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Kontaktdermatitis

Von

Mercedes E. Gonzalez

, MD, University of Miami Miller School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Kurzinformationen
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Eine Kontaktdermatitis ist eine Hautentzündung, die durch direkten Kontakt mit einer bestimmten Substanz verursacht wird. Der sehr stark juckende Ausschlag bleibt auf einen umschriebenen Hautbereich beschränkt und weist oft deutlich definierte Ränder auf.

Substanzen können durch zwei unterschiedliche Mechanismen Hautentzündungen hervorrufen:

  • Reizung (irritative Kontaktdermatitis)

  • Allergische Reaktion (allergische Kontaktdermatitis)

Irritative Kontaktdermatitis

Diese Art von Dermatitis, die der Grund für 80 % aller Fälle von Kontaktdermatitis ist, tritt auf, wenn eine chemische Substanz die Haut direkt schädigt. Bei einer irritativen Kontaktdermatitis übertreffen die Schmerzen den Juckreiz. Zu den typischen reizenden Substanzen zählen folgende:

  • Säuren

  • Laugen (wie zum Beispiel Abflussreiniger)

  • Lösungsmittel (wie Aceton im Nagellackentferner)

  • Scharfe Seifen

  • Pflanzen (z. B. Christsterne und Paprikapflanzen)

  • Körperflüssigkeiten (z. B. Urin und Speichel)

Einige dieser Substanzen verursachen schon innerhalb weniger Minuten Hautveränderungen, andere erst nach längerem Kontakt. Sogar milde Seifen und Reinigungsmittel können die Haut von manchen Menschen nach häufigem oder verlängertem Kontakt reizen. Menschen unterscheiden sich beträchtlich, was die Empfindlichkeit ihrer Haut für Reizstoffe angeht. Faktoren, die sich darauf auswirken, ob sich eine irritative Kontaktdermatitis entwickelt oder nicht, umfassen zudem das Alter einer Person (sehr jung oder sehr alt) sowie die Umgebung (niedrige Feuchtigkeit oder hohe Temperaturen).

Allergische Kontaktdermatitis

Mit dieser Art von Dermatitis reagiert das Immunsystem auf den Kontakt einer Substanz mit der Haut. Wenn die Haut das erste Mal mit einer Substanz in Berührung kommt, sensibilisiert sie sich gegen diese Substanz. Manchmal wird jemand bereits durch einen einzigen Kontakt sensibilisiert, in anderen Fällen ist mehrfacher Kontakt nötig. Nach der Sensibilisierung führt der nächste Kontakt mit der Substanz innerhalb von vier bis 24 Stunden zu Juckreiz und Dermatitis; besonders ältere Menschen entwickeln unter Umständen erst nach drei bis vier Tagen allergische Symptome.

Tausende von Substanzen können zu einer allergischen Kontaktdermatitis führen. Die häufigsten umfassen Substanzen in

  • Pflanzen (z. B. Giftefeu)

  • Gummi (einschließlich Latex)

  • Antibiotika

  • Duftstoffe

  • Konservierungsmitteln

  • einigen Metallen (z. B. Nickel und Kobalt)

Etwa 10 % aller Frauen sind allergisch auf Nickel, einem häufigen Bestandteil von Schmuck. Man kann jahrelang mit einer bestimmten Substanz problemlos umgehen und dann plötzlich und unvermittelt allergisch darauf reagieren. Sogar Salben, Cremes und Lotionen, die zur Behandlung von Dermatitis verwendet werden, können solche eine Reaktion auslösen. Eine Dermatitis kann auch durch Materialien, mit denen man bei der Arbeit in Berührung kommt, ausgelöst werden (berufsbedingte Dermatitis).

