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Tiefe Venenthrombose (TVT)

(Tiefe Venenthrombose)

Von

James D. Douketis

, MD, McMaster University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Bei einer tiefen Venenthrombose haben sich in den tiefen Venen, in der Regel in den Beinen, Blutgerinnsel (Thromben) gebildet.

  • Blutgerinnsel können in einer Vene entstehen, wenn diese verletzt wird, eine Funktionsstörung vorliegt oder etwas den Rückfluss des Bluts zum Herzen verlangsamt.

  • Blutgerinnsel können Beine oder Arme anschwellen lassen.

  • Ein Blutgerinnsel kann sich lösen und zur Lunge wandern, was als Lungenembolie bezeichnet wird.

  • Die Doppler-Sonographie und Bluttests werden zur Erkennung von tiefen Venenthrombosen eingesetzt.

  • Antikoagulanzien werden zur Vorbeugung einer Vergrößerung des Gerinnsels und einer Lungenembolie verabreicht.

Blutgerinnsel (Thromben) können in den tiefen Venen auftreten, was als tiefe Venenthrombose (TVT) bezeichnet wird, oder in den oberflächlichen Venen, was als oberflächliche Venenthrombose bezeichnet. Die oberflächlichen Venen entzünden sich in der Regel, ohne dass sich Blutgerinnsel (oder Thromben) bilden. Diese Kombination aus Blutgerinnselbildung und Entzündung wird als oberflächliche Thrombophlebitis bezeichnet.

Der Begriff „venöse Thromboembolie (VTE)“ bezieht sich auf ein Blutgerinnsel, das in einer Vene losbricht und durch den Blutkreislauf in der Regel zu den Lungen wandert (Lungenembolie). Da nahezu jedes Gerinnsel (jeder Thrombus) sich loslösen und eine Embolie verursachen kann, wird eine TVT manchmal auch als „thromboembolische Erkrankung“ bezeichnet.

Tiefe Venenthrombose tritt am häufigsten in den Beinen oder im Becken auf, kann gelegentlich aber auch in den Armen vorkommen.

Ursachen

Drei wesentliche Faktoren können zur tiefen Venenthrombose beitragen:

  • Verletzung der inneren Venenwände

  • Erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln

  • Verlangsamter Blutfluss

Verletzung der Vene

Venen können bei Operationen oder bei einer Verletzung von Arm und Bein, durch Spritzen reizender Stoffe, Entzündung oder bestimmte Erkrankungen wie z. B. Endangiitis obliterans verletzt werden. Auch Gerinnsel können die Venen angreifen; dadurch wird es wahrscheinlicher, dass sich noch ein zweites Gerinnsel bildet.

Neigung zu Blutgerinnseln

Manche Erkrankungen wie z. B. Krebs oder bestimmte genetisch bedingte Blutgerinnungsstörungen können zu einer unerwünschten Blutgerinnung führen. Manche Medikamente, darunter orale Kontrazeptiva, Östrogentherapie oder Arzneimittel, die wie Östrogen wirken (z. B. Tamoxifen und Raloxifen) können zu einer schnelleren Blutgerinnung führen. Rauchen stellt ebenso einen Risikofaktor dar. Manchmal ist die Gerinnungsneigung nach einer Geburt oder einer Operation verstärkt. Bei älteren Menschen führt Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oft zu einer verstärkten Gerinnungsneigung und kann daher tiefe Venenthrombose begünstigen.

Verlangsamter Blutfluss

Bei längerer Bettruhe und in anderen Situationen, wenn die Beine nicht normal bewegt werden (wie z. B. nach einer Beinverletzung oder einem Schlaganfall), verlangsamt sich der Blutkreislauf, weil sich die Wadenmuskeln nicht zusammenziehen und das Blut nicht in Richtung Herz pressen. So kann sich beispielsweise bei Menschen nach einem Herzinfarkt oder einer schweren Erkrankung (wie Herzinsuffizienz, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung [COPD] oder Schlaganfall) und anschließendem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt ohne ausreichende Bewegung der Beine oder bei Menschen mit Lähmung von Beinen und Unterkörper (Querschnittsgelähmten) eine tiefe Venenthrombose entwickeln. Tiefe Venenthrombosen können nach größeren Operationen entstehen, insbesondere Becken-, Hüft- oder Knieoperationen. Eine Thrombose kann sogar bei gesunden Menschen auftreten, die lange Zeit sitzen, z. B. bei langen Fahrten oder Flügen; jedoch passiert dies selten in diesem Zusammenhang und meistens bei Personen mit anderen Risikofaktoren.

