Schwangerschaftsabbruch

(Unterbrechung der Schwangerschaft)

VonFrances E. Casey, MD, MPH, NYU Grossman Long Island School of Medicine
Überprüft vonOluwatosin Goje, MD, MSCR, Cleveland Clinic, Lerner College of Medicine of Case Western Reserve University
Überprüft/überarbeitet Geändert Dez. 2025
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Kurzinformationen

Durch einen gezielten medizinischen Eingriff oder Medikamente kann eine Schwangerschaft absichtlich beendet werden.

  • Eine Schwangerschaft kann durch eine Operation, bei der die Gebärmutter ausgeschabt wird, oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente beendet werden.

  • Komplikationen treten nur selten auf, wenn der Schwangerschaftsabbruch durch eine erfahrene medizinische Fachkraft in einem Krankenhaus oder einer Klinik durchgeführt wird.

  • Ein freiwilliger Schwangerschaftsabbruch erhöht das Risiko für den Fötus oder die Frau während nachfolgender Schwangerschaften nicht.

In den USA sind die Hälfte aller Schwangerschaften unbeabsichtigt. Etwa 40 Prozent der ungewollten Schwangerschaften enden mit einem operativen oder medikamentösen Schwangerschaftsabbruch; 93 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche werden vor der 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Nach einer Fehlgeburt werden dieselben Medikamente oder Verfahren angewendet, um das verbleibende Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter zu entfernen.

In den USA wird sowohl der medikamentöse als auch der operative Schwangerschaftsabbruch durch gesetzliche Einschränkungen (z. B. vorgeschriebene Wartezeiten, Anzahl der Schwangerschaftswochen) reguliert. In Ländern, in denen Abtreibungen legal sind, ist das Verfahren sicher und es treten selten Komplikationen auf. Weltweit sterben ca. 13 Prozent der schwangeren Frauen an den Folgen eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs. Die meisten dieser Todesfälle findet man in Ländern, in denen Schwangerschaftsabbrüche illegal sind.

Häufig wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um das Alter des Fötus zu schätzen. Manchmal kann jedoch auch bei der Beurteilung durch eine medizinische Fachkraft das Alter während des ersten Trimenons geschätzt werden. Wenn Frauen Risikofaktoren für Probleme im Zusammenhang mit einem Schwangerschaftsabbruch aufweisen (wie Herz- oder Lungenerkrankung, Krampfanfälle oder eine Vorgeschichte von Kaiserschnitten), müssen sie möglicherweise weiter untersucht werden. Vor einem operativen Schwangerschaftsabbruch ab der 12. Schwangerschaftswoche müssen der Frau eventuell Medikamente verabreicht oder kleine Instrumente (Dilatatoren) verwendet werden, um den Gebärmutterhals weicher zu machen und zu erweitern. Dies trägt dazu bei, das Komplikationsrisiko zu senken.

Die Verhütung kann unmittelbar nach einem Schwangerschaftsabbruch vor der 28. Schwangerschaftswoche beginnen.

Methoden für einen Schwangerschaftsabbruch

Es gibt u. a. folgende Methoden für einen Schwangerschaftsabbruch:

  • Operativer Schwangerschaftsabbruch: Entfernung des Gebärmutterinhalts durch den Gebärmutterhals

  • Medikamente zur Induktion eines Aborts Medikamente zur Anregung von Kontraktionen der Gebärmutter, durch die der Gebärmutterinhalt ausgestoßen wird

Die Wahl der Methode hängt zum Teil davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche sich die Frau befindet und welchen Zugang sie zu medizinischer Versorgung hat. Gewöhnlich wird das Stadium der Schwangerschaft mithilfe einer Ultraschalluntersuchung festgestellt. Ein operativer Schwangerschaftsabbruch kann bei den meisten Schwangerschaften angewendet werden. Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch kann bei Schwangerschaften vor der 12. Woche ambulant angewendet werden. Vor dem Verlassen der Einrichtung sollte die Frau darüber aufgeklärt werden, dass Blutungen auftreten können und welche Vorsichtsmaßnahmen sie während und nach dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch ergreifen muss.

Schmerzmittel sollten nach den Wünschen der Frau angeboten werden. Bei Schwangerschaftsabbrüchen, die früh in der Schwangerschaft durchgeführt werden, kann nur ein Lokalanästhetikum erforderlich sein; während des Verfahrens kann es jedoch dennoch zu Unterleibskrämpfen kommen. In einer späteren Phase der Schwangerschaft kann auch eine moderate Sedierung (schmerzstillende Medikamente, die der Frau helfen, sich zu entspannen, ohne dass sie das Bewusstsein verliert, so genannter Dämmerschlaf) oder eine tiefe Sedierung vorgenommen werden. In seltenen Fällen ist eine Vollnarkose erforderlich.

Vor einem operativen Schwangerschaftsabbruch erhalten Frauen Antibiotika gegen Infektionen in den Geschlechtsorganen.

