Interstitielle Zystitis

(Blasenschmerzsyndrom)

Vollständige Überprüfung: März 2026 VonPatrick J. Shenot, MD, Thomas Jefferson University Hospital | Peer-Review durchLeonard G. Gomella, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University
Letzte Aktualisierung: März 2026
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Die interstitielle Zystitis, auch als Blasenschmerzsyndrom bekannt, ist eine nichtinfektiöse Blasenentzündung, die Schmerzen (suprapubisch, pelvin und abdominal), Pollakisurie sowie imperativen Harndrang mit Inkontinenz verursacht. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese und Ausschluss anderer Erkrankungen klinisch und durch Tests nach Bedarf. Unter der Therapie geht es den meisten Patienten besser, eine Heilung ist jedoch selten. Die Behandlung variiert, umfasst jedoch Ernährungsumstellungen, Blasentraining, orale Medikamente (z. B. Amitriptylin, Pentosan, nichtsteroidale Antirheumatika) und intravesikale Therapien.

Die Inzidenz der interstitiellen Zystitis ist unbekannt; die Störung scheint aber häufiger zu sein als früher angenommen und kann anderen klinischen Syndromen zugrunde liegen (z. B. chronischen Beckenschmerzen). Weiße sind häufiger betroffen und 90% der Fälle kommen bei Frauen vor (1). Diese demografischen Muster spiegeln jedoch möglicherweise eher Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, bei Überweisungspraktiken und bei der diagnostischen Erkennung wider als eine tatsächliche biologische Anfälligkeit.

Die Ursache ist unbekannt, aber die Pathophysiologie kann womöglich mit dem Verlust von schützendem urothelialem Mucin und dem dadurch bedingten Eindringen von Harnkalium und anderen Substanzen in die Blasenwand, mit der Aktivierung von sensiblen Nerven und einer Schädigung der glatten Muskulatur in Zusammenhang stehen. Mastzellen können diesen Prozess vermitteln, aber ihre Rolle ist unklar. (Siehe auch Übersicht zu Miktion.)

General reference

  1. 1. Propert KJ, Schaeffer AJ, Brensinger CM, Kusek JW, Nyberg LM, Landis JR. A prospective study of interstitial cystitis: results of longitudinal followup of the interstitial cystitis data base cohort. The Interstitial Cystitis Data Base Study Group. J Urol. 2000;163(5):1434-1439. doi:10.1016/s0022-5347(05)67637-9

Symptome und Anzeichen der interstitiellen Zystitis

Anfangs verläuft die interstitielle Zystitis asymptomatisch; aber wenn es im Laufe der Jahre zu einer Schädigung der Blasenwand kommt, treten Symptome auf und verschlimmern sich. Suprapubischer und Beckendruck oder Schmerzen stehen oft in Verbindung mit häufigem Wasserlassen (bis zu 60-mal am Tag) oder Harndrang. Diese Symptome verschlechtern sich mit der Blasenfüllung und verschwinden, wenn die Patienten Wasser lassen; bei manchen Patienten werden die Symptome durch Ovulation, Menstruation, saisonale Allergien, physischen oder emotionalen Stress oder beim Geschlechtsverkehr schlimmer. Nahrungsmittel mit hohem Kaliumgehalt (z. B. Zitrusfrüchte, Schokolade, koffeinhaltige Getränke, Tomaten) können eine Verschlimmerung auslösen. Tabak, Alkohol und stark gewürzte Speisen können die Symptome verschlechtern. Wird die Blasenwand narbig umgewandelt, nehmen Blasencompliance und -kapazität ab, woraus Harndrang und häufiges Wasserlassen resultieren oder sich verschlechtern.

Diagnose von interstitieller Zystitis

  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Zusätzliche Tests zum Ausschluss anderer Erkrankungen (z. B. Urinanalyse, Urinkultur)

  • Zystoskopie mit ggf. Biopsie bei ausgewählten Patienten, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.

