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Varicella-Impfstoff

Von

Margot L. Savoy

, MD, MPH, Lewis Katz School of Medicine at Temple University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Die Impfung gegen Varizellen bietet einen wirksamen Schutz gegen Varizellen (Windpocken). Es ist nicht bekannt, wie lange der Schutz gegen Varizellen anhält. Lebendimpfstoffe gegen Viren wie der Varicella-Impfstoff bieten jedoch meist eine lange Immunität.

Vorbereitungen

Der Varicella-Impfstoff enthält ein abgeschwächtes wilden Stamm von Varizellen und Spuren von Gelatine und Neomycin. Es ist als einzelner Antigen-Impfstoff oder als Kombinationpräparat mit MMR (MMRV) verfügbar.

Indikationen

Der Varizellen-Impfstoff ist eine routinemäßige Kindheitsimpfung (siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 0–6 Jahren).

Der Varizellen-Impfstoff mit einem einzelnen Antigen wird auch empfohlen für

  • Alle Personen im Alter von ≥ 13 Jahren, die keine Hinweise auf Immunität gegen Varizellen haben

Der Hinweis auf Immunität besteht aus den folgenden Aspekten:

  • Dokumentation von 2 Dosen des Varizellen-Impfstoffs, die im Abstand von ≥ 4 Wochen verabreicht wurden

  • Vorgeschichte der Varizellen oder des Herpes zoster, die von einem Arzt bestätigt ist

  • Laborbestätigung schützender Spiegel von Varizellen-Antikörpern

  • Geburt in den USA vor 1980, mit Ausnahme von Angestellten im Gesundheitswesen, schwangeren Frauen und Personen mit immunschwächenden Bedingungen

Der Varicella-Impfstoff wird vor allem für Personen empfohlen, die keinen Nachweis auf Immunität haben und die Varizellen wahrscheinlich ausgesetzt sein werden oder sie übertragen; darunter fallen die folgenden Personen:

  • Angestellte im Gesundheitswesen

  • Haushaltskontakte immungeschwächter Personen

  • Personen, die an Orten arbeiten, an denen Ausgesetztsein oder Transmission wahrscheinlich ist (z. B. Lehrer, Studenten, Erzieher, Bewohner und Angestellte institutioneller Einrichtungen, Insassen und Mitarbeiter von Strafanstalten, Militärpersonal)

  • Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht schwanger sind

  • Jugendliche und Erwachsene, die in Haushalten mit Kindern leben

  • Internationale Reisende

Eine dem Ausgesetztsein folgende Impfung mit einem Varizellen-Impfstoff mit einem einzelnen Antikörper wird für Kinder ohne Hinweise auf Immunität empfohlen und sollte Erwachsenen ohne Hinweise auf Immunität angeboten werden. Der Impfstoff ist bei der Verhinderung oder Linderung der Krankheit wirksam, wenn er innerhalb von 3 Tagen und eventuell bis zu 5 Tagen nach der Exposition verabreicht wird; allerdings sollte der Impfstoff so schnell wie möglich verabreicht werden. Wenn die Exposition gegenüber Varizellen nicht zu einer Infektion führt, sollte die Impfung nach dem Ausgesetztsein Schutz vor folgenden Expositionen liefern, auch wenn der Impfstoff > 5 Tage nach der Exposition gegeben wird.

Varizellen-Zoster-Immunglobulin (siehe Tabelle Immunglobuline und Antitoxine, die in den USA erhältlich sind) wird für die Postexpositionsprophylaxe bei Personen empfohlen, die keine Hinweise auf Immunität haben, einem erhöhten Risiko für schwere Varizellen unterliegen und/oder Kontraindikationen für den Varizellen-Impfstoff haben. Zu diesen Personen gehören

  • Immungeschwächte Personen ohne Nachweis auf Immunität

  • Schwangere Frauen ohne Nachweis auf Immunität

  • Neugeborene, deren Mütter Varizellen innerhalb von 5 Tagen vor bis 2 Tage nach der Entbindung entwickeln

  • Hospitalisierte Frühgeborene, die ab der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden und deren Mütter keinen Nachweis auf Immunität gegen Varizellen haben

  • Hospitalisierte Frühgeborenen, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden oder bei ihrer Geburt ≤ 1000 g wiegen, unabhängig davon, ob ihre Mütter einen Nachweis auf Immunität gegen Varizellen haben

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Zu den Kontraindikationen bei der Varicella-Impfung gehören:

  • Eine schwere allergische Reaktion (z. B. Anaphylaxie) nach einer vorherigen Dosis oder auf eine Impfstoffkomponente

  • Bekannte schwere primäre oder erworbene Immunschwäche (z. B. aufgrund von Leukämie; Lymphomen; soliden Tumoren; Tumoren, die das Knochenmark oder das Lymphsystem betreffen; AIDS; schwerer HIV-Infektion; Behandlung mit Chemotherapie; oder langfristigem Einsatz von Immunsuppressiva)

  • Sofern Personen nicht als immunkompetent bekannt sind, Familienanamnese von Verwandten 1. Grades, die eine kongenitale erbliche Immunschwäche haben

  • Bestätigte oder vermutete Schwangerschaft

Der Varizellen-Impfstoff mit einem einzelnen Antigen kann Kindern im Alter von 1 bis 8 Jahren, die eine HIV-Infektion haben, gegeben werden, falls ihr CD4-Anteil ≥ 15 ist; er kann Personen im Alter von > 8 Jahren gegeben werden, wenn ihre CD4-Zellzahl ≥ 200 mcL ist.