Nach jedem Schwangerschaftsabbruch (operativ oder medikamentös) erhalten Frauen mit Rh-negativem Blut eine Injektion mit Rh-Antikörpern, dem sogenannten Rh0(D)-Immunglobulin. Wenn der Fötus Rh-positives Blut hat, kann eine Frau mit Rh-negativem Blut Antikörper gegen den Rh-Faktor bilden. Diese Antikörper können die roten Blutkörperchen des Fötus zerstören. Eine Behandlung mit Rh0(D)-Immunglobulin reduziert das Risiko, dass das Immunsystem der Mutter diese Antikörper bildet und nachfolgende Schwangerschaften gefährdet. Eine Behandlung mit Immunglobulin ist vor der 12. Schwangerschaftswoche nicht erforderlich.

Operativer Schwangerschaftsabbruch

Die Inhalte der Gebärmutter werden durch die Scheide entfernt. Je nach Länge der Schwangerschaft werden verschiedene Methoden angewendet. Hierzu gehören:

Dilatation bezieht sich auf die Weitung des Gebärmutterhalses. Je nachdem, wie lange die Schwangerschaft andauert und wie viele Kinder die Frau bereits hatte, können verschiedene Arten von Dilatatoren verwendet werden. Um die Möglichkeit einer Verletzung des Gebärmutterhalses während der Aufdehnung zu verhindern, können Ärzte mithilfe saugfähiger natürlicher Substanzen wie getrockneten Seetangstengeln (Laminaria) oder mit einem synthetischen Dilatator vorgehen. Laminaria werden in die Öffnung des Gebärmutterhalses eingefügt und mindestens 4 Stunden oder manchmal auch über Nacht dort belassen. Da die Dilatatoren große Mengen an Körperflüssigkeiten absorbieren, wird die Öffnung des Gebärmutterhalses dabei geweitet und gedehnt. Medikamente wie z. B. Misoprostol (ein Prostaglandin) können ebenfalls zur Aufdehnung des Gebärmutterhalses eingesetzt werden.

In der Regel wird bei Schwangerschaften von weniger als 16 Wochen eine Dilatation und Kürettage (D und K) mit einem Sauggerät durchgeführt. Ein Spekulum wird in die Scheide eingeführt, damit der Arzt den Gebärmutterhals sehen kann. Ein Lokalanästhetikum (wie Lidocain) wird in den Gebärmutterhals gespritzt, um die Beschwerden zu lindern, und der Gebärmutterhals wird erweitert. Anschließend wird ein flexibler Schlauch, der an eine Vakuumquelle angeschlossen ist, in die Gebärmutter eingeführt, um den Fötus und die Plazenta zu entfernen. Zum Absaugen kann eine Handspritze oder ein ähnliches Instrument oder ein elektrisches Absauggerät verwendet werden. Manchmal wird nach der Anwendung des Sauginstruments ein kleines, scharfes, löffelförmiges Instrument (Kürette) eingeführt, um das restliche Gewebe zu entfernen. Dieses Verfahren sollte nur bei Bedarf und vorsichtig durchgeführt werden, um das Risiko von Vernarbungen und Unfruchtbarkeit zu verringern.

In der Regel wird ab der 16. Schwangerschaftswoche eine Dilatation und Aspiration (D und A) durchgeführt. Nach der Aufdehnung des Gebärmutterhalses werden das Schwangerschaftsgewebe und Fruchtwasser mithilfe von Absaugung und einer Zange entfernt. Dann kann eine scharfe Kürette vorsichtig verwendet werden, um sicherzustellen, dass der gesamte Keimling entfernt wurde.

Wenn Frauen eine spätere Schwangerschaft verhindern möchten, kann mit der Verhütung begonnen werden, sobald der Schwangerschaftsabbruch abgeschlossen ist, z. B. mit einem Intrauterinpessar (IUP) aus Kupfer oder einem Levonorgestrel freisetzenden Intrauterinpessar.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch in einem frühen Stadium der Schwangerschaft (vor der 12. Woche) kann das Verfahren zu Hause durchgeführt werden. Für einen Schwangerschaftsabbruch zu einem späteren Zeitpunkt wird die Frau normalerweise ins Krankenhaus oder in eine Klinik eingewiesen, um die Medikamente einzunehmen.

In den USA machten medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2023 63 % aller Abtreibungen aus, was einem Anstieg von 10 % zwischen 2020 und 2023 entspricht.

Medikamente zur Einleitung eines Schwangerschaftsabbruchs waren unter anderem Mifepriston (RU-486) und anschließend ein Prostaglandin wie z. B. Misoprostol.

Durch die Einnahme von Mifepriston wird die Wirkung des Hormons Progesteron gehemmt, das die Gebärmutterschleimhaut für eine Schwangerschaft vorbereitet. Mifepriston macht die Gebärmutter auch empfindlicher für das zweite Medikament, das verabreicht wird (das Prostaglandin).

