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Akute Otitis Externa

Von

Bradley W. Kesser

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Die Otitis externa ist eine akute Infektion der Gehörgangshaut., die typischerweise durch Bakterien (am häufigsten Pseudomonas) verursacht wird. Symptome sind Schmerzen, Ausfluss und Hörverlust, wenn der Gehörgang zugeschwollen ist. Jede Manipulation an der Ohrmuschel verursacht Schmerzen. Die Diagnose stützt sich auf die Ohreninspektion. Die Behandlung erfolgt mit Débridement und topischen Medikamenten, einschließlich Antibiotika, Kortikosteroiden und Essigsäure oder einer Kombination und Vorsichtsmaßnahmen bei trockenen Ohren.

Eine Otitis externa kann sich auf ein lokales Furunkel beschränken oder als Infektion des gesamten Gehörgangs in Erscheinung treten (akute diffuse Otitis externa). Das letztere wird oft als Schwimmerotitis bezeichnet; die Kombination von Wasser im Gehörgang und die Verwendung von Wattestäbchen ist dabei der wichtigste Risikofaktor. Bei der als maligne Otitis externa (oder besser als nekrotisierende) bezeichneten Form liegt eine schwere Pseudomonas-Osteomyelitis des Schläfenbeins vor, häufig betroffen sind ältere Patienten, Diabetiker und immunkompromittierte Patienten.

Ätiologie

Eine akute diffuse Otitis externa ist meist durch Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa, Proteus vulgaris, Staphylococcus aureus, oder Escherichia coli verursacht. Seltener sind Pilzinfektionen – mit Aspergillus niger oder Candida albicans, als typischen Vertretern – die Auslöser einer Otitis externa (Otomykose). Furunkel sind meist durch S. aureus bedingt (und durch Methicillin-resistente S. aureus in den letzten Jahren).

Prädisponierende Bedingungen schließen

  • Unbeabsichtigte Verletzung des Gehörgangs, die durch Reinigung mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen hervorgerufen wurde

  • Allergien

  • Psoriasis

  • Ekzem

  • Seborrhoische Dermatitis

  • Verringerte Gehörgangazidität (möglicherweise aufgrund der wiederholten Gegenwart von Wasser)

  • Reizstoffe (z. B. Haarspray, Haarfärbemittel)

Versuche, den Gehörgang mit Wattestäbchen zu reinigen, können zu Mikroabrasionen der empfindlichen Haut im Gehörgang (der als Eintrittspforte für Bakterien gilt) führen und Detritus und Cerumen tiefer in den Gang vorschieben. In dem angehäuften Material fängt sich Wasser und weicht die Haut auf, wodurch einer bakteriellen Infektion der Boden bereitet wird.

Symptome und Beschwerden

Die Patienten leiden Schmerzen und Drainage. Wenn der Gehörgang zuschwillt oder voll eitriger Zelltrümmer steckt, kann ein übelriechender Ausfluss mit Hörverlust auftreten. Zug am Ohr oder Druck auf den Tragus geht mit ausgeprägter Berührungsempfindlichkeit einher. Die otoskopische Untersuchung ist so schmerzhaft, dass sie kaum durchgeführt werden kann und zeigt, Es zeigt, dass der Gehörgang rot, geschwollen und mit feuchtem, eitrigem Schmutz und abgeschupptem Epithel übersät ist.

Eine Otomykose ist mehr juckend als schmerzhaft, zudem klagen die Patienten über ein Ohrdruckgefühl. Bei Pilzbefall (z. B. Otomykose durch A. niger) sind meist grauschwarze oder gelbe, von watteartigem Material (Hyphen) umgebene Punkte (Konidiophoren) sichtbar. Bei Infektionen mit C. albicans bilden sich keine erkennbaren Pilzstrukturen, sondern ein dicker, cremeweißer Belag, die von Sporen begleitet werden können, die ein samtiges Aussehen haben.

Furunkel können starke Schmerzen verursachen und manchmal ein blutig-eitriges Sekret absondern. Sie stellen sich als herdförmige, erythematöse Schwellung dar.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

Die Diagnose stützt sich auf die Ohreninspektion. Reichlich vorhandener Ausfluss kann die Abgrenzung zwischen einer Otitis externa und einer akuten eitrigen Otitis media mit Trommelfellperforation erschweren; wenn Ziehen am Ohrläppchen Schmerzen auslöst, deutet das auf eine Otitis externa hin. Eine Pilzinfektion lässt sich anhand des Erscheinungsbilds oder der Kultur diagnostizieren.

Therapie

  • Débridement

  • Topische Essigsäure und Kortikosteroide

  • Gelegentlich topische Antibiotika

Lokale Antibiotika und Kortikosteroide sind bei einer milden und moderat akuten Otitis externa wirksam. Zunächst muss behutsam und gründlich das infizierte Material entfernt werden (Absaugen oder mit trockenen Wattestäbchen unter richtigem Licht). Eine Spülung des Gehörgangs ist kontraindiziert.