Die Diagnose wird aufgrund der Symptome vermutet, nachdem durch Untersuchungen (z. B. Urinanalyse) häufigere Störungen, die ähnliche Symptome verursachen, ausgeschlossen wurden (z. B. Harnwegsinfektionen [HWI], Adnexitis, chronische Prostatitis oder Prostatodynie, Divertikulitis) (1). Die Beurteilung der Symptome mit einer standardisierten Symptomskala wie dem Genitourinary Pain Index (GUPI) (2), dem Interstitial Cystitis Symptom Index (ICSI) (3) oder der visuellen Analogskala (VAS) ist hilfreich, um Ausgangswerte zu ermitteln und die Behandlung zu bewerten.

Eine Zystoskopie ist in unkomplizierten Fällen zur Diagnosestellung einer interstitiellen Zystitis nicht erforderlich, sollte aber in Betracht gezogen werden, wenn die Diagnose unklar ist (1). Die zystoskopische Untersuchung ist nützlich, um urologische Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Anzeichen und Symptome wie eine interstitielle Zystitis aufweisen, und zeigt gelegentlich gutartige Blasenulzera (Hunner-Läsionen); sofern vorhanden, ist eine Biopsie der Hunner-Läsionen erforderlich, um Blasenkrebs auszuschließen. Urodynamische Untersuchungen sind ebenfalls nicht routinemäßig indiziert, sollten jedoch bei Verdacht auf eine Blasenauslassobstruktion und bei Patienten, die nicht auf verhaltenstherapeutische oder medikamentöse Therapien ansprechen, in Betracht gezogen werden.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Clemens JQ, Erickson DR, Varela NP, Lai HH. Diagnosis and Treatment of Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome. J Urol. 2022;208(1):34-42. doi:10.1097/JU.0000000000002756

  2. 2. Clemens JQ, Calhoun EA, Litwin MS, et al. Validation of a modified National Institutes of Health chronic prostatitis symptom index to assess genitourinary pain in both men and women. Urology. 2009;74(5):983-987.e9873. doi:10.1016/j.urology.2009.06.078

  3. 3. O'Leary MP, Sant GR, Fowler FJ Jr, Whitmore KE, Spolarich-Kroll J. The interstitial cystitis symptom index and problem index. Urology. 1997;49(5A Suppl):58-63. doi:10.1016/s0090-4295(99)80333-1

Behandlung der interstitiellen Zystitis

  • Nichtpharmakologische Interventionen (verhaltenstherapeutische Interventionen, Schulung, Stressmanagement, manuelle physiotherapeutische Techniken)

  • Medikamente (z. B. Amitriptylin, Pentosanpolysulfat-Natrium, nichtsteroidale Antirheumatika [NSAR], Cimetidin, Hydroxyzin)

  • Intravesikale Instillationen (Dimethylsulfoxid, Heparin, Lidocain)

  • Verfahren (z. B. Zystoskopie mit Hydrodistension)

  • Operation bei refraktären Symptomen

Wahl der Behandlungsmethode

Die Behandlung ist individuell abgestimmt und beinhaltet in der Regel einen multimodalen Ansatz. Zu den Optionen gehören Änderungen des Lebensstils oder des Verhaltens, orale Medikamente, intravesikale Instillationen, Eingriffe (z. B. Zystoskopie mit Hydrodistension) und selten Operationen (1). Eine Operation wird bei ausgewählten Patienten in Betracht gezogen, die alle anderen Optionen ausgeschöpft haben.

Nichtpharmakologische (oder verhaltenstherapeutische) Maßnahmen

Obwohl bei den meisten Patienten unter der Behandlung eine Besserung eintritt, ist eine Heilung selten. Die Behandlung sollte die Aufklärung über die normale Blasenfunktion, die Förderung des Bewusstseins für die bekannten und unbekannten Aspekte der interstitiellen Zystitis sowie die Vermeidung potenzieller Auslöser wie Tabak, Alkohol, kaliumreiche Lebensmittel und scharfe Speisen umfassen. Techniken zum Stressmanagement sind nützlich, um Bewältigungsstrategien zu entwickeln und stressbedingte Symptomverschlechterungen zu minimieren.

Manuelle physiotherapeutische Techniken wie Massage und Triggerpunktbehandlung können bei Patienten mit Druckempfindlichkeit der Beckenbodenmuskulatur helfen. Beckenbodenkräftigungsübungen (z. B. Kegel-Übungen) werden nicht empfohlen.

