Orale Kontrazeptiva (OCs) sind Steroidhormone, die die Freisetzung von Gonadotropin-releasing-Hormon (GnRH) durch den Hypothalamus hemmen und somit die Freisetzung der hypophysären Hormone, die den Eisprung stimulieren, inhibieren. Orale Kontrazeptiva wirken sich auch auf die Auskleidung des Uterus aus, was die Wahrscheinlichkeit der Implantation eines Embryos verringert und dazu führt, dass sich der Zervixschleim verdickt und somit für Spermien undurchlässig wird. Wenn sie konsequent und richtig angewendet werden, stellen orale Kontrazeptiva eine wirksame Form der Empfängnisverhütung dar.
Orale Kontrazeptiva können in jedem Alter von der Menarche bis zur Menopause begonnen werden.
Orale Kontrazeptiva können aus einer Kombination aus dem Hormon Östrogen und einem Gestagen oder einem alleinigen Gestagen bestehen.
Östrogen-Gestagen-orale Kontrazeptiva
Bei den meisten östrogen-gestagen-haltigen oralen Kontrazeptiva wird eine Pille mit Östrogen und Gestagen täglich über 21–24 Tage eingenommen. Dann wird für 4–7 Tage täglich eine Placebo-Pille genommen, um eine Abbruchblutung zu ermöglichen. In einigen wenigen Rezepturen enthält die Placebo-Pille Eisen und Folsäure (Folsäure); bei anderen ist diese Pille nicht wirklich inaktiv, enthält aber eine niedrigere Dosis von Ethinylestradiol als die Pillen, die in den anderen Wochen verwendet wurden. Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate sind auch in Formulierungen für den verlängerten Zyklus (mit 84 aktiven Pillen, von denen jeden Tag eine eingenommen wird, gefolgt von 7 Tagen Placebopillen) oder als Formulierungen für die kontinuierliche Einnahme (jeden Tag aktive Pillen, keine Placebopillen) erhältlich.
Die meisten kombinierten Östrogen-Gestagen-oralen Kontrazeptiva enthalten 10 bis 35 mcg Ethinyl-Estradiol. Estradiolvalerat oder Estetrol wird in einigen Formulierungen anstelle von Ethinylestradiol verwendet. Die Östrogen- und Gestagen-Dosen sind bei einigen Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten über den Monat hinweg gleich (Einphasenpille); bei anderen ändern sie sich im Laufe des Monats (Mehrphasenpille).
Alle Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate haben eine ähnliche Wirksamkeit; die Schwangerschaftsrate nach 1 Jahr beträgt 0,3% bei perfekter und ca. 9% bei typischer (d. h. unregelmäßiger) Anwendung (1).
Kontraindikationen für Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Vaginalring)
Östrogen-Gestagen-orale Kontrazeptiva oder andere Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva (Pflaster, Vaginalring) müssen bei einigen Frauen mit Vorsicht angewendet werden (für weitere Informationen, siehe US Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 2024).
Das Risiko unerwünschter Wirkungen von Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva variiert je nach Risikofaktor und den damit verbundenen Komplikationen. Die Verwendung von Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva stellt eine inakzeptables Gesundheitsrisiko bei Patientinnen mit den folgenden Merkmalen dar:
< 21 Tage post partum
Thrombogene Mutation, Thrombophilie (einschließlich Antiphospholipid-Syndrom) oder aktuelle oder frühere venöse Thromboembolien (tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie)
Aktive Krebserkrankung (metastasierend, unter Therapie oder innerhalb von 6 Monaten nach klinischer Remission), mit Ausnahme von Nicht-Melanom-Hautkrebs
Gegenwärtiger Brustkrebs
Längere Immobilität aufgrund einer größeren Operation
Migräne mit Aura
Rauchen bei Frauen ≥ 35 Jahre
Schwere Hypertonie (systolisch ≥160 mmHg oder diastolisch ≥ 100 mmHg) oder solche, die durch eine Gefäßkrankheit kompliziert ist
Peripartale Kardiomyopathie < 6 Monate oder mit mäßig oder stark eingeschränkter Herzfunktion
Ischämische Herzkrankheit oder multiple Risikofaktoren für arteriosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen
Apoplex
Herzklappenerkrankungen mit Komplikationen
Diabetes für > 20 Jahre oder mit Gefäßerkrankung (z. B. Neuropathie, Nephropathie, Retinopathie)
Systematischer Lupus erythematodes mit positiven (oder unbekannten) Antiphospholipid-Antikörpern
Zustand nach Organtransplantation mit Komplikationen
Schwere (dekompensierte) Leberzirrhose, hepatozelluläres Adenom oder Leberkrebs
Akute Virushepatitis
Die Verwendung von Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva stellt ein theoretisches oder nachgewiesenes Risiko dar, das in der Regel die Vorteile bei Patientinnen mit den folgenden Merkmalen überwiegt:
≤ 42 Tage post partum mit Risikofaktoren für venöse Thromboembolien
Oberflächliche Venenthrombose (Thrombose in Verbindung mit einem peripheren Venenkatheter kann ein geringeres Risiko darstellen)
Früherer Brustkrebs und seit 5 Jahren keine Anzeichen einer aktuellen Erkrankung
Rauchen bei Frauen < 35 Jahre alt
Adäquat eingestellte Hypertonie
Peripartale Kardiomyopathie ≥ 6 Monate
Multiple Sklerose mit längerer Immobilität
Entzündliche Darmerkrankungen, wenn Risikofaktoren für venöse Thromboembolien vorhanden sind
Aktuelle oder therapierte Gallenblasenerkrankungen oder Cholestase mit Bezug zur Kontrazeption in der Anamnese
Bariatrische Chirurgie mit einer Malabsorption aufgrund einer Verkürzung der funktionellen Dünndarmlänge (z. B. Roux-en-Y-Magenbypass oder biliopankreatische Diversion)
Aktuelle Behandlung mit Fosamprenavir, Rifampin, Rifabutin, Lamotrigin oder bestimmten Antiepileptika
Orale Kontrazeptiva, die nur Gestagene enthalten
Um wirksam zu sein, müssen Gestagenpräparate täglich zur selben Tageszeit eingenommen werden. Es wird täglich die gleiche Dosis eingenommen, und es sind keine inaktiven Pillen enthalten. Durchbruchsblutungen sind eine häufige unerwünschte Wirkung.
Die kontrazeptive Wirkung der Gestagenpräparate ist hauptsächlich auf eine Verdickung der Zervixschleimhaut und die Verhinderung der Spermienwanderung durch den Zervixkanal und die Gebärmutterhöhle zur Befruchtung der Eizelle zurückzuführen. In einigen Zyklen unterbinden diese oralen Kontrazeptiva auch den Eisprung, wobei dieser Effekt nicht der primäre Wirkmechanismus ist. Die Schwangerschaftsraten bei idealer und typischer Anwendung von Gestagen-Monopräparaten sind denjenigen von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten vergleichbar. Drospirenon unterdrückt die Ovulation mit etwas höheren Raten als andere Gestagene.
Kontraindikationen für reine Gestagen-Kontrazeptiva (Pillen, Implantate, Injektionen)
Gestagenpräparate werden häufig bei Frauen mit dem Wunsch nach oraler Kontrazeption verschrieben, bei denen aber Östrogen kontraindiziert ist.
Frauen mit bestehendem Mammakarzinom sollten keine reinen Gestagenpillen, -implantate oder -injektionen erhalten.
Die Verwendung eines reinen gestagenhaltigen Kontrazeptivums stellt ein theoretisches oder nachgewiesenes Risiko dar, das in der Regel die Vorteile bei Patientinnen mit den folgenden Merkmalen überwiegt:
Früherer Brustkrebs und seit 5 Jahren keine Anzeichen einer aktuellen Erkrankung
Ungeklärte vaginale Blutungen
Aktuelle ischämische Herzerkrankung und Anamnese ischämischer Herzerkrankungen
Schwere (dekompensierte) Leberzirrhose, hepatozelluläres Adenom oder Leberkrebs
Jejunal-Bypass-Operation in der Vorgeschichte (bei reinen Gestagenpillen)
Aktuelle Behandlung mit Rifampin, Rifabutin oder bestimmten Antiepileptika (bei reinen Gestagenpillen)
Ischämische Herzerkrankung, schwere Hypertonie oder mehrere Risikofaktoren für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (für Gestagen-Kontrazeptionsinjektionen)
Gefäßerkrankungen, auch aufgrund von Diabetes oder systematischem Lupus erythematodes (für Gestagen-Injektionen zur Kontrazeption)
(Für weitere Informationen, siehe US Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 2024.)
