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LGA-Kinder ("Large for Gestational Age")

Von

Robert L. Stavis

, PhD, MD

Inhalt zuletzt geändert Okt 2017
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Quellen zum Thema

Säuglinge mit einem Gewicht > 90. Perzentile in Bezug auf das Gestationsalter werden als LGA (large for gestational age) klassifiziert. Makrosomie ist ein Geburtsgewicht von > 4000 g bei einem zur Regelzeit geborenen Säugling. Die Hauptursache ist ein mütterlicher Diabetes mellitus. Komplikationen sind u. a. Geburtstraumen, Hypoglykämie, Hyperviskosität und Hyperbilirubinämie.

Das Gestationsalter ist die Zeit, die seit dem Beginn der letzten Regelblutung der Frau vergangen ist; es wird in der Regel in Wochen und Tagen gezählt. Das Schwangerschaftsalter ist nicht das tatsächliche Embryonalalter des Fötus.

Die Fenton-Wachstumskurven liefern eine präzisere Bewertung des Wachstums vs. des Gestationsalters ( Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Jungen und Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Mädchen).

Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Jungen

Fenton T, Kim J: A systematic review and meta-analysis to revise the Fenton growth chart for preterm infants. BMC Pediatrics 13:59, 2013; mit Erlaubnis genutzt. Verfügbar auf www.biomedcentral.com.

Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Jungen

Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Mädchen

Fenton T, Kim J: A systematic review and meta-analysis to revise the Fenton growth chart for preterm infants. BMC Pediatrics 13:59, 2013; mit Erlaubnis genutzt. Verfügbar auf www.biomedcentral.com.

Fenton-Wachstumskurven für frühgeborene Mädchen

Ätiologie

Abgesehen von genetisch bedingter Größe ist ein mütterlicher Diabetes mellitus die häufigste Ursache für LGA-Säuglinge. Die Makrosomie resultiert aus den anabolen Effekten hoher fetaler Insulinspiegel, die als Antwort auf die hohen mütterlichen Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft entstehen und manchmal erhöhte Kalorienzufuhr durch die Mutter, um den Glukoseverlust im Urin auszugleichen. Je schlechter der mütterliche Diabetes eingestellt ist, desto schwerer ist die fetale Makrosomie. Eine seltene Ursache der nichtgenetischen Makrosomie ist das Beckwith-Wiedemann-Syndrom (gekennzeichnet durch Macrosomie, Omphalozele, Makroglossie und Hypoglykämie).

Seltene Ursachen der Makrosomie sind das Beckwith-Wiedemann-Syndrom (gekennzeichnet durch Makrosomie, Omphalozele, Makroglossie und Hypoglykämie) und die Sotos-, Marshall- und Weaver-Syndrome.

Symptome, Befunde und Behandlung

LGA-Kinder sind groß, adipös und plethorisch. Der Apgar-Wert nach 5 Minuten kann niedrig sein. Diese Säuglinge können bewegungslos und schlaff sein und das Trinkverhalten kann reduziert sein. Entbindungsprobleme können auftreten. Kongenitale Anomalien und einige metabolische und kardiale Probleme sind für LGA-Kinder diabetischer Mütter spezifisch.

Geburtskomplikationen:

Wegen der beträchtlichen Größe des Säuglings kann die vaginale Entbindung schwierig und gelegentlich zu Geburtsverletzungen führen, besonders folgende

Andere Komplikationen treten auf, wenn das Gewicht > 4000 g ist. Es liegen aufgrund der folgenden Faktoren ein proportionaler Anstieg der Morbidität und Mortalität vor:

Kinder diabetischer Mütter (IDMs):

IDMs sind gefährdet

Hypoglykämie ist in den ersten Lebensstunden sehr wahrscheinlich. Ursache hierfür ist einerseits der Hyperinsulinismus, andererseits die plötzliche Unterbrechung der Glucosezufuhr durch die Mutter, sobald die Nabelschnur abgeklemmt wird. Neonatale Hypoglykämie kann durch engmaschige pränatale Kontrolle des mütterlichen Diabetes und frühe, häufige Fütterung verringert werden. Die Blutzuckerwerte sollten am Krankenbett für 24 Stunden nach der Geburt engmaschig kontrolliert werden. Die orale Behandlung mit 40% Glukosegel kann zuerst versucht werden, aber wenn es eine anhaltende Hypoglykämie gibt, wird parenterale i. v. Glukose gegeben.