Manchmal entsteht eine Kontaktdermatitis nur dann, wenn jemand mit bestimmten Substanzen in Berührung gekommen ist und die Haut dann Sonnenlicht ausgesetzt wird (photoallergische oder phototoxische Kontaktdermatitis – siehe Chemische Photosensitivität). Solche Substanzen umfassen

  • Sonnenschutzmittel

  • Aftershave-Lotionen

  • Bestimmte Parfums

  • Bestimmte auf die Haut aufzutragende Antibiotika

  • Kohlenteer

  • Öle

  • Pflanzen

Bei photoallergischer Dermatitis kann sich die Reaktion auf Hautbereiche ausbreiten, die nicht der Sonne ausgesetzt waren.

Häufige Auslöser einer allergischen Kontaktdermatitis

  • Chemische Substanzen, die bei der Herstellung von Schuhen und Kleidung eingesetzt werden: Gerbstoffe in Leder, Vulkanisationsbeschleuniger und Antioxidantien in Handschuhen, Schuhen, Unterwäsche und anderen Kleidungsstücken, Färbemittel

    Kosmetika: Enthaarungsmittel, Haarfärbemittel, Nagellack, Nagellackentferner, Deodorants, Feuchtigkeitscremes, Aftershave-Lotionen, Parfums, Sonnenschutzmittel

    Medikamente in Hautcremes: Antibiotika (Bacitracin, Sulfonamide, Neomycin), Antihistaminika (Diphenhydramin, Promethazin), Anästhetika (Benzokain), Antiseptika (Thimerosal), Stabilisatoren

    Duftstoffe: In Hygieneartikeln, Seifen und parfümierten Haushaltsprodukten (z. B. Waschmittel)

  • Metalle: Nickel, Kobalt, Chromate, Quecksilber, Gold

  • Pflanzen: Giftefeu, Gifteiche, Giftsumach, Traubenkraut, Primeln, Disteln, Mango- und Cashewschalen

  • Gummi (einschließlich Latex): Handschuhe, Kondome, Katheter, Ballons

  • Substanzen in der Luft: Traubenkraut-Pollen, Insektensprays

Symptome

Unabhängig von Ursache und Typ ruft eine Kontaktdermatitis Juckreiz und Hautausschlag hervor.

Eine allergische Kontaktdermatitis verursacht in der Regel starken Juckreiz.

Eine irritative Kontaktdermatitis ist eher schmerzhaft, als dass sie juckt.

In beiden Fällen variiert der Ausschlag von einer leichten, kurzfristigen Rötung bis zu einer starken Schwellung und großen Blasen. Meist geht der Ausschlag mit winzigen Bläschen einher. Er entwickelt sich nur dort, wo die Haut mit der allergieauslösenden Substanz in Kontakt gekommen ist. Auf empfindlichen Hautpartien tritt er früher und in dickeren Hautbereichen und solchen, die weniger intensiven Kontakt mit dem Allergen hatten, später auf; dadurch kann der Eindruck entstehen, der Ausschlag breite sich aus.

Häufig deutet das Muster des Ausschlags auf den Kontakt mit einer bestimmten Substanz hin. Giftefeu verursacht beispielsweise linienartige Streifen auf der Haut. Eine Kontaktdermatitis kann nicht auf andere Körperbereiche oder andere Personen, die keinen Kontakt mit der betreffenden Substanz hatten, übertragen werden.

Diagnose

  • Eine Beurteilung durch den Arzt und Krankengeschichte des Patienten

  • Gebrauchstest

  • Patch-Test

Die Ursache einer Kontaktdermatitis festzustellen, ist nicht immer einfach. Die berufliche Tätigkeit einer Person, ihre Hobbys, Aufgaben im Haushalt, Reisen, Bekleidung, Anwendung topisch angewandter (auf die Haut aufgetragener) Medikamente, Kosmetika und die Aktivitäten von anderen Haushaltsbewohnern müssen berücksichtigt werden. Die meisten Menschen sind sich der Vielzahl an Substanzen, mit denen ihre Haut in Berührung kommt, gar nicht bewusst. Oft liefern der Ausgangspunkt und das Muster des ursprünglichen Ausschlags einen wichtigen Hinweis, insbesondere dann, wenn der Ausschlag erstmals unter einem bestimmten Kleidungs- oder Schmuckstück aufgetreten ist oder nur auf Hautpartien, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Allerdings werden viele Substanzen, die man mit der Hand berührt, unbewusst zum Gesicht transferiert, wo die empfindlichere Gesichtshaut Reaktionen bildet, auch wenn die Hände es nicht tun.