Allgemeiner Hinweis
1. Shoupe D: The Contraception Handbook: Evidence Based Practice Recommendations and Rationales, ed. 3. New York, Humana Press, 2020. doi:10.1007/978-3-030-46391-5
Unerwünschte Wirkungen von oralen Kontrazeptiva
Obwohl orale Kontrazeptiva einige potenzielle unerwünschte Wirkungen haben, ist das Gesamtrisiko für diese Effekte gering. Blähungen, Brustspannen, Übelkeit und Kopfschmerzen sind die häufigsten Nebenwirkungen.
Bei Patientinnen, die Östrogen-Gestagen-haltige orale Kontrazeptiva einnehmen, kann es bei längerer Einnahmedauer zu Amenorrhö oder Durchbruchsblutungen (Blutungen während der Einnahme der aktiven Pillen) kommen. Beide Wirkungen können durch den Wechsel zu einer Pille mit einer höheren Östrogen-Dosis behandelt werden. Pillen, die nur Gestagene enthalten, verursachen oft unregelmäßige vaginale Blutungen.
Bei einigen Frauen bleibt die Ovulation für einige Monate, nachdem sie die Einnahme von oralen Kontrazeptiva beendet haben, gehemmt, aber es gibt keinen langfristigen Effekt auf die Fertilität. Orale Kontrazeptiva haben keine nachteiligen Auswirkungen auf Schwangerschaften, die während der Anwendung entstehen.
Östrogene steigern die Aldosteronproduktion und verursachen eine Na-Retention, wodurch ein dosisabhängiger, reversibler Anstieg von Blutdruck und Gewicht (bis zu ca. 2 kg) entstehen kann. Die Gewichtszunahme kann von Blähungen und Ödemen begleitet sein.
Die Mehrzahl der in oralen Kontrazeptiva enthaltenen Gestagene sind Abkömmlinge des 19-Nortestosterons mit androgenen Eigenschaften. Norgestimat, Etonogestrel und Desogestrel wirken weniger androgen als Levonorgestrel, Norethindron, Norethindronacetat und Ethynodioldiacetat. Androgene Wirkungen können Haut- und Haarveränderungen sowie einen anabolen Effekt umfassen, der zu Gewichtszunahme führt. Wenn eine Frau > 4,5 kg/Jahr zunimmt, sollte sie ein weniger androgen wirkendes orales Kontrazeptivaum erhalten. Neuere antiandrogene Gestagene der 4. Generation enthalten Dienogest und Drospirenon (ein Abkömmling des Diuretikums Spironolacton).
Die Inzidenz von venösen Thromboembolien (VTE) ist bei Anwenderinnen oraler Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva im Vergleich zu Frauen, die diese Mittel noch nie eingenommen haben, etwa dreimal so hoch, da Östrogen die Produktion von Gerinnungsfaktoren in der Leber anregt und die Thrombozytenadhäsion verstärkt. Trotz dieses Anstiegs ist das absolute Risiko einer VTE für Anwenderinnen von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten gering (3 bis 15 pro 10.000 Frauenjahre), insbesondere im Vergleich zum absoluten Risiko einer VTE bei Patientinnen nach der Entbindung (40 bis 65 pro 10.000 Frauenjahre) (1). Die Gestagene in östrogen-gestagen-haltigen oralen Kontrazeptiva haben nur einen geringen Einfluss auf dieses Risiko. Orale Kontrazeptiva, die Levonorgestrel als Gestagen enthalten, scheinen ein geringfügig geringeres Risiko aufzuweisen als solche, die Drospirenon oder Desogestrel enthalten; dies ist jedoch wahrscheinlich auf Faktoren bei der Auswahl der Studienteilnehmer zurückzuführen und sollte die Verschreibungspraxis nicht beeinflussen. Bei Verdacht auf tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie bei einer Frau mit oraler Kontrazeption sollte die Einnahme der oralen Kontrazeptiva sofort beendet und solange ausgesetzt werden, bis diagnostische Tests die Verdachtsdiagnose bestätigen oder ausschließen. Auch sollten orale Kontrazeptiva mindestens 1 Monat vor jeder größeren Operation, die eine längere Immobilisation erfordert, abgesetzt und erst 1 Monat postoperativ wieder eingenommen werden. Patienten, die postoperativ mobil sein sollen, müssen die Anwendung von Ovulationshemmern nicht unterbrechen. Frauen mit einer Anamnese oder einem hohen Risiko für venöse Thromboembolien sollten keine oralen Kontrazeptiva einnehmen, die Östrogen enthalten. Ein universelles Screening auf Hyperkoagulabilitätsfaktoren wie Faktor-V-Leiden wird nicht empfohlen (2).