Prostaglandine sind hormonelle Substanzen, welche die Kontraktionen der Gebärmutter anregen. Sie können zusammen mit Mifepriston verwendet werden. Prostaglandine können im Mund (im Wangeninneren oder unter der Zunge) behalten werden, bis sie sich auflösen, können aber auch in die Scheide eingeführt werden.

Mifepriston und eine einmalige Dosis Misoprostol sind bei Schwangerschaften von 8 bis 9 Wochen in etwa 95 Prozent der Fälle wirksam. Bei Schwangerschaften ab der 9. Woche sind sie etwas weniger wirksam. Die Wirksamkeit nach der 9. Schwangerschaftswoche wird durch eine zusätzliche Dosis Misoprostol verbessert. Die Wirksamkeit nach der 11. Schwangerschaftswoche wird mit 2 zusätzlichen Dosen verbessert.

Ärzte bestätigen den erfolgten Schwangerschaftsabbruch mit einer der folgenden Methoden:

  • Ultraschall

  • Ein Bluttest zur Messung des humanen Choriongonadotropins (hCG) am Tag der Verabreichung des Medikaments und eine Woche später (hCG wird in Frühphasen der Schwangerschaft produziert)

  • Ein Schwangerschaftstest im Urin (sollte 5 Wochen oder länger nach dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch negativ sein)

Wenn ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch nicht erfolgreich ist, kann ein operativer Schwangerschaftsabbruch erforderlich sein.

Komplikationen bei einem Schwangerschaftsabbruch

Komplikationen sind bei einem legalen Schwangerschaftsabbruch selten. Nach einem Schwangerschaftsabbruch treten weitaus weniger Komplikationen auf als nach der Entbindung eines ganz ausgetragenen Babys. Schwere Komplikationen treten bei weniger als 1 Prozent der Frauen auf, die einen Schwangerschaftsabbruch haben, und die Raten sind in frühen Schwangerschaftsstadien und in Umgebungen mit sicherem Zugang zu medizinischer Versorgung am niedrigsten.

Das Komplikationsrisiko hängt mit der verwendeten Methode zusammen.

  • Ausschabung während eines operativen Eingriffs: Komplikationen sind selten, wenn operative Schwangerschaftsabbrüche von medizinischen Fachkräften durchgeführt werden. Bei weniger als einem von 1.000 Schwangerschaftsabbrüchen wird die Gebärmutter oder der Gebärmutterhals von einem Operationsinstrument verletzt (perforiert). Eine Verletzung des Darms oder eines anderen Organs ist noch seltener. Bei 6 von 10.000 Schwangerschaftsabbrüchen treten schwere Blutungen während oder unmittelbar nach dem Eingriff auf. In sehr seltenen Fällen entsteht durch das Verfahren oder eine nachfolgende Infektion Narbengewebe in der Gebärmutterschleimhaut, was zur Sterilität führen kann. Diese Erkrankung wird Asherman-Syndrom genannt.

  • Medikamente: Mifepriston und das Prostaglandin Misoprostol haben Nebenwirkungen. Die häufigsten sind krampfartige Unterleibsschmerzen, Scheidenblutungen sowie Magen- und Darmbeschwerden, wie z. B. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

  • Beide Methoden: Wenn ein Teil der Plazenta in der Gebärmutter zurückbleibt, kann es zu Blutungen und Infektionen kommen. Wenn es zu einer Blutung kommt oder eine Infektion vermutet wird, bestimmen Ärzte mithilfe von Ultraschall, ob ein Teil der Plazenta in der Gebärmutter verblieben ist.

Wussten Sie ...

  • Komplikationen durch einen Schwangerschaftsabbruch treten nur selten auf, wenn dieser von einer erfahrenen medizinischen Fachkraft in einem Krankenhaus oder einer Klinik durchgeführt wird.

Später können Blutgerinnsel in den Beinen entstehen, insbesondere, wenn die Frau inaktiv ist.

Wenn der Fötus Rh-positives Blut hatte, kann eine Frau mit Rh-negativem Blut Antikörper produzieren wie bei jeder Schwangerschaft, Fehlgeburt und Geburt. Solche Antikörper können nachfolgende Schwangerschaften gefährden. Durch eine Injektion mit Rh0(D)-Immunglobulin wird die Entstehung von Antikörpern verhindert. Immunglobulin kann bei Schwangerschaften, die weniger als 8 Wochen gedauert haben, optional sein.

Frauen sollte psychische Unterstützung angeboten werden. Frauen mit den folgenden Merkmalen benötigen möglicherweise zusätzliche Hilfe:

  • Psychologische Symptome bereits vor der Schwangerschaft

  • Erhebliche emotionale Bindung zur Schwangerschaft

  • Begrenzte soziale Unterstützung oder ein Gefühl der Missbilligung im sozialen Umfeld der betroffenen Frau

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