Die Vorsichtsmaßnahmen bei Varicella-Impfung umfassen

  • Mittelschwere oder schwere akute Erkrankung mit oder ohne Fieber (Impfung wird, wenn möglich, verschoben, bis die Krankheit vorüber ist)

  • Kürzliche (innerhalb von 11 Monaten) Behandlung mit Blutprodukten, die Antikörper enthalten (spezifisches Intervall hängt vom Produkt ab)

  • Verwendung spezifischer antiviraler Medikamente: d. h. Acyclovir, Famciclovir oder Valacyclovir (diese Medikamente werden, wenn möglich, 24 Stunden vor der Impfung gestoppt und für 14 Tage nach der Impfung nicht wieder aufgenommen)

Stillen stellt keine Kontraindikation für die Impfung dar. Stillende Frauen, die keinen Nachweis auf Immunität haben, können nach der Entbindung geimpft werden und mit dem Stillen fortfahren.

Dosierung und Verabreichung

Der Dosis bei der Varicella-Impfung beträgt 0,5 ml und wird subkutan in 2 Dosen gegeben: im Alter von 12 bis 15 Monaten und im Alter von 4 bis 6 Jahren. Wenn Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen nur 1 Dosis gegeben worden ist, wird eine Nachholdosis empfohlen. Der empfohlene Mindestabstand zwischen der 1. Dosis und der 2. Nachholdosis beträgt 3 Monate für Kinder im Alter von ≤ 12 Jahren und 4 Wochen für Personen im Alter von ≥ 13 Jahren; die 2. Dosis kann in jedem beliebigen Abstand gegeben werden, der länger ist als das Minimum.

Wenn Erwachsene glauben, dass sie keine Windpocken hatten oder dass sie Windpocken wahrscheinlich ausgesetzt sein werden oder sie übertragen könnten, sollte die Anzahl der schützenden Antikörper gemessen werden, um auf Nachweise auf Immunität zu prüfen und somit die Notwendigkeit einer Impfung zu bestimmen.

Immunglobuline, insbesondere Varicella-Zoster-Immunglobuline, sollten 5 Monate vor bis 2 Monate nach der Impfung nicht gegeben werden, da Immunglobuline die Bildung protektiver Antikörper verhindern können.

In Frage kommenden Kindern mit einer HIV-Infektion werden 2 Dosen des Varizellen-Impfstoffs mit einem einzigen Antigen im Abstand von 3 Monaten gegeben. Weil eine beeinträchtigte zelluläre Immunität das Risiko für Komplikationen nach der Impfung mit einem Lebendimpfstoff erhöht, sollten diese Kinder dazu aufgefordert werden, für eine Evaluation zurückzukommen, wenn sie nach der Impfung einen Varizellen-ähnlichen Hautausschlag entwickeln.

Eine pränatale Evaluation von Frauen auf Hiweise auf Varizellen-Immunität ist indiziert. Vor dem Jahr 1980 geboren zu sein, gilt nicht als Nachweis der Immunität für schwangere Frauen. Nach dem Abschluss oder Abbruch der Schwangerschaft sollten Frauen, die keine Nachweise auf Immunität haben, die 1. Impfdosis vor der Entlassung und die 2. Dosis 4 bis 8 Wochen später erhalten, in der Regel bei einem Besuch nach der Entbindung. Frauen sollten angewiesen werden, eine Schwangerschaft für 1 Monat nach jeder Dosis zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Die meisten Nebenwirkungen sind minimal und beinhalten vorübergehende Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Rötung an der Injektionsstelle. Gelegentlich kommt es bei 1 bis 3% der geimpften Personen innerhalb von 1 Monat nach Impfung zu einem schwachen makulopapulären oder varizellenähnlichen Ausschlag. Geimpfte Personen, die diesen Ausschlag entwickeln, sollten den Kontakt mit immunkompromittierten Personen bis zum Verschwinden gewissenhaft meiden. Die Ausbreitung des Virus von Geimpften auf empfängliche Personen ist selten, kann aber zu schwerwiegenden Problemen führen, einschließlich Pneumonie, Hepatitis, schwerem Ausschlag und Gürtelrose mit Meningitis. Allerdings entwickeln sich solche Probleme selten.

Weil sich ein Reye-Syndrom entwickeln könnte, sollten Patienten <16 Jahre Salicylate für 6 Wochen nach der Impfung meiden.

Weitere Informationen

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