Wussten Sie ...

  • Sogar bei gesunden Menschen, die längere Zeit stillsitzen (z. B. bei langen Fahrten oder Flügen), kann es gelegentlich zu einer Thrombose kommen.

Komplikationen

Obwohl eine tiefe Venenthrombose unangenehm ist, liegt die Hauptsorge bei den sich daraus ergebenden Komplikationen wie:

  • Chronisch venöser Insuffizienz mit langfristigem Anschwellen des Beins und Beschwerden

  • Mangelnder Durchblutung (Ischämie) des Beins mit sich anschließender massiver Schwellung und Schmerzen (eine seltene Komplikation)

Lungenembolie

Ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene kann sich mitunter lösen und zu einem Embolus werden. Der Embolus kann durch die Blutbahn wandern, durch das Herz und in die Lunge, wo er sich in einem Blutgefäß festsetzt und so den Blutfluss zu einem Abschnitt der Lunge verhindert. Diese Blockade wird als Lungenembolie bezeichnet und kann in Abhängigkeit von der Größe des Blutgerinnsels tödlich sein. Kleine, bei oberflächlichen Venenthrombosen auftretende Blutgerinnsel werden normalerweise keine Emboli. Nur Gerinnsel in den tiefen Venen können demnach gefährlich sein.

Blutgerinnsel in Beinen und Becken werden eher zu Emboli als Blutgerinnsel in den Armen, vielleicht weil die Pumpwirkung der Wadenmuskeln ein Gerinnsel in einer tiefen Vene lösen kann, vor allem, wenn der Betroffene auf dem Weg zur Besserung immer aktiver wird.

Die Konsequenzen einer Lungenembolie hängen von der Größe und Zahl der Emboli ab:

  • Ein kleiner Embolus verschließt vielleicht eine kleine Arterie in der Lunge und zerstört nur wenig Lungengewebe (Lungeninfarkt).

  • Ein großer Embolus kann jedoch das Blut, das aus der rechten Herzseite zur Lunge fließt, nahezu komplett blockieren und damit zu niedrigem Blutdruck, niedrigem Sauerstoffgehalt und in der Folge, rasch zum Tod führen.

Massive Emboli treten nicht häufig auf, doch eine tiefe Venenthrombose ist ein Grund zur Besorgnis und kann unbehandelt zu solch einem massiven Embolus führen.

Es können mehrere Emboli auftreten. Mehrere Emboli dringen typischerweise in verschiedene Abschnitte der Lunge ein. Daher sind Ärzte über jede Person mit tiefer Venenthrombose sehr besorgt.

Manchmal haben Menschen eine veränderte Öffnung, ein sog. offenes Foramen ovale zwischen der rechten und linken oberen Herzkammer (den Atrien). Liegt diese Öffnung vor, kann ein Embolus in den arteriellen Kreislauf eintreten und eine Arterie in einem anderen Körperteil blockieren, wie z. B. das Gehirn, wo er einen Schlaganfall auslösen kann.

Chronisch venöse Insuffizienz

Manche Gerinnsel heilen ab, indem sie sich in Narbengewebe umwandeln, das die Venenklappen beschädigen kann. Die beschädigten Klappen verhindern die normale Venenfunktion, ein Zustand, der chronisch venöse Insuffizienz oder postthrombotisches Syndrom genannt wird. Bei dieser Erkrankung sammelt sich Flüssigkeit an (ein als Ödem bezeichneter Zustand) und der Knöchel und manchmal der Unterschenkel schwellen an. Die Haut wird schuppig, juckend und rötlich braun.

Ischämie (mangelnde Durchblutung)

In seltenen Fällen bewirkt ein sehr großes Blutgerinnsel im Bein ein so starkes Anschwellen, dass der Blutfluss im Bein blockiert wird. Das Bein wird blass oder blau und schmerzt extrem. Wundbrand kann sich ausbilden, wenn die Durchblutung nicht wiederhergestellt wird.