Eine leichte Otitis externa kann mit 2%iger Essigsäure (oder weißer Essig) (für den pH-Wert im Gehörgang) und Hydrokortison (3-mal 5 Tr./Tag über 7 Tage, entzündungslindernd) behandelt werden.

Mäßige äußere Otitis erfordert die Zugabe einer antibakteriellen Lösung oder Suspension wie Ciprofloxacin, Ofloxacin oder Neomycin/Polymyxin (die Neomycinkomponente ist hochsensibilisierend und eine Allergie ist häufig). Falls die Entzündung des Gehörgangs relativ schwer ist, sollte ein Gazestreifen eingelegt und 4-mal täglich mit einer Burow-Lösung (5%iges Aluminiumacetat) oder einem topischen Antibiotikum getränkt werden. Der Gazestreifen trägt dazu bei, dass die Tropfen tiefer in den Gehörgang eindringen, wenn dieser stark zugeschwollen ist. Die Einlage bleibt 24–72 h in situ (oder kann von alleine herausfallen), bis sich die Schwellung so weit zurückgebildet hat, dass die Ohrentropfen wieder direkt in den Gehörgang eingeträufelt werden können.

Eine schwere Otitis externa oder eine Infektion, die schon über den Gehörgang hinausgeht, macht eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich, z. B. mit Cephalexin (4-mal täglich 500 mg p.o. über 10 Tage) oder Ciprofloxacin (2-mal täglich 500 mg p.o. über 10 Tage). In den ersten 24–48 h kann ein Analgetikum (NSAR oder sogar orales Opioid) erforderlich sein.

Nach gründlicher Reinigung des Gehörgangs wird bei einer pilzbedingten Otitis externa eine antimykotische Lösung (z. B. Gentianaviolett, Kresylatacetat, Nystatin, Clotrimazol oder auch eine Kombination aus Essigsäure und Isopropylalkohol) angewandt. Allerdings sollten diese Lösungen nicht verwendet werden, wenn das Trommelfell perforiert ist, da sie starke Schmerzen oder eine Schädigung des Innenohrs bewirken können. Wiederholte Reinigungen und Behandlungen können notwendig sein, um die Infektion vollständig auszumerzen.

Vorsichtsmaßnahmen zur Trockenhaltung des Ohrs (z. B. das Tragen einer Duschhaube, Vermeidung von Schwimmen) werden sowohl bei Otitis externa als auch bei pilzbedingter Otitis externa sehr empfohlen.

Offensichtlich reife Furunkel sollten eröffnet werden, um sie zu entlasten. Wenn Patienten im Frühstadium zum Arzt kommen, nutzt die Inzision jedoch wenig. Da Lokalantibiotika unwirksam sind, müssen staphylokokkenwirksame Antibiotika oral verabreicht werden. Zur Schmerzlinderung können Analgetika wie Oxycodon mit Acetaminophen nötig sein. Auch trockene Wärmeanwendungen können Schmerzen lindern und die Heilung beschleunigen.

Tipps und Risiken

  • Die Gabe von ein paar Tropfen einer 1:1-Mischung aus Äthylalkohol und Weinessig (sofern das Trommelfell intakt ist) unmittelbar nach dem Schwimmen kann eine Schwimmerotitis verhindern (und ist zugleich eine exzellente Therapie bei einer Otomykose).

Prävention

Die Gabe von einigen Tropfen einer 1:1-Mischung aus Äthylalkohol und Weinessig (sofern das Trommelfell intakt ist) unmittelbar nach dem Schwimmen kann oft verhindern, dass sich eine Otitis externa entwickelt. Durch den Alkoholanteil wird Wasser entfernt (verdampft) und durch den Weinessig der pH-Wert im Gehörgang verändert. Von der Verwendung von Wattestäbchen oder anderen Utensilien im Gehörgang sollte dringend abgeraten werden.

Wichtige Punkte

  • Eine akute Otitis externa ist in der Regel bakteriell (pseudomonal) bedingt; ein Pilzinfektion als Ursache ist weniger wahrscheinlich und verursacht mehr Juckreiz und weniger Schmerzen.

  • Starke Schmerzen bei Ziehen an der Ohrmuschel lassen eine akute Otitis externa vermuten.

  • Bei genauer und direkter Visualisierung wird infizierter Detritus vorsichtig durch Absaugen oder trockene Wattestäbchen aus dem Gehörgang entfernt.

  • Das Ohr darf nicht gespült werden.

  • Bei leichten Fällen helfen Essigsäure und Hydrokortison als Tropfen.

  • Bei schwereren Fällen ist ein Débridement zusammen mit topischen Antibiotika (unter Verwendung einer Einlage, falls der Gehörgang zugeschwollen ist) erforderlich. Gelegentlich werden auch systemische Antibiotika verabreicht.

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