Der Anwendungstest, bei dem eine verdächtige Substanz fern von dem Bereich, in dem der Hautausschlag ursprünglich aufgetreten ist, aufgetragen wird (für gewöhnlich auf den Unterarm), ist dann sinnvoll, wenn Parfüms, Shampoos oder andere Substanzen des häuslichen Gebrauchs die Ursache darstellen könnten.

Wenn der Verdacht auf eine Kontaktdermatitis besteht und die Ursache durch Eliminieren nicht festgestellt werden kann, kann ein Patch-Test durchgeführt werden. Hierbei bekommt der Betroffene kleine Testpflaster mit verschiedenen allergieauslösenden Substanzen ein bis zwei Tage lang aufgeklebt, um zu sehen, ob sich ein Ausschlag darunter bildet. Der Patch-Test ist zwar nützlich, aber auch aufwändig und kompliziert. Betroffene können hinsichtlich mehrerer Substanzen sensibilisiert sein, und die Substanz auf einem Pflaster, auf die sie reagieren, kann unter Umständen nicht die sein, die die Dermatitis ausgelöst hat. Ein Arzt muss auf Grundlage dessen, welchen Substanzen eine Person ausgesetzt gewesen sein könnte, entscheiden, welche Substanzen zu testen sind.

Prognose

Bei einer Kontaktdermatitis kann es bis zu 3 Wochen dauern, bis sie abklingt. Wenn jemand erst einmal auf eine Substanz reagiert hat, löst diese in der Regel lebenslänglich Reaktionen aus. Bei Personen mit photoallergischer Kontaktdermatitis kann es über Jahre zu Reaktionen auf Sonnenlicht kommen (sogenannte persistierende Lichtreaktion).

Vorbeugung

Eine Kontaktdermatitis kann verhindert werden, indem man den Kontakt mit der Dermatitis verursachenden (allergieauslösenden) Substanz meidet. Kommt es dennoch zu einem Kontakt, sollte die Substanz sofort mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Falls das Risiko eines häufigeren Kontakts besteht, können Handschuhe und Schutzkleidung hilfreich sein. Hautschutzcremes sind ebenfalls erhältlich, die den Kontakt bestimmter Substanzen, wie Giftefeu und Epoxidharze mit der Haut verhindern können. Eine Desensibilisierung mittels Injektionen oder Tabletten, die die verursachende Substanz enthalten, ist zum Verhindern von Kontaktdermatitis nicht geeignet.

Behandlung

  • Entfernen der verursachenden Substanz

  • Maßnahmen zur Linderung des Juckreizes

  • Kortikosteroide und gelegentlich Antihistaminika

Die Behandlung einer Kontaktdermatitis bleibt ohne Erfolg, solange der Kontakt mit der Substanz, die das Problem verursacht, weiterbesteht. Wird die allergieauslösende Substanz entfernt, klingt die Rötung gewöhnlich innerhalb einer Woche ab. Bläschen und Blasen können noch eine Weile lang nässen und eine Kruste bilden, doch sie trocknen bald aus. Das Abschuppen, Jucken und die vorübergehende Verdickung der Haut können Tage oder Wochen anhalten.

Juckreiz und Bläschen können mit einer Reihe von Medikamenten gelindert werden, die auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden. Zusätzlich kann man mehrmals am Tag für eine Stunde Verbandsmull oder ein dünnes, mit kaltem Wasser oder mit essigsaurer Tonerde (Burowscher Lösung) getränktes Tuch auf kleine entzündete Hautbereiche auflegen. Größere Flächen können mit kurzen, kalten Wannenbädern mit oder ohne kolloidalen Haferzusatz behandelt werden.