Hypokalzämie und Hypomagnesiämie können auftreten, sind aber in der Regel vorübergehend und asymptomatisch. Eine gute pränatale Blutzuckerkontrolle verringert das Risiko für neonatale Hypokalzämie. Hypokalzämie benötigt in der Regel keine Behandlung, sofern keine klinischen Manifestationen einer Hypokalzämie oder Spiegel von < 7 mg/dl bei Reifgeborenen vorliegen. Die Behandlung wird üblicherweise mit einer intravenösen Supplementierung von Kalziumglukonat gegeben. Hypomagnesiämie kann die Sekretion des Nebenschilddrüsenhormons stören, sodass eine Hypokalzämie eventuell nicht auf die Behandlung anspricht, bis der Magnesiumspiegel korrigiert wurde.

]Polycythaemia] ist bei Säuglingen diabetischer Mütter etwas häufiger. Erhöhte Insulinspiegel erhöhen den fetalen Stoffwechsel und damit den Sauerstoffverbrauch. Wenn die Plazenta die erhöhte Sauerstoffnachfrage nicht decken kann, tritt fetale Hypoxämie auf, die eine Zunahme an Erythropoietin und damit Hämatokrit auslöst.

Hyperbilirubinämie tritt aus mehreren Gründen auf. Kinder diabetischer Mütter haben in den ersten Lebenstage eine erniedrigte Toleranz für orale Nahrung (vor allem, wenn sie Frühgeborene sind), wodurch der enterohepatische Kreislauf des Bilirubins verstärkt wird. Falls Polyzythämie vorliegt, ist die Bilirubin-Belastung auch erhöht.

Respiratory Distress Syndrome (RDS) kann auftreten, weil erhöhte Insulinspiegel die Tensid-Produktion senken; die Lungenreifung kann somit bis spät in der Schwangerschaft verzögert sein. RDS kann sich entwickeln, auch wenn der Säugling spät frühgeboren ist oder in der Regelzeit geboren wird. Der Lecithin-/Sphingomyelin-Quotient und v. a. der Nachweis von Phosphatidylglycerol im durch Amniozentese gewonnenen Fruchtwasser können helfen, die Lungenreife zu beurteilen und den optimalen Zeitpunkt für eine sichere Entbindung festzulegen. Nur beim Nachweis von Phosphatidylglycerol darf von einer reifen Lunge ausgegangen werden. Eine gute pränatale Blutzuckerkontrolle kann das Risiko für RDS verringern. Die Behandlung des Atemnotsyndroms wird an anderer Stelle diskutiert. Die transiente Tachypnoe des Neugeborenen ist bei Kindern diabetischer Mütter aufgrund der Verzögerung der fetalen Lungenflüssigkeitsklärung 2- bis 3-mal wahrscheinlicher.

Kongenitale Anomalien sind bei Kindern diabetischer Mütter wahrscheinlicher, weil die mütterliche Hyperglykämie für die Organogenese schädlich ist. Spezifische Anomalien umfassen

  • Kongenitale Herzfehler (hypertrophe Kardiomyopathie, Ventrikelseptumdefekt, Transposition der großen Arterien und Aortenstenose)

  • Kaudales Regressionssyndrom

  • Syndrom des kleinen linken Kolons

Kontinuierlich erhöhte Insulinspiegel können auch zur erhöhten Ablagerung von Glykogen und Fett in Herzmuskelzellen führen. Diese Ablagerung kann zu transienter hypertropher Kardiomyopathie führen, insbesondere des Septum.

Wichtige Punkte

  • Mütterlicher Diabetes mellitus ist die Hauptursache für LGA-Säuglinge.

  • Übermäßige Körpergröße selbst erhöht das Risiko für Geburtsverletzungen (z. B. Frakturen des Schlüsselbeins oder der langen Knochen der Extremitäten) und perinatale Asphyxie.

  • Kinder diabetischer Mütter können unmittelbar nach der Entbindung auch metabolische Komplikationen haben, einschließlich Hypoglykämie, Hypokalzämie und Polyzythämie.

  • Kinder diabetischer Mütter haben zudem ein Risiko für das Respiratory Distress Syndrome und kongenitale Anomalien.

  • Eine gute Kontrolle der mütterlichen Blutzuckerspiegel minimiert das Komplikationsrisiko.

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