Pharmakotherapie

Zu den oralen Medikamenten, die eingesetzt werden können, gehören Amitriptylin, Pentosanpolysulfat-Natrium, Cimetidin und Hydroxyzin. Kein einzelnes Medikament hat eine Überlegenheit gegenüber einem anderen gezeigt, und die Wahl richtet sich nach der Verträglichkeit, den Präferenzen und den Komorbiditäten des Patienten (2). Amitriptylin hat sich hinsichtlich der Symptomlinderung gegenüber Placebo als überlegen erwiesen, doch seine Anwendung wird häufig durch Nebenwirkungen wie Sedierung und Übelkeit eingeschränkt. Pentosanpolysulfat-Natrium könnte theoretisch dazu beitragen, die schützende Oberflächenschicht der Harnblase wieder aufzufüllen, basierend auf seinem vorgeschlagenen Wirkmechanismus als synthetisches Glykosaminoglykan-Analogon, dies ist jedoch nicht bewiesen. Eine Besserung kann erst nach 2 bis 4 Monaten bemerkbar werden, und es besteht das Risiko einer Makulaschädigung. Vor Beginn der Einnahme von Pentosanpolysulfat-Natrium sollte bei Patienten eine ophthalmologische Anamnese erhoben werden, und es werden regelmäßige Netzhautuntersuchungen empfohlen (1). Antihistaminika hemmen die Mastzellen direkt oder über die Blockade von allergischen Triggern. Cimetidin könnte durch seine Wirkung auf Histamin-H2-Rezeptoren in der Harnblase zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen beitragen.

Orale Analgetika wie NSAR in Standarddosierungen können die Schmerzen lindern.

Die intravesikale Instillation von 15 ml einer Lösung, die Pentosan, Heparin und Lidocain enthält, kann Patienten zugutekommen, die nicht auf orale Medikamente ansprechen. Dimethylsulfoxid, über einen Katheter in die Blase instilliert und dort für 15 Minuten belassen, kann Substanz P vermindern und die Mastzellgranulation fördern.

Intravesikale Hyaluronsäure wird derzeit untersucht.

Eingriffe und größere Operationen

Eine Zystoskopie mit Hydrodistension, die zystoskopische Resektion eines Hunner-Ulkus und die sakrale Nervenwurzelstimulation (S3) können einigen Patienten helfen.

Ein chirurgischer Eingriff (z. B. partielle Zystektomie, Blasenvergrößerung, Neoblasenrekonstruktion und Harnableitung) ist Patienten mit unerträglichen Schmerzen vorbehalten, die auf alle anderen Behandlungen nicht ansprechen. Der Ausgang ist nicht vorhersagbar; bei manchen Patienten bestehen die Symptome fort.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Clemens JQ, Erickson DR, Varela NP, Lai HH. Diagnosis and Treatment of Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome. J Urol. 2022;208(1):34-42. doi:10.1097/JU.0000000000002756

  2. 2. Imamura M, Scott NW, Wallace SA, et al. Interventions for treating people with symptoms of bladder pain syndrome: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2020;7(7):CD013325. doi:10.1002/14651858.CD013325.pub2

Wichtige Punkte

  • Die interstitielle Zystitis ist eine nichtinfektiöse Blasenentzündung, die chronische Beckenschmerzen und Pollakisurie verursachen kann.

  • Die Diagnose erfordert den Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome (z. B. Harnwegsinfektionen, entzündliche Erkrankungen des Beckens, chronische Prostatitis oder Prostatodynie, Divertikulitis).

  • Zystoskopie und Biopsie können hilfreich sein, um Erkrankungen auszuschließen, die eine interstitielle Zystitis nachahmen könnten.

  • Eine Heilung ist selten, aber bei den meisten Patienten tritt unter der Behandlung eine Besserung ein.

  • Die Behandlung kann Ernährungsumstellungen, Physiotherapie und medikamentöse Therapien umfassen (z. B. Amitriptylin, Pentosanpolysulfat-Natrium, Antihistaminika wie Hydroxyzin, Cimetidin, Dimethylsulfoxid-Instillation, NSAR).

  • Eine Operation ist Patienten mit nicht zu tolerierenden Schmerzen vorbehalten, bei denen alle anderen Therapieformen erfolglos waren.

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