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Glykogenspeicherkrankheiten

Von

Matt Demczko

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2020| Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
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Quellen zum Thema

Glykogenspeicherkrankheiten sind Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, die entstehen, wenn die am Stoffwechsel von Glykogen beteiligten Enzyme gestört sind, was häufig zu Wachstumsstörungen, Schwäche, einer vergrößerten Leber, niedrigem Blutzucker und Verwirrtheit führt. Glykogenspeicherkrankheiten treten auf, wenn Eltern ihre defekten Gene an ihre Kinder weitergeben, die dann bei den Kindern zu diesen Krankheiten führen.

  • Glykogenspeicherkrankheiten werden durch den Mangel eines Enzyms verursacht, das zur Umwandlung von Glukose in Glykogen und zum Abbau von Glykogen in Glukose erforderlich ist.

  • Häufige Symptome sind Schwäche, Schwitzen, Verwirrtheit, Nierensteine, eine große Leber, niedriger Blutzucker und Wachstumshemmung.

  • Die Diagnose wird anhand von Bluttests, durch Untersuchung einer Gewebeprobe unter einem Mikroskop (Biopsie) und anhand von Aufnahmen mit der Magnetresonanztomographie gestellt.

  • Die Behandlung hängt von der Art der Glykogenspeicherkrankheit ab und umfasst meist eine kontrollierte Aufnahme von Kohlenhydraten.

Es gibt verschiedene Arten von Erbkrankheiten. Bei vielen erblichen Stoffwechselstörungen sind beide Eltern des betroffenen Kindes Träger einer Kopie des abnormen Gens. Da für gewöhnlich zwei Kopien des abnormen Gens erforderlich sind, damit die Krankheit auftritt, ist normalerweise keiner der beiden Eltern krank. (Siehe auch Überblick über erbliche Stoffwechselstörungen.)

Glykogen (ein Kohlenhydrat) besteht aus vielen aneinander gereihten Glukosemolekülen. Glukose dient dem Körper als Hauptenergiequelle, die er für seine Muskeln, einschließlich des Herzens, und das Gehirn verwendet. Glukose, die nicht sofort zur Energiegewinnung verbraucht wird, wird in der Leber, den Muskeln und Nieren in Form von Glykogen gespeichert und bei Bedarf wieder mobilisiert.

Kindern mit einer Glykogenspeicherkrankheit fehlt eines der Enzyme, das für die Umwandlung von Glukose in Glykogen oder den Abbau (Metabolisierung) von Glykogen in Glukose benötigt wird. Etwa einer von 25.000 Säuglingen leidet an einer Form von Glykogenspeicherkrankheit.

Es gibt viele unterschiedliche Glykogenspeicherkrankheiten, die auch als Glykogenosen bezeichnet werden. Jede wird mit einer römischen Ziffer identifiziert.

Symptome

Manche dieser Krankheiten verursachen kaum Symptome. Andere sind jedoch tödlich. Die spezifischen Symptome, das Alter, in denen sie zum ersten Mal auftreten, und ihr Schweregrad unterscheiden sich zwischen diesen Störungen sehr stark. Das Hauptsymptom der Glykogenosen Typ II, V und VII ist meist Muskelschwäche (Myopathie). Die Glykogenosen Typ I, III und VI sind durch niedrige Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) und einen aufgetriebenen Bauch gekennzeichnet (überschüssiges oder anomales Glykogen kann die Leber vergrößern). Niedrige Blutzuckerspiegel verursachen Schweißausbrüche, Verwirrtheit und manchmal Krampfanfälle und Koma. Weitere mögliche Krankheitsfolgen sind bei Kindern eine Wachstumshemmung, häufige Infektionen sowie Geschwüre im Mund und Darm.

Bei einer Glykogenspeicherkrankheit lagert sich in den Gelenken und Nieren oft Harnsäure (ein Abbauprodukt) ab. Als Folge entsteht eine Gicht und es können sich Nierensteine bilden. Bei der Glykogenspeicherkrankheit Typ I tritt im Alter von 11 bis 20 Jahren oder später häufig eine Niereninsuffizienz auf.

