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Vaginale Blutungen während der frühen Schwangerschaft

Von

Geeta K. Swamy

, MD, Duke University Medical Center;


R. Phillip Heine

, MD, Duke University Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Während der ersten 20 Schwangerschaftswochen kommt es bei 20 bis 30 Prozent der Frauen zu Scheidenblutungen. Bei der Hälfte dieser Frauen endet die Schwangerschaft in einer Fehlgeburt. Wenn die Fehlgeburt nicht sofort auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass während der Spätschwangerschaft Komplikationen auftreten. Beispielsweise kann das Gewicht des Kindes sehr niedrig sein oder das Kind wird zu früh (Frühgeburt) oder tot geboren (Totgeburt). Auch kann es vorkommen, dass das Kind während oder kurz nach der Geburt stirbt. Ist die Blutung sehr stark, kann der Blutdruck alarmierend stark abfallen und einen Kreislaufschockauslösen.

Die Menge des Blutes kann von Blutflecken bis hin zu massiven Blutmengen variieren. Das Verlieren einer großen Menge an Blut stellt grundsätzlich einen Grund zur Besorgnis dar. Jedoch können auch Schmierblutungen oder leichte Blutungen auf eine ernstzunehmende Erkrankung hinweisen.

Ursachen

Vaginale Blutungen während der frühen Schwangerschaft können auf Erkrankungen zurückgeführt werden, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen. Jedoch kann ihnen auch eine andere Ursache zugrunde liegen (siehe Tabelle mit einigen Ursachen und Merkmalen von Scheidenblutungen während der frühen Schwangerschaft).

Die häufigste Ursache ist:

Es gibt verschiedene Arten von Fehlgeburten (auch Spontanabort genannt). Eine Fehlgeburt kann möglich sein (drohender Abort) oder wird gewiss eintreten (unvermeidbarer Abort). Alle Gebärmutterinhalte (Fötus und Plazenta) werden ausgestoßen (vollständiger Abort) oder werden nicht bzw. nur teilweise (unvollständiger Abort) ausgestoßen. Die Gebärmutterinhalte können sich vor, während oder nach der Fehlgeburt infizieren (septischer Abort). Der Fötus kann in der Gebärmutter sterben und dort verbleiben (verhaltener Abort). Jede Art einer Fehlgeburt kann Scheidenblutungen während der frühen Schwangerschaft auslösen.

Die gefährlichste Ursache einer Scheidenblutung ist:

  • Ruptur bei einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (ektope Schwangerschaft – wenn sich der Fötus nicht im Uterus, sondern an einem anderen Ort befindet, z. B. im Eileiter

Eine weitere Ursache, die unter Umständen gefährlich werden kann, jedoch weniger häufig auftritt, ist das Platzen einer Gelbkörperzyste. Nachdem eine Eizelle von dem sie umgebenden Follikel (der Gelbkörper des Eierstocks) freigesetzt wurde, kann es vorkommen, dass sich der Follikel, der sich nun eigentlich zurückbilden sollte, mit Flüssigkeit oder Blut füllt. Kommt es zu einer Ruptur bei einer ektopen Schwangerschaft oder zum Platzen einer Gelbkörperzyste, können starke Blutungen auftreten, die einen Kreislaufschock auslösen.

Beurteilung

Zunächst wird von den Ärzten festgestellt, ob die Ursache auf eine ektope Schwangerschaft zurückzuführen ist.

Warnsignale

Bei schwangeren Frauen mit Scheidenblutungen während einer frühen Schwangerschaft stellen folgende Symptome einen Grund zur Besorgnis dar:

  • Ohnmacht, Benommenheit oder Herzrasen. Diese Symptome weisen auf einen sehr geringen Blutdruck hin

  • Verlust einer großen Blutmenge oder Blut, das Gewebe oder große Blutgerinnsel enthält

  • Schwere Bauchschmerzen, die stärker werden, wenn sich die Frau bewegt oder ihre Lage ändert

  • Fieber, Schüttelfrost und ein Scheidenausfluss mit Eiter und Blut

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Frauen, bei denen Warnsignale auftreten, sollten umgehend einen Arzt aufsuchen.