Oft werden die Betroffenen mit einem Kortikosteroid behandelt. Das rezeptfreie Hydrocortison kann helfen. Falls nicht, kann man sich eine Kortikosteroid-Creme verschreiben lassen. Wenn der Ausschlag besonders heftig ist, kann ein Kortikosteroid auch oral eingenommen werden. Bei starkem Juckreiz kann die orale Einnahme von Hydroxyzin oder Diphenhydramin (beide sind Antihistaminika) ausprobiert werden.

Giftefeu-Dermatitis

Zwischen 50 und 70 % aller Menschen reagieren empfindlich auf das Pflanzenöl Urushiol, welches in Giftefeu, Gifteiche und Giftsumach enthalten ist. Ähnliche Öle sind auch in den Schalen von Cashew-Nüssen, in den Blättern, dem Zellsaft, in der Fruchtschale der Mangopflanze und in Chinalack enthalten. Wenn eine Person durch Kontakt mit diesen Ölen einmal sensibilisiert wurde, ruft eine spätere Exposition eine Kontaktdermatitis hervor.

Die Öle ziehen schnell in die Haut ein, bleiben aber für lange Zeit auf Kleidungsstücken, Werkzeugen und dem Fell von Haustieren aktiv. Auch der Rauch, der beim Verbrennen von Pflanzen entsteht, ist ölhaltig und kann bei bestimmten Menschen Reaktionen hervorrufen.

Die Symptome einer Giftefeu-Dermatitis beginnen acht bis 48 Stunden nach dem Kontakt und bestehen aus heftigem Juckreiz, rotem Ausschlag sowie zahlreichen größeren und kleineren Bläschen. Die Bläschen entstehen für gewöhnlich in einer geraden Linie, die den Pfad darstellt, auf dem die Pflanze die Haut gestreift hat. Der Ausschlag kann mehrfach an unterschiedlichen Stellen auftreten, entweder aufgrund eines wiederholten Kontakts mit kontaminierter Kleidung oder anderen Objekten oder weil einige Hautbereiche empfindlicher sind als andere. Die Bläschen selbst sind nicht ansteckend. Der Juckreiz und der Ausschlag halten zwei bis drei Wochen an.

Erkennung und Vermeidung von Kontakt mit diesen Pflanzen ist die beste Prävention. Eine Reihe im Handel erhältlicher Cremes und Lotionen können vor der Exposition aufgetragen werden, um die Absorption des Öls in die Haut zu minimieren, aber nicht, um diese gänzlich zu verhindern. Das Öl kann durch Latex-Gummihandschuhe hindurch sickern. Durch sofortiges Waschen der Haut mit Wasser und Seife kann die Absorption des Öls verhindert werden. Stärkere Lösungsmittel wie Aceton, Alkohol und zahlreiche im Handel erhältliche Produkte sind möglicherweise auch nicht wirksamer. Eine Desensibilisierung mit mehreren Injektionen oder Tabletten oder durch den Verzehr von Giftefeu ist nicht wirksam.

Die Behandlung der Giftefeu-Dermatitis hilft bei der Linderung der Symptome, verkürzt aber die Dauer des Hautausschlags nicht. Die wirksamste Behandlung ist die Anwendung von Kortikosteroiden. Kleinflächiger Ausschlag kann mit einem starken topischen Kortikosteroid (Medikament, das auf die Haut aufgetragen wird) wie Triamcinolon, Clobetasol oder Diflorason behandelt werden – mit Ausnahme von Gesicht und Genitalien, wo nur milde Kortikosteroide, wie 1%iges Hydrocortison zulässig sind. Bei großflächigem Ausschlag oder einer bedeutenden Schwellung des Gesichts werden Kortikosteroide in hoher Dosis zum Einnehmen verabreicht. Kalte mit Wasser oder essigsaurer Tonerde getränkte Kompressen können bei größeren Flächen mit Bläschenbildung angewendet werden. Gegen den Juckreiz können oral einzunehmende Antihistaminika helfen. Antihistaminika enthaltende Lotionen und Cremes werden nur selten verwendet.

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