide nur kurzfristig verabreicht werden, zumeist wenn die Erkrankung beginnt oder sich die Symptome verschlechtern. In einigen wenigen Fällen jedoch müssen Kortikosteroide unbegrenzt angewandt werden.

Bestimmte Autoimmunerkrankungen (wie multiple Sklerose und Erkrankungen der Schilddrüse) werden auch mit anderen Medikamenten anstelle von Immunsuppressiva und Kortikosteroiden behandelt. Darüber hinaus kann auch eine Behandlung zur Linderung der Symptome erforderlich sein.

Etanercept, Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen, häufig gefolgt... Erfahren Sie mehr Infliximab und Adalimumab hemmen die Aktivität des Tumornekrosefaktors (TNF), einer körpereigenen, entzündungsfördernden Substanz. Diese Medikamente sind bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis und manchen Autoimmunerkrankungen äußerst wirksam, können aber bei anderen Autoimmunerkrankungen wie multipler Sklerose Schäden verursachen. Zudem können diese Medikamente das Risiko für Infektionen und bestimmte Hautkrebsarten erhöhen.

Bestimmte Medikamente zielen speziell auf weiße Blutkörperchen ab. Weiße Blutkörperchen verteidigen den Körper gegen Infektionen, können aber auch an Autoimmunreaktionen beteiligt sein. Dazu gehören:

Zudem werden weitere, gegen weiße Blutkörperchen gerichtete Medikamente entwickelt.

Plasmaaustausch und intravenöses Immunglobulin

Manche Autoimmunerkrankungen werden auch mittels Plasmaaustauschs Thrombozytenapherese (Spende von Blutplättchen) Zusätzlich zur normalen Blutspende und Bluttransfusion kommen manchmal besondere Maßnahmen zum Einsatz. Bei der Thrombozytenapherese spendet der Spender nur Blutplättchen, nicht Vollblut. Dem... Erfahren Sie mehr behandelt. Hierfür wird Blut entnommen und zur Entfernung veränderter Proteine, wie z. B. Antikörper, gefiltert. Das gefilterte Blut wird anschließend in den Blutkreislauf der Person zurückgegeben.

Bei einigen Autoimmunerkrankungen wird zur Behandlung intravenöses Immunglobulin (eine gereinigte Lösung von Antikörpern, die von freiwilligen Spendern gewonnen wurde und in eine Vene verabreicht wird) verwendet. Die Wirkungsweise ist nicht geklärt.

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