Diagnose

  • Bluttests, Biopsie und Magnetresonanztomographie

Die Glykogenspeicherkrankheit wird anhand einer Untersuchung einer Muskel- oder Lebergewebeprobe unter einem Mikroskop (Biopsie) und einer Magnetresonanztomographie (MRT) auf Glykogen im Gewebe diagnostiziert. Ärzte bestätigen die Diagnose durch Analyse der DNS. Andere Tests, etwa Leber-, Haut-, Muskel- und Bluttests, werden durchgeführt, um den spezifischen Typ der Glykogenspeicherkrankheit festzustellen. Außerdem gibt es Gentests zur Feststellung, ob bei einem Paar ein erhöhtes Risiko besteht, Kinder mit der genetischen Erbkrankheit zu bekommen. Siehe auch Diagnose von erblichen Stoffwechselkrankheiten.

Tabelle
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Einige Arten von Glykogenspeicherkrankheiten

Bezeichnung*

Betroffene Organe, Gewebe oder Zellen

Symptome

GSD 0

Leber oder Muskel

Episoden mit niedrigem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) während des Fastens, falls die Leber betroffen ist

GSD I (Morbus von Gierke)

Typ Ia

Leber und Niere

Leber- und Nierenvergrößerung, Wachstumsverzögerung, sehr niedriger Blutzuckerspiegel, ungewöhnlich hohe Spiegel von Säure, Fett sowie Harnsäure im Blut

Typ IB

Leber und weiße Blutkörperchen

Gleich wie bei Morbus von Gierke

Verringerung der Anzahl weißer Blutkörperchen, wiederkehrende Infektionen und entzündliche Darmerkrankungen

GSD II (Morbus Pompe)

Alle Organe

Vergrößerung von Leber und Herz sowie Muskelschwäche

GSD III (Morbus Cori, Morbus Forbes)

Leber, Muskel und Herz

Lebervergrößerung oder Leberzirrhose, niedriger Blutzuckerspiegel, Muskel- und Herzschädigung, bei einigen Menschen auch Knochenschwäche

GSD IV (Morbus Andersen)

Leber, Muskel und die meisten Gewebe

Zirrhose, Muskelschädigung, verzögertes Wachstum und verzögerte Entwicklung

GSD V (Morbus MCardle)

Muskel

Muskelkrämpfe oder -schwäche bei körperlicher Betätigung

GSD VI (Morbus Hers)

Leber

Vergrößerte Leber

Episoden mit niedrigem Blutzuckerspiegel während des Fastens

Häufig ohne Symptome

GSD VII (Morbus Tarui)

Skelettmuskeln und rote Blutkörperchen

Muskelkrämpfe bei körperlicher Betätigung und Abbau der roten Blutkörperchen (Hämolyse)

GSD VIII/IX

Leber

Nieren

Vergrößerte Leber

Niedriger Blutzucker

Nierenerkrankungen

Kleinwüchsigkeit

Rachitis, schwache Knochen

* Es gibt viele unterschiedliche Glykogenspeicherkrankheiten. Jede wird mit einer römischen Ziffer identifiziert.

GSD = Glykogenspeicherkrankheit.

Behandlung

  • Kohlenhydratreiche Ernährung

  • Vorbeugung eines niedrigen Blutzuckerspiegels durch häufige oder nahezu dauerhafte Fütterung

  • Behandlungen für bestimmte Komplikationen

Die Behandlung hängt vom Typ der Glykogenspeicherkrankheit ab.

Bei den meisten Formen lässt sich mit häufigen kleinen kohlenhydratreichen Mahlzeiten erreichen, dass der Blutzuckerspiegel nicht abfällt.

Bei Glykogenspeicherkrankheiten, die niedrige Blutzuckerspiegel verursachen, lässt sich durch die Gabe von ungekochtem Stärkemehl alle 4 bis 6 Stunden rund um die Uhr, auch in der Nacht, das Problem lösen.

In anderen Fällen müssen Kohlenhydratlösungen nachts über eine Magensonde gegeben werden, um ein nächtliches Absinken des Blutzuckerspiegels zu verhindern.

Menschen mit einer Glykogenspeicherkrankheit, die sich auf die Muskeln auswirkt, sollten sich nicht übermäßig körperlich belasten.

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