Frauen ohne Warnsignale sollten innerhalb von 48 bis 72 Stunden einen Arzt aufsuchen.

Was der Arzt unternimmt:

Die Ärzte werden die Frau nach ihren Symptomen und ihrer Krankengeschichte fragen (einschließlich früherer Schwangerschaften, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen). Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache und auf die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle mit einigen Ursachen und Merkmalen von Scheidenblutungen während der frühen Schwangerschaft).

Der Arzt stellt Fragen zu den Blutungen:

  • Wie stark die Blutungen sind (z. B. wie viele Einlagen verwendet werden bzw. wie oft diese pro Stunde gewechselt werden müssen)

  • Ob Blutgerinnsel oder Gewebe im Blut zu finden ist

  • Ob die Blutungen mit Schmerzen verbunden sind

Wenn Schmerzen verspürt werden, wird die Frau gefragt, wann und wie die Schmerzen eingesetzt haben, wo sie auftreten, wie lange sie andauern, ob es sich um einen stechenden oder dumpfen Schmerz handelt und ob er konstant ist oder kommt und geht.

Bei der körperlichen Untersuchung wird von den Ärzten zunächst überprüft, ob ein Fieber oder Anzeichen eines starken Blutverlusts vorliegen, z. B. Herzrasen oder ein niedriger Blutdruck. Anschließend wird eine Untersuchung des Beckens durchgeführt, um herauszufinden, ob sich der Gebärmutterhals (der untere Teil der Gebärmutter) bereits für die Geburt des Kindes öffnet (weitet). Wird Gewebe entdeckt (womöglich von der Fehlgeburt), wird dieses entfernt und zur Analyse in ein Labor geschickt.

Der Arzt übt auch einen leichten Druck auf den Bauch der Frau aus, um zu sehen, ob dieser druckempfindlich ist.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale von Scheidenblutungen während einer frühen Schwangerschaft

Ursache

Häufige Merkmale*

Tests

Geburtsbezogene Erkrankungen, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen

Eine ektope Schwangerschaft (eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter)

Gelegentlich nur leichte Scheidenblutungen

Bauch- oder Unterleibsschmerzen, die:

  • Häufig und konstant auftreten (keine Krämpfe)

  • An einer bestimmten Stelle beginnen

  • Manchmal leicht sind

Gewöhnlich besteht Druckempfindlichkeit bei der Durchführung der Untersuchung des Beckens

Kommt es bei einer ektopen Schwangerschaft zur Ruptur, treten Symptome wie Ohnmacht, Benommenheit oder Herzrasen auf

Gewöhnlich werden Bluttests zur Messung eines Hormons durchgeführt, das von der Plazenta produziert wird (humanes Choriongonadotropin oder hCG)

Ultraschalluntersuchung des Beckens

In manchen Fällen eine Laparoskopie (Einführung eines Betrachtungsschlauchs durch einen Schnitt im Unterleib) oder Laparotomie (operativer Eingriff mit Schnitt im Unterleib)

Eine Fehlgeburt, die:

  • Eingetreten ist oder eintritt

  • Unter Umständen auftreten kann (drohender Abort)

Krampfartige Schmerzen im Becken und oftmals im gesamten Bauchraum

Oftmals Scheidenblutungen, in einigen Fällen mit Durchlass von Gewebe des Fötus

Tests, z. B. Untersuchungen bei Verdacht auf ektope Schwangerschaften

Septischer Abort (Infektion der Gebärmutterinhalte)

Fieber und Schüttelfrost, anhaltende Bauchschmerzen, Scheidenausfluss mit Eiter

Gewöhnlich bei Frauen, die einen geplanten Schwangerschaftsabbruch hatten (häufig von ungeschulten praktischen Ärzten oder den Frauen selbst durchgeführt)

Tests, z. B. Untersuchungen bei Verdacht auf ektope Schwangerschaften

Probenkulturen des Gebärmutterhalses

Eine Blasenmole (übermäßiges Wachstum der Plazenta) oder eine andere Form einer trophoblastischen Schwangerschaftskrankheit

Eine Gebärmutter, die größer als erwartet ist

Es wird kein Herzschlag und keine Bewegung des Kindes festgestellt

Unter Umständen ein hoher Blutdruck, Anschwellen der Füße oder Hände, schweres Erbrechen oder das Passieren eines weintraubenartigen Gewebes

Tests, z. B. Untersuchungen bei Verdacht auf ektope Schwangerschaften

Platzen einer Gelbkörperzyste (entsteht aus dem Eibläschen im Eierstock, wenn es geplatzt ist)

Bauch- oder Unterleibsschmerzen, die:

  • An einer bestimmten Stelle beginnen

  • Gelegentlich Übelkeit und Erbrechen hervorrufen

  • In der Regel plötzlich beginnen

Tritt am häufigsten während der ersten 12 Schwangerschaftswochen auf

Tests, z. B. Untersuchungen bei Verdacht auf ektope Schwangerschaften

Erkrankungen, die in keinem Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen

Vaginitis (Entzündung der Scheide, oftmals aufgrund einer Infektion)

Nur Schmierblutungen und leichte Blutungen

Scheidenausfluss

Zuweilen Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, Unterleibsschmerzen oder beides

Die Untersuchung durch einen Arzt, um andere Ursachen ausschließen zu können

Probenkulturen des Gebärmutterhalses

Zervizitis (Infektion des Gebärmutterhalses)

Nur Schmierblutungen und leichte Blutungen

Gelegentlich eine Druckempfindlichkeit bei der Durchführung einer Untersuchung des Beckens, Bauchschmerzen oder auch beides

Die Untersuchung durch einen Arzt, um andere Ursachen ausschließen zu können

Probenkulturen des Gebärmutterhalses

Polypen (fingerartige Wucherungen) im Gebärmutterhals, die gewöhnlich gutartig sind

Leichte Blutungen

Keine Schmerzen

Gelegentlich werden Polypen festgestellt, die aus dem Gebärmutterhals herausragen

Ärztliche Untersuchung

Nachuntersuchungen zur weiteren Evaluierung der Polypen

Verletzungen

Ein Riss im Gebärmutterhals oder in der Scheide

Möglicherweise aufgrund eines Eingriffs wie z. B. einer Amniozentese

Ärztliche Untersuchung

*Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Gewöhnlich wird ein Schwangerschaftstest durch Urinprobe durchgeführt, wenn die Frau nur einen Schwangerschaftstest zu Hause durchgeführt hat. Da eine ektope Schwangerschaft für die Frau lebensbedrohlich sein kann, werden bei den meisten Frauen mit Scheidenblutungen Untersuchungen zur Feststellung einer ektopen Schwangerschaft durchgeführt, sofern die Symptome nicht ganz deutlich auf eine andere Erkrankung hindeuten.

Tests

Während der Untersuchung kann von den Ärzten ein Doppler-Sonographiegerät verwendet werden, das auf dem Bauch der Frau positioniert wird, um den Herzschlag des Kindes zu überprüfen.

Wurde die Schwangerschaft noch nicht von einer medizinischen Fachkraft bestätigt, wird ein Schwangerschaftstest mit Urinprobe durchgeführt. Sobald die Schwangerschaft bestätigt wurde, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Blutgruppe und Rh-Status (positiv oder negativ)

  • Normalerweise Ultraschall

  • In der Regel werden Bluttests zur Messung eines Hormons (humanes Choriongonadotropin oder hCG) durchgeführt, das von der Plazenta während der frühen Schwangerschaft produziert wird

Der Rh-Status wird überprüft, da eine schwangere Frau mit Rh-negativem Blut mit Rh0-(D)-Immunglobulin behandelt werden muss, wenn bei ihr Scheidenblutungen auftreten. Eine Behandlung ist erforderlich, um zu verhindern, dass die Frau Antikörper produziert, die bei einer späteren Schwangerschaft die roten Blutkörperchen des Fötus angreifen können.

Kommt es zu übermäßigen Blutungen (mehr als eine Tasse voll), wird ein großes Blutbild gemacht und es werden Untersuchungen zur Feststellung von ungewöhnlichen Antikörpern oder für Kreuzproben von Blutkonserven durchgeführt (um herauszufinden, ob die Blutgruppe der Frau mit der Blutgruppe des Spenders kompatibel ist). Ist der Blutverlust beträchtlich oder kommt es zu einem Kreislaufschock, werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob Blutgerinnungsstörungen vorliegen.

