Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Diagnostischer Zugang beim neurologischen Patienten

Von

Michael C. Levin

, MD, College of Medicine, University of Saskatchewan

Inhalt zuletzt geändert Sep 2016
Zur Patientenaufklärung hier klicken.

Bei Patienten mit neurologischen Symptomen wird nach der neurologischen Methode vorgegangen, bei der in folgenden Schritten vorgegangen wird:

  • Identifikation der anatomischen Lage der Läsion oder der die Symptome verursachenden Läsionen

  • Ermittlung der beteiligten Pathophysiologie

  • Erstellung einer Differenzialdiagnose

  • Auswahl geeigneter spezifischer Tests

Die Identifikation von Anatomie und Pathophysiologie der Läsion durch sorgfältige Anamneseerhebung und genaue neurologische Untersuchung engt die Differenzialdiagnose und somit die Anzahl der erforderlichen Tests deutlich ein. Dieser Ansatz sollte nicht durch das unüberlegte Anordnen von CT, MRT und Labortests ersetzt werden, denn dies führt zu Fehlern und unnötigen Kosten.

Zur Bestimmung der anatomischen Lage stellt der Untersucher Fragen wie

  • Ist die Läsion an einer oder mehreren Stellen lokalisiert?

  • Ist die Läsion beschränkt auf das Nervensystem oder Teil einer systemischen Erkrankung?

  • Welcher Teil des Nervensystems ist betroffen?

Spezifische Teile des Nervensystems sind in Betracht zu ziehen: Kortex, subkortikale weiße Substanz, Basalganglien, Thalamus, Kleinhirn, Hirnstamm, Rückenmark, Plexus brachialis oder Plexus lumbosacralis, peripherere Nerven, neuromuskuläre Endplatte und Muskulatur.

Nachdem die Läsion lokalisiert wurde, werden folgende Kategorien von pathophysiologischen Ursachen betrachtet:

  • Gefäßbedingt

  • Infektiös

  • Neoplastisch

  • Degenerativ

  • Traumatisch

  • Toxisch-metabolisch

  • Immunvermittelt

Richtig angewandt, bietet die neurologische Methode ein geordnetes Vorgehen auch im komplexesten Fall, und der Arzt wird weit weniger durch neurologische Mimikry getäuscht–z. B. wenn die Symptome eines akuten Schlaganfalls eigentlich auf einen Hirntumor zurückzuführen sind oder wenn eine rapide aufsteigende Lähmung, die auf ein Guillain-Barré-Syndrom hindeutet, eigentlich durch eine Rückenmarkkompression bedingt ist.

Anamnese

Die Anamnese ist der wichtigste Teil der neurologischen Beurteilung. Der Patient sollte beruhigt werden, und er sollte seine Geschichte mit eigenen Worten erzählen können. Meist wird ein Kliniker schnell entscheiden können, ob so eine brauchbare Anamnese zustandekommt oder ob anstelle des Patienten ein Familienmitglied befragt werden sollte.

Die Anamnese der aktuellen Erkrankung sollte folgendes umfassen:

  • Spezifische Fragen klären die Art, Intensität, Verteilung, Dauer und Frequenz jedes Symptoms.

  • Es sollte ermittelt werden, was die Symptome verstärkt und was sie mildert und ob frühere Behandlungen erfolgreich waren.

  • Den Patienten beschreiben zu lassen, in welcher Reihenfolge die Symptome auftreten, kann bei der Feststellung der Ursache helfen.

  • Spezifische Behinderungen sollten quantitativ beschrieben (z. B. läuft höchstens 8 m, muss dann für eine Pause stehenbleiben) und ihre Bedeutung für den Alltag des Patienten erfasst werden.

Die gesamte medizinische Eigenanamnese mit einem Überblick über alle Körpersysteme ist aufgrund der Häufigkeit neurologischer Komplikationen bei anderen Krankheiten, besonders Alkoholismus, Diabetes mellitus, Malignomen, Gefäßkrankheiten und HIV-Infektionen, unabdingbar.

Da Migräne, viele Stoffwechselkrankheiten, Muskel-, Nerven- und neurodegenerative Syndrome erblich sind, ist die Familienanamnese besonders wichtig.

Sozial-, Arbeits- und Reiseanamnese liefern Informationen über ungewöhnliche Infektionen und Exposition gegenüber Toxinen und Parasiten.

Manchmal sind neurologische Symptome funktionell bzw. psychogen und spiegeln eine eher psychische Störung wider. Typischerweise stimmen diese Symptome und Befunde nicht mit den anatomischen und physiologischen Regeln überein, und der Patient ist oft depressiv oder ungewöhnlich ängstlich. Allerdings können funktionelle und organische Störungen nebeneinander bestehen, und es kann schwierig sein, diese zu unterscheiden.

Körperliche Untersuchung und Tests

Eine körperliche Untersuchung, um alle Körpersysteme zu bewerten wird durchgeführt, aber der Fokus liegt auf dem Nervensystem (neurologische Untersuchung). Die neurologische Untersuchung, die im Detail anderswo in The Manual, diskutiert wird, umfasst Folgendes:

In vielen Situationen erfolgt auch eine zerebrovaskuläre Prüfung.

Diagnostische Tests können notwendig sein, um eine Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder andere Möglichkeiten auszuschließen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN