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Parasomnien

Von

Karl Doghramji

, MD, Jefferson Sleep Disorders Center, Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Okt 2014
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Parasomnien sind unerwünschte Verhaltensweisen, die beim Einschlafen, im Schlaf oder beim Aufwachen auftreten. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung kann Medikamentengabe und Psychotherapie umfassen.

Bei vielen dieser Störungen können Anamnese und körperliche Untersuchung die Diagnose bestätigen.

Somnambulismus

Hinsetzen, Gehen oder andere komplexe Verhaltensweisen treten im Schlaf auf, üblicherweise mit offenen Augen, jedoch ohne Hinweise auf bewusste Wahrnehmung. Somnambulismus ist am häufigsten in der späten Kindheit und Adoleszenz und tritt nach und während der Non-REM-Augenbewegungen (NREM) im Schlafstadium N3 auf. Vorausgehender Schlafmangel und schlechte Schlafhygiene erhöhen die Wahrscheinlichkeit dieser Episoden, und das Risiko ist höher bei Verwandten 1. Grades von Patienten mit dieser Störung. Die Episoden können durch Faktoren getriggert werden, die im Schlaf Arousals hervorrufen oder verstärken (z. B. Koffein, andere Stimulanzien und Substanzen, den Schlaf unterbrechende Verhaltensweisen) oder die den N3-Schlaf verstärken (z. B. vorausgehender Schlafentzug, übermäßige körperliche Aktivität).

Die Patienten können wiederholt vor sich hin murmeln, und manche verletzen sich an Hindernissen oder auf Treppen. Die Patienten erinnern sich nach dem Aufwachen oder am folgenden Morgen nicht, geträumt zu haben und haben in der Regel keine Erinnerung an die Episode.

Die Behandlung zielt auf die Beseitigung der Auslöser für solche Episoden ab. Sie schließt außerdem den Schutz der Patienten vor Verletzungen ein–z. B. mithilfe von elektronischen Alarmsystemen, um Patienten zu wecken, wenn sie das Bett verlassen, niedrigen Betten und dem Entfernen von spitzen Gegenständen und Hindernissen aus dem Schlafzimmer. Gelegentlich wird den Patienten empfohlen, auf Matratzen auf dem Boden schlafen.

Benzodiazepine, insbesondere Clonazepam 0,5–2 mg p.o. vor dem Schlafengehen, helfen in der Regel, wenn die verhaltensorientierten Maßnahmen nicht vollständig wirksam sind.

Pavor nocturnus

In der Nacht schreien die Patienten plötzlich, sie rudern mit den Armen und scheinen erschrocken und stark aktiviert zu sein. Die Episoden können zu Schlafwandeln führen. Die Patienten sind schwer zu wecken. Pavor nocturnus ist bei Kindern häufiger und kommt nach Erwecken aus dem Schlafstadium N3 vor; es handelt sich dennoch nicht um Albträume. Bei Erwachsenen kann Pavor nocturnus mit psychischen Problemen oder Alkoholismus assoziiert sein.

Bei Kinder ist die Beruhigung durch die Eltern oft die Hauptstütze der Behandlung. Wenn alltägliche Aktivitäten betroffen sind (z. B. wenn sich die schulischen Leistungen verschlechtern), können mittel- oder langwirksame orale Benzodiazepine (z. B. Clonazepam 1–2 mg, Diazepam 2–5 mg) vor dem Schlafengehen hilfreich sein. Erwachsene können von Psychotherapie oder medikamentöser Behandlung profitieren.

Albträume

Kinder haben eher Albträume als Erwachsene. Albträume treten während des REM-Schlafs auf, normalerweise bei Fieber, exzessiver Müdigkeit oder mentalem Stress oder nach vorherigem Alkoholkonsum.

Die Behandlung richtet sich nach jeglicher zugrunde liegender mentalen Störung.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Während des REM-Schlafs treten (manchmal profane) sprachliche Äußerungen und häufig heftige Bewegungen (z. B. Wedeln mit den Armen, Boxen, Treten) auf. Diese Verhaltensweisen können das Ausagieren von Träumen bei Patienten bedeuten, die aus unbekannten Gründen nicht die normale Atonie während des REM-Schlafs haben. Die Patienten sind sich lebhafter Träume bewusst, wenn sie nach ihren Verhaltensweisen wach werden.

Diese Störung ist häufiger bei Älteren, insbesondere mit degenerativen ZNS-Krankheiten (z. B. M. Parkinson oder Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, olivopontozerebelläre Degeneration, Multisystematrophie, progressive supranukleäre Blickparese). Ein ähnliches Verhalten kann auch bei Patienten auftreten, die unter Narkolepsie leiden und die Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (z. B. Atomoxetin, Reboxetin, Venlafaxin) einnehmen. Die Ursache ist für gewöhnlich unbekannt. Bei einigen Patienten entwickelt sich Jahre nach der Diagnose einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein M. Parkinson.

Die Diagnose kann auf der Grundlage der Symptome, die die Patienten oder ihre Bettpartner berichten, angenommen werden. Die Polysomnographie reicht meist aus, um die Diagnose zu bestätigen. Sie kann exzessive motorische Aktivität während des REM-Schlafs feststellen; ein audiovisuelles Monitoring kann abnormale Körperbewegungen und Vokalisationen dokumentieren. Eine neurologische Untersuchung wird zum Ausschluss von neurodegenerativen Erkrankungen durchgeführt. Wenn eine Anomalie erkannt wird, kann sich eine CT oder MRT anschließen.

Die Behandlung erfolgt mit Clonazepam 0,5–2 mg p.o. vor dem Zubettgehen. Die meisten Patienten müssen das Medikament unbegrenzt einnehmen, um Rückfälle zu verhindern; das Toleranz- oder Missbrauchspotenzial ist gering. Bettpartner sollten gewarnt werden, dass sie möglicherweise verletzt werden könnten, und ziehen es evtl. vor, in einem anderen Bett zu schlafen, bis die Symptome behoben sind. Spitze Gegenstände sollten vom Nachttisch entfernt werden.

Schlafbezogene Beinkrämpfe

Waden- oder Fußmuskeln verkrampfen sich oft bei ansonsten gesunden Patienten im mittleren und höheren Alter.

Die Diagnose stützt sich auf die Anamnese und das Fehlen körperlicher Symptome oder von Störungen.

Dehnen der betroffenen Muskeln vor dem Einschlafen für einige Minuten wirkt vorbeugend. Dehnen sofort bei Auftreten des Krampfes lindert die Symptome sofort und ist einer medikamentösen Behandlung vorzuziehen. Zahlreiche Medikamente (z. B. Chinin, Kalzium- und Magnesiumpräparate, Diphenhydramin, Benzodiazepine, Mexiletin) sind eingesetzt worden; keines scheint wirksam zu sein, und die unerwünschten Wirkungen können erheblich sein (v. a. bei Chinin und Mexiletin). Es kann helfen, Koffein und andere sympathische Stimulanzien zu meiden.

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