Symptome

Ungefähr die Hälfte der Betroffenen mit tiefer Venenthrombose hat gar keine Symptome. Dann können Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit als Folge einer Lungenembolie die ersten Anzeichen dafür sein, dass ein Blutgerinnsel vorliegt. Wenn eine tiefe Beinvene betroffen ist, kann die Wade anschwellen und schmerzen, berührungsempfindlich und heiß sein. Knöchel, Fuß und Oberschenkel können ebenfalls anschwellen, je nachdem, welche Venen betroffen sind. Ähnlich kann der Arm anschwellen, wenn eine Armvene betroffen ist.

Diagnose

  • Doppler-Sonographie

  • Bluttests zur Messung der D-Dimere

Eine tiefe Venenthrombose kann schwer zu erkennen sein, besonders wenn es keine oder nur sehr leichte Schmerzen und Schwellungen gibt. Ein Verdacht auf die Krankheit kann mit einer Doppler-Sonographie abgeklärt werden.

Manchmal machen Ärzte einen Bluttest, um einen Stoff namens D-Dimer zu messen, der aus den Blutgerinnseln freigesetzt wird. Falls der D-Dimer-Spiegel im Blut nicht erhöht ist, hat die Person vermutlich keine tiefe Venenthrombose.

Hat der Betroffene Symptome einer Lungenembolie, wird eine Computertomographie(CT)-Angiographie oder in seltenen Fällen eine Lungen-Szintigraphie mit einem radioaktiven Kontrastmittel zur Entdeckung der Embolie in der Lunge gemacht sowie eine Doppler-Sonographie zur Prüfung der Beine auf Gerinnsel. Diese Verfahren werden nicht durchgeführt, wenn eine Person aufgrund von sehr niedrigem Blutdruck oder sehr niedrigem Sauerstoffgehalt zusammenbricht. Ein Kollaps deutet immer auf eine massive Lungenembolie hin und erfordert sofortige Behandlung.

Vorbeugung

Das Risiko für tiefe Venenthrombosen lässt sich zwar nicht völlig ausschalten, aber es kann in vielfältiger Weise verringert werden:

  • Vorbeugung von Immobilität

  • Antikoagulanzien

  • Intermittierende pneumatische Kompression

Die vorbeugenden Maßnahmen werden je nach Risikofaktoren und individuellen Merkmalen des Betroffenen gewählt.

Bei Menschen mit geringem Risiko für eine tiefe Venenthrombose, z. B. Menschen, die sich kurzfristig über einen langen Zeitraum nicht bewegen können, etwa während eines Flugs, und Patienten, die nur eine kleine Operation erhalten und keine weiteren Risikofaktoren für eine tiefe Venenthrombose haben, reichen einfache Maßnahmen aus. Die Betroffenen sollten die Beine hochlagern und ihre Fußgelenke ungefähr 10-mal alle 30 Minuten strecken und bei langen Flügen alle 2 Stunden spazieren und sich recken, wenn sie wach sind.

Menschen mit hohem Risiko für eine tiefe Venenthrombose benötigen zusätzliche vorbeugende Maßnahmen. Dazu gehören:

  • Menschen, die sich einer kleinen Operation unterziehen und bestimmte Risikofaktoren für eine tiefe Venenthrombose haben (z. B. Krebs oder übermäßige Gerinnselbildung)

  • Menschen ohne Risikofaktoren, die sich einer großen Operation unterziehen (z. B. einer orthopädischen Operation)

  • Menschen, die mit einer schweren Krankheit (z. B. einem Herzinfarkt oder einer schweren Verletzung) in ein Krankenhaus eingewiesen wurden

Menschen mit höherem Risiko sollten Ihre Beine hochlegen und so bald wie möglich wieder aufstehen und herumgehen. Außerdem können Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer) wie z. B. Heparin, niedermolekulares Heparin oder ein neuerer direkt über den Mund einzunehmender Gerinnungshemmer angewendet werden. Diese Medikamente helfen, tiefer Venenthrombose vorzubeugen, indem sie die Gerinnungsfähigkeit des Bluts vermindern; sie tragen aber ein gewisses Risiko für die Entstehung übermäßiger Blutungen.

Intermittierende pneumatische Kompressionsstrümpfe (IPK-Strümpfe) stellen eine alternative und wirksame Art der Vorbeugung von Gerinnseln bei Menschen mit erhöhtem Risiko dar, besonders bei jenen, die sich einer Operation mit hohem Blutungsrisiko unterziehen oder die gerade an einer schweren Verletzung litten und keine Antikoagulanzien verwenden sollten. Die üblicherweise aus Plastik gefertigten Strümpfe werden mit einer elektrischen Pumpe automatisch aufgeblasen und entleert. Sie drücken immer wieder auf die Waden und leeren die Venen. Die Strümpfe werden vor der Operation angezogen und durchgehend getragen, bis die Person wieder gehen kann.

Durch das durchgehende Tragen der elastischen Hochkompressionsstrümpfe verengen sich die Venen ein wenig, und es wird der Blutfluss aktiviert. Dadurch wird eine Gerinnselbildung weniger wahrscheinlich. Vor einer tiefen Venenthrombose schützen elastische Strümpfe allerdings nicht ausreichend. Sie können im Gegenteil dazu führen, dass man sich fälschlicherweise in Sicherheit wiegt und wirksamere Methoden der Vorbeugung vernachlässigt. Werden die Strümpfe nicht richtig getragen, können sie sich zusammenbauschen und das Problem noch verstärken, indem sie den Blutfluss in den Beinen blockieren.

Behandlung

  • Antikoagulanzien (manchmal auch Blutverdünner genannt)

  • Blutgerinnselauflösende Medikamente

Bei tiefer Venenthrombose liegt das Hauptziel des Arztes in der Vorbeugung einer Lungenembolie. Zuerst kann eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich sein, aber manche Menschen können dank des Fortschritts bei Behandlungen auch zu Hause behandelt werden. Bettruhe ist nicht erforderlich, es sei denn, sie trägt zur Symptomlinderung bei. Menschen können so aktiv sein, wie sie möchten. Das Risiko, dass ein Blutgerinnsel sich löst und eine Lungenembolie auslöst, steigt nicht mit körperlicher Aktivität an.

Die Behandlung umfasst in der Regel

  • Antikoagulanzien (am häufigsten verabreicht)

  • Blutgerinnselauflösende Medikamente

  • In seltenen Fällen ein Cavafilter (Cavaschirm)

Wussten Sie ...

  • Menschen, mit tiefer Venenthrombose können so aktiv sein, wie sie möchten. Körperliche Aktivitäten erhöhen nicht das Risiko, dass ein Blutgerinnsel sich löst und zu einer Lungenembolie führt.

Antikoagulanzien

Alle Patienten mit tiefer Venenthrombose erhalten eine Therapie mit einem Gerinnungshemmer. In der Regel wird ein niedermolekulares Heparin (wie Enoxaparin, Dalteparin oder Tinzaparin) verschrieben oder Fondaparinux unter die Haut (subkutan) gespritzt und gleichzeitig Warfarin oral eingenommen. Das injizierbare Medikament wirkt sofort, Warfarin braucht hingegen einige Tage, um die volle Wirksamkeit zu erreichen. Sobald Warfarin seine Wirksamkeit erreicht hat, wird das injizierbare Medikament abgesetzt. Bei einigen Menschen (die an Krebs leiden oder trotz oraler Einnahme von Antikoagulanzien wiederholt Probleme mit Gerinnseln haben) spritzen die Ärzte sofort das Medikament und beginnen nicht erst mit Warfarin.

Die Dauer der medikamentösen Behandlung (mit Warfarin oder einem injizierbaren Medikament) ist je nach Höhe des Risikos unterschiedlich. Wenn die tiefe Venenthrombose eine konkrete Ursache hat (z. B. Operation oder Absetzen eines Medikaments), dauert die Antikoagulationstherapie in der Regel 3 bis 6 Monate. Wenn keine konkrete Ursache gefunden wurde, wird Warfarin normalerweise über mindestens 6 Monate eingenommen. Warfarin sollte dauerhaft eingenommen werden, wenn die Ursache keine vorübergehende ist (z. B. bei einer Blutgerinnungsstörung) oder, wenn die Betroffenen bereits mindestens zweimal an einer tiefen Venenthrombose litten.

Durch das Medikament erhöht sich das Risiko innerer und äußerer Blutungen. Um das Risiko zu minimieren, müssen Personen, die Warfarin einnehmen, regelmäßig Bluttests machen, um den Antikoagulationsgrad ihres Bluts zu überprüfen. Der Arzt verwendet das Ergebnis des Bluttests zur Anpassung der Warfarin-Dosis. Die Bluttests werden in der Regel ein bis zweimal wöchentlich für ein oder zwei Monate durchgeführt, danach alle vier bis sechs Wochen. Viele unterschiedliche Medikamente und Nahrungsmittel wirken sich darauf aus, wie der Körper Warfarin abbaut (siehe auch Arzneimittel-Wechselwirkungen). Einige Medikamente und Nahrungsmittel beschleunigen die Aufspaltung und machen Warfarin dadurch weniger effektiv und erhöhen das Risiko eines weiteren Blutgerinnsels. Andere Medikamente und Nahrungsmittel verlangsamen die Aufspaltung und machen so Warfarin effektiver, mit der Folge, dass es leichter zu Blutungen kommen kann. Manche Menschen sind auch empfindlicher gegenüber Warfarin; bei ihnen sind ggf. Warfarin-Empfindlichkeitstests notwendig, um den Ärzten bei der Anpassung der Dosierung zu helfen.

Es gibt neuere Medikamente, die oral eingenommen werden und als Alternative zu Warfarin verschrieben werden können. Zu diesen sogenannten direkt über den Mund einzunehmenden Gerinnungshemmern (direkt orale Antikoagulanzien, DOAK) zählen Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban und Dabigatranetexilat. Diese Medikamente wirken schneller gerinnungshemmend als Warfarin und sind genauso effektiv bei der Behandlung von Blutgerinnseln. Für diese neueren Medikamente müssen die Betroffenen auch nicht dauernd einen Bluttest machen, um die Dosis anzupassen, wie das der Fall bei Warfarin ist. Das Blutungsrisiko ist jedoch weiterhin erhöht.

Übermäßige Blutungen, die lebensbedrohlich sein können, sind die häufigste Komplikation bei der Gabe von Antikoagulanzien. Zu den Risikofaktoren für übermäßige Blutungen zählen:

Menschen, die Warfarin nehmen, können Vitamin K, Plasmatransfusionen (die Gerinnungsfaktoren enthalten) oder ein Prothrombinkomplex-Konzentrat zur Umkehrung der Blutgerinnungshemmung verschrieben bekommen. Menschen, die niedermolekulares Heparin nehmen, können Protamin erhalten, das die Blutgerinnungshemmung teilweise umkehrt.

Die neueren direkt über den Mund (oral) einzunehmenden Gerinnungshemmer (Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban) verursachen seltener als Warfarin schwere Blutungen, aber gegenwärtig sind Gegenmittel für diese Medikamente nicht überall verfügbar, sollten doch sehr starke Blutungen auftreten. Zusätzliche Gegenmittel werden untersucht.

Cavafilter

In sehr seltenen Fällen, wenn die Patienten die Gerinnungshemmer nicht vertragen, sie schwere Nebenwirkungen verursacht haben oder sie die Bildung weiterer Gerinnsel nicht verhindert haben, kann ein Filter (Schirm) in eine große Vene zwischen dem Herzen und dem von der tiefen Venenthrombose betroffenen Bereich eingesetzt werden. Wird ein Filter eingesetzt, wird er in der Regel in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) eingesetzt. Diese Vene transportiert das Blut von der unteren Körperhälfte zurück zum Herzen. Ein Filter kann Emboli, auffangen, bevor sie in die Lungen gelangen. Doch anders als Antikoagulanzien können diese Filter die Entstehung neuer Blutgerinnsel nicht verhindern. Die Filter werden häufig nur bei Menschen eingesetzt, die keine Antikoagulanzien nehmen können oder bei denen diese Mittel nicht helfen.

Vena-cava-inferior-Filter: Eine Art der Vorbeugung von Lungenembolie

Bei Menschen mit tiefer Venenthrombose kann sich ein Blutgerinnsel in der betreffenden Beinvene lösen und mit dem Blutkreislauf wandern. Ein sich lösendes Gerinnsel wird als Embolus bezeichnet.

Der Embolus gelangt zum Herzen, durch den rechten Vorhof und die Herzkammer in eine der Lungenarterien, die das Blut zur Lunge transportieren. Das Gerinnsel kann sich in einer Arterie einer Lunge festsetzen und den Blutfluss blockieren, was eine Lungenembolie bewirkt. Eine Lungenembolie kann je nach der Größe der verschlossenen Arterie lebensbedrohlich sein.