In der Regel wird eine Ultraschalluntersuchung mit Hilfe eines Ultraschallgeräts vorgenommen, das in die Scheide eingeführt wird, sofern bei der Untersuchung nicht festgestellt wurde, dass eine vollständige Fehlgeburt aufgetreten ist. Mittels eines Ultraschalls kann eine Gebärmutterschwangerschaft und nach ungefähr 6 Wochen ein Herzschlag des Kindes festgestellt werden. Kann nach dieser Zeit kein Herzschlag festgestellt werden, ist eine Fehlgeburt unabwendbar. Wurde ein Herzschlag entdeckt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt weitaus geringer. Dennoch könnte es zu einer Fehlgeburt kommen. Auch kann durch die Ultraschalluntersuchung eine unvollständige, infizierte oder verhaltene Fehlgeburt festgestellt werden. Zudem können jegliche Bestandteile der Plazenta oder anderes schwangerschaftsbezogenes Gewebe in der Gebärmutter gefunden werden. Mit der Ultraschalluntersuchung kann eine geplatzte Gelbkörperzyste und eine Blasenmole oder andere Formen trophoblastischer Schwangerschaftskrankheiten festgestellt werden. Gelegentlich wird beim Ultraschall eine ektope Schwangerschaft entdeckt, je nachdem wo sich diese entwickelt und wie groß diese ist.

Mit Hilfe der Messung der hCG-Werte können die Ärzte die Ergebnisse des Ultraschalls auswerten und eine normale Schwangerschaft von einer ektopen Schwangerschaft unterscheiden. Besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit einer ektopen Schwangerschaft, werden die hCG-Werte in regelmäßigen Abständen gemessen. Besteht eine mäßige bis hohe Wahrscheinlichkeit, wird von den Ärzten ein kleiner Schnitt unterhalb des Bauchnabels gesetzt und ein Betrachtungsschlauch (Laparoskop) eingeführt, um sich die Gebärmutter und das umliegende Gewebe direkt anzusehen (Laparoskopie) und so herauszufinden, ob eine ektope Schwangerschaft vorliegt.

Behandlung

Treten starke Blutungen auf, kommt es zu einem Kreislaufschock oder besteht die Wahrscheinlichkeit einer ektopen Schwangerschaft, ist die erste Maßnahme, die von den Ärzten ergriffen wird, das Legen eines großen Venenkatheters, sodass bei Bedarf umgehend eine intravenöse Bluttransfusion gegeben werden kann.

Sind die Blutungen auf eine Erkrankung zurückzuführen, wird diese Erkrankung behandelt. Beispielsweise wird ein operativer Eingriff durchgeführt, wenn es bei einer ektopen Schwangerschaft zu einer Ruptur gekommen ist.

Obgleich Ärzte gewöhnlich Bettruhe verordnen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt besteht, gibt es keinen Beleg darüber, dass durch Bettruhe tatsächlich eine Fehlgeburt vermieden werden kann. Es wird empfohlen, zunächst keinen Geschlechtsverkehr zu haben, obgleich soweit kein Zusammenhang zwischen vollzogenem Geschlechtsverkehr und Fehlgeburten bestätigt werden konnte.

Wichtigste Punkte

  • Die häufigste Ursache von Blutungen während einer frühen Schwangerschaft ist eine Fehlgeburt.

  • Die schwerwiegendste Ursache einer Scheidenblutung ist eine ektope Schwangerschaft.

  • Eine schwangere Frau sollte umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn sie Symptome wie Herzrasen, Ohnmacht und Schwindelgefühle feststellt.

  • Es werden Bluttests zur Bestimmung des Rh-Status (Rh-negativ oder Rh-positiv) durchgeführt, da eine schwangere Frau mit Rh-negativem Blut mit Rh0-(D)-Immunglobulin behandelt werden muss, wenn bei ihr Scheidenblutungen auftreten. Dadurch wird verhindert, dass sie Antikörper produziert, die bei späteren Schwangerschaften die roten Blutkörperchen des Fötus angreifen könnten.

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