Studienergebnisse variieren in Bezug auf die Verwendung von oralen Kontrazeptiva und das Risiko für Brustkrebs (3). Einige Studien haben ein geringfügig erhöhtes Risiko bei aktuellen oder kürzlich behandelten Anwendern festgestellt (4).
Das Zervixkarzinomrisiko ist bei Frauen, die orale Kontrazeptiva über > 5 Jahre eingenommen haben, leicht erhöht; das Risiko reduziert sich auf den Ausgangswert 10 Jahre nach dem Absetzen der Präparate (5). Ob dieses Risiko von der hormonellen Wirkung oder vom Verhalten (d. h. keine Verwendung von Barrieremethoden zur Kontrazeption) abhängt, ist nicht geklärt.
Zu den Wirkungen auf das zentrale Nervensystem von oralen Kontrazeptiva können Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Depressionen und Schlafstörungen gehören. Obwohl oralen Kontrazeptiva ein erhöhtes Schlaganfallrisiko zugeschrieben wurde, scheinen niedrig dosierte Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva bei gesunden, normotensiven Nichtraucherinnen das Risiko für Schlaganfall nicht zu erhöhen. Wenn jedoch fokale neurologische Symptome, Aphasie oder andere Symptome auftreten, die auf einen Schlaganfall hindeuten könnten, sollten orale Kontrazeptiva sofort abgesetzt werden. Raucherinnen über 35 sollten wegen des erhöhten Risikos eines Herzinfarkts und/oder Schlaganfalls keine östrogenhaltige Verhütungsmittel verwenden.
Obwohl Gestagene eine reversible, dosisabhängige Insulinresistenz verursachen können, führt die Anwendung oraler Kontrazeptiva mit einer geringen Gestagendosis nur selten zu einer Hyperglykämie.
Die Serumkonzentrationen des High-Density-Lipoprotein-(HDL-)Cholesterins können während der Anwendung von oralen Kontrazeptiva mit einer hohen Gestagendosis abnehmen, jedoch nehmen sie gewöhnlich bei Einnahme von Präparaten mit niedrigen Gestagen- und Östrogendosierungen zu. Das Östrogen in den Präparaten erhöht die Triglyzeridspiegel und kann eine bereits bestehende Hypertriglyzeridämie verschlimmern. Die meisten Veränderungen der Serumspiegel von anderen Metaboliten haben keine klinische Bedeutung. Die Kapazität des Thyroxin-bindenden Globulins kann unter oraler Kontrazeption zunehmen; allerdings sind die Konzentrationen von freiem Thyroxin und Thyreoidea-stimulierendem Hormon sowie die Schilddrüsenfunktion nicht betroffen.
Die Konzentrationen von Pyridoxin, Folsäure, der Vitamine des B-Komplexes, Ascorbinsäure, Kalzium, Mangan und Zink nehmen unter oraler Kontrazeption ab; die Vitamin-A-Konzentrationen steigen an. Keiner dieser Effekte ist klinisch signifikant, und die Gabe von Vitaminen ergänzend zu einem oralen Kontrazeptivum wird nicht empfohlen.
Orale Kontrazeptiva sollten nicht eingenommen werden, wenn bei früherer Einnahme Cholestase oder Gelbsucht aufgetreten sind. Frauen, die eine Schwangerschaftscholestase (idiopathischer rezidivierender Schwangerschaftsikterus) hatten, können eine Gelbsucht unter oralen Kontrazeptiva entwickeln; die Präparate sollten nur unter Vorsicht eingenommen werden.
Das Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen scheint durch die Einnahme von niedrig dosierten oralen Kontrazeptiva nicht erhöht zu sein.
In seltenen Fällen entwickeln sich gutartige Leberadenome, die spontan rupturieren können. Die Inzidenz nimmt mit der Anwendungsdauer und der Dosis der oralen Kontrazeptiva zu; solche Adenome bilden sich gewöhnlich zurück, wenn die Präparate abgesetzt werden.
Bei einigen Frauen treten Melasmen auf; sie werden durch Sonnenlicht dunkler und verschwinden langsam nach Absetzen der Präparate. Weil die Behandlung schwierig ist, werden orale Kontrazeptiva bei ersten Anzeichen von Melasmen abgesetzt. Sie erhöhen die Inzidenz des Melanoms nicht.
Literatur zu unerwünschten Wirkungen
1. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Electronic address: ASRM@asrm.org; Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Combined hormonal contraception and the risk of venous thromboembolism: a guideline. Fertil Steril. 2017;107(1):43-51. doi:10.1016/j.fertnstert.2016.09.027
2. Creinin MD, Lisman R, Strickler RC. Screening for factor V Leiden mutation before prescribing combination oral contraceptives. Fertil Steril. 1999;72(4):646-651. doi:10.1016/s0015-0282(99)00318-0
3. Fitzpatrick D, Pirie K, Reeves G, et al: Combined and progestagen-only hormonal contraceptives and breast cancer risk: A UK nested case-control study and meta-analysis. PLoS Med 20(3):e1004188, 2023. Published 2023 Mar 21. doi:10.1371/journal.pmed.1004188
4. ACOG Practice Advisory: Hormonal contraception and risk of breast cancer. American College of Obstetricians and Gynecologists. Published 2018, reaffirmed 2022.
5. Iversen L, Sivasubramaniam S, Lee AJ, et al: Lifetime cancer risk and combined oral contraceptives: the Royal College of General Practitioners' Oral Contraception Study. Am J Obstet Gynecol 216(6):580.e1-580.e9, 2017. doi:10.1016/j.ajog.2017.02.002
Vorteile von oralen Kontrazeptiva
Zu den gesundheitlichen Vorteilen oraler Kontrazeptiva (OC) gehört ein verringertes Risiko für (1):
Endometriumkarzinom um 60% nach mindestens 10 Jahren der Anwendung
Ovarialkarzinom um etwa 50% nach 5 Jahren der Anwendung und 80% nach ≥ 10 Jahren der Anwendung
Sie verringern auch das Risiko von funktionelle Ovarialzysten, benigne Ovarialtumoren, abnorme Gebärmutterblutung aufgrund von ovulatorischer Dysfunktion, Dysmenorrhö, prämenstruelle dysphorische Störung, Eisenmangelanämie, und benigne Erkrankungen der Brust. Eine Salpingitis, die die Fertilität beeinträchtigen kann, tritt bei Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva weniger häufig auf.
Literatur zu dem Nutzen
1. Iversen L, Sivasubramaniam S, Lee AJ, et al: Lifetime cancer risk and combined oral contraceptives: the Royal College of General Practitioners' Oral Contraception Study. Am J Obstet Gynecol 216(6):580.e1-580.e9, 2017. doi:10.1016/j.ajog.2017.02.002
Arzneimittelwechselwirkungen mit oralen Kontrazeptiva
Arzneimittelwechselwirkungen mit hormonellen Kontrazeptiva können die Verhütungswirksamkeit verringern oder die therapeutische Wirksamkeit gleichzeitig eingenommener Medikamente beeinflussen.
Verhütungsversagen kann auftreten, wenn Arzneimittelwechselwirkungen zu verminderten Serumspiegeln hormoneller Kontrazeptiva führen. Die gleichzeitige Anwendung von Medikamenten, die Cytochrom-P450-Enzyme (CYP450) induzieren, kann den Metabolismus von Östrogenen und/oder Gestagenen beschleunigen, was zu verringerten Plasmakonzentrationen und einem erhöhten Risiko eines Versagens der Kontrazeption führen kann (1). Patientinnen, die diese Medikamente einnehmen, sollten keine hormonellen Kontrazeptiva verwenden, mit Ausnahme einer Levonorgestrel-Spirale, es sei denn, andere Verhütungsmethoden sind kontraindiziert oder nicht verfügbar. Die Wirksamkeit einer Levonorgestrel-Spirale wird durch diese Art der Wechselwirkung nicht beeinträchtigt, da das Hormon lokal in den Uterus abgegeben wird. CYP450-Induktoren umfassen Medikamente aus den folgenden Wirkstoffklassen: Antibiotika (Rifampicin, Rifabutin); antiretrovirale Medikamente (Efavirenz, Ritonavir-verstärkte Proteasehemmer); und Antikonvulsiva (z. B. Phenytoin, Carbamazepin). Das pflanzliche Präparat Johanniskraut ist ebenfalls ein CYP450-Induktor.