Um einer Lungenembolie vorzubeugen, setzen Ärzte normalerweise Medikamente ein, die die Blutgerinnung einschränken. Für manche Menschen können die Ärzte aber auch das dauerhafte oder vorübergehende Einsetzen eines Filters, früher als Schirm bezeichnet, in die untere Hohlvene empfehlen. Dieser Filter wird typischerweise empfohlen, wenn Medikamente, die die Blutgerinnung einschränken (Antikoagulanzien oder Blutverdünner), nicht verwendet werden können – z. B. wenn eine Person gleichzeitig unter Blutungen leidet. Der Filter kann die Emboli auffangen, bevor sie das Herz erreichen, lässt das Blut aber ansonsten ungehindert passieren. Die abgefangenen Emboli lösen sich manchmal von selbst wieder auf.

Diese Filter beseitigen das Risiko von Embolien nicht ganz. Manchmal werden andere Venen in den Beinen größer und, Blut und Emboli können über sie den Filter dann umgehen. Außerdem können sich die Filter lösen und durch ein Gerinnsel blockiert werden. Filter sind bei der Vorbeugung vor Lungenembolien viel weniger effektiv als Antikoagulanzien.

Vena-cava-inferior-Filter: Eine Art der Vorbeugung von Lungenembolie

Blutgerinnselauflösende Medikamente

Ärzte untersuchen derzeit die Verwendung intravenöser Medikamente wie z. B. Alteplase, um Blutgerinnsel aufzulösen. Diese Medikamente (auch Thrombolytika, Fibrinolytika oder Gerinnsel auflösende Medikamente genannt) können gegeben werden, wenn das Blutgerinnsel weniger als 48 Stunden vorliegt. Nach 48 Stunden beginnt sich in dem Gerinnsel Narbengewebe auszubilden, und es ist nicht mehr so leicht aufzulösen.

Manchmal werden gerinnungslösende Medikamente in Kombination mit mechanischen Methoden zur Entfernung angewendet, wenn große Gerinnsel im oberen Bein vorliegen. In solchen Fällen kann ein kleiner flexibler Schlauch (Katheter) in die verschlossene Vene eingeführt, so viel Gerinnsel wie möglich mit einem Instrument entfernt und ein gerinnungslösendes Medikament über den Katheter verabreicht werden.

Behandlung von Komplikationen

Bei einer Lungenembolie besteht die Behandlung meist aus Sauerstoff (üblicherweise über eine Gesichtsmaske oder Nasensonde verabreicht), schmerzstillenden Mitteln und Gerinnungshemmern. Bei einer lebensbedrohlichen Lungenembolie werden gerinnungslösende Mittel angewendet oder der Embolus wird operativ entfernt.

Die Venen erholen sich nach einer tiefen Venenthrombose niemals völlig. Operationen zur Instandsetzung der Venenklappen sind experimentell. Unterhalb des Knies getragene elastische Kompressionsstrümpfe können hilfreich sein, wenn es zu einer chronisch venösen Insuffizienz kommt.

Bei schmerzhaften Hautgeschwüren (Ulcus cruris venosum) können sauber angelegte Kompressionsverbände helfen. Werden diese Verbände ein- oder zweimal pro Woche sorgfältig angelegt, heilen die Geschwüre fast immer ab, da der Blutfluss in den Venen zunimmt. Geschwüre können sich infiziert, sodass jedes Mal Eiter und übelriechender Ausfluss vorhanden sind, wenn der Verband gewechselt wird. Diese Wundabsonderungen können mit Seife und Wasser von der Haut abgewaschen werden. Hautcremes, Balsame und Hautarzneien jeder Art bewirken kaum etwas.

Wenn die Durchblutung in den Venen verbessert ist, heilen die Geschwüre von selbst ab. Dann kann das tägliche Tragen von elastischen Strümpfen vor einem Rückfall bewahren. Der Strumpf muss ausgewechselt werden, sobald er zu locker sitzt. Der Betroffene sollte nach Möglichkeit sieben Strümpfe oder Paar Strümpfe (wenn beide Beine betroffen sind) kaufen – einen für jeden Wochentag, damit die Strümpfe deutlich länger wirken.

Selten sind für nicht heilende Geschwüre Hauttransplantate erforderlich. Nach der Transplantation muss ein elastischer Strumpf getragen werden, um erneute Geschwüre zu verhindern.

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