Glukagon-ähnliches Peptid-1 (GLP-1) und glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid (GIP)-Rezeptoragonisten verzögern die Magenentleerung, was die Resorption oraler Medikamente verringern kann. Für Tirzepatid, einen kombinierten GLP-1/GIP-Agonisten, gibt es Hinweise darauf, dass die Plasmakonzentrationen oraler Kontrazeptiva während der Einleitungsphase und der Dosissteigerung des Arzneimittels deutlich sinken (2, 3). Die Gesellschaft für Familienplanung empfiehlt, dass Personen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, bei Beginn der Behandlung mit Tirzepatid und nach einer Dosiserhöhung auf eine nicht-orale Verhütungsmethode umsteigen oder vier Wochen lang zusätzliche Verhütungsmethoden anwenden (4). Klinisch signifikante Reduktionen der Plasmakonzentrationen oraler Kontrazeptiva wurden bei Anwendung von GLP-1-Agonisten nicht beobachtet.
Orale Kontrazeptiva können die renale Clearance von Lamotrigin, einem Antikonvulsivum, erhöhen und können daher seine therapeutische Wirksamkeit verringern (5).
Literatur zu Arzneimittelwechselwirkungen
1. Teal S, Edelman A. Contraception Selection, Effectiveness, and Adverse Effects: A Review. JAMA. 2021;326(24):2507-2518. doi:10.1001/jama.2021.21392
2. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 9. Pharmacologic Approaches to Glycemic Treatment: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S181-S206. doi:10.2337/dc25-S009
3. Skelley JW, Swearengin K, York AL, Glover LH. The impact of tirzepatide and glucagon-like peptide 1 receptor agonists on oral hormonal contraception. J Am Pharm Assoc (2003). 2024;64(1):204-211.e4. doi:10.1016/j.japh.2023.10.037
4. Zwayne N, Lyman E, Ebersole A, Morse J; with the assistance of Elise Boos and Antoinette Nguyen on behalf of the Clinical Affairs Committee, and Monica Skoko Rodríguez. Society of Family Planning Committee Statement: Contraception and body weight. Contraception. 2025;141:110725. doi:10.1016/j.contraception.2024.110725
5. Christensen J, Petrenaite V, Atterman J, et al. Oral contraceptives induce lamotrigine metabolism: evidence from a double-blind, placebo-controlled trial. Epilepsia. 2007;48(3):484-489. doi:10.1111/j.1528-1167.2007.00997.x
Einleitung oraler Kontrazeptiva
Bevor mit der Einnahme eines oralen Kontrazeptivums begonnen wird, sollte eine gründliche medizinische, soziale und Familienanamnese erstellt werden, um mögliche Kontraindikationen zu bewerten. Der Blutdruck sollte gemessen werden. Ein Schwangerschaftstest ist nicht erforderlich und sollte auf der Grundlage von Risikofaktoren für eine Schwangerschaft durchgeführt werden. Orale Kontrazeptiva sollten nicht verordnet werden, es sei denn, der Blutdruck liegt im Normbereich und ein Urin-Schwangerschaftstest (falls indiziert) fällt negativ aus. Eine körperliche Untersuchung ist vor Beginn der Einnahme von oralen Kontrazeptiva nicht erforderlich. Routinemäßige Blutuntersuchungen sind bei Patienten ohne Komorbiditäten nicht erforderlich. Ein routinemäßiges Screening auf Glukose, Lipide, Leberenzyme oder Thrombophilie ist bei einem Patienten ohne medizinische Vorgeschichte nicht erforderlich (1).
Orale Kontrazeptiva sollten für jeweils 13 Monate verordnet werden, um Hindernisse für die kontinuierliche Einnahme zu begrenzen, und Folgeverordnungen sollten leicht zugänglich sein.
Die Einnahme von oralen Kontrazeptiva kann am selben Tag der kontrazeptiven Beratung begonnen werden (sogenannte Quick-Start-Methode), unabhängig vom Wochentag oder der Phase des Menstruationszyklus. Wenn allerdings der Einnahmebeginn > 5 Tage nach dem ersten Tag der Menses liegt, sollte in den ersten 7 Tagen der Einnahme sicherheitshalber eine zusätzliche Empfängnisverhütung (z. B. Kondome) vorgenommen werden.
Ein Anschlussbesuch nach 3 Monaten kann nützlich sein, um etwaige unerwünschte Wirkungen zu besprechen und den Blutdruck nochmals zu bestimmen.
Verspätete oder ausgelassene Einnahme von oralen Kontrazeptiva
Östrogen-Gestagen-Kombinationspillen sollten ebenfalls täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden, wobei jedoch aufgrund der kombinierten Wirkung von Östrogen und Gestagen zur Unterdrückung des Eisprungs ein gewisser Spielraum innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden besteht. Wenn Anwenderinnen von Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva die Einnahme an einem Tag versäumen, wird ihnen geraten, am nächsten Tag 2 Pillen einzunehmen. Wenn die Einnahme an 2 Tagen vergessen wurde, sollte die tägliche Einnahme wieder aufgenommen und für 7 Tage zusätzlich mit einer anderen Methode verhütet werden. Wenn Sie vergessen, die Pille an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einzunehmen, und in den fünf Tagen davor ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten, können Sie eine Notfallverhütung in Betracht ziehen.
Gestagen-only OCs muss jeden Tag eingenommen werden, zur gleichen Zeit jeden Tag. Liegen zwischen zwei Einnahmen eines Gestagen-Monopräparats > 27 Stunden, sollte für 7 Tage zusätzlich eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode angewendet werden, während die tägliche Einnahme fortgesetzt wird, da der Wirkmechanismus auf der Verdickung des Zervixschleims beruht.
Postpartale Anwendung oraler Kontrazeptiva
Der Zeitpunkt für den Beginn von Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva nach der Schwangerschaft variiert:
Nach einem spontanen oder induzierten Schwangerschaftsabbruch im ersten Trimenon: Sofortiger Beginn
Für Entbindungen in der 12. – 28. Schwangerschaftswoche: Begonnen innerhalb von 1 Woche, wenn Frauen keine anderen signifikanten Risikofaktoren für Thromboembolie haben
Nach einer Entbindung nach > 28 Schwangerschaftswochen sollte die Anwendung erst > 21 Tage postpartal begonnen werden, da das Thromboembolierisiko in der postpartalen Phase zusätzlich erhöht ist; bei erhöhtem Risiko für eine venöse Thromboembolie (z. B. nach kürzlich erfolgtem Kaiserschnitt oder bei Komorbiditäten) sollte der Beginn auf 42 Tage postpartal verschoben werden.
Patientinnen, die ausschließlich stillen (nach Bedarf, einschließlich nächtlicher Stillmahlzeiten, und ohne Zufütterung mit anderen Nahrungsmitteln), können sich in den ersten sechs Monaten nach der Geburt auf die Stillamenorrhö verlassen. Patientinnen sollte geraten werden, mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva zu beginnen, wenn sie vor Ablauf von 6 Monaten post partum von der Laktationsamenorrhö wechseln.
Mit der Einnahme eines Gestagenpräparats kann sofort nach der Entbindung begonnen werden.
Initiierungsreferenz
1. Curtis KM, Nguyen AT, Tepper NK, et al. U.S. Selected Practice Recommendations for Contraceptive Use, 2024. Appendix C: Examinations and Tests Needed Before Initiation of Contraceptive Methods MMWR Recomm Rep. 2024;73(3):1-77. Published 2024 Aug 8. doi:10.15585/mmwr.rr7303a1
Wichtige Punkte
Orale Kontrazeptiva werden im Allgemeinen gut vertragen, können aber Kopfschmerzen, Übelkeit, Blähungen oder Brustspannen verursachen.
Orale Kontrazeptiva, die nur Gestagen enthalten, können unregelmäßige Blutungen verursachen und müssen jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden, um wirksam zu sein.
Orale Kontrazeptiva können von der Menarche bis zur Menopause genommen werden, wenn sie keine Kontraindikationen haben.
Östrogen-Gestagen-haltige orale Kontrazeptiva erhöhen das Risiko für venöse Thromboembolien auf etwa das 3-Fache des Ausgangsrisikos, dieses Risiko ist jedoch geringer als das während einer Schwangerschaft.
Die Studienergebnisse über die Verwendung von oralen Kontrazeptiva und das Brustkrebsrisiko variieren, aber einige Studien haben ein geringfügig erhöhtes Risiko bei aktuellen oder kürzlichen Anwenderinnen festgestellt; orale Kontrazeptiva verringern das Risiko von Eierstock- und Gebärmutterkrebs.
Vor der Verordnung oraler Kontrazeptiva ist eine gründliche Anamnese erforderlich; eine körperliche Untersuchung ist nicht erforderlich.



